Sandown Castle (Isle of Wight)
Sandown Castle war ein Artillieriefort, das König Heinrich VIII. 1545 in Sandown auf der englischen Isle of Wight zum Schutz gegen einen vermuteten Angriff der Franzosen bauen ließ. Daher zählt es zu den Device Forts. Die steinerne Burg mit winkligen Bastionen war ein Konglomerat aus italienischer und traditioneller, englischer Militärarchitektur. Das Gelände wurde im Sommer desselben Jahres, als das Fort noch in Bau war, von einer französischen Truppe überfallen. Später litt es unter der Küstenerosion und das Fort wurde 1631 abgerissen.
Geschichte[Bearbeiten]
16. Jahrhundert[Bearbeiten]
Hintergrund[Bearbeiten]
Sandown Castle wurde infolge internationaler Spannungen zwischen England, Frankreich und dem Heiligen Römischen Reich in den letzten Jahren der Regierungszeit Heinrichs VIII. errichtet. Traditionell hatte die Krone die Küstenverteidigung den örtlichen Herren und Kommunen überlassen und nahm nur eine bescheidene Rolle im Bau und der Unterhaltung von Küstenfestungen ein. Solange Frankreich und das Heilige Römische Reich miteinander in Konflikt waren, waren zwar Überfälle auf England von See her üblich, aber eine Invasion Englands erschien unwahrscheinlich.<ref name=Thompson111/><ref name=Hale63/> Bescheidene Befestigungen, wie einfache Blockhäuser oder Türme, existierten im Südwesten Englands und entlang der Küste von Sussex; ein paar beeindruckendere Burgen lagen im Norden Englands, aber im Allgemeinen waren die Festungen nicht sehr groß.<ref name=King176177/>
1533 brach König Heinrich mit Papst Paul III. über die Annullierung seiner langandauernden Ehe mit Katharina von Aragon und eine erneute Heirat.<ref name=Morley7/> Katharina war eine Tante des spanischen Königs Karl V. und dieser verstand die Annullierung der Ehe als persönliche Beleidigung.<ref name=Hale63/><ref name=Harrington5/> Dies führte 1538 zu einer Allianz zwischen Frankreich und dem Heiligen Römischen Reich gegen König Heinrich und der Papst bestärkte die beiden Länder darin, England anzugreifen.<ref name=Morley7/><ref name=Hale6364/> Eine Invasion Englands erschien sicher.<ref name=Hale66/><ref name=Harrington6/> Als Antwort darauf gab König Heinrich eine Order (engl.: Device) heraus, die Befehle zur „Verteidigung des Reiches in Zeiten der Invasion“ und zum Bau von Forts entlang der englischen Küste enthielt.<ref name=Harrington11/><ref name=Walton70/> Die unmittelbare Gefahr ging vorüber, manifestierte sich aber 1544, als Frankreich, unterstützt durch seine Alliierten in Schottland, mit einer Invasion Englands über den Ärmelkanal hinweg drohte.<ref name=Hale80/> König Heinrich gab daher 1544 einen weiteren Befehl heraus, dass die Verteidigungsanlagen des Landes weiter zu verstärken seien, insbesondere entlang der Südküste.<ref name=Harrington2930/>
Bau[Bearbeiten]
Von April bis September 1545 wurde Sandown Castle über der Sandown Bay gebaut, um die Südostküste der Isle of Wight zu schützen.<ref name=Harrington83132/> Es wurde unter Aufsicht des italienischen Bauingenieurs Giovanni Portinari, des Vermessers William Ridgeway und des Vorarbeiters John Portinar errichtet und kostete £ 2400.<ref name=Harrington83132/><ref name=Saunders51/><ref name=Pastscape/><ref name=Bemerkung1/><ref name=MeasuringWorth/><ref name=BiddleHillerScottStreeten12/> Die Burg war um einen zentralen Innenhof angelegt, hatte einen Turm mit quadratischem Grundriss und zwei winklige Bastionen auf der Landseite und eine kreisrunde Bastion auf der Seeseite.<ref name=Harrington32/> Der hintere Teil der steinernen Verteidigungsanlagen war durch einen Burggraben geschützt und die Burg hatte einen hölzernen Pier, an dem Schiffe anlagen konnten.<ref name=Harrington32/><ref name=BHO/>
Die winkligen Bastionen spiegeln die damaligen italienischen Ansichten über die Militärarchitektur wider und könnten auch von Richard Lee, dem königlichen Bauüberwacher, sowie Portinaris eigenen Erfahrungen im übrigen Europa beeinflusst worden sein.<ref name=Harrington151632/><ref name=Hale90/> Obwohl Sandown Castle für eine englische Festung relativ modern war, hatte die Burg keine der noch moderneren pfeilförmigen Bastionen, wie man sie im nahegelegenen Yarmouth Castle findet. Sandown Castle wurde dafür kritisiert: Andrew Saunders beschreibt die Burg als unguten „Hybrid“ zwischen englischen und kontinentaleuropäischen Vorstellungen, John Hale als ängstlichen, verwirrten Flirt mit moderner Konstruktion.<ref name=Harrington32/><ref name=Hale8990/><ref name=Saunders51/>
Bevor die Burg fertiggestellt werden konnte, griffen aber bereits die Franzosen an. Admiral Claude d'Annebault überquerte mit seinen Truppen den Ärmelkanal und kam am 19. Juli mit 200 Schiffen außerhalb des Solent an. Die örtlichen Behörden befürchteten, dass das unfertige Sandown Castle Ziel eines Nachtangriffes werden könnte.<ref name=Potter37/><ref name=Hale86/><ref name=Harrington4546/> 2000 französische Soldaten landeten auf der Isle of Wight und griffen Sandown an, wo die Bauarbeiter noch zu Gange waren.<ref name=Harrington46/> Der Vorstoß kam aber bald zum Erliegen und die Franzosen zogen sich zu ihrer Flotte zurück, womit die Invasionsbedrohung beendet war. Die Burg wurde nach ihrer Abfahrt schließlich fertiggestellt.<ref name=Harrington46/>
17. Jahrhundert[Bearbeiten]
Im 17. Jahrhundert hatte die Küstenerosion die Mauern der Burg unterspült.<ref name=BHO/> 1627 kündigte König Karl I. an, dass er die Festung reparieren lassen würde, ließ die Ruine stattdessen aber 1631 unter der Aufsicht von Sir John Oglander abreißen.<ref name=BHO/> Eine neue Festung, Sandown Fort, wurde stattdessen errichtet. Sie lag weiter landeinwärts und mögliche Überreste der alten Burg sind heute noch bei Ebbe am Strand sichtbar.<ref name=BHO/><ref name=Pastscape/><ref name=Adams200/>
Einzelnachweise und Bemerkungen[Bearbeiten]
<references> <ref name=Thompson111>M. W. Thompson: The Decline of the Castle. Cambridge University Press, Cambridge 1987. ISBN 1-854226-08-8. S. 111.</ref> <ref name=Hale63>John R. Hale: Renaissance War Studies. Hambledon Press, London 1983. ISBN 0-907628-17-6. S. 63.</ref> <ref name=King176177>D. J. Cathcart King: The Castle in England and Wales: An Interpretative History. Routledge Press, London 1991. ISBN 978-0-415003-50-6. S. 176–177.</ref> <ref name=Morley7>B. M. Morley: Henry VIII and the Development of Coastal Defence. Her Majesty’s Stationery Office, London 1976. ISBN 0-116707-77-1. S. 7.</ref> <ref name=Harrington5>Peter Harrington: The Castles of Henry VIII. Osprey Publishing, Oxford 2007. ISBN 978-1-472803-80-1. S. 5.</ref> <ref name=Hale6364>John R. Hale: Renaissance War Studies. Hambledon Press, London 1983. ISBN 0-907628-17-6. S. 63–64.</ref> <ref name=Hale66>John R. Hale: Renaissance War Studies. Hambledon Press, London 1983. ISBN 0-907628-17-6. S. 66.</ref> <ref name=Harrington6>Peter Harrington: The Castles of Henry VIII. Osprey Publishing, Oxford 2007. ISBN 978-1-472803-80-1. S. 6.</ref> <ref name=Harrington11>Peter Harrington: The Castles of Henry VIII. Osprey Publishing, Oxford 2007. ISBN 978-1-472803-80-1. S. 11.</ref> <ref name=Walton70>Steven A. Walton: State Building Through Building for the State: Foreign and Domestic Expertise in Tudor Fortification in Osiris. Heft 25, Nr. 1 (2010). S. 70.</ref> <ref name=Hale80>John R. Hale: Renaissance War Studies. Hambledon Press, London 1983. ISBN 0-907628-17-6. S. 80.</ref> <ref name=Harrington2930>Peter Harrington: The Castles of Henry VIII. Osprey Publishing, Oxford 2007. ISBN 978-1-472803-80-1. S. 29–30.</ref> <ref name=Harrington83132>Peter Harrington: The Castles of Henry VIII. Osprey Publishing, Oxford 2007. ISBN 978-1-472803-80-1. S. 8, 31–32.</ref> <ref name=Saunders51>Andrew Saunders: Fortress Britain: Artillery Fortifications in the British Isles and Ireland. Beaufort, Liphook 1989. ISBN 1-855120-00-3. S. 51.</ref> <ref name=Pastscape>Vorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig Sandown Castle.] Historic England. English Heritage, , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; abgerufen am 25. August 2016 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref> <ref name=Bemerkung1>Der Vergleich von Kosten und Preisen aus der frühen Neuzeit mit heutigen Kosten und Preisen ist schwierig. £ 2400 aus dem Jahre 1545 können heute zwischen £ 1,03 Mio. und £ 474,3 Mio. entsprechen, je nachdem, welchen Maßstab man zugrunde legt. Als Vergleich mag dienen, dass die Gesamtausgaben der Krone für alle Device Forts in ganz England von 1539 bis 1547 £ 376.500 betrugen, wobei z. B. St Mawes Castle allein £ 5018 kostete, und Sandgate Castle £ 5584.</ref> <ref name=MeasuringWorth>Vorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig Five Ways to Compute the Relative Value of a UK Pound Amount, 1270 to Present.] MeasuringWorth, , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; abgerufen am 24. August 2016 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref> <ref name=BiddleHillerScottStreeten12>Martin Biddle, Jonathan Hiller, Ian Scott, Anthony Streeten: Henry VIII’s Coastal Artillery Fort at Camber Castle, Rye, East Sussex: An Archaeological, Structural and Historical Investigation. Oxbow Books, Oxford 2001. ISBN 0-904220-23-0. S. 12.</ref> <ref name=Harrington32>Peter Harrington: The Castles of Henry VIII. Osprey Publishing, Oxford 2007. ISBN 978-1-472803-80-1. S. 32.</ref> <ref name=BHO>Vorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig Parishes: Brading.] British History Online, , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; abgerufen am 25. August 2016 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref> <ref name=Harrington151632>Peter Harrington: The Castles of Henry VIII. Osprey Publishing, Oxford 2007. ISBN 978-1-472803-80-1. S. 15–16, 32.</ref> <ref name=Hale90>John R. Hale: Renaissance War Studies. Hambledon Press, London 1983. ISBN 0-907628-17-6. S. 90.</ref> <ref name=Hale8990>John R. Hale: Renaissance War Studies. Hambledon Press, London 1983. ISBN 0-907628-17-6. S. 89–90.</ref> <ref name=Potter37>Henry Potter: Henry VIII and Francis I: The Final Conflict, 1540–47. Koninklijke Brill, Leiden 2011. ISBN 978-9-004204-31-7. S. 37.</ref> <ref name=Hale86>John R. Hale: Renaissance War Studies. Hambledon Press, London 1983. ISBN 0-907628-17-6. S. 86.</ref> <ref name=Harrington4546>Peter Harrington: The Castles of Henry VIII. Osprey Publishing, Oxford 2007. ISBN 978-1-472803-80-1. S. 45–46.</ref> <ref name=Harrington46>Peter Harrington: The Castles of Henry VIII. Osprey Publishing, Oxford 2007. ISBN 978-1-472803-80-1. S. 46.</ref> <ref name=Adams200>W. H. Davenport Adams: Isle of Wight: Its History, Topography and Antiquities. Neue, überarbeitete Auflage. T. Nelson and Sons, London 1884. S. 200.</ref> </references>
Koordinaten: 50° 39′ 26″ N, 1° 8′ 51″ W
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