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Sardascht

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Sardascht
Sardascht im März 2007
Sardascht im März 2007
Sardascht im März 2007
Sardascht (Iran)
Sardascht (Iran)
Sardascht
Basisdaten
Staat: Iran Iran
Provinz: West-Aserbaidschan
Koordinaten: 36° 9′ N, 45° 29′ OKoordinaten: 36° 9′ N, 45° 29′ O
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Höhe: 1510 m
Einwohner: 46.412 (2016)
Zeitzone: UTC+3:30
Politik
Bürgermeister: Mohammad Reza Saeedzadeh

Sardascht (persisch سردشت, DMG {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value); kurdisch Serdeşt) ist eine Stadt in der iranischen Provinz West-Aserbaidschan, die hauptsächlich von Kurden bewohnt ist. Der Name der Stadt setzt sich zusammen aus persisch سر, DMG {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value), ‚Kopf‘, ‚Haupt‘, ‚Gipfel‘<ref>Vgl. Junker/Alavi: Persisch-deutsches Wörterbuch, Leipzig/Teheran 1970, S. 409.</ref> sowie دشت, DMG {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value), ‚Ebene‘<ref>Vgl. Junker/Alavi: Persisch-deutsches Wörterbuch, Leipzig/Teheran 1970, S. 316.</ref> und bedeutet wörtlich „auf der Ebene [liegend]“, womit die umgebende Hochebene gemeint ist.

Geographie[Bearbeiten]

Die Stadt Sardascht liegt südwestlich des Urmiasees in bis 1510 Meter Höhe und bildet die Hauptstadt des gleichnamigen County Sardascht in der Provinz West-Aserbaidschan. Sie bildet im Westen einen „Null-Grenzpunkt“ mit der etwa 100 km langen gemeinsamen Grenze mit der Autonomen Region Kurdistan des Irak.<ref name="id" /> Im Süden benachbart ist die Provinz Kurdistan, im Norden die Stadt Piranschahr und im Osten die Stadt Mahabad.<ref name="vi" /> Zu den Besonderheiten der Gegend gehört die Geravan-Mineralquelle, die für die Therapie von Hautkrankheiten genutzt wird.<ref name="kurdsop" />

Bevölkerung[Bearbeiten]

Bei der Volkszählung des Statistical Centre of Iran am 24. September 2016 hatte Sardascht 46.412 Einwohner, davon 23.517 Männer und 22.895 Frauen.<ref name="brinkhoff-0" /> Der County Sardascht hatte am selben Tag 118.849 Einwohner (vorher 111.590 bei der Zählung 2011), womit 39 Prozent der Gesamtbevölkerung auf die Hauptstadt fällt.<ref name="brinkhoff-4" /> Die Bevölkerung von Sardascht besteht mehrheitlich aus Kurden.<ref name="id" />

Wirtschaft und Grenzhandel[Bearbeiten]

Die Wirtschaft Sardaschts ist vor allem von seiner Lage an der irakischen Grenze geprägt. In der Stadt befinden sich mehrere offizielle Grenzmärkte, darunter Kileh (Kele), Qasem Rosh und Ashkan, über die ein Teil des Exports heimischer Produkte abgewickelt wird. Regelmäßig offen ist gegenwärtig nur noch der Markt in Kileh, die übrigen sind meist während des Winters geschlossen.<ref name="id" /> Der Grenzübergang Kele wurde 2019 von der iranischen Regierung offiziell anerkannt und ist die kürzeste direkte Handelsverbindung in die Autonome Region Kurdistan bzw. dem Nordirak. In der ersten Jahreshälfte 2023 wurden über diesen Übergang Güter im Wert von mehr als 94 Millionen US-Dollar importiert, 80 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.<ref name="qadi-4" /> Täglich exportieren über 180 Lastwagen Waren aller Art, wie Fliesen, Keramik, Eisengegenstände, Blähton, Kunststoffprodukte und Lebensmittel.<ref name="khabarban" /> Ghorbanali Sa’adat (persisch قربانعلی سعادت), Gouverneur der Provinz West-Aserbaidschan, gab bereits 2017 an, dass mit der offiziellen Grenzöffnung mehr als 2.000 Arbeitsplätze geschaffen würden.<ref name="k24" />

Da die übrigen Grenzmärkte unregelmäßig geöffnet sind, wenden sich die Einheimischen vielfach der Landwirtschaft, der Viehzucht oder dem Maschinenbau sowie der Ziegeleien und Backsteinfabriken zu.<ref name="id" /> Daneben pflegt der Grenzhandel durch sogenannte „Kolbar“ (Lastenträger) das wirtschaftliche Leben der Gegend stark zu beeinträchtigen.<ref name="khrn-5" /> Landesweit bis zu 170.000 iranische Kurden bestreiten ihren Lebensunterhalt als Grenzkuriere.<ref name="wilgenburg" /> Ein erheblicher Teil von ihnen ist in der Umgebung von Sardascht und Piranschahr tätig.<ref name="khrn-8" /> Diese Tätigkeit ist mit erheblichen Risiken verbunden, darunter Beschuss durch Grenztruppen, Abstürze in bergigem Gelände und Erfrieren.<ref name="khrn-7" /> Eine wissenschaftliche Studie zur ökonomischen Stabilität der Stadt bewertete deren Stabilitätsgrad mit 2,8 Punkten und damit unterhalb des theoretischen Mittelwerts.<ref name="jaf" />

Isoliert am Fuß des Zagrosgebirges ist Sardascht die fruchtbarste Obstbauregion Iranisch-Kurdistans und ist für seine schwarzen Trauben bekannt.<ref name="id" /> Daneben werden Granatäpfel, Feigen und Pfirsiche angebaut.<ref name="qadi-0" /> Auch die Imkerei stellt einen bedeutenden Erwerbszweig dar.<ref name="id" /> Erzeuger sehen sich mit fehlender Kühllagerung und Großhandelsinfrastruktur konfrontiert, was viele veranlasst, ihre Ernte direkt ab Hof zu niedrigen Preisen an Zwischenhändler zu verkaufen.<ref name="qadi-0" />

Giftgasangriff[Bearbeiten]

Der Giftgasangriff auf Sardascht am 28. Juni 1987 war der erste großangelegte Chemiewaffenangriff des Irak auf eine iranische Stadt während des Ersten Golfkriegs.<ref name="asadzade" /> Vorausgegangen war ihm bereits am 21. April 1987 ein kleinerer irakischer Giftgasangriff auf Sardascht als Vergeltung für eine iranisch-kurdische Militäroperation, bei dem 60 Menschen verletzt wurden.<ref name="un" /> Am 28. Juni 1987 warf die irakische Luftwaffe in zwei Angriffswellen vier 250-kg-Bomben mit Senfgas über der Stadt ab.<ref name="stone" /><ref name="nti" /> Das haut-, augen- und atemwegsschädigende Gas forderte im Laufe der folgenden Jahre über 100 Todesopfer, wobei die Opferzahlen in den ersten Wochen nach dem Angriff kontinuierlich anstiegen.<ref name="stone" /> Auch danach wurde Sardascht im Januar und März 1988 erneut mit chemischer Artilleriemunition beschossen.<ref name="guthrie" /> Langzeitstudien an mehreren hundert Betroffenen dokumentierten in der Folge anhaltende gesundheitliche Spätfolgen der Senfgas-Exposition.<ref name="ghazanfari" />

Weblinks[Bearbeiten]

Commons: Sardascht – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur[Bearbeiten]

  • Sardasht, a Kurdish oasis of culture and natural wonders. In: Iran Daily. Nr. 7620 vom 5. August 2024. Teheran 2024, S. 3 (irandaily.ir).

Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references responsive> <ref name="asadzade">Peyman Asadzade: Iraq once devastated Iran with chemical weapons as the world stood by. Governments still struggle to respond to chemical warfare. Bulletin of the Atomic Scientists, 11. Juli 2024, abgerufen am 16. August 2026.</ref> <ref name="brinkhoff-0">Thomas Brinkhoff: Sardasht: in Sardasht (West Azerbaijan). citypopulation.de, abgerufen am 16. August 2026.</ref> <ref name="brinkhoff-4">Thomas Brinkhoff: Sardasht: County in Iran. citypopulation.de, abgerufen am 16. August 2026.</ref> <ref name="ghazanfari">Tooba Ghazanfari et al.: Sardasht – Iran cohort study of chemical warfare victims: design and methods. In: Archives of Iranian Medicine. Jg. 12, Nr. 1. Teheran 2009, S. 5–14, PMID 19111023.</ref> <ref name="guthrie">Richard Guthrie, Julian Perry Robinson: Iraq and Chemical & Biological Warfare: A Chronology of Events. Volume I – 1960s to 1990. CBW Events, Juli 2007, abgerufen am 16. August 2026.</ref> <ref name="id">Sardasht, a Kurdish oasis of culture and natural wonders. In: Iran Daily. Nr. 7620 vom 5. August 2024. Teheran 2024, S. 3 (irandaily.ir).</ref> <ref name="jaf">Sajed Bahrami Jaf et al.: سنجش عوامل مؤثر بر پایداری اقتصادی شهرهای مرزی (مطالعه موردی: شهر سردشت) In: جغرافیا و توسعه فضای شهری Band 7, Nr. 2. Maschhad 2021, S. 1–21, doi:10.22067/JGUSD.2021.47469.</ref> <ref name="k24">مرز کیلە سردشت رسمی می‌شود. Kurdistan24, 23. Juli 2017, abgerufen am 16. August 2026.</ref> <ref name="khabarban">رشد هفت درصدی صادرات از مرز کیله سردشت. Khabarban.com, 21. November 2024, abgerufen am 16. August 2026.</ref> <ref name="khrn-5">Report: 79 Kurdish Border Porters, Tradesmen Died, 165 Injured in 2019. Kurdistan Human Rights Network (KHRN), 5. Januar 2020, abgerufen am 16. August 2026.</ref> <ref name="khrn-7">Kolbar dies of frostbite, border guards wound eight others. Kurdistan Human Rights Network (KHRN), 27. März 2024, abgerufen am 16. August 2026.</ref> <ref name="khrn-8">Annual Report 2021. Kurdistan Human Rights Network (KHRN), 18. Januar 2022, abgerufen am 16. August 2026.</ref> <ref name="kurdsop">Shno Rasouli. KURDŞOP, 17. Februar 2024, abgerufen am 16. August 2026.</ref> <ref name="nti">Iran Chemical Chronology: 1987. Nuclear Threat Initiative (NTI), James Martin Center for Nonproliferation Studies, Oktober 2008, abgerufen am 16. August 2026.</ref> <ref name="qadi-0">Ahora Qadi: Systemic Neglect Leaves Eastern Kurdistan's Grape Harvest Rotting on the Vine. Kurdistan24, 4. Oktober 2025, abgerufen am 16. August 2026.</ref> <ref name="qadi-4">Ahora Qadi: Snow Shuts Key Iran – Kurdistan Border Crossing, Stranding Travelers and Halting Trade. Kurdistan24, 24. Dezember 2025, abgerufen am 16. August 2026.</ref> <ref name="stone">Richard Stone, Jonathan Newmark: Seeking answers for Iran's chemical weapons victims – before time runs out. American Association for the Advancement of Science, 4. Januar 2018, abgerufen am 16. August 2026.</ref> <ref name="un">Yearbook of the United Nations 1987. Jg. 41. Nijhoff, Dordrecht 1992, ISBN 0-7923-1613-4, Teil I: United Nations: Political and security questions. Kap. VII: Asia and the Pacific: Iran-Iraq armed conflict., S. 217–237 (un-ilibrary.org).</ref> <ref name="vi">Sardasht. VisitIran, Ministry of Cultural Heritage, abgerufen am 16. August 2026.</ref> <ref name="wilgenburg">Wladimir van Wilgenburg: 170,000 Iranian Kurds make their living as border couriers: UK govt report. Kurdistan24, 24. Februar 2022, abgerufen am 16. August 2026.</ref> </references>