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Satzzeichen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Interpunktionszeichen
Komma, Beistrich ,
Strichpunkt, Semikolon ;
Doppelpunkt, Kolon :
Punkt .
Auslassungspunkte …
Mittelpunkt ·
Aufzählungszeichen •
Fragezeichen ?
Ausrufe‑, Ausruf‑, Rufzeichen !
Apostroph, Hochkomma ’
‐ - Bindestrich; Trennstrich;
Ergänzungsstrich
Gedankenstrich; Bis-Strich –
Anführungszeichen „ “ » « / « »
‚ ‘  › ‹ / ‹ › 
Schrägstrich; Backslash / \
Klammern ( ) [ ]

Satzzeichen sind Sonderzeichen einer Schrift, die der Strukturierung und auch der Sinngebung des Satzbaus dienen. Die Setzung der Satzzeichen wird Zeichensetzung oder Interpunktion genannt.

Nicht dazu gehören Buchstaben und Ziffern sowie informationstragende Sonderzeichen (Währungszeichen, mathematische Symbole usw.) sowie – nach einigen Autoren – Wortzeichen. Hier werden letztere mitbehandelt. Im Falle der Unterscheidung fasst man Satz- und Wortzeichen als Interpunktionszeichen zusammen, siehe dort.

Geschichte[Bearbeiten]

Moabiter[Bearbeiten]

Die älteste bekannte Urkunde, die Interpunktion verwendet, ist die Mescha-Stele aus dem 9. Jahrhundert v. Chr. mit Punkten zwischen den Wörtern und waagerechten Strichen zwischen den Sinnabschnitten.

Griechenland[Bearbeiten]

Die altgriechischen Schriften kennen einen senkrechten Strich und einen, zwei oder drei Punkte übereinander zwischen den Wörtern. Zur Zeit des Euripides und des Aristophanes im 4. vorchristlichen Jahrhundert existierte bereits die polytonische Orthographie mit standardisierten, teils in der Funktion satzzeichenähnliche Zeichen, die speziell in griechischen Theaterstücken als Aussprache-, Betonungs- und Vortragshilfe für die Schauspieler genutzt wurden.

Der griechische Philologe und Leiter der Bibliothek von Alexandria Aristophanes von Byzanz führte im 3. Jahrhundert v. Chr. eine systematische Interpunktion und Akzentschreibung für das Griechische ein, mit der hypostigmḗ (Tiefpunkt) zur Markierung der Satzteile, der stigmḕ mésē (Mittelpunkt) zur Trennung von Haupt- und Nebensätzen und der stigmḕ teleía (Hochpunkt) als Satzpunkt, die ab ca. 200 v. Chr. vermehrt in Manuskripten Verwendung fand.

Ebenfalls den alten Griechen bekannt waren der parágraphos bzw. ein Gamma zur Kennzeichnung von Satzanfängen, die Diple in der Funktion des Gänsefüßchens zur Kennzeichnung von Zitaten, sowie die korōnís zum Abschluss von Absätzen.

Rom[Bearbeiten]

In römischen Inschriften ist die Interpunktion häufiger – Punkte dienen zur Trennung der Wörter, aber am Ende eines Satzes fehlen sie.

Mittelalter[Bearbeiten]

Im 7. Jahrhundert kommen andere Systeme auf, die jedoch ähnlich aufgebaut sind. Die Karolinger­zeit kennt den Punkt als Trennzeichen, dazu tritt aber auch bereits ein Strich (virgula, siehe Virgel). Zur selben Zeit wurde im byzantinischen Griechisch das Semikolon in der Funktion des Fragezeichens eingeführt. Für gesungene Texte wurden seit dem 9. Jahrhundert eigene Zeichen (Neumen) entwickelt.

Renaissance und Reformation[Bearbeiten]

Die heutigen Satzzeichen gehen im Wesentlichen auf den venezianischen Drucker Aldus Manutius den Älteren (1450–1515) zurück. Der Erfinder der Kursivschrift (ihrer Herkunft wegen im Englischen als Italics bezeichnet) druckte in Pietro Bembos 1494 erschienenem Werk De Aetna das erste Semikolon und standardisierte, gefolgt von seinem gleichnamigen Enkel, die Satzzeichen. Die Virgel begann damals so auszusehen wie das heutige Komma. Die Zeichensetzung hatte bis dahin den Zweck, für das Vorlesen aus Büchern Hinweise auf Tonfall und Atempausen zu geben. Sein Enkel Aldus Manutius der Jüngere hielt 1566 fest, „Zweck der Interpunktion sei hauptsächlich, Klarheit in die Syntax zu bringen“<ref>Lynne Truss: Eats, Shoots & Leaves. The Zero Tolerance Approach to Punctuation. London 2003.</ref> und legte ein Satzzeichen-System vor, konsequent angewandt in der Antiqua, dem Schriftsatz für lateinische Texte. Beide hatten ein grundlegendes Verständnis von Satzzeichen als syntaktische Gliederungszeichen und verwendeten auch das Komma erstmals systematisch und einheitlich. Ihre Interpunktion war beispielgebend. Heute hat man im Wesentlichen ihre Vorstellungen übernommen.

Die erste vollständige Bibelübersetzung von Martin Luther 1534 mit Verwendung der Virgel.

Martin Luther legte mit seiner Bibelübersetzung ins Deutsche viele Grundlagen für die Sprache, verwendete aber in seinen Schriften, wie damals in der Frakturschrift üblich, statt eines Kommas die Virgel zu allgemeinen Trennungen in einem Satz, also den Schrägstrich, der in Verwendung als Komma aus dem Fraktursatz erst um 1700 endgültig verschwand. Sie wurde von da an endgültig durch den Beistrich ersetzt, den schon Manutius d. Ä. in der Antiqua benutzte.

Die technische Revolution im Buchdruck, durch die sich Druckerzeugnisse leicht vervielfältigen ließen, die allmähliche Zunahme der Fähigkeit in der Bevölkerung, lesen zu können, und der Trend der komplexer werdenden Gesellschaft, stark vermehrt alles schriftlich festzuhalten, führte allgemein zu einer Standardisierung und Homogenisierung der Schriftzeichen, was auch zu einer Verfestigung der grafischen Form des Satzzeichens Komma bei der Verwendung in Druckwerken führte.<ref>Martin Lowry: Aldus Manutius and Benedetto Bordon. In search of a link. In: Bulletin of the John Rylands University Library of Manchester. Band 66, Nr. 1, 1983.</ref><ref>Bärbel Heising: Punkt, Punkt, Komma, Strich – Zu Geschichte und Funktion der Zeichensetzung – Zeitreise durch die Geschichte der Zeichensetzung. Verband der Parlaments- und Verhandlungsstenografen e. V., 4. November 2013, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 11. Juni 2016; abgerufen am 5. Mai 2026.</ref>

Heute[Bearbeiten]

Die Regeln zur Anwendung von Satzzeichen ändern sich und entwickeln sich weiter entsprechend dem Bedarf. So gibt es eine Reihe neuer Kommaregeln in der deutschen Sprache, die das richtige Schreiben entsprechend dem Standard erleichtern, nach Meinung einiger das Lesen jedoch erschweren.

Allgemein verwendete Satzzeichen[Bearbeiten]

Satzzeichen der amtlichen deutschen Rechtschreibung[Bearbeiten]

Die amtliche deutsche Rechtschreibung nennt die folgenden Satzzeichen:<ref name="amtlich">Amtliches Regelwerk der deutschen Rechtschreibung, auf der Grundlage des Beschlusses des Rats für deutsche Rechtschreibung vom 15. Dezember 2023 von den staatlichen Stellen in Deutschland, Österreich, Schweiz, Südtirol, der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens und Liechtenstein 2024 beschlossen. Hrsg.: Rat für deutsche Rechtschreibung</ref>

  • Der Punkt (.) zeigt den vollständige Abschluss eines selbstständigen Satzes an.
  • Der Abkürzungspunkt ist typographisch mit dem Punkt identisch, zählt aber als separates Satzzeichen. Er zeigt gekürzte Wörter an.
  • Das Ausrufezeichen (!) oder Rufzeichen steht am Ende eines Ausrufesatzes, eines wichtigen, zu betonenden Satzes oder einer Aufforderung bzw. einem Befehl.
  • Das Fragezeichen (?) steht am Ende einer Frage.
  • Das Komma (,), auch Beistrich genannt, früher Virgel, zeigt strukturelle Erweiterungen in Sätzen an. Es steht zwischen Teil- oder Gliedsätzen; dabei kann es sich um Haupt- oder Nebensätze handeln. Außerdem trennt es vorangestellte, eingeschobene oder nachgestellte Wörter oder Wortgruppen vom Kernsatz ab und gliedert die Teile einer Aufzählung, wenn diese nicht durch „und“ oder „oder“ verbunden sind.
  • Das Semikolon (;) oder der Strichpunkt dient zur auflistenden Reihung. Es trennt weniger stark als der Punkt, aber deutlicher als das Komma.
  • Der Doppelpunkt (:) oder das Kolon kennzeichnet Ankündigungen. Er beendet einen Satz und lässt gleichzeitig eine wörtliche Rede, ein Zitat, eine Aufzählung oder einen erklärenden Text beginnen.
  • In Klammern eingefasst wird innerhalb eines Satzes eine Parenthese, die nicht in die grammatikalische Struktur des Satzes eingegliedert ist. Außerhalb eines Satzes wird in Klammern ein Teil eines Textes eingefasst, der inhaltlich vom Rest des Textes abgegrenzt werden soll. Klammern gibt es in verschiedenen Formen: (), [], <>, {}.
  • Der Gedankenstrich (–) kennzeichnet einen Sprecher- oder Themenwechsel oder klammert einen eingeschobenen Gedanken. Typographisch wird er durch den Halbgeviertstrich dargestellt und ist vom kürzeren Bindestrich sowie vom Minuszeichen zu unterscheiden.
  • Auslassungspunkte (…) zeigen das Fehlen von Textinformation, eine Ellipse an.
  • Die Anführungszeichen („ und “ bzw. » und «, handschriftlich und im Schreibmaschinensatz auch das Schreibmaschinenanführungszeichen ") stehen am Anfang und am Ende einer wörtlichen Rede. Sie können auch benutzt werden, um einen Begriff, ein Zitat oder eine Phrase in einschränkender Weise darzustellen.
  • Der Apostroph (’) kennzeichnet Strukturen innerhalb eines Worts, die nicht durch Buchstaben ausgedrückt werden können oder sollen.
  • Der Bindestrich oder Trennstrich (Divis) wird zur Trennung eines Wortes beim Zeilenumbruch oder als Ergänzungsstrich zur Bildung zusammengesetzter Wörter verwendet. Typographisch wird er durch einen Viertelgeviertstrich dargestellt.
  • Der Schrägstrich (/) dient zum Aufzeigen mehrerer gleichrangiger alternativer Möglichkeiten oder zum Anzeigen einer Verbindung von Personen oder Institutionen.

Weitere Satzzeichen[Bearbeiten]

Satzzeichen in anderen Sprachen[Bearbeiten]

  • Im Spanischen werden Sätze, die mit einem Ausrufe- bzw. Fragezeichen abgeschlossen werden, mit einem umgekehrten Ausrufezeichen (¡, {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value)) bzw. einem umgekehrten Fragezeichen (¿, {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value)) eingeleitet.
  • Im oberengadinischen Idiom der rätoromanischen Sprache dient der Bindestrich dazu, den Laut „s-ch“ vom „sch“ zu unterscheiden.
  • Im Katalanischen werden zwei in einem Wort aufeinander folgende „l“-Laute durch einen Mittelpunkt getrennt (Beispiel: col·lecció), um sie vom „ll“ geschriebenen Laut zu unterscheiden
  • Im Griechischen dient der Hochpunkt (·) als Semikolon; das griechische Fragezeichen (;) ähnelt dem deutschen Semikolon.
  • In der chinesischen Schrift wird das Aufzählungskomma (、) verwendet.

Häufigkeit[Bearbeiten]

Die Auszählung der Schriftzeichen in Karl May, Winnetou I,<ref>Karl-Heinz Best: Zur Häufigkeit von Buchstaben, Leerzeichen und anderen Schriftzeichen in deutschen Texten. In: Glottometrics 11, 2005, Seiten 9–31, siehe Tabelle 9, Seite 18 (PDF; Volltext). Der Beitrag enthält außerdem die Häufigkeiten von Satzzeichen in Gottfried August Bürger: Lenore, Georg Büchner: Lenz, Guntram Vesper: Fugen und Ralf Hoppe: Das gierige Gehirn.</ref> ergab folgende Häufigkeiten:

Satzzeichen Anteil (Satzzeichen) Anteil (alle Schriftzeichen) absolute Häufigkeit
Komma 38,07 % 1,49 % 14482
Punkt 22,54 % 0,88 % 08577
Anführungszeichen 22,17 % 0,87 % 08434
Ausrufezeichen 05,18 % 0,20 % 01969
Fragezeichen 04,77 % 0,19 % 01815
Semikolon/Strichpunkt 03,88 % 0,15 % 01478
Doppelpunkt 01,44 % 0,06 % 00548
Binde-, Trenn-, Auslassungsstrich 01,16 % 0,05 % 00441
Anführungsstriche (für Begriffe, Wörter) 00,49 % 0,02 % 00188
Apostroph 00,14 % 0,01 % 00054
Klammer (rechts und links) 00,08 % 0,00 % 00030
Sternchen 00,07 % 0,00 % 00028

In dieser Tabelle wird nicht zwischen Satz- und Wortzeichen unterschieden. Das gesamte Buch enthält 974.506 Schriftzeichen (Buchstaben, Leer- und Satzzeichen), darunter 159.093 Leerzeichen (= 16,33 %) und 38.044 Satzzeichen (= 3,90 %). Obwohl es sich mit dem ausgewerteten Buch um einen umfangreichen Text handelt, darf das Ergebnis nicht verallgemeinert werden. Andere Texte/Textsorten ergeben andere Relationen. Daten zu den Häufigkeiten einiger Satzzeichen in der Fachsprache der Radioelektronik im Deutschen, Englischen, Französischen und Russischen nennt Lothar Hoffmann (1985).<ref>Lothar Hoffmann: Kommunikationsmittel Fachsprache. Eine Einführung. Zweite völlig neu bearbeitete Auflage. Gunter Narr Verlag, Tübingen 1985, ISBN 3-87808-875-2, Seite 90f.</ref>

Anekdote zur Relevanz von Satzzeichen[Bearbeiten]

Verschiedene Anekdoten sollen die Bedeutung von Satzzeichen illustrieren. Im Englischen sind Witze (bar jokes) rund um den Satz „The panda eats shoots and leaves“ bekannt, die darauf beruhen, dass der Satz ohne Kommata die Bedeutung „Der Panda isst Sprossen und Blätter“, mit Kommata aber „Der Panda isst, schießt und geht“ hat (weil shoots und leaves jeweils auch als Verbformen verstanden werden können). Der Titel des bekannten sprachpuristischen Buchs Eats, Shoots & Leaves von Lynne Trust spielt auf diese Anekdote an.

Im Deutschen sind unter dem Schlagwort „Satzzeichen retten Leben“ Variationen von „Wir essen jetzt Opa“ verbreitet, die auf die Bedeutung von Satzzeichen für das Verständnis geschriebener Sprache hinweisen sollen.<ref>Damaris Nübling, Antje Dammel, Janet Duke, Renata Szczepaniak: Historische Sprachwissenschaft des Deutschen. Eine Einführung in die Prinzipien des Sprachwandels. Narr, Tübingen 2017. ISBN 9783823390732, S. 259.</ref>

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Stavros Arabatzis: Das Politische der Satzzeichen. In: Peter Engelmann, Michael Franz, Daniel Weidner (Hrsg.), Weimarer Beiträge, 71. Jahrgang, Heft 1/2025. Passagen Verlag, Wien 2025, ISBN 978-3-7092-0654-6, S. 112–131.
  • Burckhard Garbe (Hrsg.): Texte zur Geschichte der deutschen Interpunktion und ihrer Reform 1462–1983 (= Germanistische Linguistik. Band 4-6/83). Olms, Hildesheim/Zürich/New York 1984, ISBN 3-487-07475-3.
  • Joachim Grzega: „Von Klammeraffen und Gänsefüßchen: Kultur und Kognition im Spiegel der Satz- und Sonderzeichen“ (PDF; 272 kB), Onomasiology Online 8 (2007): 1–16.
  • Das Buch behandelt schwerpunktmäßig das Ausrufezeichen, enthält aber auch viele Hinweise auf die anderen Satzzeichen.
  • Katja Hübener: Punkt, Komma & Co. Die gängigen Satzzeichen im Detail. Niggli, Sulgen und Zürich 2004, ISBN 3-7212-0505-7.
  • Karsten Rinas: Theorie der Punkte und Striche. Die Geschichte der deutschen Interpunktionslehre. Winter, Heidelberg 2017, ISBN 978-3-8253-6800-5.

Weblinks[Bearbeiten]

Wiktionary: Satzzeichen – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Wiktionary: Zeichensetzung – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
  • Karsten Rinas im Gespräch mit Florian Felix Weyh: Zeichensetzung. (Podcast) Linguist über Kommaregeln, Rufzeichen und Gendersternchen. In: Deutschlandfunk: Essay und Diskurs. Abgerufen am 27. August 2019.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references />

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