Zum Inhalt springen

Scheidestube

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Die Scheidestube war ein Raum, in dem im frühen Bergbau die Erze für die weitere Verarbeitung aufbereitet wurden.<ref name="Quelle 1" /> Sie befand sich in der Regel in einem separaten Gebäude, dem Scheidehaus, auch Scheidekaue genannt,<ref name= "Quelle 2" /> in der Nähe des Ausschlagplatzes.<ref name= "Quelle 3" /> In der Scheidestube arbeiteten die Scheidejungen.<ref name= "Quelle 8" />

Aufbau, Abmessungen und Anforderungen[Bearbeiten]

Das Scheidehaus wurde so angelegt, dass das Gebäude mit seiner Längsseite möglichst in südlicher, ggf. in westlicher, Richtung ausgerichtet war.<ref name="Quelle 4" /> Wenn es die örtlichen Gegebenheiten zuließen, lag der Boden der Scheidestube tiefer als der Ausschlagplatz, so dass die Erze ins Scheidehaus gerollt werden konnten.<ref name= "Quelle 3" /> Je nach Bergwerk hatte das Scheidehaus eine Länge von 30 Fuß und eine Breite von 24 Fuß. Das Gebäude war zweigeschossig, der obere Dachboden konnte über eine Innentreppe erreicht werden.<ref name= "Quelle 2" /> Auf der Südseite des Gebäudes wurden mehrere Fenster in die Wand eingebaut, um die in der Scheidestube vorhandenen Arbeitsplätze mit genügend Tageslicht zu versorgen. Weitere Fenster wurden auf Westseite eingebaut.<ref name="Quelle 4" /> Wenn es erforderlich war, wurden auch mehrere Fenster auf der Ostseite eingebaut. Zur besseren Ausnutzung des Tageslichts durften die für die Scheidestube verwendeten Fenster nicht zu klein gewählt werden.<ref name= "Quelle 3" /> Zum Schutz vor herumfliegenden Steinsplittern wurden vor den Fenstern Drahtsiebe befestigt.<ref name="Quelle 4" /> Die Tür befand sich an einer anderen Seite des Raumes.<ref name="Quelle 1" /> Die Scheidestube musste genügend groß sein, um für alle anfallenden Arbeiten genügend Platz zu bieten.<ref name= "Quelle 3" /> Eine bestimmte Mindesthöhe war erforderlich, damit der beim Scheiden der Erze auffliegende Staub nicht zu stark die Luft verunreinigte.<ref name= "Quelle 5" /> Für eine gute Belüftung des Raumes sorgten die geöffnete Tür oder in die Fenster einmontierte Ventilatoren.<ref name= "Quelle 3" /> Damit auch in den Wintermonaten in der Scheidestube gearbeitet werden konnte, musste die Stube beheizbar sein.<ref name="Quelle 4" /> Diese Anforderung wurde im Oberharzer Bergbau erst in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts erfüllt.<ref name= "Quelle 3" />

Innenausstattung[Bearbeiten]

In der Scheidestube befanden sich zunächst einmal die Scheidebänke.<ref name= "Quelle 6" /> Diese waren unter den jeweiligen Fenstern montiert und zwar so, dass maximal zwei Scheideorte von einem Fenster mit Tageslicht versorgt wurden.<ref name="Quelle 4" /> An der Wand, in der sich die Tür befand, wurde keine Scheidebank montiert. In der Mitte der Scheidestube befand sich ein langer Tisch, auf den die Scheidegänge gestürzt werden konnten.<ref name="Quelle 1" /> Um die Scheidestube in den Wintermonaten beheizen zu können, war in ihr ein Ofen eingebaut.<ref name="Quelle 4" /> An den einzelnen Arbeitsplätzen befanden sich die Werkzeuge, Hämmer und Scheidefäustel,<ref name= "Quelle 2" /> die für die jeweiligen Arbeiten benötigt wurden.<ref name= "Quelle 3" /> Zum Sammeln der aufbereiteten Erze befanden sich an den Arbeitsplätzen der Scheidebank mehrere Körbe. Auch für das taube Gestein wurden Körbe oder Fässer bereitgestellt.<ref name="Quelle 1" />

Nutzung der Räumlichkeiten[Bearbeiten]

In der Scheidestube erfolgte das Reinscheiden der Erze.<ref name= "Quelle 7" /> Hierfür wurden die auf den Tisch gestürzten Scheidegänge zunächst mit Wasser übergossen, um sie vom Staub zu befreien.<ref name= "Quelle 3" /> Anschließend wurden sie entsprechend an die einzelnen Scheidejungen verteilt.<ref name="Quelle 1" /> In einigen Scheidestuben arbeiten teilweise bis zu 36 Scheidejungen.<ref name= "Quelle 8" /> Die Scheidegänge wurden nach dem Verteilen zunächst von einem Arbeiter zur Scheidebank getragen.<ref name="Quelle 4" /> Dort wurden die Erzbrocken zerschlagen und das taube Gestein abgetrennt.<ref name="Quelle 4" /> Außerdem wurden bei gemischten Erzen die einzelnen Erzsorten voneinander getrennt und sortiert gesammelt.<ref name= "Quelle 9" /> Um die aufbereiteten Erze für die weitere Verarbeitung zu lagern, hatte jede Scheidestube auf der Rückseite des Gebäudes eine oder mehrere Erzkammern.<ref name="Quelle 4" />

Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references>

<ref name="Quelle 1">Adolph Lefoinne, August Gillon (Hrsg.), Carl Hartmann: Vorträge über allgemeine Hüttenkunde gehalten an der Berg- und Gewerbsschule zu Lüttich. Verlag von Wolfgang Gerhard, Leipzig 1860, S. 23–26.</ref> <ref name= "Quelle 2">Franz Ludwig Canerinus: Anleitung zur Scheide- oder Aufbereitungskunst der Mineralien. Andreäische Buchhandlung, Frankfurt am Main 1782, S. 16–17.</ref> <ref name= "Quelle 3">Moritz Ferdinand Gaetzschmann: Die Aufbereitung. Erster Band, Verlag von Arthur Felix, Leipzig 1864, S. 75–87.</ref> <ref name="Quelle 4">P. Ritter von Rittinger: Lehrbuch der Aufbereitungskunde. Verlag von Ernst & Korn, Berlin 1867, S. 14–15.</ref> <ref name= "Quelle 5">Christian Ernst Stifft: Versuch einer Anleitung zu der Aufbereitung der Erze. bey Johann Christian Krieger, Marburg und Cassel 1818, S. 55–57.</ref> <ref name= "Quelle 6">Erklärendes Wörterbuch der im Bergbau in der Hüttenkunde und in Salinenwerken vorkommenden technischen und in Salinenwerken vorkommenden technischen Kunstausdrücke und Fremdwörter. Verlag der Falkenberg’schen Buchhandlung, Burgsteinfurt 1869.</ref> <ref name= "Quelle 7">Carl Hartmann: Handwörterbuch der Mineralogie, Berg-, Hütten- und Salzwerkskunde, der Mineralogie und Geognosie. Erster Band A bis F, Bernhard Friedrich Voigt, Weimar 1859, S. 71–73.</ref> <ref name= "Quelle 8">Carl Hartmann: Vademecum für den praktischen Berg- und Hüttenmann. Erster Band Bergwerksbetrieb, Verlag von Richard Neumeister, Leipzig 1859, S. 314–318.</ref> <ref name= "Quelle 9">Karl Karmasch, Friedrich Heeren: Technisches Wörterbuch oder Handbuch der Gewerbskunde. In alphabethischer Ordnung, Erster Band A - G, Verlag von Gottlieb Haase Söhne, Prag 1843, S. 245–246.</ref>

</references>