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Schröckingerit

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Schröckingerit
Datei:Schröckingerite, Hexahydrite, Gypsum.jpg
Blassgrüne Aggregate von blättrigen Schröckingerit-Kristallen mit farblosen Aggregaten von Hexahydrit überzogen von farblosem, durchsichtigem Gips von der Halde Rožná, aus dem Schacht Bukov 2, Region Hochland (Kraj Vysočina), Moravia (Mähren), Tschechische Republik (Bildbreite: 5,8 mm)
Allgemeines und Klassifikation
IMA-Symbol

Srö<ref name="Warr" />

Chemische Formel
  • NaCa3(UO2)(SO4)(CO3)3F·10H2O<ref name="IMA-Liste" />
  • NaCa3[(UO2)(CO3)3(SO4)F]·10H2O<ref name="Smith" />
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Carbonate und Nitrate (ehemals Carbonate, Nitrate und Borate)
System-Nummer nach
Strunz (8. Aufl.)
Lapis-Systematik
(nach Strunz und Weiß)
Strunz (9. Aufl.)
Dana

Vb/D.04
VI/D.21-020

5.EG.05
17.01.05.01
Kristallographische Daten
Kristallsystem triklin
Kristallklasse; Symbol triklin-pinakoidal; 1
Raumgruppe P1 (Nr. 2)Vorlage:Raumgruppe/2<ref name="Mindat" />
Gitterparameter a = 9,634(1) Å; b = 9,635(1) Å; c = 14,391(2) Å
α = 91,41(1)°; β = 92,33(1)°; γ = 120,26(1)°<ref name="Mindat" />
Formeleinheiten Z = 2<ref name="Mindat" />
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 2,5<ref name="Mindat" />
Dichte (g/cm3) gemessen: 2,51<ref name="Mindat" />
Spaltbarkeit vollkommen nach {001}<ref name="Mindat" />
Farbe grünlichgelb, hellgrün
Strichfarbe gelblichweiß
Transparenz durchsichtig
Glanz Perlglanz
Radioaktivität sehr stark<ref name="Webmineral" />
Kristalloptik
Brechungsindizes nα 1,495<ref name="Mindat" />
nβ 1,543<ref name="Mindat" />
nγ 1,544<ref name="Mindat" />
Doppelbrechung δ 0,049<ref name="Mindat" />
Optischer Charakter zweiachsig negativ
Achsenwinkel 2V = 16°
Pleochroismus X = farblos, blassgelb; Y = Z = grünlichgelb
Weitere Eigenschaften
Besondere Merkmale Fluoreszenz bei kurzwelligem (254 nm) und langwelligem (366 nm) UV-Licht

Schröckingerit (IMA-Symbol Srö<ref name="Warr" />) ist ein selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Carbonate und Nitrate“ (ehemals „Carbonate, Nitrate und Borate“) mit der chemischen Zusammensetzung NaCa3[(UO2)(CO3)3(SO4)F]·10H2O<ref name="Smith" /> und ist damit chemisch gesehen ein sulfat-, fluorid- und wasserhaltiges Natrium-Calcium-Uranylcarbonat.

Schröckingerit kristallisiert im trigonalen Kristallsystem, entwickelt aber nur selten gute Kristalle und bildet häufig blassgrüne krustige Aggregate von feinen Kristallblättchen.

Etymologie und Geschichte[Bearbeiten]

Schröckingerit wurde im Jahr 1873 von Albrecht Schrauf zum ersten Mal beschrieben. Dieser erhielt von Julius Freiherr von Schröckinger von Neudenberg (1813–1882)<ref name="Schröckinger" /> eine Sammlung verschiedener Mineralien aus Joachimsthal (heute: Jáchymov), auf denen er perlmuttglänzende, 1 mm große Kristallblättchen in Form von kugeligen beziehungsweise flockenähnlichen Aggregaten von hellgrünlichgelber Farbe auf Uraninit vorfand. Er benannte es nach Baron Schröckinger "Schröckingerit".<ref name="Schrauf" />

Das Typmaterial wird im Naturhistorischen Museum in Wien aufbewahrt.

Klassifikation[Bearbeiten]

In der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Schröckingerit noch zur gemeinsamen Mineralklasse der „Nitrate, Carbonate und Borate“ und dort zur Abteilung der „Wasserhaltigen Sulfate mit fremden Anionen“, wo er zusammen mit Andersonit, Bayleyit, Liebigit, Metazellerit, Rabbittit, Rutherfordin, Sharpit, Studtit, Swartzit, Voglit, Wyartit und Zellerit die „Gruppe der Uranyl-Carbonate“ mit der System-Nr. Vb/D.04 bildete.

Im zuletzt 2018 überarbeiteten und aktualisierten Lapis-Mineralienverzeichnis nach Stefan Weiß, das sich aus Rücksicht auf private Sammler und institutionelle Sammlungen noch nach dieser alten Form der Systematik von Karl Hugo Strunz richtet, erhielt das Mineral die System- und Mineral-Nr. VI/D.21-20. In der „Lapis-Systematik“ entspricht dies ebenfalls der Abteilung „Wasserhaltige Sulfate, mit fremden Anionen“, wo Schröckingerit zusammen mit Beshtauit, Deliensit, Greenlizardit, Rietveldit, Leydetit, Johannit und Pseudojohannit eine eigenständige, aber unbenannte Gruppe bildet.<ref name="Lapis" />

Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte<ref name="IMA-Liste-2009" /> 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Schröckingerit in die neu definierte Klasse der „Carbonate und Nitrate“ und dort in die Abteilung der „Uranylcarbonate“ ein. Diese ist weiter unterteilt nach dem Stoffmengenverhältnis vom Uranylkomplex UO2 zum Carbonatkomplex CO3 beziehungsweise anderer, zusätzlich in der Verbindung enthaltener Komplexe, so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Mit SO4 oder SiO4“ zu finden ist, wo es als einziges Mitglied unbenannte Gruppe 5.EG.05 bildet.

Die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Schröckingerit wie die veraltete Strunz’sche Systematik in die gemeinsame Klasse der „Carbonate, Nitrate und Borate“ und dort in die Abteilung der „Zusammengesetzte Carbonate“ ein. Hier ist er als einziges Mitglied in der unbenannten Gruppe 17.01.05 innerhalb der Unterabteilung „Zusammengesetzte Carbonate mit verschiedenen Formeln“ zu finden.

Kristallstruktur[Bearbeiten]

Datei:Schröckingerite - crystal structure single layer.png
Ausschnitt aus der Kristallstruktur von Schröckingerit Vorlage:Farbe U Vorlage:Farbe O Vorlage:Farbe C Vorlage:Farbe S Vorlage:Farbe Na Vorlage:Farbe Ca Vorlage:Farbe F Vorlage:Farbe O in H2O Vorlage:Farbe H

Schröckingerit kristallisiert triklin in der Raumgruppe P1 (Raumgruppen-Nr. 2)Vorlage:Raumgruppe/2 mit den Gitterparametern a = 9,634(1) Å, b = 9,635(1) Å, c = 14,391(2) Å, den Achsenwinkeln α = 91.41(1)°, β = 92.33(1)°, γ = 120.26(1)° sowie 2 Formeleinheiten pro Elementarzelle.<ref name="Mindat" />

Die Kristallstruktur von Schröckingerit ist ein sehr komplexes System, dessen Grundmotiv Uranylcarbonat darstellt, das durch Koordination mit Ca2+- und Na+-Ionen Schichten aufbaut, die untereinander durch die Sulfat-Anionen (SO42−) sowie durch ein Geflecht von Wasserstoffbrückenbindungen zusammengehalten werden. Die Fluorid-Ionen (F−) verbrücken ausschließlich drei Calcium-Ionen.

Eigenschaften[Bearbeiten]

Datei:Schroeckingerite fluo.jpg
Schröckingerit in Matrix unter UV-Licht, D-Day Mine, Utah, USA

Das Mineral ist durch seinen Urangehalt von bis zu 26,8 % radioaktiv. Unter Berücksichtigung der Mengenanteile der radioaktiven Elemente in der idealisierten Summenformel sowie der Folgezerfälle der natürlichen Zerfallsreihen wird für das Mineral eine spezifische Aktivität von etwa 48 kBq/g<ref name="Webmineral" /> angegeben (zum Vergleich: natürliches Kalium 0,0312 kBq/g). Der zitierte Wert kann je nach Mineralgehalt und Zusammensetzung der Stufen deutlich abweichen, auch sind selektive An- oder Abreicherungen der radioaktiven Zerfallsprodukte möglich und ändern die Aktivität.

Schröckingerit fluoresziert grünlichgelb unter kurzwelligem (254 nm) und langwelligem (366 nm) UV-Licht.<ref name="Vochten" />

Bildung und Fundorte[Bearbeiten]

Schröckingerit tritt als eher seltenes Sekundärmineral in der Oxidationszone von uranhaltigen Lagerstätten auf. Als Begleitminerale können unter anderem Albrechtschraufit, Andersonit, Bayleyit, Dolomit, Gips, Swartzit und Uraninit auftreten.

In Deutschland konnte Schröckingerit bisher nur in der Grube Johann am Burgfelsen und in der Grube Georg am Burgfelsen bei Wittichen<ref name="Bliedtner" />, in Mansfeld sowie in Sachsen unter anderem in Johanngeorgenstadt gefunden werden. Österreichische Fundorte sind Radhausberg und Siglitz. Der einzige bergbauliche Fundort in der Schweiz ist die Uranprospektion La Creusaz im Kanton Wallis.

In den USA ist Schröckingerit verhältnismäßig stark verbreitet und ist bisher in den Bundesstaaten Arizona, Colorado, Kalifornien, Nevada, New Mexico, New York, Pennsylvania, Texas, Utah und Wyoming in mehreren Minen gefunden worden.

Weitere bisher bekannte Fundorte für Schröckingerit befinden sich in Argentinien, Frankreich, Italien, Kasachstan, Namibia, Norwegen, Polen, Russland, Tschechische Republik, Spanien, Schweden und im Vereinigten Königreich.<ref name="Mindat" />

Vorsichtsmaßnahmen[Bearbeiten]

Aufgrund der Toxizität und der starken Radioaktivität des Minerals sollten Mineralproben vom Schröckingerit nur in staub- und strahlungsdichten Behältern, vor allem aber niemals in Wohn-, Schlaf- und Arbeitsräumen aufbewahrt werden. Ebenso sollte eine Aufnahme in den Körper (Inkorporation, Ingestion) auf jeden Fall verhindert und zur Sicherheit direkter Körperkontakt vermieden sowie beim Umgang mit dem Mineral Atemschutzmaske und Handschuhe getragen werden.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Commons: Schröckingerite – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references> <ref name="Bliedtner"> </ref> <ref name="IMA-Liste"> Malcolm Back, Cristian Biagioni, William D. Birch, Michel Blondieau, Hans-Peter Boja und andere: The New IMA List of Minerals – A Work in Progress – Updated: July 2024. (PDF; 3,6 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Marco Pasero, Juli 2024, abgerufen am 13. August 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="IMA-Liste-2009"> Ernest H. Nickel, Monte C. Nichols: IMA/CNMNC List of Minerals 2009. (PDF; 1,9 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Januar 2009, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 29. Juli 2024; abgerufen am 30. Juli 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="Lapis"> </ref> <ref name="Mindat"> Schröckingerite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 5. November 2022 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="Schrauf"> </ref> <ref name="Schröckinger"> </ref> <ref name="Smith"> </ref> <ref name="Vochten"> </ref> <ref name="Warr"> </ref> <ref name="Webmineral"> David Barthelmy: Schrockingerite Mineral Data. In: webmineral.com. Abgerufen am 5. November 2022 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> </references>