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Schreibblockade

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Schreibblockade

Vorlage:Hinweisbaustein Eine Schreibblockade (auch Schreibstau oder Writer’s block) ist ein psychisches Phänomen, bei dessen Auftreten ein Autor dauerhaft oder vorübergehend nicht in der Lage zu schreiben ist. Sie kann als Spezialfall der Kreativitätsblockade gesehen werden. Darunter leiden besonders Schriftsteller,<ref>Rose 1984</ref> Journalisten,<ref>Perrin 1999</ref> Wissenschaftler und Studenten beim Schreiben von Haus- und Examensarbeiten.<ref>Keseling 2004</ref>

Erscheinungsformen[Bearbeiten]

Im Einzelnen kann eine Schreibblockade die folgenden Erscheinungsformen aufweisen:

  • Es fällt schwer, einen Textanfang zu finden.<ref>Ruhmann 1995, S. 87 und Keseling 2004, S. 113</ref>
  • Der Text wird zwar geplant, es gelingt aber nicht, ihn zu schreiben.<ref>Ruhmann 1995, S. 87, Keseling 2004, S. 70 f.</ref>
  • Der Schreibprozess wird – oft mehrfach – unterbrochen und häufig auch ganz abgebrochen.<ref>Keseling 1997, S. 225 und Keseling 2004, S. 40 ff. und S. 77</ref>
  • Der Verfasserin bzw. dem Verfasser erscheint das bisher Geschriebene als nicht gut genug.<ref>Ruhmann 1995, S. 87 und Huber 2015, S. 115 ff.</ref>
  • Die Ideen und/oder die Formulierungen bleiben aus.<ref>Keseling 2004, S. 37 ff. 108</ref>
  • Das Schreiben wird als qualvoll empfunden. Häufig treten schon beim Gedanken an die Anfertigung der Arbeit oder beim Anblick des Bildschirms körperliche Symptome wie Unwohlsein oder Nervosität auf und es werden Vermeidungshandlungen wie Aufräumen, Putzen etc. ausgeführt.<ref>Ruhmann 1995, S. 87, Ruhmann 1996, S. 110, Keseling 2004, S. 122</ref>
  • Passagen aus fremden Texten werden nicht in eigenen Worten wiedergegeben, sondern es wird wörtlich zitiert. Der eigene Text wird dadurch zu umfangreich und es entstehen Brüche. Beides führt häufig zum Abbruch.<ref>Ruhmann 1995, S. 91 und Keseling 2004, S. 96 ff.</ref>

Ähnliche Blockaden können auch in anderen Kommunikationsbereichen auftreten, zum Beispiel in der bildenden Kunst (Zeichenblockade). Das Gegenstück zur Schreibblockade ist der Schreibzwang (Hypergraphie).<ref>Flaherty 2004, S. 108</ref> Beide Phänomene können auch bei ein und demselben Autor auftreten, wobei eine Schreibblockade jeder erleiden kann, während die häufig krankhaften Schreibzwänge erheblich seltener auftreten.<ref>Flaherty 2004, S. 107 ff.</ref>

Ursachen[Bearbeiten]

In Beratungsgesprächen mit blockierten Schreibern ließen sich unter anderem die folgenden Ursachen ausfindig machen:

  • Eine innere Auflehnung gegen diese Anforderung.<ref>Rückert 1994, S. 26 und Huber 2015, S. 120</ref>
  • Fehlende oder unzureichende Konzepte.<ref>Keseling 2004, S. 70 ff.</ref>
  • Der Anspruch, sofort einen fehlerfreien, perfekten Text schreiben zu müssen.<ref>Folz, Brauner, Vollmer 2015, S. 129f.</ref>
  • Komplexe, aus mehreren Erzählsträngen bestehende und daher schwer überschaubare Struktur der zu schreibenden Texte.<ref>Perrin 1999</ref>
  • Ein Zuviel an zu verschriftlichendem Material oder Unordnung desselben.<ref>Ruhmann 1995, S. 87</ref>
  • Eine unzureichende oder falsche Vorstellung von einem künftigen Leser, insbesondere die Angst vor einem überaus kritischen Leser, zum Beispiel vor dem Professor, der eine Haus- oder Examensarbeit beurteilen wird.<ref>Keseling 2004, S. 108 ff.</ref>
  • Angst zu versagen und sich vor anderen zu blamieren.<ref>Antos 1982, S. 33 und Huber 2015, S. 121</ref>
  • Als weitere Ursache nennt Flaherty psychische Probleme, insbesondere Depression oder bipolare Störungen.<ref>Flaherty 2004, S. 158 ff.</ref>
  • Neurologisch werden Schreibblockaden mit einer Fehlfunktion des Hirnlappens in Verbindung gebracht.<ref>Flaherty 2004, S. 163</ref>

Überwindung von Schreibblockaden[Bearbeiten]

Im Gegensatz zu dem krankhaften und als unheilbar geltenden Schreibzwang<ref>Flaherty 2004, S. 27 ff.</ref> lassen sich Schreibblockaden im Allgemeinen gut überwinden. Erfahrenen Schreibern gelingt dies meistens ohne fremde Hilfe. In schwerwiegenden Fällen können sich Studierende an die an vielen Universitäten eingerichteten Beratungsstellen wenden. Die dort tätigen Fachkräfte (Psychologen und ausgebildete Schreibberater) erarbeiten zusammen mit den Klienten zuerst eine (vorläufige) Diagnose und erkunden dazu die Details der jeweiligen Störung: Seit wann ist sie aufgetreten? Zum Beispiel schon bei Schulaufsätzen oder erst im Studium? Erst kürzlich oder schon bei früheren Hausarbeiten? Bei welchen Textarten? Eher beim Planen oder eher beim Formulieren? Was fällt beim Schreiben leicht und was schwer? Könnten auch psychische Probleme eine Rolle spielen? Stellt sich heraus, dass inadäquate Schreibstrategien im Vordergrund stehen, entwickeln die Beratenden – wieder zusammen mit den Studierenden – alternative Strategien.<ref>Kruse 1993, S. 19 ff.; Perrin 1999; Ruhmann 1996, S. 108 ff.; Keseling 2004, S. 54–131</ref> Bei schwerwiegenden psychischen Problemen empfiehlt es sich, ärztliche und psychotherapeutische Unterstützung in Anspruch zu nehmen.<ref>Huber 2015, S. 139–141; S. 237 f.</ref>

In seinem Buch How to Write a Lot behauptet Psychologe Paul J. Silvia, dass es keine Schreibblockaden gibt („There is no such thing as writer's block.“). Seiner Beobachtung nach entsteht, was die Betroffenen als Schreibhemmungen erleben, aus der Erwartung, sich inspiriert zu fühlen und direkt einen „fertigen“ Text zu Papier zu bringen, sowie der Befürchtung, daran zu versagen. Die „Schreibblockade“ ist, nach Silvia, die Vermeidung dieses Scheiterns. Als Lösung empfiehlt Silvia:

  • Schreiben zu einer Gewohnheit zu machen
Sich für jeden Tag eine feste Zeit vornehmen und in dieser Zeit zu schreiben, egal wie man sich fühlt.
  • Schreiben wie eine Arbeit anzusehen
So wie man auch zur Arbeit geht, wenn man sich heute nicht danach fühlt (weil man sonst gekündigt wird), setzt man sich auch an den Schreibtisch und schreibt. Es gibt keine Ausreden, auch nicht die, dass man sich nicht inspiriert fühlt oder, was man schreibt, nicht gut werde.
  • Die Qualität des Geschriebenen ist egal
Schreiben-Können ist prozedurales Wissen (wie Radfahren oder ein Instrument spielen), das man durch Übung erwirbt. Mit der Übung wird das Geschriebene zwangsläufig besser. Man darf, am Ende der Schreibsitzung, löschen, was man geschrieben hat, wenn man es für misslungen hält.
  • Es ist gleichgültig, was man schreibt
Wenn man das, was man eigentlich schreiben möchte, nicht schreiben zu können glaubt, kann man auch einfach schreiben, was einem in den Sinn kommt. Mit der Zeit entspannt man sich, die Sprache wird flüssiger, und man wird irgendwann fast automatisch zu dem übergehen, was man eigentlich schreibe will.

Das heißt, die Lösung der Schreibblockade ist nach Silvia der Aufbau einer Gewohnheit – der Gewohnheit jeden Tag zu schreiben, egal wie man sich fühlt.

Schriftsteller Steven Pressfield empfiehlt in seinem Buch The War of Art, sich nicht mit seiner Arbeit (dem Schreiben) und dem Ergebnis seiner Arbeit (dem Werk) überzuidentifizieren. Der Schriftsteller ist nicht sein Werk. Sein Wert als Mensch ist nicht davon abhängig, wie gut seine Texte sind. Nach Pressfield schreibt der Schriftsteller nicht, um geliebt zu werden und Anerkennung zu finden, sondern um Geld zu verdienen. Schreiben ist seine Arbeit. Pressfield schreibt:

„We may take pride in our work, we may stay late and come in on weekends, but we recognize that we are not our job descriptions. The amateur, on the other hand, overidentifies with his avocation, his artistic aspiration. He defines himself by it. He is a musician, a painter, a playwright. Resistance loves this. Resistance knows that the amateur composer will never write his symphony because he is overly invested in its success and overterrified of its failure. The amateur takes it so seriously it paralyzes him.“
„Wir sind vielleicht stolz auf unser Werk. Wir arbeiten vielleicht bis in den Abend hinein und am Wochenende, aber wir verstehen, dass wir nicht unsere Stellenbeschreibung sind. Der Amateur dagegen überidentifiziert sich mit seiner Berufung, mit seinen künstlerischen Streben. Er definiert sich darüber. Er ist ein Musiker, ein Maler, ein Theaterdichter. Widerstand [Pressfields Begriff für die Schreibblockade] liebt das. Widerstand weiß, dass der Amateurkomponist seine Symphonie niemals komponieren wird, weil er übermäßig von deren Erfolg abhängig ist und übermäßig Angst vor ihrem Scheitern hat. Der Amateur nimmt sein Schaffen so ernst, dass es ihn paralysiert.“

Schreibblockaden in Literatur und Film[Bearbeiten]

Schreibblockaden (und deren Überwindung) sind ein durchaus beliebtes Thema in der fiktionalen Literatur und im Film, was zeigt, dass die Schreibblockade selbst auch zur Inspiration genutzt werden kann. Der Schriftsteller Stephen King beispielsweise bringt seine eigenen Erfahrungen gleich in mehreren Romanen ein.

Weitere Autoren, die bekanntermaßen an schwerwiegenden Schreibblockaden litten:

Schreibblockaden in Romanen:

Schreibblockaden als Thema im Film:

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur (chronologisch)[Bearbeiten]

  • Dennis Upper: The unsuccessful self-treatment of a case of “writer’s block” In: Journal of applied behavior analysis, 1974, Band 7, Nummer 3, S. 497; PMID 16795475, PMC 1311997 (freier Volltext).
  • Mike Rose: Writer’s block: The cognitive dimension. Southern Illinois University Press, Carbondale 1984; eric.ed.gov (PDF; 2,6 MB).
  • Gabriela Ruhmann: Schreibprobleme-Schreibberatung. In: Jürgen Baurmann, Rüdiger Weingarten (Hrsg.): Schreiben. Prozesse, Prozeduren und Produkte. Westdeutscher Verlag, Opladen 1995, ISBN 3-531-12627-X, S. 85–106.
  • Gabriela Ruhmann: Exkurs: Schreibblockaden und wie man sie überwindet. In: Karl-Dieter Bünting, Axel Bitterlich, Ulrike Pospiech: Schreiben im Studium. Ein Trainings-Programm. Cornelsen Scriptor, Berlin 1996, ISBN 3-589-20997-6, S. 108–119.
  • Otto Kruse: Keine Angst vor dem leeren Blatt. Ohne Schreibblockaden durchs Studium. Campus, Frankfurt am Main u. a. 1993, ISBN 3-593-34938-8 (Reihe Campus – Studium 1074). 5. Auflage: ebenda, 1997, ISBN 3-593-35693-7 (Campus concret, 16).
  • Alice W. Flaherty: Die Mitternachtskrankheit. Warum Schriftsteller schreiben müssen. Schreibzwang, Schreibrausch, Schreibblockade und das kreative Gehirn. Aus dem Amerikanischen von Käthe H. Fleckenstein. Autorenhaus, Berlin 2004, ISBN 3-932909-39-9.
  • Gisbert Keseling: Die Einsamkeit des Schreibers. Wie Schreibblockaden entstehen und erfolgreich bearbeitet werden können. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2004, ISBN 3-531-14169-4.
  • Helga Esselborn-Krumbiegel: Tipps und Tricks bei Schreibblockaden. UTB, München 2015, ISBN 978-3-8252-4318-0.
  • Kristina Folz, Detlef J. Brauner, Hans-Ulrich Vollmer: Studi-SOS Bachelorarbeit. Erste Hilfe fürs wissenschaftliche Arbeiten. Verlag Wissenschaft & Praxis, 2015, ISBN 978-3-89673-690-1.
  • Emma Huber: Innerer Dialog und Textproduktion. Ein Beitrag zur Überwindung von Schreibhemmungen Studierender beim Verfassen ihrer wissenschaftlichen Abschlussarbeiten. Lang, Frankfurt 2015, ISBN 978-3-631-65570-2.
  • Daniel Fitzke: 30 Minuten Schreibblockaden lösen. GABAL Verlag, Offenbach 2018, ISBN 978-3-86936-881-8.
  • Paul J. Silvia: How to Write a Lot: A Practical Guide to Productive Academic Writing (2. Auflage). American Psychological Association, Washington 2019, ISBN 978-1433829734.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references />