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Schreibrichtung

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Die Schreibrichtung (auch: Schriftrichtung) bestimmt, in welcher Richtung die Schriftzeichen einer Schriftsprache geschrieben und gelesen werden. In deutschen Texten ist die Schreibrichtung primär von links nach rechts und sekundär von oben nach unten.<ref>Helmut Glück (Hrsg.): Metzler Lexikon Sprache. 4., aktualisierte und überarbeitete Auflage, Stichwort: „Schriftrichtung“. Metzler, Stuttgart/Weimar 2010, ISBN 978-3-476-02335-3.</ref> Beinhalten Texte Schriften mit unterschiedlichen Schreibrichtungen, handelt es sich um bidirektionalen Text.

Allgemeines[Bearbeiten]

Datei:NIDK-front.jpg
Schweizer Personalausweis (seit 2023) (rechtsläufige Schrift)
Datei:Biometric Israeli Identity card.png
Israelischer Personalausweis (seit 2017) (linksläufige Schrifttexte, rechtsläufige Zahlendarstellung)

Wenn ein Wort geschrieben wird, wird es mit einem Schriftzeichen begonnen. Die Schreibrichtung bestimmt, ob das nächste Schriftzeichen links oder rechts vom vorhergegangenen, darüber oder darunter gesetzt wird. Fast immer steht dann auch das nächste Wort in dieser Richtung. In derselben Richtung muss auch gelesen werden. Diese Eigenschaft von Texten nennt man Linearität. Die Schreibrichtung bestimmt die makrotypographische Grundeinheit Zeile.

Man unterscheidet zwischen primärer und sekundärer Schreibrichtung. Die primäre Schreibrichtung ist diejenige, in der die einzelnen Schriftzeichen aufeinanderfolgen. Die sekundäre Schreibrichtung ist diejenige, in der die Zeilen aufeinanderfolgen.

Ist die primäre Schreibrichtung waagerecht, wie zum Beispiel bei der für die meisten westlichen Sprachen benutzten lateinischen Schrift, so spricht man von einer waagerechten Schrift. Wird primär senkrecht (das heißt von oben nach unten oder von unten nach oben) geschrieben, so spricht man von einer senkrechten Schrift.

Bei den waagerechten Schriften unterscheidet man anhand der primären Schreibrichtung zwischen rechtsläufiger (von links nach rechts, dextrograd), linksläufiger (rechts nach links, sinistrograd) sowie bustrophedoner (Zeilen abwechselnd von links nach rechts und von rechts nach links geschrieben) Schreibrichtung. Fast alle waagerechten Schriften werden sekundär von oben nach unten geschrieben.

Sind Schriftstücke in Buchform gebunden, so befindet sich die Bindung bei primär rechtsläufigen Schriften links, bei primär linksläufigen Schriften rechts der Titelseite.

Eine Schrift, die von links nach rechts und von oben nach unten geschrieben wird (unabhängig davon, welches davon die primäre und welches die sekundäre Richtung ist) kann von Rechtshändern nur bei sehr großer Schriftgröße versehentlich verwischt werden.

Schreibrichtung in verschiedenen Schriftsystemen[Bearbeiten]

Datei:WritingSystemsOfTheWorld de.svg
Vorherrschende Schreibsysteme (ohne historische Systeme)

Die weltweit vorherrschende lateinische Schrift ist eine waagerechte rechtsläufige Schrift, das heißt, sie wird primär von links nach rechts geschrieben. Dasselbe gilt für fast alle anderen Schriften des europäischen Kulturraums wie die griechische, die kyrillische, die armenische und die georgische.

Ebenfalls waagerecht rechtsläufig sind die äthiopische Schrift sowie die zahlreichen indischen Schriften, zum Beispiel Devanagari, Tamilisch und – außerhalb Indiens – Thailändisch und Tibetisch. Bei diesen handelt es sich um Abugidas, wobei das Zeichen für den einem Konsonanten folgenden Vokal mitunter auch links vom Konsonanten steht; die aus Konsonant und Vokal bestehenden Einheiten folgen aber immer von links nach rechts aufeinander.

Die semitischen Konsonantenschriften, also zum Beispiel Arabisch und Hebräisch, sind waagerechte linksläufige Schriften, das heißt, sie werden primär von rechts nach links geschrieben.

Die Schriften des Chinesischen, Japanischen und Koreanischen werden traditionell primär von oben nach unten und sekundär von rechts nach links geschrieben, bei einzeiligen Texten ist konsequenterweise die Richtung von rechts nach links aufzufinden (da es sich um eine Reihe von Spalten der Länge 1 handelt). Aufgrund des westlichen Einflusses ist heute jedoch auch eine Schreibrichtung wie die für Texte mit lateinischer Schrift verbreitet. Die klassische mongolische Schrift, die heute noch in der Inneren Mongolei und der Mongolei verwendet wird, läuft primär von oben nach unten und sekundär von links nach rechts.

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Bei rechtsläufiger Schreibrichtung kann ein Rechtshänder die letzten Zeichen, die er geschrieben hat, sehen. Ein Linkshänder muss dazu seine Hand verdrehen.

Die irische Ogham-Schrift sowie einige philippinische Schriften wie etwa die Tagbanuwa-Schrift werden primär von unten nach oben geschrieben.

Die meisten Menschen in allen gut untersuchbaren Kulturen sind Rechtshänder,<ref>Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Literatur“ ist nicht vorhanden.</ref> dies gilt auch für Kulturen mit linksläufiger Schrift.<ref name="bellelettres">Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Internetquelle“ ist nicht vorhanden. Skriptfehler: Ein solches Modul „DateTime“ ist nicht vorhanden.; ehemals im Vorlage:Referrer (nicht mehr online verfügbar);.Vorlage:Toter Link/Core (Seite nicht mehr abrufbar. Suche im Internet Archive)Skriptfehler: Ein solches Modul „TemplatePar“ ist nicht vorhanden.Skriptfehler: Ein solches Modul „TemplatePar“ ist nicht vorhanden.</ref> Das Schreiben von links nach rechts hat den Vorteil, dass die Hand das Geschriebene nicht behindert, da sich die Hand rechts neben dem Stift befindet und feuchte Tinte nicht verwischt. Leonardo da Vinci verfasste seine Texte und Kommentare in Spiegelschrift. Die Erklärung dafür ist umstritten; eine Vermutung ist, dass dies ein Ausdruck seiner ausgeprägten Linkshändigkeit war.<ref name="Kemp152">Martin Kemp: Leonardo. Beck, München 2005, S. 15.</ref>

Geschichte[Bearbeiten]

Ägyptische Hieroglyphen wurden entweder von links nach rechts oder von rechts nach links geschrieben, wobei die Tier- und Menschenglyphen zum Zeilenanfang hin ausgerichtet waren. Das frühe Alphabet hatte keine festgelegte Schreibrichtung und wurde sowohl vertikal als auch horizontal geschrieben; am häufigsten wurde es boustrophedonisch („wie der Ochse pflügt“) geschrieben.<ref>Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Literatur“ ist nicht vorhanden.</ref>

Der Italiener Pietro della Valle hatte 1621 in einem Brief erstmals mehrere Keilschriftzeichen von einem Ziegel aus Persepolis richtig kopiert und in seiner Reisebeschreibung vermutet, dass diese Buchstaben „auf unsere Weise von der lincken zur rechten Hand geschrieben werden“.<ref>Theodor Zachariae: Kleine Schriften zur indischen Philologie, zur vergleichenden Literaturgeschichte, zur vergleichenden Volkskunde. Bonn und Leipzig 1920, S. 12.</ref>

Die Schriften der semitischen Sprachen laufen ausnahmslos von rechts nach links.<ref name="bellelettres" /> Die Schreibrichtung der phönizischen Schrift von rechts nach links setzte sich nach ca. 800 v. Chr. durch.<ref>Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Literatur“ ist nicht vorhanden.</ref> Die aramäische Schrift und die davon abgeleitete Kharoshthi-Schrift waren ebenfalls linksläufig, während die Brahmi-Schrift und später die Devanagari-Schrift in Indien rechtsläufig geschrieben wurden.

Die frühen Griechen handhabten die Schreibrichtung zunächst variabel. Es existierten linksläufige (sinistrograde), rechtsläufige (dextrograde) und die bustrophedone Schreibweise, wobei die Ausrichtung der einzelnen Buchstaben von Zeile zu Zeile wechselt. In der Folge haben sich Form und Ausrichtung vieler Buchstaben – etwa M und A – so entwickelt, dass sie in beiden Richtungen ähnlich erscheinen. Um 700 v. Chr. setzte sich auf dem griechischen Festland die Schreibrichtung von links nach rechts durch, um 500 v. Chr. auch auf Kreta. Sie übertrug sich auf das altitalische Alphabet und die lateinische Schrift.

Spaltenschreibung[Bearbeiten]

Datei:Suddeutsche Zeitung 090520 M.jpg
Zeitung mit Spalten

Bei breiten Seitenformaten (z. B. DIN A4 im Querformat oder in großformatigen Zeitungen) wird eine Spaltendarstellung bevorzugt, damit der Leser die Zeilen in seinem unmittelbaren Gesichtsfeld behält. Das Lesen fällt ihm so leichter. Am Ende einer Spalte muss er den Blick neu an den Anfang einer Spalte orientieren, um dann mit den Augen die Zeilen von links nach rechts zu erfassen und dem Text langsam von oben nach unten zu folgen. Die Schreibrichtung ist hier prinzipiell unverändert, nur der einzelne Textblock ist kürzer und schmaler. Untersuchungen zeigen, dass die Zeilenlänge und die Anzahl der Zeichen pro Zeile die Lesegeschwindigkeit beeinflusst. Lange Zeilen erschweren es, den Anfang der folgenden Zeile zu finden. Zu kurze Zeilen wirken unruhig, weil der Blick zu häufig zur nächsten Zeile springen muss. Als optimal werden 50 bis 60 Zeichen pro Zeile für längere Lesetexte angesehen.<ref>Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Literatur“ ist nicht vorhanden.</ref> Zeilen zu 30 bis 40 Zeichen lassen sich ohne sonderliche Augenbewegung erfassen, das Auge kann die Spalte also senkrecht durchlaufen.

Zahlendarstellung[Bearbeiten]

Datei:Addition example 372+12+543+619+128.svg
Tabellarische Schreibweise von Zahlen zur Addition

Bei der weltweit gebräuchlichen Schreibweise von Zahlen im Dezimalsystem beginnen die Zahlen immer links mit der höchstwertigen Ziffer unabhängig von der Schreibrichtung des umgebenden Textes (also z. B. auch in der arabischen Schrift).<ref>Karim Benali: Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Internetquelle“ ist nicht vorhanden. Skriptfehler: Ein solches Modul „DateTime“ ist nicht vorhanden.; ehemals im Vorlage:Referrer (nicht mehr online verfügbar); (Skriptfehler: Ein solches Modul „Multilingual“ ist nicht vorhanden.).Vorlage:Toter Link/Core (Seite nicht mehr abrufbar. Suche im Internet Archive)Skriptfehler: Ein solches Modul „TemplatePar“ ist nicht vorhanden.Skriptfehler: Ein solches Modul „TemplatePar“ ist nicht vorhanden.</ref> Diese Reihenfolge entspricht der üblichen gesprochenen bzw. ausgeschriebenen Darstellung von Zahlennamen, die mit der höchsten Potenz beginnt, und gilt seit der Entstehung und weltweiten Verbreitung der indisch-arabischen Zahlschrift auf Basis der rechtsläufigen Brahmi-Schrift. So wird die Zahl vierhundertsiebenundzwanzig­tausendfünfhundert­vierunddreißig als 427.534 geschrieben, wobei die deutsche Sprache bezüglich der Einer eine Inversion der Reihenfolge aufweist (vierunddreißig statt dreißigundvier).<ref>Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Internetquelle“ ist nicht vorhanden. zwanzigeins; ehemals im Vorlage:Referrer (nicht mehr online verfügbar);.Vorlage:Toter Link/Core (Seite nicht mehr abrufbar. Suche im Internet Archive)Skriptfehler: Ein solches Modul „TemplatePar“ ist nicht vorhanden.Skriptfehler: Ein solches Modul „TemplatePar“ ist nicht vorhanden.</ref>

In Tabellen werden die Zahlen meist rechtsbündig dargestellt. Bei Berechnungen zur Addition oder Subtraktion werden aufeinanderfolgende Zahlen so untereinander geschrieben, dass die Dezimaltrennzeichen an der gleichen Position stehen.

Schreibrichtung bei Unicode-Zeichen[Bearbeiten]

Der Unicode-Bidi-Algorithmus enthält Informationen für die bidirektionale Schreibunterstützung (Bidirectional script support, BiDi oder bidi). Damit werden bei der Textausgabe die Zeichen in der Schreibrichtung der Ausgangssprache dargestellt, auch wenn sie bei der Eingabe in Unicode in der voreingestellten Richtung des Textverarbeitungssystems (z. B. von links nach rechts) eingegeben wurden:

Eingabe: ٠, ١, ٢, ٣, ٤, ٥, ٦, ٧, ٨, ٩
Ausgabe: ٠, ١, ٢, ٣, ٤, ٥, ٦, ٧, ٨, ٩ für die arabischen Ziffern 0, 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9 (Umstellung durch Steuerzeichen verhindert)

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

[[wikt:Skriptfehler: Ein solches Modul „WLink“ ist nicht vorhanden.|Wiktionary: Skriptfehler: Ein solches Modul „WLink“ ist nicht vorhanden.]] – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Skriptfehler: Ein solches Modul „TemplatePar“ ist nicht vorhanden.

Wiktionary: Schriftrichtung – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Skriptfehler: Ein solches Modul „TemplatePar“ ist nicht vorhanden.

Warum schreiben wir von links nach rechts? Ein Essay von Daniel Scholten, abgerufen am 28. Mai 2020.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references />