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Schwarzer Walfisch

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Datei:Gasthaus Schwarzer Walfisch, Angelburger Straße 44, Bild 01.JPG
Der Schwarze Walfisch in der Angelburger Straße 44

Das Gasthaus Schwarzer Walfisch in Flensburg in der Angelburger Straße Nr. 44 gilt als älteste Gastwirtschaft der Stadt<ref name="Tageblatt-Bohlwerk">150 Jahre Flensburger Tageblatt – Das Bohlwerk und die „Bombenleger“. In: Flensburger Tageblatt, 18. Oktober 2015; abgerufen am 4. Oktober 2018</ref> und gehört zu ihren Kulturdenkmalen.<ref name="Wilde-262f">Lutz Wilde: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Kulturdenkmale in Schleswig-Holstein. Band 2, Flensburg, S. 262 f.</ref>

Errichtung und Einrichtung der Gastwirtschaft[Bearbeiten]

Das Gebäude wurde offenbar schon im 16. Jahrhundert errichtet. Aus dieser Zeit stammt noch die Dachkonstruktion im Keller.<ref name="Wilde-262f" /> Zur damaligen Zeit lag die Hafenspitze noch nahe der Angelburger Straße, unweit des Gebäudes. Im Laufe der folgenden Jahrhunderte kam es zu starken Versandungen, so dass sich die Hafenspitze weiter nach Norden verlagerte und das Gebäude somit seine Hafennähe schrittweise verlor.<ref>Vgl. Stadtansicht Flensburgs, die ungefähr zwischen 1572 und 1618 entstand.</ref> 1751 wurde das Gebäude weitgehend erneuert und erhielt an der Fassade Zahlenanker, die auf das besagte Jahr hinweisen. An dem Gebäude schließt sich zudem ein zweigeschossiges Speichergebäude aus dem 17/18. Jahrhundert an. Seit 1837 dient das Gebäude als Gasthaus,<ref name="Wilde-262f" /> das zunächst Thomsen’s Gasthof<ref name="BesondererClub">Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Ein besonderer Club im Wandel der Zeit. (Memento des Vorlage:IconExternal vom 5. Oktober 2018 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/flensburgjournal.de In: Flensburg Journal, 25. November 2016; abgerufen am 5. Oktober 2018</ref><ref name="150Jahre">Flensburger Johannis-Club: 150 Jahre Pflege der Geselligkeit. In: Flensburger Tageblatt, 7. Dezember 2016</ref> hieß und erst später in Schwarzer Walfisch umbenannt wurde.<ref name="Wilde-262f" /> Der Gaststättenname erinnert an die Walfangzeit, mit den auch von Flensburg ausgehenden Grönlandfahrten im 18. bis zum 19. Jahrhundert.<ref>Flensburger Straßennamen. Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte, Flensburg 2005, ISBN 3-925856-50-1, Artikel Grönlandweg.</ref> 1887 wurde zur Erweiterung der Gastwirtschaft ein weiterer, dreigeschossiger Flügel durch den Architekten Alexander Wilhelm Prale hinzugefügt und dabei gleichzeitig das Vorderhaus vermutlich nochmals umgestaltet. 1897 wurde diesem wiederum ein dritter, zweigeschossiger Flügel hinzugefügt. Irgendwann in dieser Zeit wurde die Gaststube im Erdgeschoss mit altdeutschen Möbeln ausgestattet.<ref name="Wilde-262f" /> Das Haus wechselte im Laufe der Zeit mehrfach seine Eigentümer und Pächter.<ref name="Festtagslaune">„Walfisch“-Wirt Alfred Mäder. Im „Schwarzen Walfisch“ kommt Festtagslaune auf. In: Allgemeine Hotel- und Gastronomie-Zeitung, 20. Oktober 2001; abgerufen am 5. Oktober 2018</ref>

Geschehnisse in der Gastwirtschaft[Bearbeiten]

Datei:Der schwarze Walfisch am Gasthaus Schwarzer Walfisch, Angelburger Straße 44, Bild 04.JPG
Der schwarze Walfisch an der Vorderfront des Gasthauses

1866 gründeten Kaufleute und Hausbesitzer aus dem St.-Johannis-Kirchenkreis den St.-Johannis-Club, der bis heute als nicht eingetragener Verein besteht. Der Club, dessen Mitglieder ursprünglich das Geschäftsleben sowie die Wirtschaftslage bei Treffen besprachen, dient bis heute der Geselligkeit.<ref name="BesondererClub" /><ref name="150Jahre" /><ref>Vgl. Seite des St. Johannis Clubs</ref> Am 7. März 1884<ref>Flensburger Straßennamen. Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte, Flensburg 2005, ISBN 3-925856-50-1, Artikel Grüner Weg.</ref><ref name="Tageblatt-RechteEcke">Die (örtlich) „rechte Ecke“: Der älteste Stammtisch hat Geburtstag. In: Flensburger Tageblatt, 4. März 2009; abgerufen am 4. Oktober 2018</ref> wurde im rechten Hinterzimmer der Gastwirtschaft von 56 Männern der Stammtisch „Rechte Ecke“ gegründet, der sich seitdem wöchentlich zu Gesprächen trifft. Die Mitglieder des Stammtisches waren schon damals Kaufleute, Juristen, Ärzte und Beamte. Unter ihnen befanden sich Herm. G. Dethleffsen (Bommerlunder), Emil Petersen (Flensburger Brauerei) sowie August Grün (Hansen Rum). Die Mitgliedschaft ist bis heute nur durch persönliche Empfehlungen und eine anschließende Abstimmung erlangbar.<ref name="Tageblatt-RechteEcke" />

Um den 3. Mai 1945 herum besoffen und vergnügten sich SS-Angehörige mit Wehrmachthelferinnen im Schwarzen Walfisch. Die SS-Angehörigen waren, der Rattenlinie Nord folgend, nach Flensburg gekommen, nachdem im dortigen Vorort Mürwik die letzte Reichsregierung eingerichtet worden war.<ref>Der Untergang 1945 in Flensburg. (PDF) Landeszentrale für politische Bildung Schleswig-Holstein, S. 12, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 20. Oktober 2016; abgerufen am 4. Oktober 2018 (Vortrag am 10. Januar 2012 von Gerhard Paul). In diesem Text erwähnt Gerhard Paul zwar schon, dass es sich bei den saufenden Soldaten um SS-Leute gehandelt haben soll, doch in der Dokumentation Die Tage nach Hitler erklärt er dies klarer.</ref> Zudem soll Reichsführer SS Heinrich Himmler in diesen Tagen zeitweise im Schwarzen Walfisch Quartier bezogen haben.<ref name="Paul-59">Gerhard Paul: Die Gestapo in Flensburg. Vom Staatlichen Grenzkommissariat zum Grenzpolizeikommissariat der Gestapo. In: Flensburg meldet: …! Flensburg und das deutsch-dänische Grenzgebiet im Spiegel der Berichterstattung der Geheimen Staatspolizei und des Sicherheits-Dienstes (SD) des Reichsführers-SS (1933–1945). Flensburg 1997, S. 59.</ref> Vom unweit des Schwarzen Walfisches gelegenen Hafermarkt führte eine Straße direkt zum Sonderbereich Mürwik und eine andere, ungefähr ein Kilometer weiter, aufs Angeliter Land. In einer Kabinettssitzung in Mürwik, an der Himmler teilnahm, wurde dieser von Dönitz aller seiner Ämter enthoben.<ref>Landeszentrale für politische Bildung Schleswig-Holstein (Hrsg.): Der Untergang 1945 in Flensburg (Vortrag am 10. Januar 2012 von Gerhard Paul), S. 15.</ref> Am 8. Mai, als die bedingungslose Kapitulation der Wehrmacht erfolgte<ref name="Paul-59" /> oder spätestens am 11. Mai 1945 verließ Himmler den Flensburger Raum wieder und flüchtete weiter nach Süden ins Niedersächsische Gebiet, wo er von britischen Soldaten gefangen genommen wurde und kurz danach am 23. Mai 1945 in Lüneburg durch Suizid starb.<ref>Stephan Richter: Zivilkleidung, Augenklappe, neuer Name: Doch für Himmler gab es kein Entrinnen. In: sh:z, 13. Mai 2015; abgerufen am 5. Oktober 2018</ref><ref>Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Wir in Harrislee. SPD-Ortsverein Harrislee. Infobrief – Januar 2016 (Memento des Vorlage:IconExternal vom 20. August 2016 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.spd-net-sh.de, S. 2, abgerufen am 19. März 2018</ref><ref>Landeszentrale für politische Bildung Schleswig-Holstein (Hrsg.): Der Untergang 1945 in Flensburg (Vortrag am 10. Januar 2012 von Gerhard Paul), S. 18.</ref>

Anfang 1967 begann der Flensburger Denkmalstreit um die Gedächtniskapelle für die Gefallenen beider Weltkriege in der St.-Marien-Kirche.<ref>Schriften der Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte (Hrsg.): Flensburg in Geschichte und Gegenwart. Flensburg 1972, S. 412.</ref> Die streitenden Pastoren von St. Marien und die beteiligten Füsilier-Veteranen versuchten sich im Schwarzen Walfisch zu verständigen, doch dies scheiterte und der Streit geriet letztlich in die Öffentlichkeit,<ref>Affären / Gefallenenehrung. Steinerner Trost. In: Spiegel Online, 20. März 1967; abgerufen am 5. Oktober 2018</ref> wo er sich ausbreitete.<ref>Vgl. Stephan Link, Broder Schwensen (Hrsg.): Bruchlinien. Der Flensburger Kirchen-Streit um das Krieger-Gedenken zu St. Marien 1967. Flensburg 2017, S. 33 f.</ref><ref>150 Jahre Flensburger Tageblatt – Streit um den Krieger in der Kirche. In: Flensburger Tageblatt, 20. September 2015; abgerufen am 5. Oktober 2018</ref> In den 1970er Jahren wurde das Angebot von Gästezimmern zum Übernachten im Schwarzen Walfisch abgeschafft.<ref name="Festtagslaune" /><ref>Im „Schwarzen Walfisch“ knisterte es. In: Schleswig-Holsteinische Landeszeitung, 2. Juni 2012; abgerufen am 5. Oktober 2018</ref> Am 29. September 1979 gründeten sieben Schiffer in einem Nebenraum der Gastwirtschaft den Museumshafen Flensburg e.V.<ref name="Tageblatt-Bohlwerk" />

Schließung und heutige Situation[Bearbeiten]

Seit 2004 ist die Gastwirtschaft geschlossen. Der Stammtisch „Rechte Ecke“ zog mit seinen wöchentlichen Treffen in die St. Knudsborg um.<ref name="Tageblatt-RechteEcke" /> Der Selbsthilfe-Bauverein kaufte 2016 von der Schlachterei Jepsen das Gebäude mit dem dahinterliegenden Gelände, das teilweise noch unbebaut ist.<ref>Flensburger Jepsen-Karree: Wohnen hinterm Walfisch. In: Flensburger Tageblatt, 16. Dezember 2016; abgerufen am 4. Oktober 2018</ref> Seit Dezember 2021 betreibt der Craft-Beer-Fachhändler Brewcomer in den Räumen eine Pop-up-Filiale.<ref>BREWCOMER Bottleshop Flensburg</ref>

Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references />

Weblinks[Bearbeiten]

Commons: Schwarzer Walfisch – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 54° 46′ 57″ N, 9° 26′ 24″ O

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