Seenadeln
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Acentronura breviperula | ||||||||||||
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| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
| Syngnathidae | ||||||||||||
| Rafinesque, 1810 |
Die Seenadeln (Syngnathidae) sind eine Familie relativ kleiner und gut getarnter, schlanker Knochenfische aus der Ordnung der Seenadelartigen (Syngnathiformes). Zu ihnen gehören auch die gut bekannten Seepferdchen (Hippocampus).
Verbreitung[Bearbeiten]
Seenadeln bewohnen die Küsten aller Weltmeere. Die größte Artenvielfalt lebt in den Gewässern rund um Australien. An den Küsten Amerikas leben Seenadeln von Alaska bis Feuerland. 37 Arten leben auch im Brack- und 18, die meisten aus der Gattung Microphis, im Süßwasser. Sie bevorzugen flaches Wasser in ruhigen Buchten und strömungsarmen Riffen sowie bewachsene Zonen, Algenfelder und Seegraswiesen.
Die Kleine Seenadel (Syngnathus rostellatus) lebt auch in der Nordsee und der westlichen Ostsee, die Große Seenadel (Syngnathus acus) im Mittelmeer, an der Atlantikküste Westeuropas und in der südlichen Nordsee, die Grasnadel (Syngnathus typhle) lebt im Mittelmeer, im Schwarzen Meer und in der Ostsee, in den Buchten und Bodden der Küste Mecklenburg-Vorpommerns und im gleichen Gebiet lebt die fadenförmige Kleine Schlangennadel (Nerophis ophidion) auch in den Flussmündungen, zwischen Algen, vor allem der Meersaite (Chorda filum), einer Braunalge.
Merkmale[Bearbeiten]
Die meisten Seenadeln werden etwa 10 bis 40 cm lang. Einige Arten erreichen auch Längen von einem halben Meter.<ref>Rudie H. Kuiter: Seepferdchen, Seenadeln, Fetzenfische und ihre Verwandten. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart 2001, S. 73.</ref> Die kleinsten Seenadeln gehörten zum „bargibanti-Artenkomplex“ der Seepferdchen und werden lediglich 1,35 (Denise-Zwergseepferdchen) bis 2,5 cm lang. Der Körper der Seenadeln ist langgestreckt und von ringförmigen Knochenplatten umgeben, die einen festen Körperpanzer bilden und die Beweglichkeit des Rumpfes stark einengen. Sie haben deshalb eine reduzierte Rumpfmuskulatur und schwimmen mit Brust- und Rückenflosse. Hauptantriebsorgan ist dabei die Rückenflosse, die wellenförmige Bewegungen von vorn nach hinten ausführt und in Ruhe seitlich umgelegt wird. Seepferdchen falten ihre fächerförmige Rückenflosse zusammen. Die Brustflossen dienen vor allem der Manövrierfähigkeit.
Die Rückenflosse wird normalerweise von 15 bis 60 weichen Flossenstrahlen gestützt. Die Afterflosse ist sehr klein, hat 2 bis 6 Flossenstrahlen, oder fehlt. Die Brustflossen haben 10 bis 23 Flossenstrahlen. Diese Flossen fehlen der Gattung Bulbonarcius und den Adulten einiger anderer Gattungen. Die Bauchflossen fehlen stets, die Schwanzflosse einigen Gattungen. Bei letzteren (z. B. bei den Seepferdchen) ist der Schwanzstiel oft als Greifschwanz ausgebildet. Sie sind langsame Schwimmer. Die Kiemenöffnungen sind in Richtung des Rückens verlagert, sehr klein und als Anpassung an das Saugschnappen mit einem häutigen Ventil verschließbar. Die Hoden sind röhrenförmig. Seenadeln können ihre Augen unabhängig voneinander bewegen. Viele Seenadeln haben eine Tarnfarbe, andere, besonders tropische, die Korallenriffe bewohnende Arten sind, sind sehr farbenprächtig.
Seenadeln ernähren sich vor allem von verschiedenen Kleinkrebsen, Larven anderer Tiere und sehr kleinen Fischen. Sie sind zahnlos. Das Maul ist endständig und als Fangsaugrohr ausgebildet, mit dem sie durch Saugschnappen ihre Beute, meist kleine Krebstierchen, fangen. Dieses Saugschnappen funktioniert – anders als sonst bei Fischen – über einen Federmechanismus, bei dem durch Muskelkraft im Bindegewebe Spannung aufgebaut wird, die sich dann durch „Auslösung“ (vgl. Armbrust) schlagartig entlädt, wobei sehr hohe Einsaug-Geschwindigkeiten auftreten (freilich nur über kurze Distanzen wirksam). Am Mechanismus sind Hyoid und Operculum in noch nicht völlig durchschauter Weise beteiligt<ref>Sam Van Wassenbergh, Peter Aerts: Rapid pivot feeding in pipefish: flow effects on prey and evaluation of simple dynamic modelling via computational fluid dynamics. In: J. R. Soc. Interface. Band 5, Nr. 28, 2008, S. 1291–1301. doi:10.1098/rsif.2008.0101</ref>. Wahrscheinlich sind die Büschelkiemen, wegen derer die Syngnathiden und Pegasiden früher als „Lophobranchii“ zusammengefasst wurden, eine Anpassung an dieses Saugschnappen.
Fortpflanzung[Bearbeiten]
Seenadeln leben meist monogam in Paaren. Nach der Balz, die oft von Synchron- oder Hintereinanderschwimmen eingeleitet wird, übernehmen die Männchen die Eier vom Weibchen, um sie an der schwammartig veränderten Bauch- und Schwanzunterseite zu tragen. Bei den Seepferdchen haben die Männchen eine Bruttasche, in die das Weibchen die Eier legt. Wahrscheinlich werden die Eier auch dort erst befruchtet. Nach einer bis zwei Wochen schlüpfen, über zahlreiche Tage verteilt, einzeln die bereits relativ großen Jungnadeln, die sofort winzige Zooplankton-Organismen fressen. Nach Lage der Brutorgane werden Bauchbrüter (Gastrophori) und Schwanzbrüter (Urophori) unterschieden.
Die Fortpflanzung wurde schon oft in Aquarien beobachtet und es konnten Jungnadeln aufgezogen werden. Voraussetzung für eine erfolgreiche Aufzucht ist ein ausreichendes Futterangebot.
Innere Systematik[Bearbeiten]
Die Bestimmung der einzelnen Gattungen und Arten richtet sich vor allem nach der Anzahl und Lage der Körper- und Schwanzringe, der Schwanzlänge und der Lage und Beschaffenheit der männlichen Brutorgane. Es gibt über 50 Gattungen, über 300 beschriebene Arten und noch viele unbeschriebene.
Nerophinae[Bearbeiten]
Bei der Unterfamilie Nerophinae liegt der Brutraum der Männchen unter dem Abdomen. Die Fische besitzen in den meisten Fällen noch eine Schwanzflosse.
- Choeroichthys Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Kaup, 1856
- Doryrhamphus Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Kaup, 1856
- Dunckerocampus Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Whitley, 1933
- Große Schlangennadel (Entelurus Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Duméril, 1870)
- Heraldia Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Paxton, 1975
- Leptoichthys Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Kaup, 1853
- Maroubra Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Whitley, 1948
- Microphis Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Kaup, 1853
- Nerophis Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Rafinesque, 1810
Syngnathinae[Bearbeiten]
Bei der Unterfamilie Syngnathinae liegt der Brutraum der Männchen in den meisten Fällen unter dem Schwanz.
- Acentronura Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Kaup, 1853
- Amphelikturus Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Parr, 1930
- Anarchopterus Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Hubbs, 1935
- Apterygocampus Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Weber, 1913
- Australyichthys Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Short et al., 2026<ref name="Short etal 2026" />
- Belonichthys Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Peters, 1868
- Bhanotia Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Hora, 1926
- Bryx Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Herald, 1940
- Bulbonaricus Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Herald in Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Schultz, Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Herald, Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Lachner, Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Welander & Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Woods, 1953
- Campichthys Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Whitley, 1931
- Cylix Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Short & Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Trnski, 2021<ref name="Short&Trnski" />
- Coelonotus Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Peters, 1855
- Corythoichthys Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Kaup, 1853
- Cosmocampus Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Dawson, 1979
- Doryichthys Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Kaup, 1853
- Enneacampus Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Dawson, 1981
- Festucalex Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Whitley, 1931
- Filicampus Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Whitley, 1948
- Halicampus Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Kaup, 1856
- Fetzen-Seenadel (Haliichthys Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Gray, 1859)
- Hippichthys Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Bleeker, 1849
- Seepferdchen (Hippocampus Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Rafinesque, 1810)
- Histiogamphelus Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.McCulloch, 1914
- Hypselognathus Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Whitley, 1948
- Ichthyocampus Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Kaup, 1853
- Idiotropiscis Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Whitley, 1947
- Kaupus Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Whitley, 1951
- Kimblaeus Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Dawson, 1980
- Kyonemichthys Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Gomon, 2007
- Leptonotus Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Kaup, 1853
- Lissocampus Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Waite & Hale, 1921
- Lophocampus Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Dawson, 1984
- Micrognathus Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Duncker, 1912
- Minyichthys Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Herald & Randall, 1972
- Mitotichthys Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Whitley, 1948
- Nannocampus Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Günther, 1870
- Notiocampus Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Dawson, 1979
- Penetopteryx Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Lunel, 1881
- Phoxocampus Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Dawson, 1977
- Großer Fetzenfisch (Phycodurus Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Gill, 1896)
- Phyllopteryx Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Swainson, 1839
- Pseudophallus Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Herald, 1940
- Pugnaso Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Whitley, 1948
- Siokunichthys Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Herald in Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Schultz, Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Herald, Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Lachner, Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Welander & Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Woods, 1953
- Solegnathus Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Swainson, 1839
- Stigmatopora Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Kaup, 1853
- Stipecampus Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Whitley, 1948
- Syngnathoides Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Bleeker, 1851
- Syngnathus Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Linnaeus, 1758
- Trachyrhamphus Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Kaup, 1853
- Urocampus Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Günther, 1870
- Vanacampus Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Whitley, 1951
Fossilbefund[Bearbeiten]
Die ersten Seenadeln sind fossil aus der norditalienischen Monte-Bolca-Formation, die aus Ablagerungen der Tethys im Eozän entstand, bekannt. Es sind die Gattungen Pseudosyngnathus, die noch einen unvollständigen Hautpanzer hatte, und Syngnathus, die noch heute existiert. Seepferdchen sind seit dem Pliozän nachgewiesen.<ref>Karl Albert Frickhinger: Fossilien Atlas Fische. Mergus-Verlag, Melle 1999, ISBN 3-88244-018-X.</ref>
Quellen[Bearbeiten]
Literatur[Bearbeiten]
- Rudie H. Kuiter: Seepferdchen, Seenadeln, Fetzenfische und ihre Verwandten. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart 2001, ISBN 3-8001-3244-3.
- Joseph S. Nelson: Fishes of the World. John Wiley & Sons, 2006, ISBN 0-471-25031-7.
- Kurt Fiedler: Lehrbuch der Speziellen Zoologie, Band II, Teil 2: Fische. Gustav Fischer Verlag, Jena 1991, ISBN 3-334-00339-6.
- Dieter Eichler, Robert F. Myers: Korallenfische Zentraler Indopazifik. Jahr-Verlag, 1997, ISBN 3-86132-225-0.
- Hans A. Baensch, Robert Patzner: Mergus Meerwasser-Atlas Band 6 Non-Perciformes (Nicht-Barschartige). Mergus-Verlag, Melle 1998, ISBN 3-88244-116-X.
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references> <ref name="Short etal 2026"> Graham Short, Ralph Foster, Martin Gomon, Susan Bassham, Clayton Small, Healy Hamilton, Alexander DuToit, Christina Biggs, David Harasti, Kerryn Parkinson, Amanda Hay (2026): Australyichthys gen. nov. (Teleostei, Syngnathidae), a lost mesophotic lineage from southern Australia, with description of A. aegis sp. nov. and reclassification of Hippocampus minotaur and H. paradoxus. Journal of Lost Species, 1: [1-42]. DOI:10.66264/y1ffbcwb</ref> <ref name="Short&Trnski"> Graham A. Short, Thomas Trnski: A New Genus and Species of Pygmy Pipehorse from Taitokerau Northland, Aotearoa New Zealand, with a Redescription of Acentronura Kaup, 1853 and Idiotropiscis Whitley, 1947 (Teleostei, Syngnathidae). In: Ichthyology & Herpetology. Band 109, Nr. 3, 2021, S. 806–835. doi:10.1643/i2020136 </ref> </references>
Weblinks[Bearbeiten]
- Seenadeln auf Fishbase.org (englisch)