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Seitlinge

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Seitlinge
Datei:2010-10-28 Pleurotus ostreatus (Jacq.) P. Kumm 116409 cropped.jpg

Austern-Seitling (Pleurotus ostreatus)

Systematik
Unterabteilung: Agaricomycotina
Klasse: Agaricomycetes
Unterklasse: Agaricomycetidae
Ordnung: Champignonartige (Agaricales)
Familie: Seitlingsverwandte (Pleurotaceae)
Gattung: Seitlinge
Wissenschaftlicher Name
Pleurotus
(Fr.) P. Kumm.

Die Seitlinge (Pleurotus) sind eine Pilzgattung aus der Familie der Seitlingsverwandten. Sie wurden in der Vergangenheit lange den Stielporlingsverwandten (Polyporaceae) zugerechnet.

Merkmale[Bearbeiten]

Bei den Seitlingen handelt es sich überwiegend um kurz- bis ungestielte Pilze, die seitlich am Substrat angewachsen sind. Die Hüte sind muschel-, nieren- oder halbkreisförmig. Die Hutunterseite wird durch helle, ganzrandige Lamellen gebildet, die Hutoberseite ist kahl und nicht geschuppt. Das Fleisch hat bei jungen Fruchtkörpern eine saftige, alt bald eine zähe Konsistenz. Das Sporenpulver ist weiß bis blass lehmfarben.

Gattungsabgrenzung[Bearbeiten]

Auch in anderen Pilzgattungen existieren Arten, die den Seitlingen vergleichbare, kurz- oder ungestielt am Substrat ansitzende Fruchtkörper bilden und teilweise auch mit dem deutschen Trivialnamen Seitling bezeichnet werden. In Mitteleuropa sind dies die Zwergknäuelinge (Panellus), Muschelinge (Hohenbuehelia), Knäuelinge (Panus), die ebenfalls als Seitlinge bezeichneten Gattungen Pleurocybella und Phyllotopsis. Auch der relativ große Ulmenrasling (Hypsizygus ulmarius) sowie andere Holzraslinge könnten mit den Seitlingen verwechselt werden.

Ökologie[Bearbeiten]

Die Arten der Gattung Pleurotus leben als Saprobionten oder (Schwäche)-Parasiten. Einzelne Arten können sowohl als Schwächeparasiten als auch als Saprobionten auftreten. Die meisten Seitlinge leben auf Laubhölzern, seltener werden Nadelhölzer besiedelt. Der Kräuterseitling bildet eine Ausnahme: Er parasitiert auf Wurzeln von Doldenblütlern. Der Opuntien-Seitling (Pleurotus opuntiae) zersetzt die Zellulose und das Leitbündel-Holz von Agaven und Kakteen. Die holzbewohnenden Seitlinge sind Weißfäuleerreger, d. h., sie können neben der Zellulose auch den Holzstoff Lignin zersetzen.

Arten[Bearbeiten]

Die Gattung Pleurotus umfasst weltweit etwa 30 Arten. In Europa kommen 8 Arten vor bzw. sind dort zu erwarten.<ref name="Zervakis1996"/>

Seitlinge (Pleurotus) in Europa
Deutscher Name Wissenschaftlicher Name Autorenzitat
Beschleierter Pappel- oder Espen-Seitling Pleurotus calyptratus Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.(Lindblad 1857) Saccardo 1887
Rillstieliger Seitling Pleurotus cornucopiae Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.(Paulet 1808 ex Persoon 1828) Rolland 1910
Berindeter, Beringter oder Eichen-Seitling Pleurotus dryinus Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.(Persoon 1801 : Fries 1821) P. Kummer 1871
Brauner Kräuter-Seitling Pleurotus eryngii Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.(De Candolle 1815 : Fries 1821) Quélet 1872
Blasser Kräuter-Seitling Pleurotus nebrodensis Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.(Inzenga 1865) Quélet 1886
Opuntien-Seitling Pleurotus opuntiae Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.(Durieu & Léveillé 1846) Saccardo 1887
Austern-Seitling Pleurotus ostreatus Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.(Jacquin 1774 : Fries 1821) P. Kummer 1871 ss. lat.
Früher Austern-Seitling Pleurotus ostreatus var. praecox Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.E. Ludwig 2001<ref name="Ludwig2001"/>
Lungen-, Löffelförmiger oder Cremeweißer Seitling Pleurotus pulmonarius Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.(Fries 1821 : Fries 1821) Quélet 1872

Weitere Arten sind als Speisepilze in Kultur und werden teils unter Fantasienamen vermarktet:

Deutscher Name Wissenschaftlicher Name Autorenzitat
Zitronengelber oder Limonen-Seitling Pleurotus citrinopileatus Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Singer 1943
Abalone-Seitling Pleurotus cystidiosus Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.O.K. Miller 1969
Rosen-Seitling Pleurotus djamor Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.(Rumphius 1750 ex Fries 1821) Boedijn 1959

Bedeutung[Bearbeiten]

Inhaltsstoffe[Bearbeiten]

1951 gelang die Isolierung einer antibiotisch wirksamen Substanz, des Pleuromulins (auch Pleuromutilin genannt), aus diesem Pilz. Heute werden chemische Modifikationen dieser Substanz für verschiedene therapeutische Zwecke eingesetzt. Eine bekannte Wirksubstanz in der Arzneimitteltherapie ist das Tiamulin bzw. das Tiamulinhydrogenfumarat.

Speisewert[Bearbeiten]

Die meisten Arten gelten als essbar und schmackhaft, insbesondere der Austern- und Kräuterseitling. Einige Seitlinge haben als kultivierbare Speisepilze eine ökonomische Bedeutung erlangt, weil sie eine Vielzahl von Substraten besiedeln können.

Namensherkunft[Bearbeiten]

Der botanische Name Pleurotus leitet sich von griechisch pleura = die Seite, und griechisch us = das Ohr ab. Denn die Pilze sind oft ohrförmig und besitzen einen seitlichen Stiel.

Quellen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • A. Bresinsky: Schneehaubenpilze – Austernseitlinge. In: Der Tintling 4/2006, S. 8–18, ISSN 1430-595X
  • P. Albert und G. Albert: Kulturpilz Kräuterseitling (Pleurotus eryngii). In: Der Tintling. 1/2007, S. 60–61, ISSN 1430-595X
  • Josef Breitenbach, Fred Kränzlin (Hrsg.): Pilze der Schweiz. Beitrag zur Kenntnis der Pilzflora der Schweiz. Band 3: Röhrlinge und Blätterpilze. Teil 1: Strobilomycetaceae und Boletaceae, Paxillaceae, Gomphidiacea, Hygrophoracea, Tricholomataceae, Polyporaceae (lamellige). Mykologia, Luzern 1991, ISBN 3-85604-030-7.
  • German Josef Krieglsteiner (Hrsg.), Andreas Gminder: Die Großpilze Baden-Württembergs. Band 3: Ständerpilze. Blätterpilze I. Ulmer, Stuttgart 2001, ISBN 3-8001-3536-1.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references> <ref name="Zervakis1996">Georgios Zervakis, Constantinos Balis: A pluralistic approach in the study of Pleurotus species with emphasis on compatibility and physiology of the European morphotaxa. In: Mycol. Res. Band 100, Nr. 6, 1996, S. 717–731, doi:10.1016/S0953-7562(96)80205-X (researchgate.net [PDF]). </ref> <ref name="Ludwig2001">E. Ludwig: Pleurotus ostreatus var. praecox. In: Pilzkompendium. Band 1, 2001, S. 567 (Index Fungorum). </ref> </references>

Weblinks[Bearbeiten]

Commons: Pleurotus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien