Siedler Verlag
| Siedler-Verlag | |
|---|---|
| Siedler-Verlag-Logo.png | |
| Gründung | 1980 |
| Sitz | München, Deutschland |
| Verleger | Britta Egetemeier<ref name="BB1840407">Verlagsgruppe Random House: Britta Egetemeier in die Geschäftsführung berufen. In: Börsenblatt. 1. März 2020, abgerufen am 10. Mai 2024.</ref> |
| Verlagsnummer | 8275, 88680<ref>Adressbuch für den deutschsprachigen Buchhandel. Marketing- und Verlagsservice des Buchhandels, abgerufen am 18. Januar 2016.</ref> |
| Verlagsgruppe | Penguin Random House |
| Gattung | Sachbuch |
| Website | www.penguin.de |
Der Siedler Verlag (vollständig Wolf Jobst Siedler Verlag) ist ein deutscher Buchverlag mit Sitz in München.<ref>Der schreibende Verleger. In: Handelsblatt. 29. November 2013.</ref> Er wurde 1980 gegründet und gehört heute zur Penguin Random House Verlagsgruppe. Der Siedler-Verlag veröffentlicht heute vor allem Literatur der Zeitgeschichte und politische Werke.
Geschichte[Bearbeiten]
Im Jahr 1980 gründeten Jochen Severin und Wolf Jobst Siedler in Berlin den „Severin & Siedler Verlag“. Severin war Filmproduzent und Bauunternehmer, Siedler leitete zuvor den Propyläen Verlag.<ref>Zeitmosaik. In: Die Zeit. Nr. 3, 11. Januar 1980 (zeit.de [abgerufen am 19. Januar 2016]).</ref> Neben Literatur der Zeitgeschichte und politischen Werken wurde der Verlag in den ersten Jahren mit geisteswissenschaftlichen Büchern bekannt. 1983 stieg Joachim Severin aus dem Unternehmen aus: Bertelsmann erwarb insgesamt 75 Prozent, Wolf Jobst Siedler blieb mit 25 Prozent beteiligt.<ref>Zeitmosaik. In: Die Zeit. Nr. 12, 18. März 1983 (zeit.de [abgerufen am 19. Januar 2016]).</ref> Mitte der 1980er Jahre kooperierte der Siedler-Verlag mit dem Akademie Verlag, um gemeinsam ausgewählte Werke zu veröffentlichen.<ref>Krijn Thijs: Drei Geschichten, eine Stadt: Die Berliner Stadtjubiläen von 1937 und 1987. Böhlau, Köln 2008, ISBN 978-3-412-14406-7, S. 237.</ref> Nachdem der Siedler-Verlag in den 1990er Jahren Verluste von mehreren Millionen erzielt hatte, nahm die Verlagsgruppe Random House ab 1993 maßgeblich Einfluss auf die Geschäftsführung.<ref name="Müller (2010)" />
Mit Blick auf den 70. Geburtstag von Wolf Jobst Siedler regelte man seine Nachfolge:<ref>Knaus Verlag: Von München nach Berlin. In: Nürnberger Nachrichten. 31. Oktober 1994.</ref> Der Verleger verkaufte seine restlichen Anteile in Höhe von 25 Prozent an Bertelsmann und blieb weiterhin beratend tätig.<ref>Buchmarkt: Das Aus für Wolf Jobst Siedler. In: Focus. Nr. 15, 10. April 1993, S. 12.</ref> Zwischen Wolf Jobst Siedler und der neuen Geschäftsführung kam es vereinzelt zu Differenzen über die Ausrichtung des Verlags.<ref name="Müller (2010)" /> 1998 schied Wolf Jobst Siedler endgültig aus dem Verlag aus. Grund dafür waren unter anderem gesundheitliche Probleme.<ref>Stephan Speicher: Lust auf sich selbst. In: Süddeutsche Zeitung. 29. November 2013, S. 11.</ref> Die Verlagsgruppe Random House übernahm den Berlin Verlag, dessen Gründer Arnulf Conradi man 1998 zum Nachfolger von Wolf Jobst Siedler bestimmte.<ref>Stephan Speicher: Verlage und ihre Verleger. In: Berliner Zeitung. 29. Juni 1998.</ref> Nachdem die Beteiligung am Berlin Verlag wieder verkauft worden war, zog der Siedler-Verlag 2003 vollständig von Berlin nach München.<ref>Siedler verlässt Berlin und zieht nach München. In: welt.de. 9. August 2003, abgerufen am 19. Januar 2016.</ref><ref>Siedler Verlag zieht nach München. In: tagesspiegel.de. 12. August 2003, abgerufen am 19. Januar 2016.</ref> Dort wurden sämtliche Buchverlage von Bertelsmann gebündelt.<ref>Random House konzentriert Verlage. In: Handelsblatt. 12. August 2003, S. 14.</ref> Der Verlag blieb unter dem Dach der Verlagsgruppe weitgehend selbstständig, insbesondere in Bezug auf sein Programm.<ref>Siedler Verlag zieht nach München um. In: buchmarkt.de. 8. August 2003, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 13. Juni 2016; abgerufen am 19. Januar 2016. Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.</ref>
Ab 2005 leitete Thomas Rathnow den Siedler Verlag.<ref>Aus Drei werden Sieben. In: buchreport.de. 23. Juni 2014, abgerufen am 19. Januar 2016.</ref> Seit 2020 ist Britta Egetemeier für Siedler verantwortlich.<ref name="BB1840407" />
Programm[Bearbeiten]
Anfang der 1980er Jahre wurde der Verlag mit der Reihe „Die Deutschen und ihre Nation“ bekannt.<ref>Hagen Schulze: Die Deutschen und ihre Nation. In: Die Zeit. Nr. 38, 17. September 1982 (zeit.de [abgerufen am 19. Januar 2016]).</ref> Die sechs Bände zur neueren Deutschen Geschichte waren kommerziell und wissenschaftlich erfolgreich.<ref name="Müller (2010)">Helen Müller (Hrsg.): 175 Jahre Bertelsmann: Eine Zukunftsgeschichte. C. Bertelsmann, München 2010, ISBN 978-3-570-10175-9, S. 110–111.</ref> Das Werk wurde später mit „Deutsche Geschichte im Osten Europas“ und anderen Reihen ergänzt.<ref>Klaus Bednarz: Einfach untergegangen. In: Die Zeit. Nr. 51, 11. Dezember 1992 (zeit.de [abgerufen am 19. Januar 2016]).</ref> In den ersten Jahren des Siedler-Verlags wurden insbesondere auch die Werke von George Gilder und Lew Kopelew positiv aufgenommen.<ref name="Müller (2010)" />
1983 veröffentlichte der Siedler Verlag eine Gesamtausgabe des Nachlasses von Konrad Adenauer.<ref>Der Berliner Verleger und Publizist. In: Nürnberger Nachrichten. 15. Januar 1991.</ref> Ab 1987 erschienen diverse Bücher von Helmut Schmidt im Siedler-Verlag,<ref>Johannes Marbach, Frank Josef Nober (Hrsg.): Helmut-Schmidt-Bibliographie: 1947–2008. Harrassowitz, Wiesbaden 2008, ISBN 978-3-447-05880-3.</ref> davon wurde zum Beispiel „Außer Dienst“ zum Bestseller.<ref>Hans-Jürgen Jakobs: Helmut Schmidt Superstar. Politik als Bestseller. In: sueddeutsche.de. 17. Mai 2010, abgerufen am 31. März 2016.</ref> Als eine wichtige Autorin des Verlags publizierte Marion Gräfin Dönhoff beispielsweise 1988 „Kindheit in Ostpreußen“.<ref>Trotz Wertkonservierung: Wolf Jobst Siedler wird 65 Jahre. In: Die Tageszeitung. 14. Januar 1991, S. 22 (Ausgabe Berlin).</ref><ref>Sabrina Greifenhofer: Realistisch, kritisch und ein wenig träumerisch. In: Kölner Stadt-Anzeiger. 18. Oktober 2007.</ref><ref>Bibliografie: Buchveröffentlichungen von Marion Gräfin Dönhoff. In: zeit.de. 26. November 2009, abgerufen am 19. Januar 2016.</ref> Peter Scholl-Latour schrieb mehrere Bücher für den Verlag, unter anderem wurde 1990 „Der Wahn vom himmlischen Frieden: Chinas langes Erwachen“ verlegt.<ref>Andreas Lorenz: Blick auf den Schlitz im Kleid. In: Der Spiegel. Nr. 25, 1990 (online – 18. Juni 1990).</ref> In den 1990er Jahren war „Hitlers willige Vollstrecker“ von Daniel Jonah Goldhagen zwar ein erfolgreiches Sachbuch, aber auch inhaltlich umstritten.<ref>Berliner Schöngeist. In: Nürnberger Nachrichten. 16. Januar 2001.</ref> Hildegard Hamm-Brücher war eine weitere bekannte Autorin des Siedler-Verlags.<ref>Werner Birkenmaier: Die „Krampfhenne“ hat unbeirrt Kurs gehalten. In: Stuttgarter Zeitung. 10. Mai 2011, S. 4.</ref>
Zum internationalen Bestseller wurde die Biografie von Adolf Hitler und Josef Stalin von Alan Bullock, die Siedler 1991 herausbrachte.<ref>Alan Bullock: Die Genies des Bösen. In: Der Spiegel. Nr. 25, 1991 (online – 17. Juni 1991).</ref> Sie ist heute ein Standardwerk über das Leben beider Diktatoren.<ref>Hartmut Wehrt: Das Geheimnis der Zeit: Das Spannungsfeld zwischen Ökologie, Naturwissenschaft und Theologie. Peter Lang, Frankfurt am Main 2008, ISBN 978-3-631-52535-7, S. 243.</ref> Im Siedler Verlag erschienen bis heute die Erinnerungen und Memoiren diverser Personen der Zeitgeschichte, zum Beispiel von Politikern wie Helmut Schmidt, Franz Josef Strauß, Willy Brandt, Hans-Dietrich Genscher und Bruno Kreisky.<ref>Irma Weinreich: Der preußische Schöngeist. In: Frankfurter Neue Presse. 17. Januar 2001, S. 1.</ref> Außerdem erschien zum Beispiel Oliver Hilmes Biografie über Ludwig II. im Siedler-Verlag.<ref>Peter Gauweiler: Er hat den Charakter seines Landes veredelt. In: faz.net. 24. Oktober 2013, abgerufen am 30. März 2016.</ref> In der jüngeren Vergangenheit wurden auch Werke der Bundespräsidenten Roman Herzog („Jahre der Politik“, 2007) und Joachim Gauck („Winter im Sommer, Frühling im Herbst“, 2009) verlegt.<ref>Robert Leicht: Der Präsident, der den Ruck predigte. In: Die Zeit. Nr. 12, 15. März 2007 (zeit.de [abgerufen am 19. Januar 2016]).</ref><ref>Der Mann hinter den Papierbergen. In: Sächsische Zeitung. 19. November 2009, S. 12.</ref> Zuletzt erreichte Siedler 2015 mit einer Hitler-Biografie von Peter Longerich größere Aufmerksamkeit.<ref>Christian Schröder: Der große Diktator. In: tagesspiegel.de. 24. November 2015, abgerufen am 19. Januar 2016.</ref> Jährlich erscheinen im Siedler-Verlag rund ein Dutzend Novitäten.
Weblinks[Bearbeiten]
- Offizielle Website des Siedler-Verlags
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references />
Koordinaten: 48° 7′ 57″ N, 11° 37′ 19,8″ O
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