Simon & Halbig
Simon & Halbig (SH oder S & H) war eine im 19. Jahrhundert in Gräfenhain gegründete Porzellanfabrik, aus der sich eine der größten Puppenkopf-Hersteller Deutschlands entwickelte.<ref name="Internationales Handbuch">Jean Bach: Simon & Halbig, Graefenhain in ders.: Internationales Handbuch der Puppenmarken ..., S. 118f.</ref>
Geschichte[Bearbeiten]
Das Unternehmen wurde 1869 gegründet von Wilhelm Simon<ref name="Internationales Handbuch" /> und Carl Halbig<ref name="Doll Makers & Marks">Dawn Herlocher: Doll Makers & Marks: A Guide to Identification, Antique Trader Books, 1999, S. 82; Vorschau über Google-Bücher</ref> Da der Mitbegründer Wilhelm Simon jedoch auch Spielzeughersteller war und auch Puppen produzierte, begann das Unternehmen rasch auch mit der Herstellung von Puppenköpfen aus Biskuitporzellan für den eigenen Bedarf sowie für andere Firmen.<ref name="Internationales Handbuch" />
Ab 1902 lieferte Simon & Halbig Biskuitköpfe für zahlreiche Puppenfabrikanten in ganz Europa, insbesondere sämtliche Biskuitköpfe für das Unternehmen Kämmer & Reinhardt (K & R). In dieser Abhängigkeit wird auch der Grund für die Übernahme von S & H durch K & R im Jahr 1920 vermutet.<ref name="Internationales Handbuch" /> Die Marke S & H wurde jedoch bis 1939 oder später verwendet.<ref name="Doll Makers & Marks" />
Zu den Puppenherstellern, die Köpfe von S & H produzieren ließen, gehörten C. M. Bergmann, Carl Bergner, Cuno & Otto Dressel, R. Eekhoff, Fleischmann & Bloedel, Hamburger & Co., Heinrich Handwerck, Adolf Hülls, Jumeau, Louis Lindner, Roullet & Decamps, Franz Schmidt & Co., S. F. B. J., Carl Trautmann, Welsch & Co., Hugo Wiegand, Wiesenthal, Schindel & Kallenberg sowie Adolf Wislizenus. Für diese waren bei S & H teilweise Formennummern und Handelsnamen reserviert.<ref name="Internationales Handbuch" />
Nachfolger von Simon & Halbig wurde nach 1930 das Keramische Werk Graefenhain, das die Marke KWG nutzte.<ref name="Internationales Handbuch" />
Marken und Datierungen[Bearbeiten]
Für die Sammler zählen die Schulterköpfe von Simon & Halbig zu den ältesten mit einer Markierung versehenen Biskuitobjekten. Die älteste bekannte Markierung stellt der Stempel SH dar. 1875 folgt der als eingetragene Marke für Verpackungen „sitzende Chinese“. Der Zusatz DEP bei der Marke von SH findet sich erst ab dem Jahr 1888. Ab 1905 wandelte sich das in die Produkte eingestempelte Firmenkürzel in S & H. Eine genaue zeitliche Datierung einzelner Objekte gestaltet sich in der Regel jedoch schwierig, da die eingeprägten Nummern auf den Formen – in der Regel entweder am Hinterkopf oder auf der Vorder- oder Rückseite der Schulterplatten der Porzellankopfpuppen – teils für verschiedene Größen und teilweise über Jahrzehnte genutzt wurden.<ref name="Internationales Handbuch" />
Literatur (Auswahl)[Bearbeiten]
- Jean Bach: Internationales Handbuch der Puppenmarken. Ein Puppen-Bestimmungsbuch, englischer Originaltitel: The main street dictionary of doll marks, übersetzt von Wolfgang Hartmann, München: Laterna Magica, 1989, ISBN 3-87467-389-8; S. 118f. u.ö.; Inhaltsverzeichnis
- Jürgen Cieslik, Marianne Cieslik: Cieslik's Lexikon der deutschen Puppenindustrie. Marken, Daten, Fakten, 2., überarbeitete Auflage, Hamburg: Marquardt & Wellhausen; Jülich: Cieslik, 1989, ISBN 978-3-939806-20-2 (Wellhausen & Marquardt) und ISBN 3-921844-20-7 (Cieslik)
Weblinks[Bearbeiten]
- Hersteller antiker Puppen und ihre Markungen - Simon & Halbig
- N.N.: "Philipp" / Um 1909, von der Porzellanfabrik Simon + Halbig / Biskuit-Charakterpuppe mit Toddlerkörper, in der Sammlerliteratur unter dem Namen "Philipp" bekannt. Charakterserie 1909 nach einem Entwurf von Kämmer und Reinhardt, Text und Videoclip aus der Sendung Kunst und Krempel vom 14. Dezember 2013 auf der Seite des BR Fernsehen
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references />
Koordinaten: 50° 50′ 12,3″ N, 10° 40′ 5,6″ O
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