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Soddyit

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Soddyit
Datei:Soddyite-Swamboite-180982.jpg
1 mm große Soddyit-Kristalle aus der Swambo Mine, Provinz Katanga, Demokratische Republik Kongo
Allgemeines und Klassifikation
IMA-Symbol

Sod<ref name="Warr" />

Chemische Formel
  • (UO2)2(SiO4)·2H2O<ref name="IMA-Liste" />
  • [(UO2)2|SiO4]·2H2O<ref name="StrunzNickel" />
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Silikate und Germanate – Inselsilikate (Nesosilikate)
System-Nummer nach
Strunz (8. Aufl.)
Lapis-Systematik
(nach Strunz und Weiß)
Strunz (9. Aufl.)
Dana

VIII/A’.15 – Anhang
VIII/B.36-010<ref name="Lapis" />

9.AK.05
53.03.03.01
Kristallographische Daten
Kristallsystem orthorhombisch
Kristallklasse; Symbol orthorhombisch-dipyramidal; 2/m2/m2/m<ref name="Webmineral" />
Raumgruppe Fddd (Nr. 70)Vorlage:Raumgruppe/70<ref name="StrunzNickel" />
Gitterparameter a = 8,33 Å; b = 11,21 Å; c = 18,67 Å<ref name="StrunzNickel" />
Formeleinheiten Z = 8<ref name="StrunzNickel" />
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 3,5<ref name="Handbookofmineralogy" /><ref name="Klockmann" />
Dichte (g/cm3) gemessen: 4,63 bis 4,70; berechnet: 5,09<ref name="Handbookofmineralogy" />
Spaltbarkeit vollkommen nach {001}, gut nach {111}<ref name="Handbookofmineralogy" />
Bruch; Tenazität uneben
Farbe bernsteingelb, grünlichgelb<ref name="Handbookofmineralogy" />
Strichfarbe gelb
Transparenz durchsichtig bis durchscheinend<ref name="Handbookofmineralogy" />
Glanz Glasglanz bis Diamantglanz; in erdiger Form auch matt<ref name="Handbookofmineralogy" />
Radioaktivität sehr stark<ref name="Webmineral" />
Kristalloptik
Brechungsindizes nα 1,650 bis 1,654<ref name="Mindat" />
nβ 1,685<ref name="Mindat" />
nγ 1,699 bis 1,715<ref name="Mindat" />
Doppelbrechung δ 0,049 bis 0,061<ref name="Mindat" />
Optischer Charakter zweiachsig negativ
Pleochroismus X = farblos; Y = sehr hellgelb; Z = hellgelbgrün<ref name="Handbookofmineralogy" />

Soddyit ist ein selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Silikate und Germanate“ mit der chemischen Zusammensetzung (UO2)2(SiO4)·2H2O und damit ein wasserhaltiges Uranyl-Silikat. Strukturell gehört Soddyit zu den Inselsilikaten.

Soddyit kristallisiert im orthorhombischen Kristallsystem und entwickelt pyramidale bis prismatische Kristalle bis etwa drei Zentimeter Größe mit einem glas- bis diamantähnlichen Glanz auf den Oberflächen, kommt aber auch in Form derber bis erdiger Aggregate vor. Das durchsichtige bis durchscheinende Mineral ist von bernsteingelber bis grünlichgelber Farbe und hinterlässt auf der Strichtafel einen gelben Strich.

Etymologie und Geschichte[Bearbeiten]

Datei:Frederick Soddy.jpg
Namensgeber Frederick Soddy 1922

Soddyit wurde 1922 von Alfred Schoep erstmals beschrieben. Er fand an einer Stufe orangebrauner Curit-Kristalle aus der Kasolo Mine in Katanga (heute: Demokratische Republik Kongo) ein weiteres, gelbes Mineral, für das er den Namen „Soddite“ vorschlug, zu Ehren des Chemikers Frederick Soddy, der 1921 den Nobelpreis für seine Arbeit zu den radioaktiven Stoffen und der Natur der Isotopen erhielt.<ref name="Schoep" /><ref name="Holden" /> Billiet änderte diesen Namen 1926 zu „Soddyit“, der auch von Schoep akzeptiert und schließlich in allen seinen weiteren Publikationen benutzt wurde.<ref name="Gorman" />

Das Typmaterial des Minerals wird in der Mineralogischen Sammlung des Naturhistorischen Museums in Paris, Frankreich unter der Katalog-Nr. 122.122/3 aufbewahrt.<ref name="IMA-Typmineralkatalog" />

Klassifikation[Bearbeiten]

In der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Soddyit zur Mineralklasse der „Silikate“ und dort zur Abteilung der „Neso-Subsilikate“ (Familie der Uranyl-Silikate), wo er zusammen mit Calcioursilit und Ursilit den Anhang der „Weeksit-Gruppe (UO2 : SiO2 = 1 : 3)“ mit der Systemnummer VIII/A'.15 und den weiteren Mitgliedern Haiweeit und Weeksit bildete.

In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineral-Nr. VIII/B.36-010. Dies entspricht der neu definierten Abteilung „Inselsilikate mit tetraederfremden Anionen“, wobei in den Gruppen VIII/B.34 bis 38 die Uranyl-Inselsilikate mit [UO2]2+-[SiO4]4− und Verwandte einsortiert sind. Soddyit bildet hier zusammen mit Swamboit-(Nd) eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer VIII/B.36.<ref name="Lapis" />

Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte<ref name="IMA-Liste-2009" /> 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Soddyit in die erweiterte Klasse der „Silikate und Germanate“, dort aber ebenfalls in die Abteilung der „Inselsilikate (Nesosilikate)“ ein. Diese ist weiter unterteilt nach der möglichen Anwesenheit zusätzlicher Anionen und der Koordination der beteiligten Kationen oder den in der Verbindung vorherrschenden Anionenkomplexen, so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Uranyl-Insel- und Polysilikate“ (mit U : Si = 2 : 1) zu finden ist, wo es als einziges Mitglied eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer 9.AK.05 bildet.

In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Soddyit die System- und Mineralnummer 53.03.03.01. Dies entspricht ebenfalls Klasse der „Silikate“ und dort der Abteilung der „Inselsilikate: SiO4-Gruppen und andere Anionen komplexer Kationen“ ein. Hier ist er zusammen mit Uranosilit in der „Andere Uranylsilikate“ mit der Systemnummer 53.03.03 innerhalb der Unterabteilung „Inselsilikate: SiO4-Gruppen und andere Anionen komplexer Kationen mit (UO2)“ zu finden.

Kristallstruktur[Bearbeiten]

Soddyit kristallisiert in der orthorhombischen Raumgruppe Fddd (Raumgruppen-Nr. 70)Vorlage:Raumgruppe/70 mit den Gitterparametern a = 8,33 Å; b = 11,21 Å und c = 18,67 Å sowie acht Formeleinheiten pro Elementarzelle.<ref name="StrunzNickel" />

Soddyit ist das bisher einzig bekannte Uranylmineral, dass ein Uran-Silicium Verhältnis von 2:1 aufweist.<ref name="Stohl" /> In der Kristallstruktur verknüpft ein tetraedrisches Silikat-Anion sechs pentagonal-bipyramidale Uranyl-Ionen. Die Uranyl-Polyeder sind dabei kantenverknüpft. Die fünfte äquatoriale Koordinationsstelle wird dabei von einem Wassermolekül besetzt, dessen Wasserstoffatome Wasserstoffbrückenbindungen zu den Uranyl-Sauerstoffatomen aufbauen. Durch dieses Verknüpfungsschema entsteht ein dreidimensionales Netzwerk.

Eigenschaften[Bearbeiten]

Das Mineral ist durch seinen Urangehalt von 71,25 % sehr stark radioaktiv. Unter Berücksichtigung der Mengenanteile der radioaktiven Elemente in der idealisierten Summenformel sowie der Folgezerfälle der natürlichen Zerfallsreihen wird für das Mineral eine spezifische Aktivität von etwa 127,5 kBq/g<ref name="Webmineral" /> angegeben (zum Vergleich: natürliches Kalium 0,0312 kBq/g). Der zitierte Wert kann je nach Mineralgehalt und Zusammensetzung der Stufen deutlich abweichen, auch sind selektive An- oder Abreicherungen der radioaktiven Zerfallsprodukte möglich und ändern die Aktivität.

Bildung und Fundorte[Bearbeiten]

Datei:Soddyite Rutherfordine Kolwezi Mine.JPG
Paragenese von Soddyit (gelb) mit Rutherfordin (braun) aus der Kolwezi Mine, Demokratische Republik Kongo
Datei:Swamboite and Soddyite.jpg
Paragenese von Soddyit (gelb) mit Swamboit-(Nd) (blassgelb) aus der Swambo Mine, Demokratische Republik Kongo
Datei:Soddyite-Curite-Heterogenite-201075.jpg
Paragenese von Soddyit (gelb) und Curit (orange) auf Heterogenit (schwarz) aus der Kasolo Mine, Demokratische Republik Kongo

Soddyit bildet sich als sekundäres Uranmineral in der Oxidationszone primärer Uranerze. Es findet sich als Silikatmineral vergesellschaftet mit den weiteren Uranylsilikaten Kasolit, Sklodowskit und Uranophan. Des Weiteren findet es sich in der klassischen Vergesellschaftung mit dem basischen Blei-Uranyl-Oxid Curit, wie auch mit dem Kupfer-Uranyl-Phosphat Torbernit und sehr selten mit dem kalium- und bleihaltigen Uranyl-Oxid-Hydroxid Gauthierit.<ref name="Olds" />

Als seltene Mineralbildung konnte Soddyit nur an wenigen Orten nachgewiesen werden, wobei bisher weltweit rund 40 Fundstellen dokumentiert sind (Stand 2020).<ref name="MindatAnzahl" /> Außer an seiner Typlokalität in Shinkolobwe (Kasolo Mine) trat das Mineral in der Demokratischen Republik Kongo noch in der nahe gelegenen Kambove Principal Mine, am Swambo Hill und in der Luiswishi Mine bei Lubumbashi in der Provinz Haut-Katanga sowie in mehreren Gruben wie z. B. der Musonoi Mine im Bergbaubezirk Kolwezi in der Provinz Lualaba auf.

In Deutschland fand sich Soddyit bisher nur im Krunkelbachtal nahe Menzenschwand in Baden-Württemberg sowie in der Grube Uranus bei Kleinrückerswalde und in der Umgebung von Johanngeorgenstadt und Tirpersdorf in Sachsen.

Weitere bekannte Fundorte sind unter anderem am Mount Painter in Australien, Lodève in Frankreich, Capoterra in Italien, Eger und Karlsbad in der Tschechischen Republik, Lake George in Kanada, Peña Blanca in Mexiko, Ust'-Uyuk in Russland sowie Nevada und Wyoming in den USA.<ref name="Fundorte" />

Vorsichtsmaßnahmen[Bearbeiten]

Aufgrund der starken Radioaktivität des Minerals sollten Mineralproben vom Soddyit nur in staub- und strahlungsdichten Behältern, vor allem aber niemals in Wohn-, Schlaf- und Arbeitsräumen aufbewahrt werden. Ebenso sollte wegen der hohen Toxizität und Radioaktivität von Uranylverbindungen eine Aufnahme in den Körper (Inkorporation, Ingestion) auf jeden Fall verhindert und zur Sicherheit direkter Körperkontakt vermieden sowie beim Umgang mit dem Mineral Mundschutz und Handschuhe getragen werden.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Commons: Soddyit – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references> <ref name="Handbookofmineralogy"> </ref> <ref name="Fundorte"> Fundortliste für Soddyit beim Mineralienatlas (deutsch) und bei Mindat (englisch), abgerufen am 19. September 2020. </ref> <ref name="Gorman"> </ref> <ref name="Holden"> </ref> <ref name="IMA-Liste"> Malcolm Back, Cristian Biagioni, William D. Birch, Michel Blondieau, Hans-Peter Boja und andere: The New IMA List of Minerals – A Work in Progress – Updated: July 2024. (PDF; 3,6 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Marco Pasero, Juli 2024, abgerufen am 13. August 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="IMA-Liste-2009"> Ernest H. Nickel, Monte C. Nichols: IMA/CNMNC List of Minerals 2009. (PDF; 1,9 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Januar 2009, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 29. Juli 2024; abgerufen am 30. Juli 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="IMA-Typmineralkatalog"> Catalogue of Type Mineral Specimens – S. (PDF 143 kB) In: docs.wixstatic.com. Commission on Museums (IMA), 12. Dezember 2018, abgerufen am 19. September 2020. </ref> <ref name="Klockmann"> Friedrich Klockmann: Klockmanns Lehrbuch der Mineralogie. Hrsg.: Paul Ramdohr, Hugo Strunz. 16. Auflage. Enke, Stuttgart 1978, ISBN 3-432-82986-8, S. 688 (Erstausgabe: 1891). </ref> <ref name="Lapis"> </ref> <ref name="Mindat"> Soddyite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 19. September 2020 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="MindatAnzahl"> Localities for Soddyite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 19. September 2020 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="Olds"> </ref> <ref name="Schoep"> </ref> <ref name="Stohl"> </ref> <ref name="StrunzNickel"> </ref> <ref name="Warr"> </ref> <ref name="Webmineral"> David Barthelmy: Soddyite Mineral Data. In: webmineral.com. Abgerufen am 19. September 2020 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> </references>