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Goldruten

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Goldruten

Riesen-Goldrute (Solidago gigantea)

Systematik
Euasteriden II
Ordnung: Asternartige (Asterales)
Familie: Korbblütler (Asteraceae)
Unterfamilie: Asteroideae
Tribus: Astereae
Gattung: Goldruten
Wissenschaftlicher Name
Solidago
L.

Die Goldruten (Solidago), auch Goldrauten genannt, sind eine Pflanzengattung innerhalb der Familie der Korbblütler (Asteraceae). Die etwa 100 Arten sind hauptsächlich in Nordamerika verbreitet. Die einzige in Mitteleuropa heimische Art ist die Gewöhnliche Goldrute (Solidago virgaurea L.).

Beschreibung[Bearbeiten]

Datei:Solidago virgaurea Sturm11.jpg
Illustration der Gewöhnlichen Goldrute (Solidago virgaurea)
Datei:Solidago sempervirens02.jpg
Achänen mit Pappus von Solidago sempervirens
Datei:Solidago virgaurea frucht.jpeg
Samenstand der Gewöhnlichen Goldrute (Solidago virgaurea)

Vegetative Merkmale[Bearbeiten]

Solidago-Arten sind ausdauernde, krautige Pflanzen, die Wuchshöhen von 5 bis 100, selten bis 200 Zentimetern erreichen. Viele Arten bilden Rhizome als Überdauerungsorgane. Die Stängel sind meist aufrecht, seltener niederliegend. Manchmal sind sie verzweigt. Die Stängel sind meist glatt oder manchmal behaart (beispielsweise Solidago canadensis). Die wechselständigen, gestielten oder ungestielten Laubblätter sind einfach und glatt oder behaart. Die Blattränder sind oft gesägt.

Generative Merkmale[Bearbeiten]

In ganz unterschiedlich aufgebauten, oft auch verzweigten Blütenständen stehen meist viele (zwei bis 1500) kleine körbchenförmige Teilblütenstände; sehr selten stehen die Blütenkörbchen einzeln. Die Blütenkörbchen sind glockenförmig bis zylindrisch und weisen Durchmesser von 1,7 bis 10 Millimetern auf. Der Körbchenboden ist von zehn bis 35 Hüllblättern in drei bis fünf Reihen umgeben. Im Blütenkörbchen stehen am Rand meist zwei bis 15 (selten fehlen sie oder es sind bis zu 24) Zungenblüten und im Zentrum meist zwei bis 35 (selten bis zu 60) Röhrenblüten. Die Zungenblüten, auch Strahlenblüten genannt, sind zygomorph, weiblich, fertil, meist ungehaart und meist gelb oder selten weiß. Die radiärsymmetrischen Röhrenblüten, auch Scheibenblüten genannt, sind gelb, zwittrig, fertil und fünfzähnig.

Die Achänen weisen meist acht bis zehn Rippen auf. Der Pappus besteht aus 25 bis 45 Borsten in zwei Reihen; manchmal sind die Borsten zusätzlich von 0,25 bis 0,5 Millimeter langen Schuppen umgeben.

Ökologie[Bearbeiten]

Bei den Solidago-Arten handelt es sich um Hemikryptophyten. Vegetative Vermehrung erfolgt durch Rhizome.

Die Ausbreitung der Diasporen, es handelt sich um die Achänen, erfolgt durch den Wind.

Insbesondere die Kanadische Goldrute (Solidago canadensis) zeigt ausgeprägte allelopathische Effekte: Phenolische, flavonoide und saponinhaltige Wurzelexsudate hemmen Keimung und Wachstum vieler Begleitarten und verschaffen der Art so einen deutlichen Konkurrenzvorteil, der in Europa noch stärker ausgeprägt ist als im nordamerikanischen Ursprungsareal.<ref name=":0">Dipti Abhilasha, Naira Quintana, Jorge Vivanco, Jasmin Joshi: Do allelopathic compounds in invasive Solidago canadensis s.l. restrain the native European flora? In: Journal of Ecology. Band 96, Nr. 5, 2008, ISSN 1365-2745, S. 993–1001, doi:10.1111/j.1365-2745.2008.01413.x.</ref><ref>Yongge Yuan, Bing Wang, Shanshan Zhang, Jianjun Tang, Cong Tu, Shuijin Hu, Jean W. H. Yong, Xin Chen: Enhanced allelopathy and competitive ability of invasive plant Solidago canadensis in its introduced range. In: Journal of Plant Ecology. Band 6, Nr. 3, Juni 2013, ISSN 1752-993X, S. 253–263, doi:10.1093/jpe/rts033.</ref> Dieser chemische Einfluss wird durch Wechselwirkungen mit dem Bodenmikrobiom weiter modifiziert, weil Mikroorganismen die Toxizität der Exsudate verstärken oder abschwächen können.<ref name=":0" />

Untersuchungen an sechs koexistierenden Goldrutenarten in nordamerikanischen Prärien zeigen zudem, dass Unterschiede in Samenmasse, Pappusgröße und Keimstandort eine Nischendifferenzierung entlang von Bodenfeuchte-Gradienten ermöglichen.<ref></ref>

Systematik und Verbreitung[Bearbeiten]

Datei:Solidago bicolor - White Goldenrod.jpg
Solidago bicolor
Datei:Solidago caesia001.jpg
Blütenstände von Solidago caesia
Datei:Solidago canadensis vallee-de-grace-amiens 80 21072007 9.jpg
Kanadische Goldrute (Solidago canadensis)
Datei:Solidago species USDA.jpg
Blütenstand von Solidago rigida
Datei:Solidagosimplex.jpg
Blütenkörbchen im Blütenstand von Solidago simplex
Datei:Solidago velutina ssp sparsiflora 9.jpg
Blütenstände von Solidago velutina subsp. sparsiflora
Datei:Solidago virgaurea ssp minuta.JPG
Blütenkörbchen mit Blüten im Blütenstand von Solidago virgaurea subsp. minuta

Die Gattung Solidago wurde 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum Band 2 Seite 878 aufgestellt. Synonyme für Solidago Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.L. sind: Actipsis Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Raf., Aster L. subg. Solidago Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.(L.) Kuntze, Leioligo Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Rafinesque, Oligoneuron Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Small, Brachychaeta Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Torr. & A.Gray.<ref name="GRIN" />

Solidago-Arten sind hauptsächlich in Nordamerika verbreitet. Wenige Arten haben ihre Heimat in Südamerika (vier) und einige in Eurasien (sechs bis zehn).

Einige Arten wurden vor etwa 250 Jahren in Europa eingeführt (Neophyten). In Mitteleuropa gedeihen sie vor allem auf Wiesen und Weiden und entlang von Straßen und Bächen. In Mitteleuropa ist nur die Gewöhnliche Goldrute (Solidago virgaurea Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.L.) einheimisch. Verbreitet eingebürgert sind die Kanadische Goldrute (Solidago canadensis Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.L.) und die Riesen-Goldrute (Solidago gigantea Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Ait. var. serotina Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.(Kuntze) Cronquist).

Gartenexperimentelle und zytologische Studien belegen, dass sich Kanadische und Riesen-Goldrute nach ihrer Einführung in Europa rasch entlang eines Breitengrad-Gradienten differenziert haben: Nördliche Populationen bleiben am selben Standort kleiner und blühen deutlich früher als südliche Herkünfte, was als schnelle adaptive Evolution innerhalb von rund 250 Jahren interpretiert wird.<ref>Ewald Weber, Bernhard Schmid: Latitudinal population differentiation in two species of Solidago (Asteraceae) introduced into Europe. In: American Journal of Botany. Band 85, Nr. 8, 1998, ISSN 1537-2197, S. 1110–1121, doi:10.2307/2446344.</ref>

Bioklimatische Modellierungen weisen darauf hin, dass das potenzielle Verbreitungsgebiet der eingeführten Arten Solidago altissima, Solidago gigantea und Solidago graminifolia (Euthamia graminifolia) in Europa die derzeitigen Areale weit übertrifft und klimatisch geeignete Habitate bis Südosteuropa, Skandinavien und den Nahen Osten einschließt.<ref>Ewald Weber: Current and Potential Ranges of Three Exotic Goldenrods (Solidago) in Europe. In: Conservation Biology. Band 15, Nr. 1, Februar 2001, ISSN 0888-8892, S. 122–128, doi:10.1046/j.1523-1739.2001.99424.x.</ref>

Zur Gattung Solidago gehören etwa 100 Arten:<ref name="GRIN" />

Nicht mehr zur Gattung gehört:

  • Ausgegliedert wurde die Gattung Petradoria Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Greene mit der einzigen Art:
    • Petradoria pumila Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.(Nuttall) Greene: Die zwei Varietäten sind in den US-Bundesstaaten Colorado, Idaho, Wyoming, New Mexico, Arizona, Kalifornien, Nevada sowie Utah verbreitet.<ref>Species Detail Forb. In: Yavapai County Native & Naturalized Plants. Arizona Cooperative Extension, University of Arizona, abgerufen am 13. Januar 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Nutzung und Sonstiges[Bearbeiten]

Wirksamkeitsbestimmende Inhaltsstoffe sind Flavonoide, Saponine, Phenylglykoside, Gerbstoffe sowie ätherisches Öl. Als Leitsubstanzen gelten Leiocarposid und Virgaureosid. Seit Mitte des 20. Jahrhunderts wird auch das Kraut der Riesengoldrute (Solidaginis giganteae herba) eingesetzt, es ist jedoch klinisch weniger erforscht.<ref name="Schilcher2007">Heinz Schilcher: Leitfaden Phytotherapie. Urban & Fischer, München 2007. ISBN 978-3-437-55348-6. S. 113f.</ref>

Bei mittelalterlichen Texten wie der Physica von Hildegard von Bingen muss beachtet werden, dass damals mit Solidago der Beinwell gemeint war.<ref name="klostermedizin">Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Altes Heilwissen erforscht bei der Universität Würzburg. (Memento vom 24. September 2015 im Internet Archive)</ref>

Aus Stängeln und Blättern kann ein Farbstoff gewonnen werden, je nach Konzentration und Beize erhält man goldene bis braunrote Färbungen.<ref name="Welsch2012">Norbert Welsch, Claus Chr. Liebmann: Farben: Natur, Technik, Kunst. Springer, 2012. ISBN 978-3-8274-2847-9. S. 163</ref>

In Deutschland und der Schweiz sind einzelne Goldruten als Neophyten eher ungeliebt, da sie heimische Pflanzenarten zu verdrängen drohen.<ref>Landratsamt Starnberg: Merkblatt der Unteren Naturschutzbehörde zur Neophytenbekämpfung hier: Kanadische und Späte Goldrute (Solidago canadensis und gigantea)., August 2015.</ref>

Die Goldrute ist die „Nationalblume“ der US-Bundesstaaten Nebraska (seit dem 4. April 1895) und Kentucky (seit dem 16. März 1926).<ref>Goldenrod: Nebraska State Flower auf statesymbolsusa.org.</ref><ref>Goldenrod: Kentucky State Flower auf statesymbolsusa.org.</ref>

In der Überlieferung des Christentums gilt die gelbblütige Goldrute wegen ihrer medizinischen Bedeutung als „Laurenzilorbeer“ in Erinnerung an den Heiligen Laurentius von Rom.<ref>Günther Berger: Relazioni: Internationales Wien. Peter Lang, 2009. ISBN 978-3-631-56922-1. S. 29</ref>

Goldruten stehen im Verdacht, allergische Reaktionen wie Heuschnupfen auszulösen.<ref>J. Dvorak: Allergie und Asthma: Vorbeugende Praxis. Springer, 2013. ISBN 978-3-0348-5885-4. S. 106</ref> Die Bestäubung erfolgt hauptsächlich durch Insekten.

Verschiedene Schmetterlings-Larven nutzen Goldruten als Futterpflanze.<ref name="Ebert2003" />

In ihrem Ursprungsgebiet Nordamerika gilt Solidago canadensis als bedeutendes Unkraut auf Brach- und Nurserystandorten sowie in wenig beweideten Weiden, da sie dichte Rhizompolster bildet und über massenhaften Samenflug schnell neue Flächen kolonisiert.<ref>PATRICIA A. WERNER, RONALD S. GROSS, IAN K. BRADBURY: THE BIOLOGY OF CANADIAN WEEDS.: 45. Solidago canadensis L. In: Canadian Journal of Plant Science. Band 60, Nr. 4, 1. Oktober 1980, ISSN 0008-4220, S. 1393–1409, doi:10.4141/cjps80-194.</ref>

Quellen[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references> <ref name="GRIN"> Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GRIN“ ist nicht vorhanden. im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple. </ref> <ref name="Ebert2003"> Günter Ebert, Erwin Rennwald: Die Schmetterlinge Baden-Württembergs. Band 9. Verlag Eugen Ulmer, 2003. ISBN 978-3-8001-3279-9. S. 177; 185; 247. </ref> <ref name="FoNA"> John C. Semple, Rachel E. Cook: Solidago Linnaaeus. In: Flora of North America Editorial Committee (Hrsg.): Flora of North America North of Mexico, Volume 20, New York und Oxford: – textgleich online wie gedrucktes Werk. </ref> <ref name="USDA"> Datenblatt bei USDA. </ref> </references>

Weblinks[Bearbeiten]

Commons: Solidago – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Goldrute – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

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