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Sprach- und Integrationsmittler

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Sprach- und Integrationsmittler (SprInt) ist in Deutschland ein Beruf zur Unterstützung von Fachpersonal im Bildungs-, Gesundheits- und Sozialwesen bei der Kommunikation mit fremdsprachigen Bürgern. Die Arbeit der SprInt dient dazu, Verständigungsbarrieren abzubauen, Fachkräften bei der Integrations­arbeit zu helfen und Migranten den Zugang zur Regelversorgung zu erleichtern.<ref>„Wir schaffen Verständigung“, Flyer des SprIntpool Wuppertal; MDÜ – Fachzeitschrift für Dolmetscher und Übersetzer, „Mehr als nur Dolmetscher“, Ausgabe 3/2012</ref> SprInt ist eine spezifische Umsetzung des Sprach- und Kulturmittler-Konzepts.

Arbeitsbereiche[Bearbeiten]

Sprach- und Integrationsmittler (SprInt) übernehmen eine Vermittlungsfunktion zwischen Menschen mit Migrationshintergrund und den Regeldiensten. Ihre Kernaufgaben und Leistungen umfassen:

SprInt arbeiten beispielsweise in Krankenhäusern, psychiatrischen Kliniken, Reha-Einrichtungen, Pflegediensten und Arztpraxen, in Schulen und Kindergärten, in Ämtern und Beratungsstellen sowie in Wohlfahrtsverbänden und Stiftungen.<ref>„Sprach- und Integrationsmittler/-in als neuer Beruf“. Eine qualitative Studie zu Beschäftigungspotenzialen, Angebotsstrukturen und Kundenpräferenzen, hrsg. von der Diakonie Wuppertal im Auftrag des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales, August 2010, S. 9</ref> Auch Unternehmen können SprInt nutzen, um die Eingliederung fremdsprachiger Fachkräfte zu unterstützen. Bundesweit nehmen bereits rund 300 Kunden SprInt in Anspruch.<ref name="buchen">Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Archivierte Kopie (Memento des Vorlage:IconExternal vom 9. Januar 2014 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/sprachundintegrationsmittler.org, abgerufen am 19. August 2013</ref>

SprInt verfügen neben Fachwissen über das Bildungs-, Sozial- und Gesundheitswesen auch über medizinische, psychosoziale und rechtliche Kenntnisse. Zudem sind sie vertraut mit der Kultur des Herkunftslandes und können daher auch in soziokulturell sensiblen Fragen vermitteln (z. B. in Bezug auf Erziehungsstile<ref>Süddeutsche Zeitung, „Die Kunst des Verstehens“, 16. Mai 2013, S. 30</ref><ref>Schulgespräche mit Migranten. In: dw.de. 23. April 2013, abgerufen am 18. Februar 2024.</ref>, Geschlechterrollen, Umgang mit Krankheit<ref>NRZ, „Der Brückenbauer“, 9. Oktober 2011; Blickpunkt öffentliche Gesundheit, „Nachgefragt“, Interview mit Maria Böhmer, 1/2012, S. 3</ref>). SprInt unterliegen dabei der Schweigepflicht.<ref>Miguel Tamayo: SprIntpool: Sprach- und Integrationsmittler für bessere Kommunikation, in: Jugendhilfereport 4/2011 des Landschaftsverbands Rheinland (LVR), S. 44</ref> Über einen SprInt-Vermittlungsservice können alle Einrichtungen einer Region die Dienste der SprInt buchen; die SprInt arbeiten teils in Festanstellung und teils auf Honorarbasis.<ref>Fabian Junge, Antje Schwarze: Sprach- und Integrationsmittlung: Ein praxisbewährtes Instrument zum Umgang mit sprachlicher und kultureller Vielfalt (nicht nur) im Krankenhaus, in: Ricarda B. Bouncken, Mario A. Pfannsteil, Andreas J. Reuschl (Hrsg.): Dienstleistungsmanagement im Krankenhaus I. Prozesse, Produktivität und Diversität, Wiesbaden 2013, S. 376</ref>

Ausbildung[Bearbeiten]

Die Ausbildung zum Sprach- und Integrationsmittler (SprInt) dauert 18 Monate in Vollzeit, die aufgeteilt sind in 13,5 Monate Theorie (rund 2.000 Unterrichtseinheiten) und 4,5 Monate Praktika (rund 700 Unterrichtseinheiten). Sie wird nach bundesweit einheitlichen Qualitätsstandards durchgeführt. In der theoretischen Phase werden neun Lernfelder unterrichtet, u. a. fachspezifisches Deutsch, Dolmetschen, Soziale und Kommunikationskompetenzen, Migration und Partizipation, Strukturen und Grundlagen des Gesundheits-, Sozial- und Bildungswesens.<ref>Fabian Junge, Antje Schwarze: Sprach- und Integrationsmittlung: Ein praxisbewährtes Instrument zum Umgang mit sprachlicher und kultureller Vielfalt (nicht nur) im Krankenhaus, in: Ricarda B. Bouncken, Mario A. Pfannsteil, Andreas J. Reuschl (Hrsg.): Dienstleistungsmanagement im Krankenhaus I. Prozesse, Produktivität und Diversität, Wiesbaden 2013, S. 375</ref> Absolventen erhalten das bundesweit einheitliche SprInt-Zertifikat. Die Abschlussprüfung wird von Vertretern der Alice-Salomon-Hochschule Berlin (Bereich Sozial- und Bildungswesen), vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (Bereich Gesundheit) und der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz (Bereich Dolmetschen) abgenommen.<ref>http://sprachundintegrationsmittler.org/index.php/sprach-und-integrationsmittler/qualifizierung, abgerufen am 19. August 2013</ref>

Entstehung und Anerkennung als Ausbildungsberuf[Bearbeiten]

Vorgängerprojekte für die Sprach- und Integrationsmittler sind das der Entwicklungspartnerschaft TransKom zugehörige Teilprojekt SpraKuM ("Sprach- und Kulturmittlung") der Diakonie Wuppertal<ref> Eine Möglichkeit sozialer Integration im deutschen Asyl. Ergebnisse der empirischen Begleitforschung zum Modellprojekt: „Sprach- und Kulturmittler/-innen“. Ministerium für Generationen, Familie, Frauen und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen, 2008, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 10. September 2016; abgerufen am 16. Januar 2018.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.transkom.info </ref> sowie das Projekt SPuK ("Sprache und Kultur), welche über die bis 2007 laufende EU-Gemeinschaftsinitiative EQUAL umgesetzt wurden. SpraKuM zielte auf die Steigerung der Handlungsmöglichkeiten von Flüchtlingen<ref>Andreas Deimann: Eine Möglichkeit sozialer Integration im deutschen Asyl. Ergebnisse der empirischen Begleitforschung zum Begleitprojekt Sprach- und Kulturmittlerinnen und Sprach- und Kulturmittler der EQUAL-Entwicklungspartnerschaft TransKom. In: Niels-Jens Albrecht, Theda Borde (Hrsg.): Netzwerke und didaktische Konzepte, Interdisziplinäre Reihe Migration–Gesundheit–Kommunikation. Band 5, 2007, S. 66–118.</ref> und vermittelte eine zweieinhalbjährige zertifizierte Ausbildung von Migranten zu Sprach- und Kulturmittlern.

Seit 2005 arbeiteten zunächst fünf Qualifizierungsträger aus unterschiedlichen Regionen der BRD, die schon jahrelange Erfahrung mit der Ausbildung von Sprach- und Kulturmittlern haben, zusammen, um eine einheitliche Qualifizierung für Sprach- und Integrationsmittler festzulegen.<ref name=":0">Carsten Becker / Tim Grebe / Enrico Leopold: Sprach- und Integrationsmittler/-in als neuer Beruf. Hrsg.: Diakonie Wuppertal. Berlin / Wuppertal 2010, S. 7.</ref> Hieraus entstand 2009 die Bundesarbeitsgruppe (BAG) „Berufsbildentwicklung Sprach- und Integrationsmittler/in“. Das Bundesministerium für Arbeit- und Soziales (BMAS) und die Zentralstelle für die Weiterbildung im Handwerk (ZWH) unterstützten diesen Prozess.<ref name=":0" /> „Das Ziel der Bundesarbeitsgruppe ist der Erlass einer Fortbildungsverordnung nach §53 BBiG. Auf dieser Grundlage sollen bundesweit einheitlich Standards für die Fortbildung zum/zur Sprach- und Integrationsmittler/in gesetzt werden, um somit eine hohe Qualität sowie ein flächendeckendes Angebot dieser Dienstleistung zu gewährleisten.“<ref>Carsten Becker / Tim Grebe / Enrico Leopold: Sprach- und Integrationsmittler/-in als neuer Beruf. Hrsg.: Diakonie Wuppertal. Berlin / Wuppertal 2010, S. 8.</ref>

Die Berufsanerkennung und der Einsatz der SprInt wurden bereits in den Nationalen Aktionsplan Integration der Bundesregierung von 2012, den 9. Bericht der Bundesbeauftragten für Migration, Flüchtlinge und Integration und in zahlreiche Integrationskonzepte von Ländern und Kommunen, aufgenommen.<ref>Die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration: Nationaler Aktionsplan Integration. 2012, S. 15, abgerufen am 16. Januar 2018.</ref>

Netzwerk von Vermittlungszentralen[Bearbeiten]

Seit Januar 2012 besteht das bundesweite Projekt SprIntpool-Transfer, das ein bundesweites "Netzwerk von Vermittlungszentralen für Sprach- und Integrationsmittler/-innen" (SprInt) aufbaut. Das Netzwerk baut bundesweit an zehn Standorten Vermittlungszentralen für Sprach- und Integrationsmittler (SprInt) auf; die Vermittlungszentralen machen die Dienstleistung der SprInt allen Einrichtungen in der Region verfügbar.<ref>„Die Hälfte verstehen ist nicht genug!“ Professionelle Sprach- und Integrationsmittler/-innen: Eine innovative Dienstleistung zur interkulturellen Öffnung. Transferzentrum Sprach- und Integrationsmittlung bei der Diakonie Wuppertal, 2012, S. 1</ref> Ansprechpartner vor Ort vermitteln den Kunden einen SprInt in der passenden Sprache und wickeln alle administrativen Prozesse der Buchung ab.<ref name="buchen" /> Die Vermittlungszentralen haben sich zudem auf gemeinsame Qualitätsstandards für die SprInt-Einsätze geeinigt. Die Servicestelle Sprach- und Integrationsmittlung der Diakonie Wuppertal übernimmt dabei eine koordinierende und beratende Funktion für das Netzwerk.

Kontroverse[Bearbeiten]

Durch ihr Tätigkeitsprofil stehen Sprach- und Integrationsmittler in enger Berührung zu Dolmetschern. Der Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer (BDÜ) stuft die SprInt-Qualifikation als eine „Grundausbildung mit Mindestanforderungen zur Qualitätssicherung beim Fachdolmetschen im Sozial-, Bildungs- und Gesundheitsbereich“ ein. Es gehe u. a. darum, „einen neuen Beruf für den Bedarf der Einwanderungsgesellschaft zu etablieren“. Der BDÜ hebt hervor: „Aus Sicht des BDÜ versteht sich SprInt als eine Komplementärlösung vor allem für seltene Sprachen, die dem Ruf nach Professionalisierung von dolmetschenden Berufsfremden folgt. Jedoch stellt das SprInt-Zertifikat keine ausreichende Voraussetzung für die Mitgliedschaft im BDÜ dar.“<ref>Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer: Position des BDÜ zum Projekt „Sprach- und Integrationsmittler“ (SprInt -Transfer). 2015, abgerufen am 16. Januar 2018.</ref>

Siehe auch[Bearbeiten]

Portal: Integration – Artikel, Kategorien und mehr zu Interkulturellem Dialog und Integration

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references/>