St. Germanus (Wesseling)
Die Kirche St. Germanus ist ein denkmalgeschütztes katholisches Gotteshaus in der Stadt Wesseling im Rhein-Erft-Kreis. Sie ist die einzige Kirche in diesem Kreis mit einer Doppelturmfassade, gelegen an einer hochwasserfreien Stelle des Rheinufers, und Sitz der gleichnamigen Pfarrgemeinde in der Pastoralen Einheit Brühl und Wesseling im Erzbistum Köln. Sie ist dem Heiligen Germanus von Auxerre geweiht. Die Kirche ist Anlaufstelle für Pilger auf dem linksrheinischen Jakobsweg von Köln nach Bingen am Rhein.
Geschichte[Bearbeiten]
Wessseling (bestehend aus dem größeren Ort Niederwesseling am Hochufer des Rheins und dem südlich gelegenen kleineren und hochwassergefährdeten Oberwesseling) war nach der Christianisierung des Frankenreiches niemals abhängig von einer anderen Landkirche (Mutterpfarre) in seinem Umkreis.<ref>Nachweise ergeben sich aus der angeführten Literatur sowie aus dem veröffentlichten Foto</ref>
Die ersten Erwähnungen einer Kirche in „Waslicia“ (Wesseling) stammt aus dem 10. Jahrhundert.
Im Jahr 820 n. Chr. übertrug der fränkische Adlige Adaelardus, Abt des nördlich der Stadt Verdun in Frankreich gelegenen Kloster-Stiftes Saint-Germain & Saint-Balderic in Montfaucon-d'Argonne sein Grundeigentum, das Dorf Waslicia und das umliegende Terrain, an dieses Kloster. Hierdurch erlangte das Stift neben der Grundherrschaft zugleich das Patronat über die dortige Eigenkirche. Bis zum Jahr 1459 stellte Montfaucon den Priester/Pfarrer für das weit entfernt liegende Wesseling. Und von Montfaucon wurde auch der Namenspatron der Pfarrkirche übernommen.
Erst im Jahr 1459 verkaufte das Stift Montfaucon seinen Besitz in Wesseling mit allen Rechten an das Stift Sankt Cassius in Bonn. Bis zum Ende des "Ancien Régime" im 18. Jahrhundert handelte das Cassius-Stift als Patron und setzte die Pfarrer von Wesseling, die spätestens jetzt aus dem Klerus des Erzbistums Köln kamen, ein.
Die vorhandene kleine Kirche in Niederwesseling wurde spätestens um das Jahr 1733/34 erneuert und erweitert.
Die heutige Kirche baute der Architekt Theodor Kremer zwischen 1891 und 1894 als dreischiffige Basilika mit zwei Fassadentürmen und zwei links und rechts am Chorraum stehenden kleineren Treppen-Türmen. Sie steht etwa 200 m südlich der alten Kirche. Die verlassene alte Kirche wurde zu Anfang des 20. Jahrhunderts abgerissen.
Ausstattung[Bearbeiten]
Aus der alten Kirche wurden nur sehr wenige Ausstattungsstücke mit in die neue Kirche genommen. Hierzu zählt eine polychromierte Holzstatue des Heiligen Germanus. Auf ihrem Sockel ist vermerkt „St. German Patron 1651“. Des weiteren mitgenommen wurde das Taufbecken aus dem Jahr 1846.<ref>Nachweise ergeben sich aus der aufgeführten Literatur</ref>
Die neue Kirche erhielt eine neo-romanische Ausstattung (Hochaltar, Kanzel, Kirchenbänke), von der aber bis jetzt sich nur die Kirchenbänke erhalten haben, während Teile des Hochaltars sich in einem von dem Wesselinger Künstler Paul Nagel 1977 geschaffenen Triumphkreuz-Ensemble wiederfinden. Die damalige neo-romanische Ausmalung fiel komplett späteren Renovierungen und Purifizierungen zum Opfer.<ref>Nachweise ergeben sich aus der aufgeführten Literatur</ref>
Von dem Maler Eduard Horst stammen acht Fenster in den Seitenschiffen, zwei im Querschiff, fünf im Chor und zwei im Chor-Obergaden sowie die Rosette auf der Orgelempore aus den Jahren 1958 bis 1963. Zwei Fenster in der Beichtkapelle schuf im Jahr 1963 der Kölner Künstler Will Thonett. Aus den Jahren 1977 und 1983 stammen der vom Wesselinger Künstler Paul Nagel entworfene Altar aus dunklem Marmor sowie die Stele aus Ardenner Blaustein, auf der das silberne Tabernakel montiert ist.
Eine Höhenmarke der preußischen Landesaufnahme 1911 befindet sich neben dem westlichen Eingang. Eine bronzene Jakobsmuschel am Fuß der Mittelsäule des Hauptportals weist auf den linksrheinischen Jakobsweg hin.
Orgel[Bearbeiten]
Die Kirchengemeinde erwarb 1820 eine kleine, gebrauchte Orgel mit drei Registern des Kölner Orgelbauers Engelbert Maaß, die 1894 in den Kirchenneubau übernommen wurde. Johannes Klais baute 1925 als Opus 640 ein neues Instrument im Stil der deutschen Spätromantik mit pneumatischen Kegelladen und 23 Registern auf zwei Manualen und Pedal. Im Jahr 1964 wurde die Orgel auf drei Manuale und 30 klingende Stimmen erweitert, 1976 wurden zwei Register erneuert und 2013 vier Register aus einer abgelegten Klais-Orgel eingebaut. Seitdem lautet die Disposition mit 32 Registern und zwei Transmissionen wie folgt:
| Brustwerk C-g³ | Hauptwerk C-g³ | Schwellwerk C-g³ | Pedal C-f |
| Holzgedackt 8‘ | Principal 8‘ | Bordun 16‘ | Principalbass 16‘ |
| Sologambe 8‘ | Konzertflöte 8‘ | Geigenprincipal 8‘ | Subbass 16‘ |
| Praestant 4‘ | Oktav 4‘ | Bordunalflöte 8‘ | Bordun 8‘ |
| Rohrflöte 4‘ | Quinte 2 2/3‘ | Principal 4‘ | Salicetbass 8‘ |
| Stifflöte 1 1/3‘ | Waldflöte 2‘ | Traversflöte 4‘ | Principal 4‘ |
| Terzsept II | Mixtur IV | Piccolo 2‘ | Horn 8‘ |
| Scharfzymbel IV | Trompete 8‘ | Cornett III | Posaune 16‘ |
| Krummhorn 8‘ | Schwebung II 8‘ | ||
| Tremolo | Acuta II-IV | ||
| Horn |
- Koppeln: I/II, III/I, III/II, I/P, II/P, III/P
- Spielhilfen: 100.000-fache Setzeranlage, 3 freie und 3 feste Kombinationen (p, f, Tutti), freie Pedalkombination, Zungenabsteller, Schwelltritt III, Register-Crescendo (Walze)
- Die Lade des Hauptwerks ist ausgebaut bis g⁴, jedoch in allen Registern nicht bis dorthin besetzt. Hier besteht die Möglichkeit der Extension mittels einer Superkoppel.
Glocken[Bearbeiten]
Im Nordturm der Kirche hängt seit 1964 ein vierstimmiges Glockengeläut aus Bronzeglocken der Glockengießerei Petit & Gebr. Edelbrock, Gescher/Westfalen.<ref>Gerhard Hoffs (Bearb.), Glocken im Dekanat Wesseling (PDF; 0,2 MB)</ref>
Die Schlagtöne geben die Melodie der ersten Zeile der aus der Kathedrale von Auxerre überkommenen gregorianischen Sequenz zum Fest des Heiligen Germanus „Dextram laudet suscitantem“ (Die Kirche preise mit Freude die erhobene rechte Hand des barmherzigen Germanus) wider.<ref>Nachweise ergeben sich aus der aufgeführten Literatur</ref>
- Übersicht
| Glocke | Name | Schlagton | Gewicht | Durchmesser | Inschrift |
|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Germanus | e’-4 | 1300 kg | 1257 mm | + ST. GERMANUS HEIßE ICH, ZUM DIENSTE GOTTES RUFE ICH. |
| 2 | Maria | fis’-4 | 850 kg | 1115 mm | + MARIA, GOTTESMUTTER HEIßE ICH, ZU EUERER MUTTER ERWÄHLET MICH. |
| 3 | Josef | gis’-4 | 550 kg | 980 mm | + ST. JOSEF REICH UNS DEINE HAND, UND FÜHRE UNS INS BESSERE LAND. |
| 4 | Lucia | a’-3 | 480 kg | 931 mm | + ST. LUCIA, DU HEHRE HIMMELSBRAUT, DIR SEI UNSER + LEBEN UND STERBEN ANVERTRAUT. |
Weblinks[Bearbeiten]
- Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.„Kath. Kirche St. Germanus in Wesseling“ ( vom 11. Februar 2013 im Webarchiv archive.today)
- „Stiftung Forschungsstelle Glasmalerei des 20. Jahrhunderts“
Literatur[Bearbeiten]
German Hubert Christian Maaßen: Geschichte der Pfarreien des Dekanates Hersel, Köln 1885, S. 322-330
Josef Dietz: Chronik von St. Germanus (Geschichte der Pfarre Wesseling), Wesseling 1928
Josef Dietz: Wesseling - Ein Heimatbuch, Wesseling 1962, S. 13-81
Wolfgang Drösser, Friedhelm Kader, Wolf Tüllmann: Wesseling in seinen Denkmälern, St. Germanus in Wesseling, Festschrift zum 100-jährigen Bestehen der neuen Pfarrkirche, Wesseling 1994
Wolfgang Drösser: Wesseling, Berzdorf, Keldenich, Urfeld - Geschichte, Bilder, Fakten, Zusammenhänge, Wesseling 2008, S. 17-136
Einzelnachweise[Bearbeiten]
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Koordinaten: 50° 49′ 32,3″ N, 6° 59′ 2,2″ O
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