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Stauffenberg-Dienst

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Der Stauffenberg-Dienst (auch Vertraulicher Informationsdienst<ref name="Waske 206">Stefanie Waske: Nach Lektüre vernichten! Der geheime Nachrichtendienst von CDU und CSU im Kalten Krieg. Hanser, München 2013, ISBN 978-3-446-24144-2, S. 206.</ref> oder CDU-Dienst<ref name="Waske 100">Stefanie Waske: Nach Lektüre vernichten! Der geheime Nachrichtendienst von CDU und CSU im Kalten Krieg. Hanser, München 2013, ISBN 978-3-446-24144-2, S. 100.</ref> genannt) war ein privater politischer Nachrichtendienst in Deutschland von 1969 bis 1982.

Auftrag[Bearbeiten]

Der Dienst sollte die CDU und CSU nach ihrem Wechsel in die Opposition mit vertraulichen Informationen versorgen. Zudem war seine Aufgabe, die Liaison mit „tragfähigen Verbindungen mit politisch maßgeblichen Personen christdemokratisch-konservativer Richtung im Ausland“ zu vermitteln sowie ausgewählten deutschen und ausländischen Journalisten Hinweise zu geben.<ref name="Waske 96" /> Der Dienst arbeitete dezidiert gegen Willy Brandts außenpolitisches Konzept des Wandels durch Annäherung sowie gegen den Abschluss der Ostverträge, zum Beispiel durch gezielte Weitergabe von gesammelten Informationen an die Presse. Nach dem Abschluss der Ostverträge richtete sich das Hauptaugenmerk im Zeitraum von 1972 bis 1982 auf die Sammlung von Informationen zu verborgenen östlichen Strategien, z. B. der Infiltration, aber auch der Unterstützung des Terrorismus.<ref name="Waske 147">Stefanie Waske: Nach Lektüre vernichten! Der geheime Nachrichtendienst von CDU und CSU im Kalten Krieg. Hanser, München 2013, ISBN 978-3-446-24144-2, S. 147.</ref>

Geschichte[Bearbeiten]

Im Herbst 1969 beschlossen der ehemalige Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger, der ehemalige Staatssekretär Karl Theodor zu Guttenberg, der frühere Kanzleramtschef Hans Globke und der damalige CSU-Vorsitzende Franz Josef Strauß die Errichtung eines Nachrichtendiensts. Angesichts der Regierungsübernahme durch die sozialliberale Regierung unter Willy Brandt hatten die Initiatoren die Sorge, von den Informationskanälen der staatlichen Nachrichtendienste abgeschnitten zu werden. Im Juni 1972, kurz vor Guttenbergs Tod am 4. Oktober, übernahm Werner Marx dessen Rolle in der Organisation.

Wolfgang Langkau, ein pensionierter Vertrauter des ehemaligen BND-Präsidenten Reinhard Gehlen, bot daraufhin seine Dienste, sein Netzwerk und seine Informanten den Initiatoren des privaten Nachrichtendienstes an. Schließlich wurde Hans Christoph Schenk von Stauffenberg (Deckname: Scheffer),<ref name="Waske 55">Stefanie Waske: Nach Lektüre vernichten! Der geheime Nachrichtendienst von CDU und CSU im Kalten Krieg. Hanser, München 2013, ISBN 978-3-446-24144-2, S. 55.</ref> Mitarbeiter des Bundesnachrichtendienstes, im Sommer 1970 als operativer Leiter des neuen Diensts auserkoren. Auch Langkau blieb für den Dienst im Einsatz.

Stauffenberg wurde formal bei der Bayerischen Staatskanzlei in München als Redenschreiber beschäftigt und in einem Nebengebäude untergebracht. Er ging 1976 mit Erreichen des 65. Lebensjahres in Rente. Über diese Grenze hinaus wollte der Freistaat Bayern ihn, trotz seiner Interventionen beim damaligen Staatsminister Ludwig Huber und beim Leiter der Staatskanzlei, Rainer Keßler, nicht verlängern.<ref name="Waske 186">Stefanie Waske: Nach Lektüre vernichten! Der geheime Nachrichtendienst von CDU und CSU im Kalten Krieg. Hanser, München 2013, ISBN 978-3-446-24144-2, S. 186.</ref>

Die DDR-Spionin Inge Goliath, eine Mitarbeiterin von Marx, verriet die Existenz des Stauffenberg-Dienstes an die Hauptverwaltung A des MfS. Am 6. November 1973 erreichte das Ministerium eine siebenseitige Aufzeichnung Goliaths mit dem Titel „Über Personen, die für einen CSU-internen Informationsdienst arbeiten, deren geschäftliche und finanzielle Gepflogenheiten, sowie ihre Verbindungen zum BND“.<ref name="Waske 171">Stefanie Waske: Nach Lektüre vernichten! Der geheime Nachrichtendienst von CDU und CSU im Kalten Krieg. Hanser, München 2013, ISBN 978-3-446-24144-2, S. 171 f.</ref>

Einer der größten Erfolge des Dienstes waren seit Oktober 1980 Meldungen aus dem Politbüro der DDR. Wer die Quelle war, ist bis heute unbekannt. Jedoch bestätigten sich ihre Meldungen nach der Wende als korrekt. Weitere Erfolge waren Berichte im Zusammenhang mit den Solidarność-Protesten, der Verhängung des Kriegsrechts in Polen sowie die Haltung und Reaktionen der DDR-Führung dazu.<ref name="Waske 214">Stefanie Waske: Nach Lektüre vernichten! Der geheime Nachrichtendienst von CDU und CSU im Kalten Krieg. Hanser, München 2013, ISBN 978-3-446-24144-2, S. 214 ff.</ref>

Der Dienst bestand bis Frühjahr 1982. Dann sorgten Presseveröffentlichungen dafür, dass die meisten Quellen ihre Zusammenarbeit aufkündigten. Zudem übernahmen die Unionsparteien unter Kanzler Helmut Kohl kurze Zeit später wieder die Regierung. Dies sicherte den Unionspolitikern den Zugriff auf die Erkenntnisse des BND, sodass der Stauffenberg-Dienst seine Existenzberechtigung verlor.<ref name="Zeit" /><ref>Der größte Skandal in der Geschichte der Bundesrepublik. Egon Bahr über konspirative Aktionen gegen Willy Brandt. In: deutschlandradio.de. Deutschlandradio Kultur, 29. November 2012, abgerufen am 31. Dezember 2018.</ref><ref>Dietmar Seher: Blüm glaubt an eine Räuberpistole. In: Westdeutsche Allgemeine Zeitung. Funke Mediengruppe, 29. November 2012, abgerufen am 31. Dezember 2018.</ref> Ob der BND Quellen des Stauffenberg-Dienstes übernahm, ist nicht bekannt.

Im November 2012 wurde der Dienst erstmals von der Politikwissenschaftlerin und Journalistin Stefanie Waske in einer Monographie behandelt, die sich auf mittlerweile freigegebenes Archivmaterial unter anderem der Konrad-Adenauer-Stiftung stützen konnte.<ref name="Zeit">Stefanie Waske: Die Verschwörung gegen Brandt (ZEITmagazin 49/2012). In: zeit.de. 29. November 2012, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 1. Februar 2013; abgerufen am 16. Januar 2019.</ref>

Tätigkeit[Bearbeiten]

Die Meldungen der Informanten aus dem Ausland erreichten den Dienst per Kurier oder Fernschreiben. Für Meldungen aus Moskau konnte auf den Kurierdienst und die Fernschreibverbindungen einer westlichen Botschaft zurückgegriffen werden. Bei sogenannten „Eil-Informationen“ wurden die Erkenntnisse auch fernmündlich übermittelt.<ref name="Waske 94">Stefanie Waske: Nach Lektüre vernichten! Der geheime Nachrichtendienst von CDU und CSU im Kalten Krieg. Hanser, München 2013, ISBN 978-3-446-24144-2, S. 94.</ref> Möglicherweise wurden auch Funkverbindungen genutzt.<ref name="Waske 221">Stefanie Waske: Nach Lektüre vernichten! Der geheime Nachrichtendienst von CDU und CSU im Kalten Krieg. Hanser, München 2013, ISBN 978-3-446-24144-2, S. 221.</ref>

Anfangs verarbeitete der Dienst die Informationen, an die seine Zuträger im Ausland gelangen konnten. Später wurden den Informanten gezielte Aufklärungsaufträge erteilt. Die Quellen waren überwiegend auf Honorarbasis tätig; wenige waren ehrenamtlich tätig.

Mitarbeiter[Bearbeiten]

Zu den Mitarbeitern gehörte der namensgebende Hans Christoph Schenk von Stauffenberg, Wolfgang Langkau und Hans Langemann. Letzterer wurde zur Tarnung als auslandsnachrichtendienstlicher Berater der Olympischen Spiele beschäftigt.<ref>Schnüffler ohne Nase. In: Der Spiegel. Nr. 17, 1995 (online).</ref> Die Stelle gehörte zum Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus. Langemann zog jedoch nicht dort ein, sondern – angeblich aus Platzmangel – in ein angemietetes Büro in der Bruckmannstraße im Münchener Stadtteil Nymphenburg. Ihm unterstanden zwei Mitarbeiterinnen, die wie er ebenfalls vom BND kamen.<ref name="Waske 102">Stefanie Waske: Nach Lektüre vernichten! Der geheime Nachrichtendienst von CDU und CSU im Kalten Krieg. Hanser, München 2013, ISBN 978-3-446-24144-2, S. 102.</ref> Nach dem Ende der Olympischen Spiele wechselte Langemann ins Bayerische Innenministerium am Odeonsplatz und räumte sein Nymphenburger Büro im Mai 1973.<ref name="Waske 152">Stefanie Waske: Nach Lektüre vernichten! Der geheime Nachrichtendienst von CDU und CSU im Kalten Krieg. Hanser, München 2013, ISBN 978-3-446-24144-2, S. 152.</ref> Seit 1973 war er Leiter der Staatsschutz­abteilung des bayerischen Innenministeriums.

Stauffenberg standen zwei Schreibkräfte zur Verfügung.<ref name="Waske 173">Stefanie Waske: Nach Lektüre vernichten! Der geheime Nachrichtendienst von CDU und CSU im Kalten Krieg. Hanser, München 2013, ISBN 978-3-446-24144-2, S. 173.</ref>

Finanzierung[Bearbeiten]

Die Finanzierung eines privaten Nachrichtendienstes ist ungleich schwieriger, weil dieser nicht ohne weiteres auf staatliche Haushaltsmittel zurückgreifen kann.

Casimir Prinz zu Sayn-Wittgenstein, der als späterer Landesschatzmeister der hessischen CDU eine Schlüsselfigur der CDU-Parteispendenaffäre wurde, bemühte sich bei Vertretern der Wirtschaft um Spenden. Mitte Februar 1971 führte er diesbezüglich ein Gespräch mit Hermann Josef Abs, dem ehemaligen Vorstandssprecher der Deutschen Bank. Im Mai 1971 hatte Sayn-Wittgenstein Zusagen über 60.000 bis 80.000 DM. Der bayerische Staatsminister Franz Heubl bemühte sich um Zuwendungen aus der süddeutschen Wirtschaft. Er erhoffte sich Geld vom Unternehmen Rolf Rodenstock.<ref name="Waske 124" />

Eine wichtige Rolle bei der Finanzierung des Stauffenberg-Dienstes spielte der Arbeitskreis für das Studium internationaler Fragen. Der Verein wurde am 13. Januar 1971 eingetragen. Vorsitzender während seines gesamten Bestehens war Otto B. Roegele, Stellvertreter Heinrich Krone. Schatzmeister war bis zum 23. Juli 1980 Alfred Seidl, danach Florian Harlander. Der Verein wurde 1986 liquidiert. Liquidatoren waren Florian Harlander und Hans Christoph Schenk von Stauffenberg.<ref name="Waske 97">Stefanie Waske: Nach Lektüre vernichten! Der geheime Nachrichtendienst von CDU und CSU im Kalten Krieg. Hanser, München 2013, ISBN 978-3-446-24144-2, S. 97.</ref> Ende Juni 1971 hatte der Verein 50.000 DM Schulden angehäuft.<ref name="Waske 124">Stefanie Waske: Nach Lektüre vernichten! Der geheime Nachrichtendienst von CDU und CSU im Kalten Krieg. Hanser, München 2013, ISBN 978-3-446-24144-2, S. 124 ff.</ref> Von 1976 bis 1981 erhielt der Arbeitskreis 95.500 DM vom Bayerischen Innenministerium. Stauffenberg überwies Langemann im gleichen Zeitraum mindestens 300.000 DM als „Auslagenerstattung für Informanten.“<ref name="Waske 188">Stefanie Waske: Nach Lektüre vernichten! Der geheime Nachrichtendienst von CDU und CSU im Kalten Krieg. Hanser, München 2013, ISBN 978-3-446-24144-2, S. 188.</ref>

Langemann erhielt vom Freistaat Bayern 91.254 DM im Jahr 1971 und 108.491 DM im Jahr 1972 für operative Zwecke,<ref>Stefanie Waske: Nach Lektüre vernichten! Der geheime Nachrichtendienst von CDU und CSU im Kalten Krieg. Hanser, München 2013, ISBN 978-3-446-24144-2, S. 104.</ref> womit ebenfalls Quellen des Dienstes bezahlt wurden. Der Abgeordnete Gustav Stein half dem Dienst in einer finanziellen Notlage 1971 mit 25.000 DM aus eigenen Mitteln.<ref name="Waske 126">Stefanie Waske: Nach Lektüre vernichten! Der geheime Nachrichtendienst von CDU und CSU im Kalten Krieg. Hanser, München 2013, ISBN 978-3-446-24144-2, S. 97.</ref> Möglicherweise erhielt der Dienst auch von Axel Springer Geld, wofür sich Guttenberg eingesetzt hatte.<ref name="Waske 100" />

Meldungen[Bearbeiten]

Eines der ersten Aufklärungsziele des Dienstes waren die Ostverhandlungen Willy Brandts in Moskau 1970.<ref name="Waske 65">Stefanie Waske: Nach Lektüre vernichten! Der geheime Nachrichtendienst von CDU und CSU im Kalten Krieg. Hanser, München 2013, ISBN 978-3-446-24144-2, S. 65 ff.</ref> Berichtet wurde unter anderem über die Kommunistische Partei Italiens, das Verhältnis des Vatikans zur Sowjetunion, Lageberichte zur Situation in Ägypten und im Sudan sowie die Haltung der USA zur Nahost-Frage.<ref name="Waske 104">Stefanie Waske: Nach Lektüre vernichten! Der geheime Nachrichtendienst von CDU und CSU im Kalten Krieg. Hanser, München 2013, ISBN 978-3-446-24144-2, S. 104 ff.</ref> Themen waren weiterhin der Regierungswechsel in Polen und die damit verbundenen Aufstände. Auch zu der politischen Haltung des westlichen Auslands in Bezug auf Deutschland erreichten den Dienst Meldungen. Eine Quelle schien einen Zugang zur CIA zu haben.

Der Dienst berichtete in einer Studie über die, trotz der Ostverträge, fortgesetzte „Infiltration, Subversion und Propaganda“ der DDR gegen Westdeutschland. Eine der treibenden Kräfte hinter diesem Vorgehen soll das Politbüro-Mitglied Hermann Axen gewesen sein. Im Juli 1972 meldete der Dienst eine Verbindung des MfS zur Roten Armee Fraktion, welche sich nach 1989 bestätigte.<ref name="Waske 161">Stefanie Waske: Nach Lektüre vernichten! Der geheime Nachrichtendienst von CDU und CSU im Kalten Krieg. Hanser, München 2013, ISBN 978-3-446-24144-2, S. 161 f.</ref> Eine Analyse über den „Palästinensischer Terrorismus“ beruhte im Wesentlichen auf einem CIA-Bericht,<ref name="Waske 163">Stefanie Waske: Nach Lektüre vernichten! Der geheime Nachrichtendienst von CDU und CSU im Kalten Krieg. Hanser, München 2013, ISBN 978-3-446-24144-2, S. 163.</ref> ebenso wie eine Analyse zu Frelimo, die den Stauffenberg-Dienst interessierte, weil eine Delegation im August 1973 Bonn besuchte.<ref name="Waske 175">Stefanie Waske: Nach Lektüre vernichten! Der geheime Nachrichtendienst von CDU und CSU im Kalten Krieg. Hanser, München 2013, ISBN 978-3-446-24144-2, S. 175.</ref> 1972 warnte der Stauffenberg-Dienst vor einer Terrorgefahr bei den olympischen Spielen in München<ref name="Waske 149">Stefanie Waske: Nach Lektüre vernichten! Der geheime Nachrichtendienst von CDU und CSU im Kalten Krieg. Hanser, München 2013, ISBN 978-3-446-24144-2, S. 149.</ref> (tatsächlich fand am 5. September 1972 ein Attentat statt) und 1973 einer möglichen Steuerung des SPD-Unterbezirks München durch kommunistische Kader.<ref name="Waske 164">Stefanie Waske: Nach Lektüre vernichten! Der geheime Nachrichtendienst von CDU und CSU im Kalten Krieg. Hanser, München 2013, ISBN 978-3-446-24144-2, S. 164.</ref> Für Karl Carstens, der als Unterstützer für den Dienst gewonnen wurde und durch seine Zeit im Bundeskanzleramt nachrichtendienstliche Expertise hatte, wurden Informationen über den ungarischen Außenminister Frigyes Puja beschafft.<ref name="Waske 157">Stefanie Waske: Nach Lektüre vernichten! Der geheime Nachrichtendienst von CDU und CSU im Kalten Krieg. Hanser, München 2013, ISBN 978-3-446-24144-2, S. 157.</ref> Berichte über das Privatleben von Politikern machten etwa zwei Prozent der Gesamtberichterstattung aus. Dazu zählten Analysen zum Alkoholkonsum Willy Brandts („habe zur Besprechung beim Frühstück mehrere große Cognacs bestellt“) oder eine Charakterstudie über Helmut Schmidt („Sein großes Selbstbewusstsein ist unübersehbar“).<ref name="Waske 183">Stefanie Waske: Nach Lektüre vernichten! Der geheime Nachrichtendienst von CDU und CSU im Kalten Krieg. Hanser, München 2013, ISBN 978-3-446-24144-2, S. 183 f.</ref>

Berichtsformate[Bearbeiten]

Ein Meldeformat des Dienstes waren die 14-tägigen „Außenpolitischen Akzente“, welche die Meldungen der vergangenen zwei Wochen ohne Quellenangabe zusammenfassen sollte. Die Leser durften diese sinngemäß verwenden, ohne wörtlich zu zitieren.<ref name="Waske 96">Stefanie Waske: Nach Lektüre vernichten! Der geheime Nachrichtendienst von CDU und CSU im Kalten Krieg. Hanser, München 2013, ISBN 978-3-446-24144-2, S. 96.</ref>

Die Berichte trugen mitunter einen „Persönlich“-Stempel für „exklusive und schutzbedürftige“ Informationen oder die Hinweise „Aus Gründen des Quellenschutzes wird um besonders vertrauliche Behandlung gebeten“, „Gefährdung des Informationswegs oder des Informanten“ oder „Informantengefährdung“. In ganz sensiblen Fällen wird gebeten: „Nach Lektüre vernichten“. Gesprächspartner werden umschrieben mit „erfahrener Experte“ oder „sehr gut unterrichteter Politiker“. Bei zufällig anfallenden Kenntnissen wird von „Gelegenheitsinformation“ gesprochen.<ref name="Waske 93">Stefanie Waske: Nach Lektüre vernichten! Der geheime Nachrichtendienst von CDU und CSU im Kalten Krieg. Hanser, München 2013, ISBN 978-3-446-24144-2, S. 93.</ref>

Allein im ersten Jahr des Dienstes wurden 250 Berichte gefertigt, nachdem es im ersten Halbjahr 1970 nur ein paar pro Monat gewesen waren. 1970/71 erreichten die meisten Berichte den Dienst aus (aber nicht über) den USA, gefolgt von Italien und Frankreich.<ref name="Waske 90">Stefanie Waske: Nach Lektüre vernichten! Der geheime Nachrichtendienst von CDU und CSU im Kalten Krieg. Hanser, München 2013, ISBN 978-3-446-24144-2, S. 90 f.</ref>

Quellen[Bearbeiten]

Zuträger des Dienstes fanden ihre Gesprächspartner oft in diplomatischen Vertretungen, so Botschaftspersonal der Sowjetunion, der DDR und der Volksrepublik China. In Meldungen aus Paris wurden Vertreter aus China, Japan, Jugoslawien, Polen und der Sowjetunion, so der Botschafter Awerki Borissowitsch Aristow, zitiert. Auch mit den Botschaftern der USA und Frankreichs in Deutschland bestanden Kontakte. Der Dienst nutzte auch die Verbindungen des ehemaligen deutschen Diplomaten Karl Werkmeister zur Informationssammlung.<ref name="Waske 94" /> Quellenmeldungen erreichen den Dienst unter anderem aus Rom, Ankara, Beirut, Istanbul, Belgrad, New York und Algerien. 1976 konnten Zuträger aus Bangladesch, Südafrika und Simbabwe gewonnen werden.<ref name="Waske 186">Stefanie Waske: Nach Lektüre vernichten! Der geheime Nachrichtendienst von CDU und CSU im Kalten Krieg. Hanser, München 2013, ISBN 978-3-446-24144-2, S. 186.</ref>

Ein bedeutender Informant des Dienstes war George Meany, der den konservativen US-amerikanischen Gewerkschaftsdachverband AFL-CIO leitet, sowie dessen außenpolitischer Berater und Antikommunist Jay Lovestone. Weitere Kontaktleute und Verbindungen waren der Publizist Klaus Dohrn und der Amerikaner Christopher Emmet.<ref name="Waske 70">Stefanie Waske: Nach Lektüre vernichten! Der geheime Nachrichtendienst von CDU und CSU im Kalten Krieg. Hanser, München 2013, ISBN 978-3-446-24144-2, S. 70 ff.</ref> Stauffenberg hatte auch Kontakt zum deutschen Botschafter in Moskau, Helmut Allardt.<ref name="Waske 84">Stefanie Waske: Nach Lektüre vernichten! Der geheime Nachrichtendienst von CDU und CSU im Kalten Krieg. Hanser, München 2013, ISBN 978-3-446-24144-2, S. 70 ff.</ref> Der Journalist Simon Malley, welcher auch für den BND tätig gewesen sein soll, wurde unter dem Decknamen „Petrus“ geführt.<ref name="Waske 195">Stefanie Waske: Nach Lektüre vernichten! Der geheime Nachrichtendienst von CDU und CSU im Kalten Krieg. Hanser, München 2013, ISBN 978-3-446-24144-2, S. 195.</ref> Für seine Arbeit und sein Büro mit Sekretärin erhielt er pro Monat 6000 DM zuzüglich 5000 DM Reisekosten.<ref name="Waske 150">Stefanie Waske: Nach Lektüre vernichten! Der geheime Nachrichtendienst von CDU und CSU im Kalten Krieg. Hanser, München 2013, ISBN 978-3-446-24144-2, S. 150.</ref> Zu den hochrangigen israelischen Gesprächspartnern des Dienstes zählte Langkau den damaligen Vorsitzenden des Zionistischen Exekutiv-Komitees Ehud Avriel, den späteren Staatspräsidenten Schimon Peres sowie den Botschafter in Paris Asher Ben-Natan.<ref name="Waske 107">Stefanie Waske: Nach Lektüre vernichten! Der geheime Nachrichtendienst von CDU und CSU im Kalten Krieg. Hanser, München 2013, ISBN 978-3-446-24144-2, S. 107.</ref> Ein weiterer Informant war Brian Crozier, der in seinen Memoiren schrieb, Stauffenberg habe ein „substanzielles Netzwerk von Agenten“ aufgebaut.<ref name="Waske 210">Stefanie Waske: Nach Lektüre vernichten! Der geheime Nachrichtendienst von CDU und CSU im Kalten Krieg. Hanser, München 2013, ISBN 978-3-446-24144-2, S. 210.</ref>

Die wichtigsten Quellen waren Simon Malley (Petrus) und Spiritus. Fritz berichtete über die DDR-Führung, Alex über Polen,<ref name="Waske 215">Stefanie Waske: Nach Lektüre vernichten! Der geheime Nachrichtendienst von CDU und CSU im Kalten Krieg. Hanser, München 2013, ISBN 978-3-446-24144-2, S. 215.</ref> Savoy über die sowjetisch-portugiesischen Beziehungen, Heinez über Kuba, Jonathan über den Terroristen Carlos, Paul über Grundlagen der NATO-Strategie, Konsul über die Ostpolitik, Anton über die Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) und Mosaik über die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft. Weitere Quellen trugen die Decknamen Norbert<ref name="Waske 174" />, Jonathan,<ref name="Waske 198">Stefanie Waske: Nach Lektüre vernichten! Der geheime Nachrichtendienst von CDU und CSU im Kalten Krieg. Hanser, München 2013, ISBN 978-3-446-24144-2, S. 198.</ref> Burg und Romulus.<ref name="Waske 186" /> Letzterer berichtete aus Italien unter anderem über die Roten Brigaden und stützte seine Meldungen auch auf Informationen des zivilen italienischen Nachrichtendienstes Sicurezza.<ref name="Waske 192">Stefanie Waske: Nach Lektüre vernichten! Der geheime Nachrichtendienst von CDU und CSU im Kalten Krieg. Hanser, München 2013, ISBN 978-3-446-24144-2, S. 192.</ref> Als weitere Quellen kamen ein KPÖ-Funktionär und ein emigrierter tschechischer Kommunist zu Wort.<ref name="Waske 115">Stefanie Waske: Nach Lektüre vernichten! Der geheime Nachrichtendienst von CDU und CSU im Kalten Krieg. Hanser, München 2013, ISBN 978-3-446-24144-2, S. 115.</ref> Zu den Informanten zählte auch der Prälat Aristide Brunello.<ref name="Waske 189">Stefanie Waske: Nach Lektüre vernichten! Der geheime Nachrichtendienst von CDU und CSU im Kalten Krieg. Hanser, München 2013, ISBN 978-3-446-24144-2, S. 189.</ref>

Keine Kontakte hatte der Dienst zu deutschen Behörden wie dem Bundeskriminalamt oder dem Bundesamt für Verfassungsschutz,<ref name="Waske 192">Stefanie Waske: Nach Lektüre vernichten! Der geheime Nachrichtendienst von CDU und CSU im Kalten Krieg. Hanser, München 2013, ISBN 978-3-446-24144-2, S. 192.</ref> war seine Aufklärungstätigkeit doch auf das Ausland gerichtet. Allerdings konnte der Dienst so Berichte über den deutschen Linksterrorismus der 1970er Jahre nur auf Grundlage von Quellenmeldungen aus dem Ausland abfassen.

Empfänger[Bearbeiten]

Die Empfänger der Meldungen des Dienstes wurden in verschiedene Verteiler gruppiert. Anfang 1971 bestanden je ein Exklusiv-, Normal- und erweiterter Verteiler sowie einer zu kirchlichen Themen.

Empfänger im Exklusivverteiler waren Karl Theodor zu Guttenberg (MdB), Hans Globke (Staatssekretär a. D.), Franz Heubl (Bayrischer Staatsminister) sowie Otto B. Roegele (Herausgeber Rheinischer Merkur). Inhalte, die über diesen Verteiler verbreitet wurden, waren Sonderinformationen meist mit Informantengefährdung. Daher sollte, um die Gefährdung zu minimieren, der Empfänger-Kreis klein gehalten werden. Ab 1973 gehörten zum Exklusivverteiler folgende Personen: Karl Carstens, Alfred Dregger, Helmut Kohl, Franz Heubl, Heinrich Krone, Alphons Horten, Werner Marx, Alois Mertes, Heinrich Seewald, Franz Ludwig Schenk Graf von Stauffenberg, Casimir Prinz zu Sayn-Wittgenstein, ein Kirchert und Spiritus.

Zum Normalverteiler zählten neben den Empfängern des Exklusivverteilers Hans Neusel (ehem. persönlicher Referent Kurt Georg Kiesingers), Friedrich Voss (Büroleiter für Franz Josef Strauß in Bonn), Rainer Barzel (CDU/CSU-Fraktionsvorsitzender), Heinrich Krone (Bundesminister a. D.), Karl Forster (Sekretär Deutsche Bischofskonferenz), Karl Gumbel (Staatssekretär a. D.), Werner Marx (MdB), Franz Josef Bach (MdB), Bruno Heck (CDU-Generalsekretär), Rainer Keßler (Leiter Bayerische Staatskanzlei), Casimir Prinz zu Sayn-Wittgenstein (CDU Hessen) sowie ein Kirchert.<ref name="Waske 91">Stefanie Waske: Nach Lektüre vernichten! Der geheime Nachrichtendienst von CDU und CSU im Kalten Krieg. Hanser, München 2013, ISBN 978-3-446-24144-2, S. 91 f.</ref>

Journalisten, die im Sinne der politischen Ausrichtung des Dienstes schrieben und hinreichend diskret waren, konnten ebenso Berichte erhalten. Hierzu zählten insbesondere der damalige Chefredakteur der Bild-Zeitung, Peter Boenisch, der ZDF-Fernsehmoderator Gerhard Löwenthal sowie der Ressortleiter Außenpolitik der Zeitung Die Welt, Dieter Cycon. Teilweise ließen sich Ähnlichkeiten von Welt-Artikeln mit Berichten des Stauffenberg-Dienstes ausmachen.<ref name="Waske 98">Stefanie Waske: Nach Lektüre vernichten! Der geheime Nachrichtendienst von CDU und CSU im Kalten Krieg. Hanser, München 2013, ISBN 978-3-446-24144-2, S. 98 ff.</ref>

Später (ggf. 1973/74) kamen als Empfänger der Berichte hinzu die Abgeordneten Walter Wallmann, Gerhard Reddemann und Kurt Birrenbach, der Mitglied des Auswärtiger Ausschusses war und die „ausgezeichneten geheimen Berichte“ lobte,<ref name="Waske 157 f.">Stefanie Waske: Nach Lektüre vernichten! Der geheime Nachrichtendienst von CDU und CSU im Kalten Krieg. Hanser, München 2013, ISBN 978-3-446-24144-2, S. 157 f.</ref> Hans Graf Huyn, der außenpolitische Referent der CSU, der ehemalige Botschafter Heinrich Böx, der Geldgeber Gustav Stein sowie der Unternehmer Heinrich Gattineau. Die Identität der Berichts-Empfängerin mit dem Decknamen Marianne ist ungeklärt.<ref name="Waske 174">Stefanie Waske: Nach Lektüre vernichten! Der geheime Nachrichtendienst von CDU und CSU im Kalten Krieg. Hanser, München 2013, ISBN 978-3-446-24144-2, S. 173 f.</ref>

Literatur[Bearbeiten]

  • Stefanie Waske: Nach Lektüre vernichten! Der geheime Nachrichtendienst von CDU und CSU im Kalten Krieg. Hanser, München 2013, ISBN 978-3-446-24144-2.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

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