Stevinsluizen
Die Stevinsluizen sind ein großer Sielkomplex in der niederländischen Provinz Nordholland. Er steht bei Den Oever am Westende des 32 km langen Abschlussdeichs. Sein Pendant auf der Ostseite des Damms wird mit Lorentzsluizen bezeichnet. Alle drei Bauwerke wurden Ende der 1920er Jahre errichtet und 1932 feierlich in Betrieb genommen. Für die Schifffahrt zu den Inseln im Wattenmeer ist neben den drei Sielgruppen eine Schleusenanlage vorhanden, damit Schiffe und Boote das Wattenmeer und die Westfriesische Inseln erreichen können.
Beide Sielanlagen sind notwendig, damit das laufend ins IJsselmeer einströmende Wasser zusammen mit dem Niederschlagswasser zur Nordsee ablaufen kann. Nur so kann der Wasserspiegel im größten See der Niederlande konstant gehalten werden. Auffälliges Merkmal sind die drei Doppelreihen der Windwerkstürme, die zum Bewegen der Verschlussorgane in den Sielöffnungen erforderlich sind. Zwischen den Doppelreihen verläuft eine Richtungsfahrbahn der Autobahn A7 auf die Ostseite zur Provinz Friesland.
Wegen des Klimawandels und dem zu erwartenden Meeresspiegelanstieg wurde die Anlage in den 2020er Jahren nach fast 100 Betriebsjahren für den Hochwasserschutz verstärkt und erweitert. Verantwortlicher Betreiber der Anlage ist die niederländische Fachbehörde Rijkswaterstaat, die diese Aufgabe von den Zuiderzeewerke als deren Erbauer übernommen hat.<ref name="nieuws">plaatsing schuiven nieuwe spuisluizen Afsluitdijk. In: deafsluitdijk.nl. 17. September 2024, abgerufen am 3. April 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Namensgebung[Bearbeiten]
Der Eigenname der Anlage erinnert an Hendrik Stevin (1614–1668), den Sohn von Simon Stevin. Er hatte als Wasserbauingenieur 1667 erstmals den Vorschlag zur Abriegelung der Zuiderzee gemacht.<ref name="RWS">100 jaar Zuiderzeewerken. In: rijkswaterstaat.nl. Abgerufen am 3. April 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
In der Niederländischen Sprache wird mit sluizen die Pluralform von sluis gebildet und bezeichnet in dem Fall eine spuisluis, womit im Deutschen ein Siel benannt wird.
Sielanlage[Bearbeiten]
Der gesamte Komplex besteht heute aus fünf Sielgruppen mit einer Durchlaufbreite von insgesamt rund 280 Metern. Die ursprüngliche Anlage von 1932 hatte drei Sielgruppen mit jeweils fünf Sieldurchlässen und einer Gesamtbreite von 180 Metern.<ref name="RWS" /> Die zwischen den Sielgruppen vorhandenen Inseln nutzte man in den 2020er Jahren, um die Anlage um zwei weitere Gruppen mit jeweils vier Durchlässen zu vergrößern. Dadurch konnte die Sielleistung bei Ebbe um 45 %<ref name="nieuws" /> vergrößert werden.
Jede Sielöffnung besitzt zur Wattenmeerseite hin zwei Hubtore von ca. zwölf Meter Breite, die jeweils einen eigenen Antrieb besitzen und unabhängig voneinander arbeiten. Die fast neun Meter hohen Tore mit rund zehn Tonnen Masse laufen beidseits in Windwerken, die neben der Straße aufragen. Darin sind die Antriebe und Umlenkrollen mit den erforderlichen Gegengewichten untergebracht. Bei den zwei neuen Sielgruppen sind die Antriebe unterirdisch untergebracht und die Tore liegen in kurzem Abstand ebenfalls auf der Wattenmeerseite.<ref>Afsluitdijk: de eerste kolossale spuischuiven zijn geplaatst. In: rijkswaterstaat.nl. 18. September 2024, abgerufen am 3. April 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Die jeweils zur IJsselmeerseite zeigenden Tore sind die eigentlichen Sieltore, die regelmäßig bei Ebbe geöffnet und bei Flut geschlossen werden. Die Verschlüsse auf der Nordseeseite werden nur bei Sturmflut geschlossen und stehen die übrige Zeit offen. Durch die aus Sicherheitsgründen doppelt vorhandenen Sielverschlüsse haben die Stevinsluizen gleichzeitig die Funktion als Sturmflutsperrwerk.
Die Altanlage steht unter Denkmalschutz und ist als Rijksmonument eingetragen.
Zusätzliches Pumpwerk[Bearbeiten]
Im Rahmen der Erweiterungsmaßnahmen wurden zu beiden Seiten der nun fünf Sielgruppen zwei große Pumpwerksanlagen (ndl. gemaal) errichtet. Diese bestehen jeweils aus drei großen vertikal aufgestellten Pumpen, von denen jede Einheit eine Masse von ca. 90 Tonnen und eine Bauhöhe von zwölf Meter aufweist. Als Blickfang sind auf dem Dach der Pumpwerke die rot gestrichenen Antriebsmotoren unter einer Glaskuppel von neun Meter Durchmesser zu sehen.<ref>Gigantische glazen koepels dekken megapompen gemaal Afsluitdijk af. In: rijkswaterstaat.nl. 5. Juni 2024, abgerufen am 4. April 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Insgesamt können die sechs Pumpen bis zu 275 m³/Sekunde zur Nordsee fördern, womit die Pumpanlage zu den größten in Europa zählt. Die Anlage soll ab 2026 den Betrieb aufnehmen können. Dadurch kann auch in Zeiten von länger andauerndem Hochwasser bzw. bei Sturmflut Wasser aus der großen Seenplatte abgeleitet werden. Ein vergleichbares Pumpwerk mit einer Leistung von bis zu 260 m³/s steht in IJmuiden am Nordseekanal, einem wichtigen Glied bei der Entwässerung der niedrigen Landflächen von Holland.<ref name="nieuws" /> Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Siehe auch“ ist nicht vorhanden.
Schiffsschleuse[Bearbeiten]
Direkt westlich im Anschluss an den Sielkomplex besteht eine Schleusenanlage. Zur Überführung der Autobahn über die Schleusendurchfahrt ist für jede Fahrbahn eine Drehbrücke vorhanden. Da der Schiffsverkehr auf der Westseite der Zuiderzee geringer als im Osten war, wurde bei Den Oever nur eine Schleuse mit einer Kammer für ausreichend erachtet. Ihr Bau musste damals vorgezogen werden, weil für die Schifffahrt während der Bauphase des Abschlussdeichs die Strömungen zu groß geworden wären. Nach dem Baubeginn 1927 konnte die Schleuse 1930 in Betrieb genommen werden, während der Damm erst 1932 geschlossen wurde. Die Schleusenkammer hat die gleichen Abmessungen wie die der großen Schleuse in Kornwerderzand auf der Ostseite: 13 Meter in der Breite und 120 Meter in der Länge. Als Besonderheit hat sie ein Zwischenhaupt, damit die Kammer geteilt werden kann. Alle drei Stemmtorpaare sind doppelt ausgeführt, sodass in beiden Richtungen gesperrt werden kann.
Die Baumaßnahmen zur Verstärkung des Abschlussdeichs beinhalteten den Einbau einer Sturmflutsperre an der Schleuse, da dieser Bereich bisher unzureichend geschützt war. Dazu wurde die Schleusenkammer zur Nordseeseite um 36 Meter verlängert und der Bereich auf die erforderliche Höhe für den Hochwasserschutz gebracht, um ein zusätzliches Stemmtorpaar einbauen zu können. Die 11,5 m hohen Tore messen acht Meter in der Breite und treffen in der Mitte im stumpfen Winkel aufeinander, da die Kammer nur 13 Meter breit ist.
Während der gesamten Bauzeit musste die Schleuse komplett gesperrt und trocken gelegt werden. Dies wurde genutzt, um die vorhandenen Schleusentore grundlegend zu überholen und die Kammerwände zu sanieren.
Hafenanlagen[Bearbeiten]
Auf beiden Seiten der Schleuse bestehen Vorhäfen mit den Wartebereichen für die Schiffe. Zwischen dem Hafen auf der Nordseeseite und dem Außenhafen (Buitenhaven) verlaufen die zwei Drehbrücken der Autobahn A7. Eine Mole trennt den Vorhafen vom Noordhaven mit dem kleineren Fischereihafen am Ortsrand von Den Oever. Zum Wattenmeer schließt sich der Waddenhaven an, der für kürzere Liegezeiten zur Verfügung steht.
Im Südbereich am IJsselmeer liegt der etwas größere Zuiderhaven. An seiner Südseite ist eine schmale Insel, auf der eine lange Reihe Ferienhäuser errichtet wurde. Zur Landseite hin besitzt die Ferienanlage einen Yachthafen.
Sonstiges[Bearbeiten]
Auf der Ostseite der Sielanlage liegt im Anschluss eine kleine Insel, die im Zweiten Weltkrieg mit 13 Kasematten zu einer kleinen Festung ausgebaut wurde.<ref>Den Oever. In: festungsbauten.de. Abgerufen am 3. April 2026.</ref> Dadurch konnte der deutsche Angriff für einige Zeit aufgehalten werden. Die Flächen auf der Insel wurden während der Bauphase als Logistikzentrum genutzt.
Auf der Schleuseninsel hat die niederländische Seenotrettungsgesellschaft eine Rettungsstation eingerichtet. Das offene Rettungsboot der Nikolaas-Klasse ist in einem schwimmenden Bootshaus im südlichen Vorhafen zum IJsselmeer untergebracht.
Siehe auch[Bearbeiten]
Weblinks[Bearbeiten]
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references />
Koordinaten: 52° 56′ 5″ N, 5° 2′ 32″ O
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