Haar-Pfriemengras
Die Seite Vorlage:Taxobox/styles.css hat keinen Inhalt.
| Haar-Pfriemengras | ||||||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Datei:Stipa capillata (hillside).jpg
Haar-Pfriemengras (Stipa capillata) bei Saratow (Russland) | ||||||||||||
| Systematik | ||||||||||||
| ||||||||||||
| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
| Stipa capillata | ||||||||||||
| L. |
Das Haar-Pfriemengras (Stipa capillata), auch Pfriemgras genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Federgräser (Stipa) innerhalb der Familie der Süßgräser. Sie ist in Eurasien weitverbreitet.
Beschreibung[Bearbeiten]
Vegetative Merkmale[Bearbeiten]
Das Haar-Pfriemengras ist eine ausdauernde krautige Pflanze, die Wuchshöhen von 40 bis 80 (bis 100) Zentimeter erreicht und in Horsten wächst.<ref name="Conert1992" /> Die kahlen, glatten Halme sind unter den Knoten (Nodien) zuweilen anliegend flaumig behaart. Jeder Halm hat 3 bis 4 stark geriefte Knoten.<ref name="Conert1992" /> Die wechselständigen Laubblätter sind in Blattscheide und Blattspreite gegliedert. Die Blattscheide ist gerieft, glatt, kahl, braun und glänzend. Die Blattspreite ist meist gefaltet, glatt bis rau bis kurz behaart. Sie ist bis etwa 30 Zentimeter lang, meist zusammengefaltet mit einem Durchmesser von 1 Millimeter und entrollt 2 bis 2,5 Millimeter breit.<ref name="Conert1992" /> Das Blatthäutchen (Ligula) ist meist 5 bis 10 (selten bis zu 15) Millimeter lang und zungenförmig.<ref name="Conert1992" />
Generative Merkmale[Bearbeiten]
Die Rispe ist 15 bis 22 Zentimeter lang und 2 bis 3 Zentimeter breit<ref name="Conert1992" /> und armblütig. Die Seitenäste gehen in Büscheln von 3 bis 4 von der stachelhaarigen Hauptachse ab und tragen 2 bis 4 Ährchen.<ref name="Conert1992" /> Die Ährchen sind einblütig und 22 bis 35 Millimeter lang.<ref name="Conert1992" /> Die Hüllspelzen sind 22 bis 35 Millimeter lang und laufen in eine lange feine Spitze aus.<ref name="Conert1992" /> Die Deckspelze ist fünfnervig und trägt sieben Reihen 0,3 bis 0,4 Millimeter lange Haare.<ref name="Conert1992" /> Die Haarleisten am Rand der Splze läuft etwa 2 Millimeter unter der Ansatzstelle der Granne aus; die anderen Haarleisten sind kürzer.<ref name="Conert1992" /> Die Granne ist 12 bis 18 (bis 25) Zentimeter lang und zweifach gekniet. Die Untergranne ist gedreht un fein borstig behaart; die Obergranne ist dünn und rau.<ref name="Conert1992" /> Die Vorspelze ist zweinervig, kahl und so lang wie die Deckspelze.<ref name="Conert1992" /> Die Staubbeutel sind 3,5 bis 5 Millimeter lang und gelb.<ref name="Conert1992" /> Die Karyopse ist 7 bis 8 Millimeter lang und hat einen strichförmigen Nabelfleck.<ref name="Conert1992" />
Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 44, seltener 28 oder 46.<ref name="Oberdorfer2001" />
Ökologie[Bearbeiten]
Die Blütezeit liegt zwischen Juli und August.<ref name="Conert1992" />
Die Früchte werden durch den Wind ausgebreitet und bohren sich dann bei Wasseraufnahme durch eine Drehbewegung der Grannen selbst in den Boden, es sind also sogenannte „Bohrfrüchte“.
Vorkommen und Gefährdung[Bearbeiten]
Das Haar-Pfriemengras gehört zum kontinentalen Florenelement und kommt in Südwest-, Mittel- und Osteuropa sowie in Asien bis ins nördliche China und in den Himalaja vor.<ref name="WCSP" /> Es erreicht im Oberrhein- und Rhonegebiet die Westgrenze seines Areals. In Europa kommt es in Frankreich, Deutschland, Schweiz, Italien, Polen, Tschechien, Slowakei, Österreich, Ungarn, Slowenien, Kroatien, Serbien, Kosovo, Montenegro, Albanien, Griechenland, Bulgarien, Rumänien, Moldau, Ukraine, Türkei und Russland vor.<ref name="Euro+Med" /> In Mitteleuropa kommt es nur an den trockensten und wärmsten Stellen (beispielsweise in der Pfalz, dem Rheintal zwischen Neckar und Mosel, am mittleren Main, in Thüringen und Sachsen-Anhalt, im Wallis und Unterengadin) in schütteren Trockenrasen vor und bildet an seinen Standorten kleine, aber auffällige Bestände. Das Haar-Pfriemengras steigt in warmen, abgeschlossenen Alpentälern der Süd- und Ostalpen in Höhenlagen von bis zu 1000 Meter auf. Im Kanton Wallis erreicht es aber bei Saas-Fee und bei Bodmen nahe Zermatt 1750 Meter.<ref name="Conert1992" /> In Mitteleuropa ist es meist sehr selten zu finden.
Das Haar-Pfriemengras gedeiht auf basenreichen, stickstoffarmen Sand-, Löss- oder Steinböden<ref name="Oberdorfer2001" />, die sich im Sommer stark erwärmen; es erträgt die dadurch bedingte Oberflächenaustrocknung gut, da es tief wurzelt. Es ist eine Charakterart des Stipetum capillatae aus dem Verband Festucion valesiacae, kommt aber selten auch in Gesellschaften des Verbands Xerobromion vor.<ref name="Oberdorfer2001" />
Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 1 (sehr trocken), Lichtzahl L = 5 (sehr hell), Reaktionszahl R = 4 (neutral bis basisch), Temperaturzahl T = 3+ (unter-montan und ober-kollin), Nährstoffzahl N = 2 (nährstoffarm), Kontinentalitätszahl K = 5 (kontinental).<ref name="InfoFlora" /> Das Haar-Pfriemengras steht in Deutschland unter Naturschutz<ref name="Schmeil und Fitschen2024" />; die Art wurde hier stellenweise ausgerottet, weil sie gewerbsmäßig für Trockenblumen gesammelt wurde.
Taxonomie[Bearbeiten]
Das Haar-Federgras wurde 1762 durch Carl von Linné in Species Plantarum ed. 2, Band 1, S. 116 als Stipa capillata erstbeschrieben.<ref name="Euro+Med" />
Literatur[Bearbeiten]
- Dietmar Aichele, Heinz-Werner Schwegler: Unsere Gräser. Süßgräser, Sauergräser, Binsen. 12. Auflage. Franckh-Kosmos, Stuttgart 2011, ISBN 978-3-440-12573-1.
- Hans Joachim Conert: Pareys Gräserbuch. Die Gräser Deutschlands erkennen und bestimmen. Parey, Berlin 2000, ISBN 3-8263-3327-6.
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references> <ref name="Oberdorfer2001"> </ref> <ref name="WCSP">Vorlage:WCSP</ref> <ref name="InfoFlora"> Stipa capillata L. In: Info Flora, dem nationalen Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple.</ref> <ref name="Conert1992">Hans Joachim Conert: Familie Poaceae. In Gustav Hegi: Illustrierte Flora von Mitteleuropa. 3. Auflage, Band I, Teil 3, Seite 408–410. Verlag Paul Parey, Berlin und Hamburg 1992. ISBN 3-489-52020-3.</ref> <ref name="Schmeil und Fitschen2024">Michael Koltzenburg: Stipa. In: Schmeil-Fitschen: Die Flora Deutschlands und angrenzender Länder. 98. Auflage. Verlag Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2024. ISBN 978-3-494-01943-7. S. 321.</ref> <ref name="Euro+Med"> B.Valdés, H.Scholz; with contributions from E. von Raab-Straube & G.Parolly (2009+): Poaceae (pro parte majore). Datenblatt Stipa capillata In: Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity. </ref> </references>
Weblinks[Bearbeiten]
- Haar-Pfriemengras auf FloraWeb.deVorlage:Abrufdatum
- Haar-Pfriemengras. In: BiolFlor, der Datenbank biologisch-ökologischer Merkmale der Flora von Deutschland.
- Vorlage:BIB
- Thomas Meyer: Datenblatt mit Bestimmungsschlüssel und Fotos bei Flora-de: Flora von Deutschland (alter Name der Webseite: Blumen in Schwaben)