stoersender.tv
stoersender.tv war ein satirischer deutscher Internetfernsehsender. Er präsentierte von Ende März bis Dezember 2013 alle zwei Wochen ein 20- bis 40-minütiges Video-Magazin zu kritisch betrachteten Themen unter Mitwirkung bekannter Kabarettisten. Zentrale Figur des „Störsenders“ war Dieter Hildebrandt (gestorben am 20. November 2013) und zusammen mit Georg Schramm und Konstantin Wecker auch dessen Gründer.
Vorgeschichte[Bearbeiten]
Idee und Konzept für das Internetmagazin entwickelte Ende 2011 der Journalist und PR-Berater Stefan Hanitzsch,<ref>Kurzvita von Stefan Hanitzsch auf startnext.de</ref> Sohn von Dieter Hanitzsch, in Gesprächen mit Dieter Hildebrandt. Im Mittelpunkt sollte von vornherein der seinerzeit bereits 84-jährige Kabarettist stehen und zugleich für den „Störsender“ werben.<ref name="wallstreet">Jörgen Camrath: Ein Störsender gegen die Ungerechtigkeit der Welt in The Wall Street Journal vom 28. März 2013</ref><ref>Richard Gutjahr: Stör langsam – Dieter Hildebrandt goes Web-TV, Interview mit Dieter Hildebrandt und Stefan Hanitzsch auf gutjahr.biz</ref>
Finanzierung[Bearbeiten]
Am 6. Dezember 2012 wurde das Projekt „Störsender“ der Presse vorgestellt, um über ein Crowdfunding mit der Plattform Startnext die Finanzierung der ersten zwanzig Folgen abzusichern. Bereits am 25. Januar 2013 war der anvisierte Betrag von 125.000 Euro gesammelt und um 30.000 Euro übertroffen worden.<ref>Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Geschafft! Réalisé! ( vom 7. März 2013 im Internet Archive) Beitrag im Arte-Journal „Generation Solidarität“ am 28. Januar 2013</ref><ref name="wallstreet" />
Frank-Markus Barwasser, Erfinder der Figur „Erwin Pelzig“, Urban Priol und andere spendeten dem „Störsender“ je 2222 Euro und traten wie die meisten anderen Kabarettisten ohne Gage auf. Diese Form der Finanzierung erlaubte lediglich den Bezug eines festen Gehalts von Redaktionsleiter Hanitzsch sowie die Honorierung der Kameraleute.<ref>Max Muth: Dieter Hildebrandt kommt, um zu stören., siehe Seite 2: Schramm, Polt, Butzko, Barwasser, alle helfen ehrenamtlich. in Der Tagesspiegel vom 30. März 2013</ref><ref>stoersender.tv mit Dieter Hildebrandt, Pinnwand auf startnext.de zu stoersender.tv, abgerufen am 24. April 2013</ref>
Konzept[Bearbeiten]
stoersender.tv definierte sich als Crossover-Medium, das „Kabarett, Journalismus und politisches und soziales Engagement zu einer Kampagnen-Plattform“ verbinde.<ref name="Freitag">Nils Markwardt: Dieter Hildebrandt 2.0 in der Freitag vom 4. April 2013</ref> Unter „Soziales Engagement“ werden „Störereien aller Art, online und offline“ verstanden, zudem will stoersender.tv „Alternativen aufzeigen“.<ref name="startnext">stoersender.tv mit Dieter Hildebrandt, Projektbeschreibung im Blog zum „Störsender“ auf startnext.de</ref> Nach eigener Einschätzung gab es inhaltliche Gemeinsamkeiten mit der Internetplattform „Generation Solidarität“ des Fernsehsenders Arte, auf der stoersender.tv mit einem Blog vertreten war.<ref>Stefan Hanitzsch: Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Störsender – hier darf jeder mitmischen ( vom 21. April 2013 im Internet Archive) im Arte-Journal „Generation Solidarität“</ref><ref>Die Kamera läuft … dank Euch!, Störsender.tv im Arte-Journal vom 16. Januar 2013, ab Minute 3:00 von 4:13 Minuten</ref><ref>Andre Zantow: Neues Projekt für alten Störenfried in Deutschlandradio Kultur am 28. März 2013</ref>
Der „Störsender“ wollte mehr Menschen zu politischem Engagement bewegen, „Gegenöffentlichkeit zum Fernsehen schaffen“<ref>Kabarett im Internet: Hildebrand hat Startkapital für seinen Störsender zusammen, Süddeutsche Zeitung, 29. Januar 2013</ref> und Menschen und Organisationen „stören, die ihrerseits die Demokratie stören“. Zu den Inhalten des alle 14 Tagen erschienenen IPTV-Magazins, das auch über Vimeo und YouTube verbreitet wurde, heißt es: „Politiker aller Parteien nehmen wir auf den Arm, Extremisten aller Couleur nehmen wir aufs Korn und Aktivisten aller Art nehmen wir ins Programm.“<ref name="startnext" />
Rezeption[Bearbeiten]
Deutschlandradio Kultur bezeichnete stoersender.tv als „Spielwiese des subversiven Geistes“ und befand nach der ersten Episode: „Scharf, ironisch, analytisch, oft heiter anarchisch“.<ref>Beitrag in Deutschlandradio Kultur am 2. April 2013</ref> Focus Online fragte hingegen: „Stört das wirklich irgendwen?“ Und anstatt dass Dieter Hildebrandt „Aufregenderes, Verstörenderes“ beitrüge, wirkten seine Intermezzi wie „‚Löwenzahn‘ für mündige Bürger“.<ref name="Focus">Sandra Zistl: Stört Dieter Hildebrandts neuer Sender? in Focus Online vom 2. April 2013</ref> In der Wochenzeitung der Freitag schrieb Nils Markwardt, dass Stefan Hanitzsch einen Großteil der ersten Folge in „ganz spaßfreien Gesprächen“ mit dem Erfurter Ökonomieprofessor Helge Peukert bestritten habe – da bleibe „der Lachfaktor gering, der Informationsfaktor hingegen hoch. Obschon man vor allem Scharpfs Thesen zum Vollgeldsystem anzweifeln darf, ergänzen sich diese journalistischen Beiträge überraschend gut mit den kabarettistischen Teil der Sendung.“ Nur an einem Sujet, nämlich Angela Merkel – die „bekanntlich eine ziemlich harte Nuss für Kabarettisten“ sei –, sei die erste Folge des Störsenders komplett gescheitert: Ein „leidlich lustiges Lied über Angies Lächeln von Konstantin Wecker, ein uninspirierter Cartoon über die Kumpanei von Bundesregierung und Bankern und ein platter Einspieler über Merkels neues nordkoreanisches PR-Team – das ist flach und oberflächlich.“<ref name="Freitag" /> Nichtsdestotrotz äußerte sich Markwardt abschließend im Hinblick auf die kommende Folge hoffnungsvoll.
Abrufbare Sendungen (Season One)[Bearbeiten]
- 1. Episode, 28. März 2013: Klappe, die erste! Finanzkasinokapitalismus! (40:09 min)
- 2. Episode, 14. April 2013: Wasser marsch! (37:53 min)
- 3. Episode, 28. April 2013: Die Herren der Welt (23:30 min)
- 4. Episode, 15. Mai 2013: Brauner Dunst (31:42 min)
- 5. Episode, 5. Juni 2013: Benefizgala Teil 1 (56:35 min)
- 6. Episode, 24. Juni 2013: Benefizgala Teil 2 (40:09 min)
- 7. Episode, 11. Juli 2013: Altersarmut & Pflegenotstand (45:11 min)
- 8. Episode, 25. Juli 2013: NSA-Spione & Große Brüder (19:53 min)
- 9. Episode, 30. Juli 2013: Neuer HVB-Skandal – Rudolf Schmenger im Interview... (26:56 min)
- 10. Episode, 11. August 2013: Lobby-Fotobombing! (19:47 min)
- 11. Episode, 6. September 2013: Stoertalk – „Ausreden“ (88:10 min)
- 12. Episode, 13. September 2013: Demo „UmFAIRteilen“ (60:32 min)
- 13. Episode, 28. September 2013: Das organisierte ERbrechen und die DADA-Wiesn (23:35 min)
- 14. Episode, 2. November 2013: Aufruf zur Revolte (43:34 min)
- 15. Episode, 14. November 2013: Planet Merkel (16:43 min)
- 16. Episode, 24. Dezember 2013: Ausreden II, der Stoertalk (105:31 min)
Das Datum bezieht sich auf den Upload der jeweiligen Sendung dieser ersten Staffel, bezeichnet als „Season One“, die Angaben in Klammern auf deren Dauer.<ref>Die komplette Season One von stoersender.tv. Für 30 Tage gratis zu testen, online unter stoersender.tv.</ref>
Stör-Aktionen[Bearbeiten]
Am 23. April 2013 verlieh der „Störsender“ in München dem Apple-Konzern die russische Staatsbürgerschaft ehrenhalber – „für besondere Verdienste beim Schlupfen in Steuerlöchern“.<ref name="SZ_apple">Wolfgang Görl: Satireprojekt „Störsender.tv“: Absurdistan marschiert gegen Apple, Süddeutsche Zeitung, 23. April 2013</ref> Apple zahle außerhalb der USA nur 1,9 Prozent Steuern. Die Urkunde überreichte Wladimir Kaminer, begleitet von Dieter Hildebrandt, Stefan Hanitzsch und der Münchner Express Brass Band in russischen Militäruniformen, an einen Manager des lokalen Apple-Store.<ref name="SZ_apple" />
Mitwirkende und Unterstützer[Bearbeiten]
Auf der Projektseite zu stoersender.tv werden u. a. folgende Personen gelistet:<ref name="startnext" />
Die Seite Vorlage:Column-multiple/styles.css hat keinen Inhalt.
- Michael Altinger
- HG. Butzko
- Ottfried Fischer
- Dieter Hanitzsch
- Dieter Hildebrandt
- Luise Kinseher
- Sandra Kreisler
- Tobias Mann
- Ecco Meineke
- Markus Nagy
- Maria Peschek
- Gerhard Polt
- Urban Priol
- Andreas Rebers
- Georg Schramm
- Christoph Sieber
- Helmut Schleich
- Martina Schwarzmann
- Christoph Süß
- Roger Stein
- Max Uthoff
- Ludo Vici
- Claus von Wagner
- Philipp Weber
- Konstantin Wecker
- Hans Well
- Christoph Weiherer
- Roger Willemsen
- Sigi Zimmerschied
Weblinks[Bearbeiten]
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references />