Zum Inhalt springen

Strigolactone

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Die Strigolactone sind eine Gruppe von natürlichen und synthetischen Pflanzenhormonen. Sie verhindern Sprossverzweigung, fördern die Mykorrhizierung der Wurzeln und induzieren die Keimung der parasitischen Pflanzengattung Striga. Gerade wegen dieser nicht verwandten Funktionen innerhalb der Pflanze wurden die Strigolactone erst spät als Pflanzenhormon eingestuft.

Synthese[Bearbeiten]

Strigolactone sind eine relativ kleine Stoffgruppe. Die natürlich vorhandenen Strigolactone leiten sich aus der Vorstufe 5-Deoxystrigol ab. Diese Vorstufe wiederum wird über den β-Carotin-Syntheseweg produziert. Der Ort dieser Synthese ist innerhalb der Plastide, während die Strigolactone außerhalb gebildet werden. Die Stufe zwischen diesen zwei Orten der Synthese wurde noch nicht entdeckt.<ref name="umehara"/> Auxine, die ebenfalls die Sprossverzweigung unterdrücken<ref name="thimann"/>, haben einen positiven Einfluss auf die Synthese der Strigolactone.<ref name="hayward"/><ref name="matusova"/>

Signalweg[Bearbeiten]

Die Gene MAX2, D3 und RMS4 codieren für F-Box ähnliche Proteine, welche als Rezeptoren für Strigolactone gelten. Ähnliche Rezeptoren wurden bereits für Auxin und Jasmonate entdeckt. Es wird angenommen, dass die Pflanzengattung Striga einen ähnlichen Rezeptor besitzt.<ref name="johnson"/>

Wirkung[Bearbeiten]

Strigolactone verhindern Sprossverzweigung<ref name="umehara"/>, fördern die Mykorrhizierung der Wurzeln<ref name="akiyama"/> und induzieren die Keimung der parasitischen Pflanzengattung Striga<ref name="umehara"/>. Gerade die Verzweigung der Pflanze hat ein großes ökonomisches Potential, da somit der Lichteinfall, die Verteilung von Blüten und Samen und die synchrone Blüte und Abreife kontrolliert werden kann. Dieses Potential könnte durch Züchtungsprogramme mit Strigolacton-Mutanten genutzt werden. Außerdem wird an Wachstumsregulatoren geforscht, welche eine Auswirkung auf die Verzweigung, nicht jedoch auf die Mykorrhizierung haben. Die Wirkung auf die Sprossbildung lässt sich durch eine Unterdrückung der Polar-Auxin-Transporter (PAT) durch Strigolactone erklären.<ref name="bennett"/> Durch den behinderten Abtransport von Auxin aus den Zellen und den damit einhergehenden erhöhten Auxinkonzentration wird schließlich die Sprossbildung unterdrückt. Pflanzen, die mit Phosphat unterversorgt sind, zeigen erhöhte Konzentrationen an Strigolactonen.<ref name="umehara2"/> Dies führt zu schwächer verzweigten Pflanzen bei einem gleichzeitig verbessertem Wurzelsystem und erhöhter Mykorrhizierung, welche unter anderem immobile Phosphate aus dem Boden lösen können.<ref name="steen"/>

Methoden gegen Striga-Parasitismus[Bearbeiten]

Die Pflanzengattung Striga ist die größte, einzelne biotische Ursache für Ernteverluste in ganz Afrika. Der finanzielle Schaden beträgt rund 10 Milliarden US-Dollar. Rund 70 Millionen Hektar Ackerfläche gelten als Striga-verseucht.<ref name="ejeta"/> Es werden deswegen verschiedene Versuche unternommen, den Striga-Parasitismus zu bekämpfen. So werden vor der Aussaat der Kulturpflanzen Strigolactone versprüht, um ein verfrühtes Austreiben der Striga zu induzieren. Ohne den Kontakt zur Kulturpflanze sterben die ausgetriebenen Pflanzenteile ab und die Nährstoffreserven werden aufgebraucht. Einen anderen Effekt hat eine ausreichende Düngung der Kulturfläche, vor allem mit Phosphat, da dadurch die Produktion der Strigolactone in den Wirtspflanzen geringer ist als auf unterversorgten Böden. Weiterhin existiert ein biotechnologischer Ansatz durch Gentransfer: Ein gesättigtes Isomer des Strigolactons GR24 fördert weiterhin die Mykorrhizierung, hat aber keinen Einfluss auf die Keimrate von Striga-Pflanzen. Gelänge es, dieses Isomer in die Pflanze einzubauen, würde es zu keiner Induktion des Striga-Parasitismus kommen.<ref name="akiyama2"/>

Chemie[Bearbeiten]

Chemical structure and numbering of (+)-strigol Chemical structure and numbering of strigyl acetate
(+)-Strigol (+)-Strigylacetat
Chemical structure and numbering of orobanchol Chemical structure and numbering of orobanchyl acetate
(+)-Orobanchol (+)-Orobanchylacetat
Chemical structure and numbering of 5-deoxystrigol Chemical structure and numbering of sorgolactone
(+)-5-Deoxystrigol Sorgolacton

<ref name="humphrey"/>

Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references> <ref name="humphrey">Humphrey AJ, Beale MH. (2006): Strigol: biogenesis and physiological activity. Phytochemistry, 67(7), 636–40.</ref> <ref name="matusova">Matusova, R., Rani, K., Verstappen, F.W.A., Franssen, M.C.R., Beale, M.H., and Bouwmeester, H.J. (2005): The strigolactone germination stimulants of the plant-parasitic Striga and Orobanche spp. are derived from the carotenoid pathway. Plant Physiol, 139, 920–934.</ref> <ref name="umehara">Umehara, M., Hanada, A., Yoshida, S., Akiyama, K., Arite, T., Takeda-Kamiya, N., Magome, H., Kamiya, Y., Shirasu, K., Yoneyama, K., Kyozuka, J., and Yamaguchi, S. (2008): Inhibition of shoot branching by new terpenoid plant hormones. Nature 455, 195–200.</ref> <ref name="johnson">Johnson, X., Brcich, T., Dun, E.A., Goussot, M., Haurogne, K., Beveridge, C.A., and Rameau, C. (2006): Branching genes are conserved across species. Genes controlling a novel signal in pea are coregulated by other long-distance signals. Plant Physiol. 142, 1014–1026.</ref> <ref name="steen">McSteen, P. (2009). Hormonal regulation of branching in grasses. Plant Physiol. 149, 46–55.</ref> <ref name="thimann">Thimann, K.V., and Skoog, F. (1934): On the inhibition of bud development and other functions of growth substance in Vicia faba. Proc. Roy. Soc. B. 114, 317–339.</ref> <ref name="hayward">Hayward, A., Stirnberg, P., Beveridge, C., and Leyser, O. (2009): Interactions between auxin and strigolactone in shoot branching control. Plant Physiol. 151, 400–412.</ref> <ref name="bennett"> Bennett, T., Sieberer, T., Willett, B., Booker, J., Luschnig, C., and Leyser, O. (2006): The Arabidopsis MAX pathway controls shoot branching by regulating auxin transport. Curr. iol. 16, 553–563.</ref> <ref name="umehara2">Umehara, M., Hanada, A., Magome, H., Takeda-Kamiya, N., and Yamaguchi, S. (2010): Contribution of strigolactones to the inhibition of tiller bud outgrowth under phosphate deficiency in rice. Plant Cell Physiol. 51, 1118–1126.</ref> <ref name="akiyama">Akiyama, K., Matsuzaki, K.-i., and Hayashi, H. (2005): Plant sesquiterpenes induce hyphal branching in arbuscular mycorrhizal fungi. Nature 435, 824–827.</ref> <ref name="ejeta">Ejeta, G. and Gressel, J. (eds) (2007): Integrating new technologies for striga control: towards ending the witch-hunt. World Scientific Publishing, Singapore.</ref> <ref name="akiyama2">Akiyama, K., Ogasawara, H., Ito, S. and Hayashi, H. (2010): Structural requirements of strigolactones for hyphal branching in AM fungi. Plant Cell Physiol., 51, 1104–1117.</ref>

</references>