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Stutenmilch

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Datei:Mare milking Suusamyr.jpg
Eine Stute wird gemolken – Suusamyr-Tal, Kirgisistan
Datei:119-t-udder.jpg
Euter einer Stute

Stutenmilch ist die während der Laktation von einer Stute gebildete Milch. Sie dient dem Fohlen in den ersten Lebensmonaten als Nahrung. In Teilen Zentralasiens, der Mongolei und Osteuropas wird sie auch vom Menschen genutzt, besonders zur Herstellung des vergorenen Getränks Kumys, das in der Mongolei meist Airag genannt wird.<ref name="Salimei2012"></ref>

Rückstände von Milchfetten in Keramikgefäßen der Botai-Kultur im heutigen Kasachstan gelten als Nachweis dafür, dass Pferde bereits im 4. Jahrtausend v. Chr. gemolken wurden.<ref name="Outram2009"></ref>

Laktation und Gewinnung[Bearbeiten]

Unmittelbar nach der Geburt des Fohlens bildet die Stute zunächst Kolostrum, dessen Immunglobuline für die Immunabwehr des neugeborenen Fohlens erforderlich sind. Danach geht die Milchdrüse zur Bildung reifer Milch über. Die Milchleistung erreicht gewöhnlich während der ersten Monate der Laktation ihr Maximum und nimmt anschließend ab. Sie unterscheidet sich zwischen einzelnen Tieren und wird unter anderem von Körpergröße, Rasse, Fütterung, Laktationsstadium und Säugeverhalten des Fohlens beeinflusst.<ref name="Doreau1989"></ref><ref name="Doreau1994"></ref>

Das Euter der Stute besitzt im Verhältnis zur täglichen Milchleistung nur ein geringes Speichervermögen. Ein Fohlen saugt deshalb häufig und nimmt jeweils eine vergleichsweise kleine Milchmenge auf. Bei der gewerblichen Gewinnung werden die Stuten mehrmals am Tag gemolken. Das Fohlen bleibt gewöhnlich bei der Mutter und wird nur zeitweise von ihr getrennt. Seine Anwesenheit oder sein vorheriges Saugen kann die Milchabgabe auslösen oder erleichtern.<ref name="Doreau1989" /><ref name="Salimei2012" />

Zusammensetzung[Bearbeiten]

Die Zusammensetzung der Stutenmilch verändert sich im Verlauf der Laktation und hängt außerdem von Fütterung, Haltung, Rasse und Untersuchungsmethode ab. Für reife Stutenmilch werden meist folgende Bereiche angegeben:<ref name="Malacarne2002"></ref><ref name="Claeys2014"></ref>

Typische Zusammensetzung reifer Stutenmilch
Bestandteil Gehalt in g je 100 g
Protein 1,5–2,8
Fett 0,5–2,0
Laktose 5,8–7,0
Mineralstoffe 0,3–0,5

Im Vergleich zur Kuhmilch enthält Stutenmilch im Allgemeinen weniger Fett, Protein, Casein und Mineralstoffe, aber mehr Laktose. Ihr Caseinanteil am Gesamtprotein ist geringer, während der Anteil der Molkenproteine höher liegt. Zu den Molkenproteinen gehören unter anderem Alpha-Lactalbumin, Beta-Lactoglobulin, Laktoferrin und Lysozym.<ref name="Uniacke2010"></ref>

Der Fettgehalt ist stärker veränderlich als der Laktosegehalt. Das Milchfett enthält im Vergleich zu Kuhmilch einen höheren Anteil mehrfach ungesättigter Fettsäuren. Art und Menge der Fettsäuren werden wesentlich durch die Fütterung und das Laktationsstadium beeinflusst.<ref name="Malacarne2002" />

Aufgrund ihres hohen Laktosegehalts, des niedrigen Fettgehalts und des Verhältnisses von Casein zu Molkenproteinen ähnelt Stutenmilch in einzelnen Merkmalen der menschlichen Muttermilch. Beide Milcharten unterscheiden sich jedoch in ihrem Energiegehalt, in der Zusammensetzung der Proteine und Fette sowie bei mehreren Vitaminen und Mineralstoffen.<ref name="Claeys2014" />

Nutzung und Verarbeitung[Bearbeiten]

Stutenmilch wird frisch, tiefgekühlt oder als gefriergetrocknetes Pulver angeboten. Ihre traditionelle Bedeutung beruht vor allem auf der Vergärung zu Kumys oder Airag. Dabei wandeln Milchsäurebakterien und Hefen einen Teil der Laktose in Milchsäure, Ethanol und Kohlenstoffdioxid um. Das Getränk ist daher säuerlich, leicht kohlensäurehaltig und je nach Herstellungsweise schwach alkoholisch.<ref name="Martuzzi2024"></ref>

Der geringe Caseingehalt und die Beschaffenheit der Caseinmicellen erschweren die durch Lab ausgelöste Gerinnung. Stutenmilch eignet sich deshalb weniger zur üblichen Käseherstellung als Kuh-, Schaf- oder Ziegenmilch. Mit angepassten Verfahren, Mischungen mit anderer Milch oder durch Fermentation lassen sich dennoch verschiedene Milchprodukte herstellen.<ref name="Uniacke2010" /><ref name="Martuzzi2024" />

Stutenmilch wird außerdem als Bestandteil von Seifen und anderen kosmetischen Erzeugnissen verwendet. Aus der Verwendung in Kosmetika ergibt sich kein Nachweis einer Wirkung gegen Hautkrankheiten.

Ernährungsphysiologische und gesundheitliche Bewertung[Bearbeiten]

Stutenmilch ist wegen ihres niedrigen Fettgehalts energieärmer als Kuhmilch und menschliche Muttermilch. Unveränderte Stutenmilch ist daher kein gleichwertiger Ersatz für Muttermilch oder industriell zusammengesetzte Säuglingsnahrung. Besonders bei Säuglingen muss eine Ersatznahrung den Bedarf an Energie, Fett, Proteinen, Vitaminen und Mineralstoffen vollständig decken.<ref name="Claeys2014" /><ref name="Salimei2012" />

In einer Untersuchung mit 25 Kindern, die an einer schweren, durch Immunglobulin E vermittelten Kuhmilchallergie litten, wurde Stutenmilch von der Mehrzahl der Kinder vertragen. Die Autoren verlangten vor einer Verwendung jedoch eine ärztlich überwachte orale Provokation. Stutenmilch enthält selbst allergene Milchproteine und kann daher ebenfalls allergische Reaktionen auslösen.<ref name="Businco2000"></ref>

Der hohe Laktosegehalt kann bei Menschen mit Laktoseintoleranz Beschwerden hervorrufen. Durch die Vergärung zu Kumys sinkt der Laktosegehalt, doch wird die Laktose je nach Herstellungsverfahren nicht vollständig abgebaut.

Rohe Stutenmilch ist nicht grundsätzlich keimarm. Bei der Untersuchung von 123 Proben aus niederländischen und belgischen Betrieben wurden Hygiene- und Fäkalindikatoren in sehr unterschiedlichen Konzentrationen nachgewiesen. Zwar wurden in den Proben keine Salmonellen, Campylobacter oder Listerien gefunden, in zugesetzten Kontrollkulturen konnten diese Erreger jedoch während der gekühlten Lagerung überleben. Die Autoren rieten daher vom Verzehr roher Stutenmilch ab, besonders bei gesundheitlich vorbelasteten Menschen.<ref name="Hazeleger2016"></ref>

Stutenmilch werden Wirkungen bei Hautkrankheiten, Darmerkrankungen und Störungen des Immunsystems zugeschrieben. Dazu liegen einzelne kleine klinische Untersuchungen sowie zahlreiche Labor- und Tierversuche vor. Eine allgemein anerkannte therapeutische Wirksamkeit ist daraus bislang nicht abzuleiten.<ref name="Foekel2009"></ref><ref name="Claeys2014" />

Weblinks[Bearbeiten]

Commons: Stutenmilch – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references />