Zum Inhalt springen

Swordfishtrombones

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Swordfishtrombones
Studioalbum von Tom Waits

Veröffent-
lichung

September 1983

Aufnahme

August 1982

Label(s)

Island Records

Format(e)

LP, CD, MC

Genre(s)

Experimental Rock

Titel (Anzahl)

15

Länge

40:31

Besetzung

Siehe Besetzung

Produktion

Tom Waits

Studio(s)

Sunset Sound Studio, Los Angeles

Chronologie
Heartattack and Vine
(1980)
Swordfishtrombones Rain Dogs
(1985)

Swordfishtrombones ist das siebte Studioalbum von Tom Waits und erschien im September 1983. Es ist sein erstes Album bei Island Records und gilt als eine stilistische Zäsur in Waits’ Werk. Einhergehend wird es als Auftakt einer experimentellen Trilogie verstanden, zu der die darauffolgenden Alben Rain Dogs und Frank’s Wild Years gehören.<ref>Meilenstein-Rezension von Rain Dogs auf laut.de, abgerufen am 25. Januar 2015.</ref>

Entstehung[Bearbeiten]

Im April 1982 spielte Waits dem Vertreter seines damaligen Verlags Elektra-Asylum Joe Smith Demo-Versionen von Frank’s Wild Years, 16 Shells From a Thirty-Ought Six und Shore Leave vor. Dieser lehnte die Aufnahme solch experimenteller und unkonventioneller Musik ab.<ref>Hoskyns, S. 350.</ref> Waits beschloss trotzdem, das Album aufzunehmen. Es wurde anschließend von Island Records veröffentlicht, dessen Chef Chris Blackwell sich als offener gegenüber Waits’ Experimentierfreude erwies.

Das Album wurde in seiner Gänze von Waits geschrieben, arrangiert und produziert (an den Arrangements einzelner Lieder war auch Francis Thumm beteiligt). Eine Tour zum Album folgte nicht, denn Waits blieb lieber zu Hause bei seiner schwangeren Frau. Dafür hatte das MTV-Zeitalter begonnen, und mit dem Dokumentarfilmer Haskell Wexler und dem Künstler Michael A. Russ, der auch das Cover des Albums entworfen hatte, realisierte Waits sein erstes Video zu der langsamen Ballade In the Neighborhood, das auch in seiner direkten Nachbarschaft gedreht wurde. „Es ist unglaublich, wie viele Leute sich diese Clips ansehen“, stellte er ungläubig fest.<ref>Waits zu Kristine McKenna, New Musical Express, 1. Oktober 1983</ref>

Der ungewöhnliche Titel formte sich ihm beim Betrachten eines Alphabet-Bilderbuchs mit seiner Tochter. Auf der linken Seite wurde der Buchstabe S mittels Swordfish vorgestellt, auf der rechten gab Trombone das Beispiel für den T-Anlaut.<ref name="ME11/93">Stefan Nink: Tom Waits. Swordfishtrombones (1983). In: Musikexpress. Nr. 454, November 1993, Die 100 Meisterwerke. 2. Teil. Platz 67 bis 34, S. 99.</ref>

Das Cover des Albums wurde von dem US-amerikanischen Fotokünstler Michael A. Russ gestaltet und zeigt Tom sowie die Schauspieler Lee Kolima und Angelo Rossitto.

Stil und Thematik[Bearbeiten]

Swordfishtrombones stellt eine Zäsur in Waits’ Werk dar, eine Abkehr von Lounge-Jazz hin zu experimenteller Rockmusik. Viele Elemente, die bis dahin für seine Musik typisch waren, wurden bewusst aufgegeben, so beispielsweise Saxophon- und Streicherpartien. Klavierpartien wurden sehr spärlich eingesetzt. Stattdessen wurde der Klang deutlich perkussiver, viele unübliche Trommel- und Perkussionsinstrumente wurden bei den Aufnahmen genutzt. Das Album wurde vom Schaffen solcher Musiker wie Captain Beefheart und Harry Partch stark beeinflusst. Im Zentrum der im Vergleich zu früheren Alben spärlich arrangierten Lieder steht Waits’ charakteristische Stimme.<ref name="rolling">Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Swordfishtrombones-Rezension (Memento des Vorlage:IconExternal vom 22. Oktober 2007 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.rollingstone.com im Rolling Stone, abgerufen am 25. Januar 2015.</ref>

Das Album ist als die Geschichte eines Mannes konzipiert, der „…sein altes Viertel verlässt und zur Handelsmarine geht, in Hongkong in Schwierigkeiten gerät, heimkehrt, sein Mädchen heiratet, sein Haus abfackelt, und sich in ein Abenteuer stürzt.“<ref>Waits in Hoskyns, S. 345–346.</ref>

Titelliste[Bearbeiten]

Alle Songs stammen aus der Feder von Tom Waits.

Seite 1
1. Underground – 1:58
2. Shore Leave – 4:12
3. Dave the Butcher – 2:15
4. Johnsburg, Illinois – 1:30
5. 16 Shells From a 30.6 – 4:30
6. Town with No Cheer – 4:22
7. In the Neighbourhood – 3:04
Seite 2
8. Just Another Sucker on the Vine – 1:42
9. Frank’s Wild Years – 1:50
10. Swordfishtrombone – 3:00
11. Down, Down, Down – 2:10
12. Soldier’s Things – 3:15
13. Gin Soaked Boy – 2:20
14. Trouble Braids – 1:18
15. Rainbirds – 3:05

Besetzung[Bearbeiten]

Rezeption[Bearbeiten]

Quelle Bewertung
AllMusic SternsymbolSternsymbolSternsymbolSternsymbolSternsymbol<ref name="allmusic" />
Rolling Stone SternsymbolSternsymbolSternsymbolSternsymbolSternsymbol<ref name="rolling" />

Im Magazin Rolling Stone wurde das Album positiv rezensiert (4 von 5 Sternen). Autor Shewey schrieb 1983:

„The combination of weirdness, heartfelt lyrics and haunting instrumentals adds up to a superior LP and an opportunity to rediscover Tom Waits.“

„Die Kombination aus Verrücktheit, innigen Texten und gespenstischer Instrumentierung ergibt ein großartiges Album und eine Gelegenheit, Tom Waits neu zu entdecken.“

– Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Don Shewey: Rolling Stone<ref name="rolling" />

Der deutsche Rolling Stone nahm das Album 1997 in seinen Überblick über „Die musikalischen Meilensteine der ’80er“ auf. „Impressionistisch und unvergeßlich“ sei Waits’ „großartigste Platte“.<ref>Tom Waits. Swordfishtrombones. In: Rolling Stone. November 1997, Die musikalischen Meilensteine der '80er, S. 6 (Heftbeilage mit eigener Paginierung).</ref> 2008 schrieb Chris Wiesner in dem vom Rolling Stone herausgegebenen Sounds-Themenmagazin, es sei sein „bis dahin mit Abstand sperrigstes Album“, ein „rumpeliges Werk voll songwriterischer Grandezza […], die er kunstvoll unter schleifenden, röchelnden und polternden Klangquellen verbarg“. Textlich habe „er sich von der bis dahin dominierenden selbstzerfleischenden Nabelschau“ gelöst und „sich in kryptischen Kurzgeschichten den Losern dieser Welt“ gewidmet.<ref>Chris Wiesner: Swordfishtrombones. Tom Waits (1983). In: Sounds. By Rolling Stone. Das Themenmagazin zur populären Musik. 5: Das Album. Die Besten der Besten! 250 Meisterwerke aus fünf Jahrzehnten, 2008, Die Achtziger Jahre, S. 65.</ref>

Zehn Jahre nach Erscheinen setzte die Zeitschrift Musikexpress das Album auf Platz 43 seiner 100 Meisterwerke. Das erste Anhören sei ein Schock wegen der schrägen Klangcollagen, die jedoch ihre Rätselhaftigkeit nach einer Weile verlören.<ref name="ME11/93" /> Weitere zwei Jahre später war Swordfishtrombones auch unter der Auswahl der 100 besten Tiefpreis-Platten mit der Begründung, es sei ein süchtig machender Schwarzweißfilm über das Schattenreich der Verlierer und Verlorenen für ebensolche.<ref>(us): Tom Waits. Swordfishtrombones (1983). In: Musikexpress. Nr. 477, Oktober 1995, Die 100 besten Tiefpreis-Platten, S. 50.</ref>

Der Musikjournalist Robert Christgau bewertete Swordfishtrombones mit der Note A−. Er betonte, dass es das erste Album sei, auf dem Waits seinen Möglichkeiten und seinem Talent gerecht wurde, indem er seine unschöne Stimme als einen Vorteil nutzt.<ref>Swordfishtrombones-Rezension in Village Voice vom 24. März 1984, abgerufen am 25. Januar 2015.</ref>

Auf AllMusic wurde das Album mit 5 Sternen bewertet, der Autor der Rezension bemerkte, „Artistically, Swordfishtrombones marked an evolution of which Waits had not seemed capable (though there were hints of this sound on his last two Asylum albums), and in career terms it reinvented him.“<ref>„Künstlerisch markierte Swordfishtrombones eine Evolution, zu der Waits nicht fähig geschienen hatte (obwohl manches auf seinen vorherigen beiden Asylum-Alben auf diesen Sound hingedeutet hatte), und er erfand sich und seine Karriere damit neu.“</ref><ref name="allmusic">Review von William Ruhlmann auf AllMusic, abgerufen am 25. Januar 2015.</ref>

Die Zeitschrift New Musical Express wählte Swordfishtrombones im Jahr 2013 auf Platz 320 der 500 besten Alben aller Zeiten.<ref>The 500 Greatest Albums Of All Time auf NME (23.10.2013), abgerufen am 26. Februar 2026.</ref> In der Auswahl der 100 besten Alben der 1980er Jahre von Pitchfork erreichte es Platz 11.<ref>The Top 100 Albums of the 1980s auf Pitchfork (20.11.2002), abgerufen am 26. Februar 2026</ref> Uncut führt es auf Platz 161 der 200 besten Alben aller Zeiten.<ref>200 Greatest Albums of All Time, in: Uncut 02/2016, Ausgabe 225, S. 36.</ref> Swordfishtrombones wurde in die 1001 Albums You Must Hear Before You Die aufgenommen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Barney Hoskyns: Tom Waits. Ein Leben am Straßenrand. Heyne, München 2009, ISBN 978-3-453-26633-9.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references />

Vorlage:Erweiterte Navigationsleiste/Lua

Vorlage:Hinweisbaustein