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Beinwell

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Beinwell
Datei:Symphytum cordatum 01.jpg

Herzblättriger Beinwell (Symphytum cordatum)

Systematik
Asteriden
Euasteriden I
Familie: Raublattgewächse (Boraginaceae)
Unterfamilie: Boraginoideae
Tribus: Boragineae
Gattung: Beinwell
Wissenschaftlicher Name
Symphytum
L.

Beinwell (Symphytum), früher (und auch heute in der deutschsprachigen Schweiz) auch Wallwurz (in Bezug auf das Zuheilen [„Wallen“ bzw. „Zusammenwallen“<ref>Gundolf Keil: Die „Cirurgia“ Peters von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes (= Forschungen zur Geschichte der Stadt Ulm. Band 2). Stadtarchiv, Ulm 1961 (zugleich Philosophische Dissertation Heidelberg 1960: Peter von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes), S. 481 (Anmerkungen zu walwurtz).</ref>] von Knochenbrüchen und Wunden, insbesondere für die Beinwell-Art Symphytum officinale) oder Beinwurz (von bein für „Knochen“) genannt, ist eine Pflanzengattung, die zur Familie der Raublattgewächse (Boraginaceae) gehört. Die 20 bis 40 Arten sind in Europa, Nordafrika und von Westasien bis nach Zentralasien weitverbreitet.

Beschreibung[Bearbeiten]

Datei:Symphytum officinale2 ies.jpg
Stängel mit Trichomen vom Echten Beinwell (Symphytum officinale)
Datei:Beinwell.jpg
Typischer Blütenstand (Doppelwickel) vom Echten Beinwell (Symphytum officinale)
Datei:Symphytum floral diagram.jpg
Blütendiagramm
Klausenfrüchte vom Echten Beinwell (Symphytum officinale)

Vegetative Merkmale[Bearbeiten]

Symphytum-Arten sind ausdauernde krautige Pflanzen. Die Wurzeln sind verdickt. Die oberirdischen Pflanzenteile sind rau oder borstig behaart.

Die wechselständigen Laubblätter sind einfach. Die Grundblätter sind gestielt und die Stängelblätter sind sitzend bis (bei vielen Arten) am Stängel herablaufend. Es sind keine Nebenblätter vorhanden.

Generative Merkmale[Bearbeiten]

Als typischer Blütenstand wird ein endständiger Doppelwickel gebildet. Es sind keine Deckblätter vorhanden.

Die zwittrigen Blüten sind radiärsymmetrisch und fünfzählig mit doppelter Blütenhülle (Perianth). Die fünf Kelchblätter sind höchstens bis zur Mitte mit ungleichen Kelchzipfeln verwachsen und verlängern sich etwas bis zur Fruchtreife. Die fünf hell-purpurroten, weißen oder selten gelben Kronblätter sind meist glockenförmig, aber auch röhrig verwachsen. In der Kronröhre befinden sich fünf Anhängsel, sogenannte „Kronschuppen“, mit papillösen Drüsen. Die fünf Kronlappen sind dreieckig bis halbkreisförmig mit gezähnten Rändern, und die Spitze kann manchmal nach oben eingerollt sein. Es ist nur ein Kreis mit fünf Staubblättern vorhanden; sie sind mit der Kronröhre verwachsen und überragen die Krone nicht. Die zwei Fruchtblätter sind zu einem oberständigen Fruchtknoten verwachsen, der durch Einkerbungen in vier Klausen mit je einer Samenanlage geteilt ist. In der Einsenkung des vierteiligen Fruchtknotens mit konvexem Griffelpolster befindet sich der dünne Griffel, der in einer kopfigen Narbe endet und meist die Krone überragt.

Es werden Klausenfrüchte gebildet. Die vier Teilfrüchte (Klausen) sind eiförmig, manchmal etwas ungleichseitig, meist drüsig-warzig, netzartig-runzelig oder selten glatt. Die Samen besitzen Elaiosomen.

Datei:Symphytum asperum plant.jpg
Rauer Beinwell (Symphytum asperum)
Datei:Symphytum brachycalyx.JPG
Symphytum brachycalyx
Datei:Symphytum bulbosum 2006.03.30 12.28.51-p3300049.jpg
Knollen-Beinwell (Symphytum bulbosum)
Datei:Blue comfrey - geograph.org.uk - 1279031.jpg
Kaukasischer Beinwell (Symphytum caucasicum)
Datei:Symphytum ibericum.jpg
Kriechender Beinwell (Symphytum ibericum)
Datei:Symphytum tuberosum Eglinton.JPG
Knoten-Beinwell (Symphytum tuberosum)
Datei:Russian comfrey close 800.jpg
Futter-Beinwell (Symphytum ×uplandicum)

Systematik[Bearbeiten]

Der Gattungsname Symphytum wurde 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum, Tomus I, Seite 136 erstveröffentlicht.<ref name="Linné1753" /><ref name="Euro+Med" /> Typusart ist Symphytum officinale. Synonyme für Symphytum Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.L. sind. Procopiana Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Gușul. orth. var., Procopiania Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Gusul.<ref name="GRIN" /><ref name="Euro+Med" />

Die Gattung Symphytum gehört zur Tribus Boragineae in der Unterfamilie Boraginoideae innerhalb der Familie der Boraginaceae.

Arten und ihre Verbreitung[Bearbeiten]

Je nach Autor gibt es in der Gattung Beinwell (Symphytum) 20 bis 40 Arten:<ref name="Hacıoğlu2011" /><ref name="GRIN" /><ref name="Euro+Med" />

Außerdem gibt es an Hybriden:

Verwendung[Bearbeiten]

Heilpflanze[Bearbeiten]

Die Beinwell-Arten wurden schon in alter Zeit als Heilkraut verwendet.<ref name="Crellin" /> Der antike griechische Arzt Dioskurides etwa beschreibt das von ihm bereits so genannte Sýmphyton állo (σύμφυτον ἄλλο) ausführlich.<ref>Dioskurides, de materia medica 4,9f.</ref> Ob allerdings die in der lateinischen Antike als alum Gallicum bekannte Heilpflanze dem Beinwell entspricht, ist unklar.<ref>August Steier: Alum Gallicum. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Supplementband VII, Stuttgart 1940, Sp. 22–26, insbesondere Sp. 24f.</ref> Jedenfalls leiten sich sowohl der altgriechische als auch einige deutsche Namen (Beinwell, Lehnübersetzung von mittellateinisch consolida, mittelhochdeutsch auch walwurtz<ref>Gundolf Keil: Die „Cirurgia“ Peters von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes (= Forschungen zur Geschichte der Stadt Ulm. Band 2). Stadtarchiv, Ulm 1961 (zugleich Philosophische Dissertation Heidelberg 1960: Peter von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes), S. 432 (zu paynwel bzw. beinwelle) und 490 (zu wurtz in walwurtz) sowie 495 (zusammenwallen, Übersetzung von mittellateinisch consolidari).</ref>) der Pflanze von ihrer Anwendung bei Knochenbrüchen und offenen Wunden ab. Auch bei Verletzungen von Bändern und Sehnen wurde den Pflanzen Heilwirkung zugeschrieben. Sowohl der heute anerkannte Gattungsname Symphytum als auch der in früheren Werken gebräuchliche Name Consolida (übersetzt „wachse zusammen“, von lateinisch consolidare mittelhochdeutsch zusammenwallen, neuhochdeutsch ‚zusammenwachsen, konsolidieren‘; griechisch symphýein) beziehen sich auf das „Zusammenwachsen“.<ref name="Genaust2005" /><ref>Vgl. auch Otto Beßler: Prinzipien der Drogenkunde im Mittelalter. Aussage und Inhalt des Circa instans und Mainzer Gart. Mathematisch-naturwissenschaftliche Habilitationsschrift, Halle an der Saale 1959, S. 174 („Consolida maior – walwortz, symphitum, anagulicum, Picterion“).</ref> Als Heilpflanze wird besonders der Echte Beinwell (Symphytum officinale) eingesetzt und auch in Kräutergärten angebaut. Äußerlich angewendet ist er wirksam bei Prellungen, Zerrungen und Verstauchungen, der Gebrauch unterliegt jedoch Beschränkungen.<ref name="Kommission E" /> Eingesetzt wird Beinwell bei sogenannten „stumpfen Traumen“ aufgrund seiner schmerzlindernden, entzündungshemmenden und abschwellenden Wirkung. Ein Vergleich mit oberflächlicher Anwendung von Diclofenac bei Gelenkverletzungen ergab einen mindestens gleichwertigen Wirkstärkeneffekt von Beinwellextrakt.<ref>Roberto D’Anchise, Michael Bulitta, Bruno Giannetti: Comfrey Extract Ointment in Comparison to Diclofenac Gel in the Treatment of Acute Unilateral Ankle Sprains (Distortions). In: Arzneimittelforschung. Band 57(11), Nr. 2007. Editio Cantor, Aulendorf 2007, S. 712–716, doi:10.1055/s-0031-1296672.</ref> Die Heilwirkung auf die Haut ist auf den Inhaltsstoff Allantoin zurückzuführen, der heute auch in der Kosmetik zahlreiche Anwendungsgebiete gefunden hat. Vorlage:Hinweisbaustein Allantoin bewirkt die Beschleunigung des Zellaufbaus und der Zellbildung,<ref name="apotheker.or.at" /><ref>Désirée Christin Flügel: Allantoin - Anwendung, Wirkung, Nebenwirkungen. In: Gelbe Liste. 4. Mai 2024, abgerufen am 21. November 2024.</ref> was in der alten Heilkunde vor allem bei der Behandlung von Unterschenkelgeschwüren genutzt wurde.

Giftigkeit[Bearbeiten]

Beinwell enthält wechselnde Mengen von Pyrrolizidinalkaloiden, die (in hoher Dosierung und als Einzelsubstanz) leberschädigend und krebsauslösend wirken. Die Kommission E hat daher für Deutschland den Gebrauch als Heilpflanze nur unter Einschränkungen zugelassen.<ref name="Kommission E" /> In Kanada und einigen Staaten der USA dürfen Beinwellprodukte zur inneren Anwendung nicht mehr vermarktet werden.<ref name="bccancer" />

Unkundige haben den hochgiftigen Fingerhut (Digitalis purpurea) schon mit Beinwell verwechselt.<ref>Vorsicht: Verwechslung von Beinwell- mit Fingerhutblättern Merkblatt des Gemeinsamen Giftnotrufzentrums der Länder Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen, 2015</ref>

Bodenverbesserer[Bearbeiten]

Allen Beinwellarten ist gemeinsam, dass sie sehr schnell wachsen und im Garten rasch lästig werden können.<ref name="Biogarten" /> Im Garten werden sie gerne als Mulchmaterial verwendet.<ref name="Rusch" /><ref name="Hemenway" /> Beinwelljauche ist ein organischer Dünger (siehe auch Pflanzenjauche).

Die Eignung als Mulchmaterial kommt daher, dass Beinwell-Arten im Boden nach Nährstoffen „schürfen“, die in nährstoffarmen Böden für andere Pflanzen oft nicht verfügbar sind.

Literatur[Bearbeiten]

  • Masha Bennett: Pulmonarias and the Borage family. Timber Press, Portland 2003, ISBN 0-88192-589-6.
  • Gelin Zhu, Harald Riedl, Rudolf V. Kamelin: Symphytum. In:
  • Abtei Fulda: Comfrey – was ist das? 9. Auflage. Fulda 2000, ISBN 3-924201-05-6.
  • Mannfried Pahlow: Das große Buch der Heilpflanzen. Gräfe und Unzer, München 1999, ISBN 3-7742-3848-0.
  • Peter Schönfelder, Ingrid Schönfelder: Der Kosmos-Heilpflanzenführer. Europäische Heil- und Giftpflanzen. 4. Auflage. Franckh, Stuttgart 1988, ISBN 3-440-05854-9.
  • Avril Rodway: Kräuter und Gewürze. Die nützlichsten Pflanzen der Natur – Kultur und Verwendung. Tessloff, Hamburg 1980, ISBN 3-7886-9910-8.
  • Ursel Bühring: Praxis-Lehrbuch der modernen Heilpflanzen. Grundlagen, Anwendung, Therapie. 2., überarbeitete Auflage. Sonntag Verlag, Stuttgart, ISBN 3-8304-9097-6, S. 411.
  • Cedric Bucknall: A Revision of the Genus Symphytum, Tourn. In: Journal of the Linnean Society of London, Botany, Volume 41, Issue 284, 1913, S. 491–556. doi:10.1111/j.1095-8339.1913.tb01202.x

Weblinks[Bearbeiten]

Wiktionary: Beinwell – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Commons: Beinwell (Symphytum) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references> <ref name="GRIN"> Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GRIN“ ist nicht vorhanden. im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland. </ref> <ref name="FlEurop"> Bogumil Pawłowski: Symphytum. In: </ref> <ref name="Euro+Med"> Benito Valdés, E. von Raab-Straube, 2011: Boraginaceae. Datenblatt Symphytum In: Euro+Med Plantbase – the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity. </ref> <ref name="Linné1753"> Carl von Linné: Species Plantarum. Tomus I, 1753, S. 136, Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3Dhttp%3A%2F%2Fwww.biodiversitylibrary.org%2Fpage%2F358155%23148~GB%3D~IA%3D~MDZ%3D%0A~SZ%3D~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D </ref> <ref name="Kommission E"> Kommission für Phytotherapie (Kommission E) des ehemaligen Bundesgesundheitsamtes (BGA), heute Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM): Monographie Symphyti radix (Beinwellwurzel). Bundesanzeiger 138, 27. Juli 1990. – www.heilpflanzen-welt.de. </ref> <ref name="Genaust2005"> Helmut Genaust: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen. 3., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage. Nikol, Hamburg 2005, ISBN 3-937872-16-7 (Nachdruck von 1996). </ref> <ref name="bccancer"> Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.http://www.bccancer.bc.ca/ (Memento vom 16. April 2008 im Internet Archive) </ref> <ref name="Rusch"> Margit Rusch: Anders gärtnern: Permakulturelemente im Hausgarten. ökobuch, Staufen bei Freiburg 2010, ISBN 978-3-936896-52-7. </ref> <ref name="Pawlowski1971"> Bogumil Pawłowski: De genere Procopiana Gușuleac. In: Fragmenta Floristica et Geobotanica. Band 17, Nr. 1, 1971, S. 39–58. </ref> <ref name="Hacıoğlu2011"> </ref> <ref name="Greuter-Rechinger 1967"> Werner Greuter, Karl Heinz Rechinger: Flora der Insel Kythera gleichzeitig Beginn einer nomenklatorischen Überprüfung der griechischen Gefässpflanzenarten. In: Boissiera. Band 13, 1967, S. 100. </ref> <ref name="Crellin"> J. K. Crellin, A. L. Tommie Bass: Herbal Medicine Past and Present: A reference guide to medicinal plants. S. 187. </ref> <ref name="apotheker.or.at"> apotheker.or.at weiterer Nachweis mit exakt dem Wortlaut </ref> <ref name="Biogarten"> Marie-Luise Kreuter: Der Biogarten. 25. Auflage. 2012, S. 209. </ref> <ref name="Hemenway"> Toby Hemenway: Gaia's Garden: A Guide to Home-Scale Permaculture. 2nd Edition. S. 127. </ref> <ref name="Schönfelder2008"> Peter Schönfelder, Ingrid Schönfelder: Die neue Kosmos-Mittelmeerflora. Franckh-Kosmos-Verlag Stuttgart 2008. ISBN 978-3-440-10742-3. S. 136–144. </ref> </references>