Tarsenspinner
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| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
| Embioptera | ||||||||||||
| Lameere, 1900 |
Die Tarsenspinner (Embioptera), auch Fersen- oder Fußspinner bzw. Spinnfüßer genannt, sind eine Ordnung der Insekten<ref name = SPE>Lexikon der Biologie: Embioptera Spektrum der Wissenschaft, abgerufen am 24. Oktober 2023</ref> und gehören zu den Fluginsekten (Pterygota). Sie bilden in manchen taxonomischen Systematiken gemeinsam mit den Steinfliegen ein Taxon namens Steinfliegenartige (Plecopteroida), in anderen werden sie als Schwestergruppe der Gespenstschrecken angesehen. Manche Systematiker nehmen außerdem eine engere Verwandtschaft mit den Bodenläusen an. Die fast 500 bekannten Arten sind in den Tropen, den Subtropen und selten in gemäßigten Klimazonen zu finden. Die meisten Arten werden 8 bis 15 Millimeter lang. Die größten Vertreter sind die Arten der Gattung Clothoda mit einer Körperlänge von etwa 20 Millimetern.
Merkmale[Bearbeiten]
Tarsenspinner sind kleine zylindrisch geformte Insekten. Die Männchen der meisten Tarsenspinner besitzen vier etwa gleich große, schmale Flügel mit einem sehr einfachen Geäder, die in der Ruhestellung nach hinten über den Körper gefaltet werden. Die Flügel sind normalerweise weich und flexibel mit hohlem, nicht ausgehärtetem Geäder. Sollen sie zum Flug verwendet werden (normalerweise nur bei Migrationen oder zur Partnersuche), werden sie durch eingepumpte Hämolymphe stabilisiert. Die Weibchen sind flügellos.
Auffällig sind die verdickten Vorderbeine der Tiere. Besonders das erste Tarsenglied der Vorderbeine ist stark verdickt und mit jeweils etwa 100 Spinndrüsen ausgestattet, die in hohle Borsten münden.<ref name = SPE/> Die drei Brustsegmente (Thorax) sind annähernd gleich groß. Am Kopf tragen die Tiere lange Antennen und kleine Facettenaugen. Die Mundwerkzeuge sind kauend-beißend und weisen einen ausgeprägten Sexualdimorphismus auf. Bei den Männchen sind sie zu Klammerorganen für die Begattung umgebildet. Der Hinterleib endet in einem Paar kurzer Hinterleibsfäden, den Cerci.
Lebensweise[Bearbeiten]
Die Tarsenspinner leben in Gespinsten am Boden, die häufig unter Steinen oder Rinde angelegt sind. Die etwa 200 Eier werden von den Weibchen direkt in das gesponnene Nest gelegt, wobei einige Arten auch Brutpflege betreiben.<ref name = SPE/> Nachts verlassen die Larven und die Weibchen die Gespinste zur Nahrungssuche.
Die Nymphen durchlaufen insgesamt vier Häutungen bis zum Adultstadium. Die Entwicklung erfolgt hemimetabol.<ref name = SPE/>
Die Männchen sind in der Lage, durch Reiben der Fühler Geräusche zu produzieren und nutzen diese, um die Weibchen zu umwerben.
Fossile Belege[Bearbeiten]
Die ältesten fossilen Belege von Tarsenspinnern stammen aus burmesischem Bernstein aus der mittleren Kreide<ref>Michael S. Engel & David A. Grimaldi (2006): The Earliest Webspinners (Insecta: Embiodea). American Museum Novitates 3514: 1-15.</ref>, aufgrund der bereits stark abgeleiteten Morphologie dieser Funde wird ein höheres Alter (möglicherweise aus der Trias) angenommen. Weitere Funde stammen aus Baltischem Bernstein (Eozän). Bei den wenigen fossil erhaltenen Exemplaren handelt es sich um Männchen der Gattung Electroembia, darunter ein Individuum der Art Electroembia antiqua, deren Männchen flügellos sind. Weitere Funde von Tarsenspinnern anderer Gattungen sind aus den jüngeren Bernsteinvorkommen der Dominikanischen Republik, Mexikos (Chiapas-Bernstein) und von Sansibar (Tansania) bekannt.<ref>George O. Poinar, Jr.: Life in Amber. 350 S., 147 Fig., 10 Tafeln, Stanford University Press, Stanford (Cal.) 1992. ISBN 0-8047-2001-0</ref><ref>Wolfgang Weitschat und Wilfried Wichard: Atlas der Pflanzen und Tiere im Baltischen Bernstein, 256 S., zahlr. Abb., Pfeil-Verlag, München 1998. ISBN 3-931516-45-8</ref><ref>Adolf Bachofen-Echt: Der Bernstein und seine Einschlüsse, 204 S., 188 Abb., Springer-Verlag, Wien 1949</ref>
Taxonomie[Bearbeiten]
Bei den Embioptera werden 16 Familien mit insgesamt 475 Arten unterschieden (Stand: Oktober 2023).<ref>Embioptera Global Biodiversity Information Facility, abgerufen am 24. Oktober 2023</ref>
Die folgenden Familien sind bekannt:
- Alexarasniidae Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Gorochov, 2011
- Andesembiidae Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Ross, 2003
- Anisembiidae Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Davis, 1940
- Archembiidae Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Ross, 2001
- Australembiidae Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Ross, 1963
- Brachyphyllophagidae Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Rasnitsyn, 2000
- Clothodidae Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Enderlein, 1909
- Embiidae Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Burmeister, 1839
- Embonychidae Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Navás, 1917
- Notoligotomidae Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Davis, 1940
- Oligotomidae Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Enderlein, 1909
- Paedembiidae Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Ross, 2006
- Ptilocerembiidae Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Miller & Edgerly
- Scelembiidae Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Ross, 2001
- Teratembiidae Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Krauss, 1911
In Europa kommen, laut Fauna Europaea, folgende Gattungen und Arten vor:<ref name="faunaeur">Embioptera bei Fauna Europaea. Archiviert vom Original im Internet Archive. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple</ref>
Aus der Familie der Embiidae:
- Cleomia Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Stefani, 1953
- Cleomia guareschi Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Stefani, 1953
- Embia Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Latreille, 1825
- Embia amadorae Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Ross, 1966
- Embia cynthiae Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Fontana, 2002
- Embia fuentei Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Navàs, 1918
- Embia girolamii Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Fontana, 2001
- Embia ilvana Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Fontana & Forbicioni, 2024
- Embia nuragica Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Stefani, 1953
- Embia ramburi Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Rimski-Korsakow, 1905
- Embia savignyi Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Westwood, 1837
- Embia tyrrhenica Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Stefani, 1953
- Parembia Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Davis, 1939
- Parembia persica (Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.McLachlan, 1877) (Zypern)
Aus der Familie der Oligotomidae:
- Haploembia Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Verhoeff, 1904
- Haploembia palaui Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Stefani, 1955
- Haploembia solieri (Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Rambur, 1842)
- Haploembia tarsalis Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Ross, 1940
- Oligotoma Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Westwood, 1837 (eingeschleppt aus Nordamerika)
- Oligotoma nigra Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Hagen, 1885
- Oligotoma saundersii (Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Westwood, 1837)
Literatur[Bearbeiten]
- Bernhard Klausnitzer: Embioptera, Tarsenspinner. In Westheide, Rieger (Hrsg.): Spezielle Zoologie Teil 1: Einzeller und Wirbellose Tiere. Gustav Fischer Verlag, Stuttgart, Jena 1997; Seiten 636–637.
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references/>