Theta nigrum

Das Theta nigrum (lateinisch für „schwarzes Theta“) ist ein in griechischen und lateinischen Texten und Inschriften verwendetes Todessymbol. Es besteht aus einem Kreis, der mittig von einer waagerechten Linie durchkreuzt wird, und ähnelt damit der Majuskel Vorlage:Grek (Theta) des griechischen Alphabets. In griechischen Texten wird es als Abkürzung für {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value), „Tod“) aufgefasst, in lateinischen Texten als Abkürzung von {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) ([er/sie] „ist gestorben“) gelesen. Den Namen {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) erhielt es von Theodor Mommsen nach einem Vers des römischen Dichters Persius.<ref name="Mednikarova2001" details="S. 267, Zitat: “{{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value)” (Deutsch: „In seinem Index zur ersten Ausgabe des CIL I beschreibt Mommsen es als {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value)<sup>2</sup>. Diese Interpretation wird durch literarische Belege gestützt. Quellen aus verschiedenen Epochen sprechen vom griechischen Buchstaben Vorlage:Grek als ein Zeichen des Todes. Mommsens terminus technicus, der später auch von anderen modernen Gelehrten übernommen wurde, entstammt einer Stelle bei Persius.<sup>3</sup>“)<br /> In Fußnote 2 Nennung der CIL-Stelle." /><ref name="CIL" />
Verwendung[Bearbeiten]
Über die Herkunft des Zeichens lässt sich keine Klarheit mehr gewinnen. Es erscheint vor der Zeitenwende auf griechischen Vasen und nach der Zeitenwende häufiger in römischen Texten und Inschriften (Memoriensteinen), auch mit schrägem Balken ähnlich den Zeichen Ø, ∅ oder ø. Der römische Dichter Persius schrieb poetisch vom „schwarzen Theta“ ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value)) für ein Todesurteil („Vergehen“ steht sicherlich euphemistisch für „Verbrechen“):<ref>Persius, 4, 13, vergleiche lateinische Wikisource.</ref><ref name="Mednikarova2001" details="S. 267, Fußnote 3." />
“et potius est nigrum praefigere vitio theta”
„Auch ist ein schwarzes Theta voranzusetzen mächtiger als das Vergehen.“
In einem Ennius zugeschriebenen Vers wurde das Zeichen früher schon als {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) („der unheilvolle Buchstabe Theta“) bezeichnet:<ref name="Watson1952" details="S. 57, beachte Fußnote 7." /><ref name="Mednikarova2001" details="S. 268, beachte Fußnote 8." />
“O multum ante alias infelix littera Theta”
„O weit vor anderen unheilvoller Buchstabe Theta“
Rufinus von Aquileia schrieb im 4. Jahrhundert, dass in Militärlisten vor den Namen von Verstorbenen ein Theta gesetzt wurde. Diese Praxis wurde 2 Jahrhunderte später von Isidor von Sevilla ebenfalls beschrieben; sie war offensichtlich zu seiner Zeit nicht mehr üblich, denn er benutzte die Vergangenheitsform.<ref name="Mednikarova2001" details="S. 268, Zitat: “{{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value).” (Deutsch: „Zwei Jahrhunderte später bezieht Isidor von Sevilla sich in seinen Origines erneut auf diese Praxis [die zu seiner Zeit der Vergangenheit angehört, vgl. {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) usw.].“)" /> Bei Isidor heißt es:<ref name="IsidorEtym" details="Etym. 1,24,1. Vergleiche lateinische Wikisource." /><ref name="Watson1952" details="S. 56." /><ref name="Watson1952" details="Die Verwendung des Wortes breviculus wird von Watson auf S. 59–60 diskutiert." />
“In breviculis quoque, quibus militum nomina continebantur, propria nota erat apud veteres, qua inspiceretur quanti ex militibus superessent quantique in bello cecidissent. T Tau nota in capite versiculi posita superstitem designabat; Vorlage:Grek Theta vero ad uniuscuiusque defuncti nomen apponebatur.”
„Auch gab es in den Kurzlisten, in denen die Namen der Soldaten festgehalten wurden, bei den Altvorderen eine passende Markierung, durch die angezeigt wurde, wie viele Soldaten am Leben geblieben und wie viele im Krieg gefallen waren. Ein Tau, als Großbuchstabe gesetzt, zeichnete einen Überlebenden aus; ein Theta aber wurde vor den Namen jedes einzelnen Verstorbenen gesetzt.“
In ägyptischen Papyri des 3. Jahrhunderts ist die Bezeichnung {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) oder auch gemischt griechisch-lateinisch {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) überliefert, was wörtlich etwa „die mit einem Theta Markierten“ bedeutet und sich im Kontext auf Gefallene einer Schlacht bezieht.<ref name="Watson1952" details="S. 58 oben." /><ref name="Mednikarova2001" details="S. 268, letzter Absatz." />
In neulateinischen Texten und Biografien wird es als Todessymbol bis weit in die Frühe Neuzeit hinein verwendet. Bekanntere Beispiele der Verwendung sind Grabmale, etwa das Epitaph für Conrad Celtis († 1508) im Wiener Stephansdom, oder die gedruckten Biographien Melchior Adams († 1622).
Deutung[Bearbeiten]
Isidor von Sevilla, der auch den Ennius-Vers überlieferte, schrieb unmittelbar vor dieser Stelle, dass die Verwendung des Theta vom Wort {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value), „Tod“) herstamme:<ref name="IsidorEtym" details="Etym. 1,3,8. Vergleiche lateinische Wikisource." /><ref name="Watson1952" details="S. 57." /><ref name="Mednikarova2001" details="S. 267–268." />
“Nam iudices eandem litteram Vorlage:Grek adponebant ad eorum nomina, quos supplicio afficiebant. Et dicitur Theta {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value), id est a morte.”
„Denn die Richter fügten den Namen derer, die sie mit dem Tod bestraften, eben diesen Buchstaben Vorlage:Grek hinzu. Und Theta soll von {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value), das heißt vom Tod, stammen.“
Die neuzeitlichen Gelehrten stimmen angesichts der Zeugnisse darin überein, dass das Symbol ein Todeszeichen ist, so die Deutung von Mommsen im Corpus Inscriptionum Latinarum (CIL),<ref name="CIL" /><ref name="Mednikarova2001" /> bei dem Latinisten Du Cange,<ref>« Th » (par C. du Cange, 1678), dans du Cange et al., {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value), éd. augm., Niort : L. Favre, 1883–1887, t. 8, col. 092b (lateinisch, Digitalisat).</ref> bei dem Hebraisten William Robertson<ref>William Robertson: A Dictionary of Latin Phrases: Comprehending a Methodical Digest of the Various Phrases from the Best Authors, London 1824, S. 229 (englisch, Digitalisat – Internet Archive).</ref> oder in der Ausgabe der Werke von Giraldus Cambrensis.<ref>J. S. Brewer, James F. Dimock, George F. Warner: Giraldi Cambrensis Opera, Cambridge University Press, 2012, ISBN 978-1-108-04297-0, Glossary, S. 260 (englisch, DigitalisatSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden. – Google Books).</ref> Ob es von griechisch {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) oder aus anderer Tradition stammt, lässt sich nicht mehr mit Sicherheit beantworten. Die lateinische Lesung {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) ([er/sie] „ist gestorben“), von der Mommsen überzeugt war,<ref name="Watson1952" details="S. 57, vorletzter Absatz und Fußnote 10, wo Wilmanns, Exempla Inscriptionum Latinarum, Berlin, 1873, 158n., zitiert wird: “{{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value)” (Deutsch: „Mommsen ist dennoch von dem Ursprung überzeugt, dass es ein O mit einem Querstrich ist und obiit bezeichnet.“ Vergleiche dazu Digitalisat Exempla inscriptionum latinarum in usum praecipue academicum – Internet Archive.)" /> ist wohl jünger und nicht der Ausgangspunkt, wie die Papyri aus dem 3. Jahrhundert mit den Wörtern {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) und {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) zeigen, die allerdings zu Mommsens Lebenszeit nicht bekannt waren.
Darstellung in Druckwerken und Computersystemen[Bearbeiten]
In Druckwerken wird das Zeichen häufig durch die Majuskel Vorlage:Grek des griechischen Alphabets wiedergegeben.
In Unicode werden die Zeichen Vorlage:Grek (U+0398 greek capital letter theta), Vorlage:Grek (U+03F4 greek capital theta symbol) – siehe im Unicodeblock Griechisch und Koptisch – und Ꝋ (U+A74A latin capital letter o with long stroke overlay, siehe im Unicodeblock Lateinisch, erweitert-D) unterschieden. Hier kann das {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) am genauesten durch das letztgenannte Unicodezeichen wiedergegeben werden, da nur bei diesem der Querstrich stets über den Kreis hinausragt.
Weblinks[Bearbeiten]
Belege[Bearbeiten]
<references> <ref name="CIL">CIL I1, Indices, S. 613 (“Litterae singulares”), vergleiche Digitalisat – Internet Archive.</ref> <ref name="IsidorEtym">Isidor von Sevilla: Etymologiae sive Origines.</ref> <ref name="Mednikarova2001"></ref> <ref name="Watson1952"></ref> </references>