Thomas Drozda
Thomas Drozda (geboren am 24. Juli 1965 in Kematen an der Krems, Oberösterreich) ist ein österreichischer Kulturmanager und ehemaliger Politiker (SPÖ). Von Mai 2016 bis Dezember 2017 war er Kanzleramtsminister in der Bundesregierung Kern, von November 2017 bis März 2021 Abgeordneter zum österreichischen Nationalrat<ref>Hanna Kordik: Warum Thomas Drozda die Politik verlässt. In: Die Presse. Die Presse, 6. Februar 2021, abgerufen am 27. Februar 2024.</ref> und von September 2018 bis September 2019 Bundesgeschäftsführer der SPÖ.<ref>Conrad Seidl: Neuer SPÖ-Geschäftsführer Thomas Drozda: Ein Mann, der auf allen Bühnen zu Hause ist. In: Der Standard. Der Standard, 25. September 2018, abgerufen am 27. Februar 2024.</ref><ref>Drozda geht als SPÖ-Bundesgeschäftsführer. In: ORF.at. Österreichischer Rundfunk, 30. September 2019, abgerufen am 27. Februar 2024.</ref><ref>Oliver Pink: Thomas Drozda: Der sozialdemokratische Schöngeist tritt ab. In: Die Presse. Die Presse, 30. September 2019, abgerufen am 27. Februar 2024.</ref>
Nach seinem Ausscheiden aus der Politik ging er in die Privatwirtschaft und ist seit April 2021 einer von zwei gleichberechtigten Vorständen der mehrheitlich der Wien Holding gehörenden Wohnbaugesellschaft ARWAG Holding.
Leben[Bearbeiten]
Drozda studierte Betriebs- und Volkswirtschaft an der Johannes-Kepler-Universität Linz. Nach seinem Studium arbeitete er 1991 als Geschäftsführer beim „Trotzdem-Verlag“ der Sozialistischen Jugend in Wien und wechselte kurze Zeit später in die Abteilung für volkswirtschaftliche Studien der Oesterreichischen Nationalbank. 1993 wurde er von Bundeskanzler Franz Vranitzky in der von ihm geführten Regierung Vranitzky II zum wirtschaftspolitischen Berater berufen, 1996 um den Bereich Kunst und Kultur erweitert. In derselben Funktion arbeitete er auch unter Bundeskanzler Viktor Klima bis 1998.
Ende 1998 wurde Drozda als kaufmännischer Geschäftsführer an das Wiener Burgtheater berufen, wo er Restrukturierungs- und Neupositionierungsmaßnahmen setzte. 2008 wurde er zum Generaldirektor der Vereinigten Bühnen Wien ernannt. Von 2007 bis 2014<ref name="Biogr-BKA" /> war Drozda Mitglied des Stiftungsrats des Österreichischen Rundfunks.
Am 18. Mai 2016 wurde er von Bundespräsident Heinz Fischer auf Vorschlag von Christian Kern zum Regierungsmitglied ernannt.<ref>Thomas Drozda neuer Kulturminister. In: ooe.ORF.at, 17. Mai 2016, abgerufen am 18. August 2016.</ref> Als Bundesminister im Bundeskanzleramt war er vom 25. Mai 2016 bis zum 18. Dezember 2017, als die Bundesregierung Kern aufgelöst wurde, für Kunst und Kultur, Verfassung und Medien zuständig.<ref name="Biogr-BKA">Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Bundesminister für Kunst und Kultur, Verfassung und Medien. ( vom 17. August 2016 im Internet Archive) Kurzbiografie über Thomas Drozda auf der Website des Bundeskanzleramts, abgerufen am 18. August 2016.</ref> Als Kulturminister beauftragte er zwei unabhängige Expertengruppen mit der Erstellung eines Reformkonzepts für die Bundesmuseen. Das Weißbuch Bundesmuseen wurde Ende April 2017 der Öffentlichkeit vorgestellt.<ref>Stefan Weiss: Weißbuch Bundesmuseen: Nur ja nicht in die Schublade! Kommentar. In: Der Standard, 1. Mai 2017.</ref> Er unterstützte die Realisierung der Albertina modern, einer Zusammenarbeit von Hans Peter Haselsteiner, Klaus Albrecht Schröder, Sammlung Essl und Künstlerhaus. Das Projekt Haus der Geschichte wurde unter seiner Federführung zwar redimensionert, aber auch allen Widerständen zum Trotz realisiert.<ref>Haus der Geschichte: Drozda erwägt Neubau. In: Die Presse, 20. Oktober 2016.</ref> Weiters traf er eine Reihe von Personalentscheidungen. Er bestellte Stella Rollig und Wolfgang Bergmann als Doppelspitze im Schloß Belvedere<ref>Belvedere: Die österreichische Lösung. In: Die Presse, 18. Oktober 2016.</ref> und den damaligen Direktor der Uffizien, Eike Schmidt, als neuen Direktor des Kunsthistorischen Museums.<ref>Eike Schmidt übernimmt KHM. In: wien.ORF.at, 1. September 2017.</ref> Es war dies die einzige Personalie Drozdas, die letztlich nicht realisiert wurde, weil Eike Schmidt kurz vor Vertragsantritt absagte und in Florenz verlängerte – dies alles bereits nach dem Ausscheiden Drozdas.<ref>Eike Schmidt sieht Sabine Haag auch als Grund für KHM-Absage. In: Der Standard, 4. Oktober 2019.</ref> Er berief Felicitas Thun-Hohenstein als Kuratorin des Österreich-Pavillons bei der 58. Biennale di Venezia,<ref>Kunstminister Thomas Drozda bestellt Felicitas Thun-Hohenstein als Kuratorin der 58. Kunstbiennale in Venedig. In: artmagazin, 22. November 2017.</ref> was zur ersten weiblichen Venedig-Solo-Personale mit Renate Bertlmann führte.<ref>Michael Huber: Renate Bertlmann bei der Biennale: Im Garten der bewaffneten Blumen. In: Kurier, 8. Mai 2019.</ref> Nach dem Wechsel von Andrea Mayer in die Präsidentschaftskanzlei berief er Jürgen Meindl als Sektionschef der Kunst- und Kultursektion.<ref>Kurier, Wien: Die Kunst- und Kultursektion als parteipolitisches Spielfeld, 15. August 2023</ref> Weiters konnte er in seiner kurzen Amtszeit neue Direktoren im Burgtheater und an der Staatsoper bestellen. Er setzte auf radikale Erneuerung und berief Martin Kušej und Bogdan Roščić.<ref>Martin Kusej übernimmt das Burgtheater. In: Wiener Zeitung, 30. Juni 2017.</ref><ref>Roscic-Kür: Von „Skandal“ bis „großartig“. In: wien.ORF.at, 21. Dezember 2016.</ref> Drei seiner zentralen Projekte wurden vom Koalitionspartner ÖVP blockiert, erstens die Valorisierung der Subventionen im Kulturbetrieb,<ref>Stefan Weiss: Drozda: „Manchmal gibt es im Leben nur Schwarz-Weiß“. Interview. In: Der Standard, 5. August 2016.</ref> zweitens der Umbau der Presseförderung nach dänischem Modell<ref>Wie die neue Medienförderung im Detail aussehen wird. In: Neue Zürcher Zeitung, 8. April 2017.</ref> und drittens das Informationsfreiheits-Gesetz, welches die Abschaffung des sogenannten Amtsgeheimnisses beinhaltet hätte.<ref>Amtsgeheimnis: keine Einigung zur Abschaffung. In: Horizont, 26. Juni 2017.</ref>
Nach der Nationalratswahl 2017 zog Drozda, der als Quereinsteiger Minister geworden war, erstmals in den Nationalrat ein. Im September 2018 wurde er von der SPÖ-Vorsitzenden Pamela Rendi-Wagner zum Bundesgeschäftsführer bestellt.<ref>Drozda wird neuer SPÖ-Bundesgeschäftsführer. In: ORF.at. 25. September 2018, abgerufen am 25. September 2018.</ref> Diese Funktion legte er zurück, nachdem die SPÖ bei der Nationalratswahl 2019 mit rund 22 Prozent ihr schlechtestes Ergebnis hinnehmen hatte müssen. Ende März 2021 schied er aus dem Nationalrat aus, sein Mandat übernahm Mario Lindner.<ref name="OTS_20210409_OTS0116">SPÖ-Parlamentsklub: Mario Lindner als neuer SPÖ-Abgeordneter angelobt. In: APA-OTS-Aussendung. 9. April 2021, abgerufen am 24. März 2023.</ref>
Im November 2020 bewarb sich Drozda auf einen der zwei ausgeschriebenen Vorstandsposten<ref>Andrea Hodoschek: Drozda steigt aus Politik aus und geht in den Wohnbau. In: Kurier.at. 5. Februar 2021, abgerufen am 24. März 2023.</ref> der ARWAG Holding, die im Jahr 2022 von der Wien Holding teilprivatisiert wurde.<ref>Renate Graber: Arwag Holding: Stadt Wien privatisiert Teil von „leistbarem“ Wohnen. In: Der Standard. 14. Dezember 2021, abgerufen am 24. März 2023: „Die Wien Holding verkauft 26 Prozent der Arwag, die sich der Schaffung leistbaren Wohnraums widmet. Dieses Paket und das der Erste Bank sollen an Klemens Hallmann gehen.“</ref> Mit 1. April 2021 wurde Drozda neben Christian Raab (seit Anfang 2020<ref>ARWAG Holding-Aktiengesellschaft, FN 038724y: Vorstand Christian Raab, vertritt seit 1. Jänner 2020. Eingetragen am Handelsgericht Wien am 1. Februar 2020 (Firmendetail aus dem Firmenbuch im firmenmonitor.at der Wiener Zeitung, abgerufen am 24. März 2023).</ref>) zum gleichberechtigten Vorstand berufen.<ref>SPÖ-Politiker Thomas Drozda wechselt in die Wirtschaft. In: DerStandard.at. 5. Februar 2021, abgerufen am 24. März 2023.</ref><ref>ARWAG Holding-Aktiengesellschaft, FN 038724y: Vorstand Thomas Drozda, vertritt seit 1. April 2021. Eingetragen am Handelsgericht Wien am 12. Mai 2021 (Firmendetail aus dem Firmenbuch im firmenmonitor.at der Wiener Zeitung, abgerufen am 24. März 2023).</ref>
Zitat[Bearbeiten]
Als ihn die Kleine Zeitung im Juli 2017 zu Projekten der damals bereits gescheiterten Regierung Kern befragte, lautete seine Antwort:
„Es gibt keine laufende Regierung – die wurde von einem Dreißigjährigen [gemeint Sebastian Kurz; Anm.] vor laufender Kamera gekündigt. Das ist das Reiten eines toten Pferdes.“
Weblinks[Bearbeiten]
- Thomas Drozda im Wien Geschichte Wiki der Stadt Wien
- Thomas Drozda auf der Website des österreichischen Parlaments
- Thomas Drozda auf www.meineabgeordneten.at
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references />
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Christian Kern | Reinhold Mitterlehner/Wolfgang Brandstetter
Hans Peter Doskozil | Gabriele Heinisch-Hosek / Sonja Hammerschmid | Sophie Karmasin | Gerald Klug / Jörg Leichtfried | Harald Mahrer | Sebastian Kurz | Sabine Oberhauser (†) / Pamela Rendi-Wagner | Josef Ostermayer / Thomas Drozda | Andrä Rupprechter | Hans Jörg Schelling | Wolfgang Sobotka | Alois Stöger
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fett gekennzeichnete Politiker sind erst nachträglich in die Regierung gekommen
(†) im Amt verstorben
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| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Drozda, Thomas |
| KURZBESCHREIBUNG | österreichischer Politiker (SPÖ), Bundesminister und Kulturmanager |
| GEBURTSDATUM | 24. Juli 1965 |
| GEBURTSORT | Kematen an der Krems, Oberösterreich |
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