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Thomas Kunze

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Datei:Thomas Kunze (2021).jpg
Thomas Kunze (2021)

Thomas Kunze (* 23. Februar 1963 in Leipzig) ist ein deutscher Zeithistoriker und Autor. Seine Schwerpunkte sind Russland, Zentralasien und postsowjetischer Raum, Osteuropa und DDR-Geschichte.

Leben[Bearbeiten]

Kunze studierte Geschichte, Germanistik und Pädagogik an der Friedrich-Schiller-Universität Jena und der Karl-Marx-Universität Leipzig. 1991 wurde er im Fachgebiet Neueste Geschichte zum Dr. phil. promoviert.<ref name="KAS-Biografie">Dr. Thomas Kunze. In: Konrad-Adenauer-Stiftung. Abgerufen am 30. August 2026.</ref>

Nach der friedlichen Revolution leitete Kunze von 1990 bis 1995 das Ausländeramt und das Amt für Kommunalaufsicht im Landratsamt Leipzig.<ref>Mitteilungen aus dem Bundesarchiv. (PDF) Bundesarchiv, S. 28, Fußnote 12, abgerufen am 31. August 2026.</ref> Von 1995 bis 2001 lehrte Kunze an Bildungseinrichtungen in Constanța (Rumänien).<ref name="KAS-Biografie" />

Seit 2002 ist Kunze für die Konrad-Adenauer-Stiftung tätig. Er leitete die Auslandsbüros in Zentralasien (2002–2005 und 2010–2019) und Russland (2005–2007 und 2019–2022) sowie von 2007 bis 2010 die Europa/Nordamerika-Abteilung in Berlin. Seit 2024 leitet er das Auslandsbüro in Albanien.<ref name="KAS-Biografie" />

Seit 2004 ist Kunze Ehrenprofessor an der Präsidialakademie in Taschkent und der Staatlichen Al-Chorezmi-Universität in Urganch (Usbekistan).<ref>Dr. Thomas Kunze. In: Konrad-Adenauer-Stiftung. Abgerufen am 31. August 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Publizistische Tätigleit[Bearbeiten]

Im Jahr 2000 veröffentlichte Kunze eine Biografie des rumänischen Staats- und Parteichefs Nicolae Ceaușescu. Die auf Archivstudien und Zeitzeugenbefragungen beruhende Arbeit wurde mehrfach überarbeitet und ins Rumänische und Polnische übersetzt. Sie gilt als Standardwerk zu Ceaușescu.<ref>Nicolae Ceaușescu. Eine Biographie. In: kommunismusgeschichte.de. Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, abgerufen am 31. August 2026.</ref>

2001 erschien Kunzes Biografie Staatschef a.D. Die letzten Jahre des Erich Honecker, die sich auf die Jahre nach Honeckers Entmachtung 1989 konzentriert. Die Leipziger Volkszeitung bezeichnete es als „Glanzstück jüngster deutscher Geschichtsschreibung“<ref>Staatschef a.D. In: Hugendubel. Abgerufen am 31. August 2026.</ref>, Christoph Dieckmann in der Zeit als eine „gediegene Schmelze aus Biografie und analytischer Chronik“.<ref>Christoph Dieckmann: DDR in der Urne. Thomas Kunze erzählt die Tragödie des gestürzten Erich Honecker. In: Die Zeit, Nr. 41/2001, 4. Oktober 2001.</ref> Udo Scheer hob in der Welt besonders die Archiv- und Zeitzeugenrecherchen hervor.<ref>Udo Scheer: Der Staatschef, der ein Tölpel war. In: Die Welt, 5. Januar 2002.</ref> In einer Fachrezension für H-Soz-Kult bewertete Patrice G. Poutrus das Buch als fundierte Darstellung, die zugleich ein zeitgeschichtliches Panorama des deutschen Vereinigungsprozesses vermittle.<ref>Patrice G. Poutrus: Rezension zu: Thomas Kunze: Staatschef a.D. Die letzten Jahre des Erich Honecker. In: H-Soz-Kult, 26. Juli 2002.</ref> Die Süddeutsche Zeitung würdigte die detailreiche Darstellung von Honeckers Sturz, kritisierte jedoch Kunzes Bewertung der juristischen Aufarbeitung des DDR-Unrechts.<ref>Thomas Kunze: Staatschef a. D. Die letzten Jahre des Erich Honecker. In: Perlentaucher. Abgerufen am 31. August 2026.</ref> 2019 entstand gemeinsam mit Thomas Grimm der MDR-Dokumentarfilm Honeckers letzte Reise. Das Tauziehen um den einstigen Staatschef der DDR.<ref>Honecker, Erich. In: Deutsche Biographie. Abgerufen am 31. August 2026.</ref>

Seit den 2000er Jahren bilden Russland, Zentralasien und der postsowjetische Raum einen Schwerpunkt von Kunzes Publikationen. 2016 veröffentlichte er gemeinsam mit dem Journalisten Thomas Vogel Das Ende des Imperiums. Was aus den Staaten der Sowjetunion wurde, das auch als Ausgabe der Bundeszentrale für politische Bildung erschien.<ref>Das Ende des Imperiums. In: Bundeszentrale für politische Bildung. Abgerufen am 31. August 2026.</ref> Die Autoren vertraten die Auffassung, Russland bleibe mit Europa verbunden und werde Teil einer künftigen Struktur, die über die Europäische Union hinausgehe.<ref>Michael Groth: Geschichten mit Sowjetnostalgie. In: Deutschlandfunk Kultur. 12. August 2012, abgerufen am 31. August 2026.</ref> In einem Interview mit Spiegel Online 2016 vertrat Kunze zudem die Ansicht, Russland hätte nach dem Ende der Sowjetunion vom Westen stärker auf Augenhöhe behandelt werden sollen.<ref>„Wir hätten Russland auf Augenhöhe behandeln sollen“. In: Spiegel Online. Abgerufen am 31. August 2026.</ref>

2018 veröffentlichte Kunze Zentralasien. Porträt einer Region, eine Darstellung der Geschichte, Politik, Gesellschaft und Kultur der fünf zentralasiatischen Staaten. Zentralasien beschrieb er als geopolitische Puffer- und Verbindungsregion zwischen Europa und dem Nahen und Mittleren Osten; für ihre langfristige Stabilität hielt er politische Reformen und wirtschaftliche Entwicklung für wesentlich.<ref>Usbekistan versucht, die Diktatur zu überwinden. In: Der Tagesspiegel. Abgerufen am 31. August 2026.</ref>

2023 gab Kunze gemeinsam mit Andreas Hilger und John Zimmermann den Quellenband Bis in den Krieg. Die Außenpolitik der UdSSR 1938/39. Dokumente aus russischen Archiven heraus, der 272 ins Deutsche übersetzte Dokumente zur sowjetischen Außenpolitik vor dem Zweiten Weltkrieg versammelt.<ref name="Baechler">Christian Baechler: Rezension zu: Thomas Kunze, Andreas Hilger, John Zimmermann (Hg.): Bis in den Krieg. Die Außenpolitik der UdSSR 1938/39. In: Francia-Recensio. 18. Dezember 2024, abgerufen am 31. August 2026.</ref> Der Historiker Christian Baechler bewertete die Edition in Francia-Recensio als Beitrag zu einem genaueren Verständnis der Entwicklung der sowjetischen Außenpolitik und ihrer internen Entscheidungsprozesse.<ref name="Baechler" />

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Veröffentlichungen (Auswahl)[Bearbeiten]

  • mit Ute Walbe-Kunze: Rumänien. Reiseführer. Goldstadt, Pforzheim 1999, ISBN 3-89550-034-8; 2., überarbeitete Auflage 2002.
  • Nicolae Ceauşescu. Eine Biographie. Ch. Links Verlag, Berlin 2000, ISBN 3-86153-211-5; 4., aktualisierte Auflage 2017, ISBN 978-3-86153-562-1; auch in rumänischer und polnischer Übersetzung erschienen.
  • Staatschef a.D. Die letzten Jahre des Erich Honecker. Ch. Links Verlag, Berlin 2001, ISBN 3-86153-247-6; 2., aktualisierte Auflage 2012, ISBN 978-3-86153-698-7.
  • Russlands Unterwelten. Eine Zeitreise durch geheime Bunker und vergessene Tunnel. Ch. Links Verlag, Berlin 2009, ISBN 978-3-86153-490-7.
  • mit Thomas Vogel (Hrsg.): Ostalgie international. Erinnerungen an die DDR von Nicaragua bis Vietnam. Ch. Links Verlag, Berlin 2010, ISBN 978-3-86153-600-0.
  • mit Wolfgang Maier (Hrsg.): Einundzwanzig. Jahrhundertgefahren – Jahrhundertchancen. Finckenstein & Salmuth, Berlin 2010, ISBN 978-3-934882-21-8.
  • mit Thomas Vogel (Hrsg.): Oh Du, geliebter Führer. Personenkult im 20. und 21. Jahrhundert. Ch. Links Verlag, Berlin 2013, ISBN 978-3-86153-734-2; auch in russischer und türkischer Übersetzung erschienen.
  • mit Thomas Vogel: Das Ende des Imperiums. Was aus den Staaten der Sowjetunion wurde. Ch. Links Verlag, Berlin 2016, ISBN 978-3-86153-894-3.
  • Zentralasien. Porträt einer Region. Ch. Links Verlag, Berlin 2018, ISBN 978-3-86153-995-7.
  • mit Andreas Hilger und John Zimmermann (Hrsg.): Bis in den Krieg. Die Außenpolitik der UdSSR 1938/39. Dokumente aus russischen Archiven. Brill Schöningh, Paderborn 2023, ISBN 978-3-506-79186-3.

Weblinks[Bearbeiten]

Commons: Thomas Kunze – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references />

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