Thomas Telford
Im Hintergrund das Pontcysyllte-Aquädukt
Thomas Telford (* 9. August 1757 in Glendinning,<ref>Glendinning ist ein abgelegener Weiler (
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}}) in einem Tal oberhalb von Bentpath in der Westerkirk Parish.</ref> Westerkirk Parish, Eskdale, Dumfries and Galloway, Schottland; † 2. September 1834 in Westminster, London) war ein bedeutender Baumeister, der zu einem der führenden britischen Bauingenieure wurde. Er hatte einen maßgeblichen Anteil an der Entwicklung und dem Bau von Straßen, Brücken, Kanälen und Häfen in Großbritannien und gilt als einer der Begründer des Bauens unter Anwendung wissenschaftlicher Methoden und somit als einer der ersten modernen Bauingenieure. Zu seinen bedeutendsten Bauwerken gehört die Menai-Brücke, die seit 1826 das walisische Festland mit der Insel Anglesey verbindet und damit eine durchgehende Straßenverbindung zwischen London und dem Seehafen Holyhead auf Anglesey für den Verkehr mit Irland ermöglicht.<ref>Karl-Eugen Kurrer: The History of the Theory of Structures. Searching for Equilibrium. Ernst & Sohn, Berlin 2018, ISBN 978-3-433-03229-9, S. 60 und 171 ff.</ref>
Telford ließ sich 1818 in London zum ersten Präsidenten der Institution of Civil Engineers (ICE) wählen, des Berufsverbandes, dem heute rund 95.000 Bauingenieure in 140 Ländern angehören.<ref>Institution of Civil Engineers – The home of infrastructure auf ice.org</ref>
Leben und Wirken[Bearbeiten]
Frühe Jahre[Bearbeiten]
Thomas Telford wurde am 9. August 1757 in dem abgelegenen Weiler Glendinning geboren. Sein Vater John Telford, ein Schäfer, starb im Herbst desselben Jahres, so dass seine Frau Janet, geb. Jackson, ihren Sohn in großer Armut allein aufziehen musste. Der junge Thomas hatte die Schafe zu hüten und konnte die Schule nur mit Unterbrechungen besuchen.<ref name="Smiles" details="S. 108–112.">Samuel Smiles: The Life of Thomas Telford; civil engineer with an introductory history of roads and travelling in Great Britain. John Murray, London 1867 (Digitalisat auf archive.org [Project Gutenberg])</ref> Mit 15 begann er eine Maurerlehre in Langholm, bei der er zwar nur mit einfachen Bauten zu tun hatte, dafür aber alle Aspekte des Handwerks kennen lernte. Gleichzeitig las er alle Bücher, die er bei Nachbarn ausleihen konnte. Als Dank begann er bald, Briefe für die weniger gewandten Nachbarn zu schreiben.<ref name="Smiles" details="S. 113–120." /> Telford war Zeit seines Lebens dafür dankbar, dass er durch die Umstände gezwungen war, die praktischen Grundlagen seines Berufs in allen Einzelheiten kennenzulernen.<ref name="Rickman" details="S. 3.">John Rickman (Hrsg.): Life of Thomas Telford, Civil Engineer, written by himself, containing a Descriptive Narrative of his Professional Labour: with a Folio Atlas of Copper Plates. Payne and Foss, London 1838 (Digitalisat auf archive.org)</ref>
Nach seiner Lehre arbeitete er zunächst in Langholm.<ref name="Smiles" details="S. 116." /> 1780 zog er in das sich rasch ausdehnende Edinburgh, wo er in den nächsten zwei Jahren problemlos Arbeit fand.<ref name="Smiles" details="S. 113–120." /> In seiner Freizeit studierte und skizzierte er die örtliche Architektur, dabei führten ihn seine Ausflüge bis zur Rosslyn Chapel und zur Ruine von Melrose Abbey.<ref name="Rickman" details="S. 17." /> Mit 25 zog es ihn nach London. Während er bislang immer zu Fuß gegangen war, hatte er das Glück, auf dieser Reise für einen Bekannten ein Pferd zu überführen.<ref name="Smiles" details="S. 121." /> Er fand problemlos Arbeit als Steinmetz an dem von William Chambers geleiteten Neubau des Somerset House. Wie zuvor in Edinburgh studierte er in seiner Freizeit die architektonisch bedeutenden Gebäude der Stadt.<ref name="Rickman" details="S. 19." /> 1784 erhielt er den Auftrag zum Bau des Hauses des Leiters der Hafenanlagen von Portsmouth,<ref name="Rickman" details="S. 19–20." /> eines größeren und vornehmeren Gebäudes als seine bisherigen Bauten.<ref>Atlas, Commissioner’s House Portsmouth Dock Yard (image 2)</ref> Als der Bau nach drei Jahren fertig war, hatte Telford auch viel über den Bau von Hafenbecken und anderen Teilen eines großen Arsenals und seiner Befestigungen gelernt.
County Surveyor of Salop (Shropshire)[Bearbeiten]
Anschließend erhielt er einen Auftrag von Sir William Pulteney, 5. Baronet, einen wie Telford in Westerkirk Parish geborenen schottischen Adligen, der damals einer der wohlhabendsden Briten und Abgeordneter im House of Commons für Shrewsbury im County of Salop war, dem heutigen Shropshire. Telford sollte das zum Teil verfallene Shrewsbury Castle gemäß den Plänen des Architekten Robert Adam renovieren und zu Pulteneys zeitweiligen Wohnsitz umgestalten,<ref name="Rickman" details="S. 20." /> ein Auftrag, mit dem er bis 1793 beschäftigt war. Auf Bitten des County leitete er in der Zeit auch den Bau des örtlichen Gefängnisses.<ref name="Rickman" details="S. 25." />
In dieser Zeit wurde er – sicher mit Pulteneys Wohlwollen – zum Surveyor of Public Works for the county of Salop berufen. In dem Amt war er auch für den Erhalt und gegebenenfalls Neubau von Brücken und anderen öffentlichen Bauwerken verantwortlich. Die Montford Bridge, eine steinerne Bogenbrücke über den River Severn, war die erste von ihm entworfene und unter seiner Leitung gebaute Brücke,<ref name="Rickman" details="S. 27." /><ref>Atlas, Montford Bridge over the River Severn in the County of Salop (image 5)</ref> bald gefolgt von der Buildwas Bridge, seiner ersten gusseisernen Brücke.<ref name="Rickman" details="S. 28." /><ref>Atlas, Iron Bridge built over the River Severn at Buildwas in the County of Salop (image 6)</ref>
Insgesamt war er dort für den Bau von 40 kleineren Brücken verantwortlich. Die Gemeinde Bridgnorth bat ihn außerdem, die Kirche St. Mary Magdalene zu entwerfen, die 1795 geweiht wurde.<ref name="Rickman" details="S. 32." /><ref>Atlas, Church of St. Mary Magdalene (image 9)</ref> Danach fand er die Zeit für eine Rundreise durch den Süden Englands, bei der er in Bath, London und Oxford die wichtigsten Gebäude besichtigte und im British Museum die Altertümer aus Athen, Baalbek, Palmyra und Herculaneum sowie die Architekturbücher von Vitruv und Palladio studierte.<ref name="Smiles" details="S. 151." />
Erste Kanalbauten, Ellesmere Kanal[Bearbeiten]
Mittlerweile war Thomas Telford so bekannt geworden, dass er 1793 auch mit dem Neubau des Longdon-on-Tern-Aquädukt beauftragt wurde, das er 1997 als eines der beiden ersten gusseisernen Kanalbrücken weltweit fertigstellte. William Jessop, der beratende Ingenieur der Ellesmere-Kanal-Gesellschaft sorgte kurz darauf für seine Beauftragung mit dem Bau dieses Kanals, bei dem er zwischen 1796 und 1801 das Chirk-Aquädukt und zwischen 1795 und 1805 das Pontcysyllte-Aquädukt baute, das längste und höchste Aquädukt Großbritanniens.<ref name="Smiles" details="S. 147–149." />
Im benachbarten Worcestershire entwarf er die 1798 fertiggestellte dreibogige steinerne Brücke über den Severn in Bewdley<ref name="Rickman" details="S. 30." /> und an der schottischen Westküste die Tongland Bridge bei Kirkcudbright.<ref name="Rickman" details="S. 31." />
Als ein Neubau der London Bridge beraten wurde, schlug er 1799 vor, die Themse mit einem einzigen 183 m (600 ft) weiten gusseisernen Segmentbogen zu überbrücken, der größer gewesen wäre als alles bisher dagewesene. Die meisten der hinzugezogenen Experten hielten den Bogen sogar für machbar, aber wegen Grundstücksfragen wurde er nicht ausgeführt.<ref name="Smiles" details="S. 177–182." />
Straßen, Brücken, Häfen und der Caledonian Canal in den schottischen Highlands[Bearbeiten]
1801 wurde Telford von der Regierung mit einer Bestandsaufnahme der Verkehrsverbindungen in den schottischen Highlands beauftragt.<ref name="Rickman" details="S. 51." /> Damals galten die Straßen Großbritanniens als die schlechtesten in Europa.<ref name="Smiles" details="S. 4." /> Eine Reise mit der Kutsche von London nach Edinburgh dauerte ungefähr zwei Wochen, und die Kutsche ging nur einmal im Monat.<ref name="Smiles" details="S. 24." /> In den Highlands gab es so gut wie keine Straßen,<ref name="Smiles" details="S. 54." /> abgesehen von den teilweise bereits wieder verfallenen Militärstraßen, die in der Mitte des 18. Jahrhunderts zur Kontrolle der Highlands angelegt worden waren.<ref>The Creation of The Military Roads auf scotshistoryonline.co.uk</ref> Auf den engen Wegen ging man zu Fuß, nur reiche Leute ritten;<ref name="Smiles" details="S. 11." /> der Warentransport wurde mit Packpferden abgewickelt.<ref name="Smiles" details="S. 54." />
Telford unternahm darauf eine große Reise bis nach Wick und Thurso. Die British Fisheries Society, deren Governor Mr. Pulteney war, bat ihn, auf seiner Reise auch die Häfen zu inspizieren und Pläne für eine Verbesserung der Fischerei zu machen. 1803 übergab er seinen Bericht mit einer Stellungnahme über zu ergreifende Maßnahmen, der anschließend gedruckt wurde.<ref name="Rickman" details="Appendix (B), S. 290–301." /> Er führte aus, dass die Militärstraßen wenig zivilen Nutzen hatten und dass vor allem Brücken fehlten.<ref name="Smiles" details="S. 194." /> Der Report enthielt eine Liste der zu bauenden Straßen, Vorschläge für Verbesserungen der Häfen von Aberdeen und Wick sowie eine Beschreibung der Trasse des Caledonian Canal, über den schon lange nachgedacht wurde.<ref name="Smiles" details="S. 197." /> Am dringlichsten seien der Bau der Dunkeld Bridge, wobei der Duke of Atholl bereit sei, die Hälfte der Baukosten zu übernehmen. Noch im selben Jahr wurde der Scottish Highland Roads and Bridges Act 1803 beschlossen,<ref>Highway (Scotland) Act 1803: An Act for granting to His Majesty the Sum of Twenty thousand Pounds to be issued and applied towards making Roads and building Bridges in the Highlands of Scotland; and for establishing the Proprietors of Land in Scotland to charge their Estates with a Proportion of the Expense of making and keeping in Repair Roads and Bridges in the Highlands of Scotland. (43 Geo. 3. c. 80 vom 4. Juli 1803)</ref> mit dem die Commissioners of Highland Roads and Bridges eingesetzt wurden, die Telford mit der Realisierung seiner Vorschläge beauftragten.
Ein zweites Komitee beauftragte ihn zur selben Zeit mit dem Bau des Caledonian Canal und damit der größten Schleusen der damaligen Zeit.<ref name="Rickman" details="S. 52–67." />
In den folgenden 18 Jahren wurden nach Telfords Plänen und unter seiner Leitung mittels 120 Bauverträgen 920 Meilen Straßen und 1117 Brücken gebaut (die den Bau von weiteren 300 Meilen örtlicher Straßen nach sich zogen),<ref name="Smiles" details="S. 196." /> darunter die Dunkeld Bridge (1809), die Bridge of Alford (1811) über River Don, die Helmsdale Bridge (1811), die Bonar Bridge (1812), die Dunbeath Bridge (1813), die Potarch Bridge (1814), die Lovat Bridge (1814), die Craigellachie Bridge (1815), die Brücke in Invermoriston (1819) und die Torgyle Bridge (1811, 1823).<ref>In der Regel stellten die an einer Straße interessierten Landeigentümer bei dem Komitee dan Antrag zu deren Bau, verbunden mit der Erklärung, dass sie bereit seien, 50 % der Baukosten zu tragen. Das Komitee beauftragte dann Telford mit einem Vorentwurf samt Kostenschätzung. Nachdem 50 % der geschätzten Kosten bei der Bank of Scotland hinterlegt waren, beauftragte das Komitee Telford mit der Erstellung der Ausführungsplanung, der Leistungsbeschreibung und des Leistungsverzeichnises (Specifications), der Ausschreibung sowie der Einmessung im Gelände. Straßenprojekte von mehr als zehn Meilen Länge wurden in mehrere Lose aufgeteilt. Die Verträge sahen eine Vertragserfüllungbürgschaft vor sowie eine Anzahlung von 1/8 (12,5 %) der Vertragssumme und monatliche Abschlagszahlungen der ausgeführten Bauleistung, die von Telfords Inspektoren bewertet wurden. Telford legte Wert auf eine genaue Einhaltung der Specifications und war überzeugt, dass dies nach anfänglichen Problemen von den Unternehmern akzeptiert wurde und dann zu einer gleichbleibend hohen Qualität der Bauleistungen führte.</ref><ref name="Rickman" details="S. 165–170." />
In der Zeit entwarf er auch Verbesserungen der Häfen von Aberdeen, Dundee, Peterhead, Wick, Portmahomack und Banff, ließ in den Central Lowlands 184 Meilen Straßen und Brücken anlegen<ref name="Rickman" details="S. 31." /> sowie in den Highlands 32 neue Kirchen bauen.<ref name="Rickman" details="S. 187." />
Göta-Kanal[Bearbeiten]
1808 wurde Telford durch von Platen nach Schweden eingeladen, um dort erste Pläne für den Göta-Kanal zu erarbeiten. 1810 wurde mit den Aushubarbeiten begonnen, 1813 fuhr er erneut nach Schweden, um die Arbeiten zu begutachten und die Pläne für die ersten Schleusen und Brücken anzufertigen. Bis zur Eröffnung des Kanals 1836 bieb Telford in engem brieflichen Kontakt mit von Platen. Telford wurde der schwedische Ritterorden verliehen und eine Goldmedaille überreicht; König Gustav IV. Adolf schenkte ihm ein mit Diamanten besetztes Porträt.<ref name="Smiles" details="S. 237." /><ref name="Rickman" details="S. 159–162." />
Holyhead Road und Menai Suspension Bridge[Bearbeiten]
Nach der mit dem Act of Union 1800 erfolgten Vereinigung von Großbritannien und Irland zum Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland entstand ein dringender Bedarf an einer leistungsfähigen Verkehrsverbindung zwischen Dublin und London. Die wichtigste und am meisten benutzte Verbindung über Holyhead befand sich in einem äußerst schlechten Zustand. Der Zugang zu Dublin war wegen der Sandbank vor der Mündung der Liffey (Liffey bar) immer schwierig, manchmal gefährlich, der Hafen von Holyhead war noch nicht ausgebaut, die Straße in Anglesey miserabel, die Fähre über die Menaistraße wegen der starken Strömung gefährlich und die anschließende Straße nach London äußerst schlecht.<ref name="Rickman" details="S. 204." />
Schon 1802 empfahl der mit einem Gutachten beauftragte John Rennie senior, Holyhead und Howth als Häfen. 1808 wurden die Mittel bewilligt und Rennie mit Bau der beiden Häfen beauftragt, womit er bis zu seinem Tod 1821 befasst war.<ref name="Rickman" details="S. 205." /><ref>Der Hafen von Howth litt unter Versandung. 1821 begann man deshalb mit dem Bau des Hafens von Dún Laoghaire (auch Dunleary und nach einem Baustellenbesuch von König Georg IV. zu seinen Ehren Kingstown genannt) als Haupthafen von Dublin.</ref>
1810 wurde Telford mit Untersuchungen zu einer besseren Streckenführung der Straßen zwischen Holyhead und Shrewsbury sowie zwischen Bangor und Chester beauftragt.<ref name="Rickman" details="S. 206." /> Sein bereits 1811 vorgelegter Bericht<ref name="Rickman" details="S. 207." /> enthielt neben einer neuen Straßenführung auch den Vorschlag einer gusseisernen Bogenbrücke über die Menai Strait. Im politischen Betrieb jener Zeit wurde er jedoch nicht weiter beachtet.
1814 wurde Telford um Vorschläge gebeten, wie der River Mersey bei Runcorn überbrückt werden könnte, um die Strecke von London nach Liverpool zu verkürzen. Nach ausgiebigen Materialtests und dem Bau eines Models schlug er eine schmiedeeiserne Kettenbrücke vor.<ref>Runcorn – Design for a Suspension Bridge over the River Mersey, at Runcorn-Gap auf shropshirearchives.org.uk</ref> Der vielbeachtete Entwurf wurde zwar nicht realisiert, ebnete aber den Weg für den Bau einer solchen Brücke über der Menai Strait.<ref name="Rickman" details="S. 219." />
1815 wurde die Ausführung der Straßen zwischen Holyhead und Shrewsbury gemäß Telfords Plänen und unter seiner Leitung beschlossen.<ref name="Rickman" details="S. 209." /> Telford konnte dabei auch die dortigen Turnpike Trusts zusammenfassen und durch ein Gesetz von 1819 unter staatliche Verwaltung stellen.<ref name="Rickman" details="S. 212." />
1818 wurde Telford erneut um Vorschläge zu einer Menaibrücke gebeten.<ref name="Rickman" details="S. 218." /> Er schlug nun den Bau einer Kettenbrücke vor, die die für Segelschiffe verlangte Durchfahrtshöhe von 100 Fuß (~ 30 m) auf der ganzen Breite der Passage gewährleistete. Dieser Vorschlag wurde angenommen und noch im selben Jahr das entsprechende Gesetz verabschiedet sowie das erste Geld für den Bau bewilligt. Wegen rechtlicher Einwände gegen die Brücke begnügte man sich zunächst mit vorbereitenden Maßnahmen und der Materialbeschaffung.<ref name="Rickman" details="S. 220." />
1819 wurden die Einwände durch ein neuerliches Gesetz erledigt, so dass die Menai Suspension Bridge zwischen 1819 und 1826 gebaut werden konnte.<ref name="Rickman" details="S. 220." /> Ebenfalls 1819 wurde die Verbesserung der Straßenverhältnise auf Anglesey entsprechend Telfords Plänen beschlossen. Obwohl die Straße durch schwieriges Gelände ging, erreichte Telford eine Trassenführung mit höchstens 5,9 % steilen Steigungen, so dass die Postkutschen erstmals bis Holyhead fahren konnten. Wenig später begann Telford auch mit dem Bau der Conwy Suspension Bridge, die ebenfalls 1826 fertig wurde.<ref name="Smiles" details="S. 279." /> Telfords Straßen in Nord-Wales wurden allgemein gelobt, deshalb wurde er gebeten, auch die Strecke Shrewsbury-London zu verbessern.<ref name="Smiles" details="S. 259." />
Die gesamte Strecke wurde dann als Holyhead Road bezeichnet. Auf ihr verkürzte sich die Reisezeit von London nach Holyhead von 36 Stunden um 9 auf 27 Stunden.<ref>Die Postkutschen fuhren schon damals auch nachts</ref>
Straßen und Brücken in den schottischen Lowlands und im nördlichen England und die Great North Road[Bearbeiten]
1816 wurde er vom Parlament beauftragt, einen 110 km langen Abschnitt der heruntergekommenen Straße zwischen Carlisle und Glasgow zu erneuern, der wichtigsten Verbindung zwischen England und Schottland, aus der er die damals beste Straße in Großbritannien machte. Bei der Gelegenheit wurde er auch beauftragt, die alte Militärstraße von Dumfries nach Portpatrick an der Irischen See zu erneuern, um eine schnelle Verbindung mit Belfast und dem Norden von Irland zu schaffen. Telford setzte damit neue Standards für den britischen Straßenbau. Von ihm stammt die Idee, durch eine Aufwölbung in der Straßenmitte den Wasserabfluss zu gewährleisten. Außerdem beschäftigte er sich mit der optimalen Auslegung von Straßen hinsichtlich der Linienführung und der Gestaltung des Straßenquerschnitts.<ref>Atlas, Road Making (image 51)</ref> Zusammen mit John Loudon McAdam gilt er als einer der Väter des modernen Straßenbaus.<ref name="Smiles" details="S. 245." />
Der Bau besserer Straßen führte auch an anderen Orten zum Wunsch nach besseren Straßen und Brücken, z. B. einer Straße zwischen Carlisle und dem wichtigen Viehmarkt in Falkirk mit der Cartland Bridge (1821–1822) bei Lanark oder einer Straße von Edinburgh nach Süden mit der Lothian Bridge (1827–1831) bei Pathhead über den schottischen River Tyne. Telford entwarf mit ihnen eine der ersten Talbrücken, die den Pferdefuhrwerken den mühsamen Ab- und Aufstieg zu einer tief im Tal liegenden Brücke über den Fluss ersparte.<ref name="Smiles" details="S. 251." /> Diese neue, zunächst bis Morpeth in Northumberland und der dortigen Telford Bridge über den River Wansbeck reichende Straße wurde als große Verbesserung empfunden. Telford wurde daher 1824 gebeten, auch die noch fehlende Strecke bis London zu planen und ihren Bau zu überwachen. Mit ihrem Bau wurde aus der Great North Road die wichtigste Straßenverbindung Großbritanniens, die später zur A1 road wurde.<ref name="Smiles" details="S. 253." /> Die weiträumige Verbesserung der Straßen hatte eine Modernisierung der Kutschen und schließlich auch der Fuhrwerke zur Folge. Die Durchschnittsgeschwindigeit der Kutschen stieg von 8 bis 9,6 km/h (5 bis 6 miles per hour) auf 14,4 bis 16 km/h (9 bis 10 mph) an.<ref name="Smiles" details="S. 248." />
Weitere Projekte[Bearbeiten]
Der Erfolg der Holyhead Road führte zu Aufträgen zur Planung ähnlicher Straßen im Süden von Wales und Irland.<ref name="Rickman" details="S. 243." /> Die von ihm entworfene gusseiserne Tewkesbury Bridge (Mythe Bridge) wurde 1826 fertiggestellt,<ref name="Rickman" details="S. 255." /> gefolgt von der Holt Fleet Bridge (1827). Zwischen 1826 und 1829 übergab er dem General Post Office Landkarten mit Trassierungen verschiedener Straßen zwischen London und Liverpool.<ref name="Rickman" details="S. 247." /> Auch für die Verbindung von London und Edinburgh entwickelte er mehrere Alternativen.<ref name="Rickman" details="S. 248." /> Er war mit dem Bau oder der Verbesserung vieler Kanäle und der dabei notwendigen Brücken befasst,<ref name="Smiles" details="S. 237." /> wie zum Beispiel der Galton Bridge.<ref name="Smiles" details="S. 241." />
Der auch international anerkannte Ingenieur wurde vom Russischen Kaiserreich mit der Planung der 120 Meilen lange Straße von Warschau zur damaligen russischen Grenze in Brest (Brześć) (Via Brestiensis) gebeten. Graf Széchenyi fragte ihn bei seiner Englandreise nach der Möglichkeit einer Brücke zwischen Buda und Pest über die Donau.<ref>Telford riet von einer Kettenbrücke ab und befürwortete eine eiserne Bogenbrücke.</ref><ref name="Smiles" details="S. 305–306." />
Telford plante die 1828 eröffneten St Katharine Docks unterhalb des Tower of London.<ref name="Rickman" details="S. 152." /> Er ließ die Over Bridge in Gloucester bauen, die 1830 eröffnet wurde<ref name="Rickman" details="S. 258." /> und die Dean Bridge (1831) in Edinburgh.<ref name="Rickman" details="S. 195." /> Er war an der Planung des London and Birmingham Canal beteiligt<ref name="Rickman" details="S. 267." /> und an Verbesserung der Wasserversorgung Londons.<ref name="Rickman" details="S. 273." /> Er plante die Broomielaw Bridge in Glasgow, deren Fertigstellung 1835 er nicht mehr erlebte.<ref name="Rickman" details="S. 191." /> Kurz vor seinem Tod bewegte ihn der Duke of Wellington in seiner Eigenschaft als Lord Warden of the Cinque Ports noch, sich um Maßnahmen gegen die Verlandung des Hafens von Dover zu kümmern.<ref name="Rickman" details="S. 275." />
Lebensabend[Bearbeiten]
Telford war nicht verheiratet. Gegen Ende seiner Lebens zog er sich wegen zunehmender Taubheit weitgehend aus dem Berufsleben zurück.<ref name="Rickman" details="Vorwort, S. v." /> Er starb ohne Nachkommen am 2. September 1834 im Alter von 77 Jahren in der Abingdon Street in Westminster (London). Die Institution of Civil Engineers sorgte für eine Bestattung in der Westminster Abbey.
Er hinterließ ein sorgfältig ausgearbeitetes Testament, das seine lebenslange Verbindung mit seiner schottischen Heimat bezeugt. So vermachte er der Westerkirk Library neben dem Westerkirk School House in Bentpath 1000 Pound.
Ehrungen[Bearbeiten]
Telford wurde 1803 zum Fellow der Royal Society of Edinburgh (FRSE)<ref>Former Fellows of The Royal Society of Edinburgh 1783 – 2002 Biographical Index Part One. Royal Society of Edinburgh, Edinburgh 2006, ISBN 0-902-198-84-X, S. 918 (Scan 430)</ref> ernannt. 1818 ließ der landesweit bekannte und hochgeachtete Mann sich von einigen jungen Bauingenieuren zum ersten Präsidenten ihrer neu gegründeten Institution of Civil Engineers (ICE) wählen, der er damit zu Prestige und 1826 auch zur königlichen Anerkennung (Royal Charter) verhalf.
Telford wurde 1821 als ausländisches Mitglied Nr. 228 in die Königlich Schwedische Akademie der Wissenschaften gewählt.<ref>E. W. Dahlgren (Hrsg.): Kungl. Svenska Vetenskapsakademien – Personförteckningar, 1739–1915. Almqvist & Wiksells Boktryckeri–A.–B., Stockholm 1915, S. 133</ref>
1827 zum Fellow der Royal Society (FRS) in London<ref>Fellowship of the Royal Society</ref> ernannt.
Er ist Namensgeber der Planstadt Telford. Diverse andere Stadtteile, Straßen, Schulen und sonstige Örtlichkeiten tragen seinen Namen.
Siehe auch[Bearbeiten]
Literatur[Bearbeiten]
- John Rickman (Hrsg.): Life of Thomas Telford, Civil Engineer, written by himself, containing a Descriptive Narrative of his Professional Labour: with a Folio Atlas of Copper Plates. Payne and Foss, London 1838 (Digitalisat auf archive.org)
- dito (Volltext in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.)
- Atlas to the Life of Thomas Telford, Civil Engineer, Containing Eighty-three Copper Plates, Illustrative of His Professional Labours. Payne and Foss, London 1838 (Digitalisat auf revolutionaryplayers.org.uk)
- Samuel Smiles: The Life of Thomas Telford; civil engineer with an introductory history of roads and travelling in Great Britain. John Murray, London 1867 (Digitalisat auf archive.org [Project Gutenberg])
- dito (Volltext in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.)
- Thomas Telford und seine technische Wirksamkeit. In: Allgemeine Bauzeitung. 1839. S. 261–270 (Digitalisat).
- L. T. C. Rolt Thomas Telford. Longmans Green 1958. Reprint: The History Press, 2010.
Weblinks[Bearbeiten]
- Thomas Telford. In: Structurae
- Eintrag zu Telford; Thomas (1757–1834) im Archiv der Royal Society, London
- Nekrolog. In: Polytechnisches Journal. 54, 1834, Miszelle 9, S. 305–308.
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references />
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Telford, Thomas |
| KURZBESCHREIBUNG | britischer Baumeister |
| GEBURTSDATUM | 9. August 1757 |
| GEBURTSORT | Westerkirk, Dumfriesshire, Schottland |
| STERBEDATUM | 2. September 1834 |
| STERBEORT | Westminster (London) |
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- Bauingenieur
- Mitglied der Königlich Schwedischen Akademie der Wissenschaften
- Mitglied der Royal Society
- Mitglied der Royal Society of Edinburgh
- Person (Straßenbau)
- Person als Namensgeber für einen Asteroiden
- Brite
- Geboren 1757
- Gestorben 1834
- Mann