Tony de Brum
Tony de Brum (auch deBrum; * 26. Februar 1945 auf Tuvalu<ref>Tony de Brum, Voice of Pacific Islands on Climate Change, Dies at 72</ref>; † 22. August 2017 in Majuro<ref>Obituary: Tony de Brum, global voice in the fight against climate change. In: The Scotsman. (scotsman.com [abgerufen am 5. September 2017]).</ref>) war ein Politiker der Marshallinseln. Von März 2014 bis Januar 2016 war er Außenminister dieses kleinen Inselstaats im Pazifik.
De Brum verlebte seine Kindheit, Jugend und Adoleszenz auf den Marshallinseln, als diese unter US-amerikanischer Verwaltung standen und als Kernwaffentestgebiet benutzt wurden. Er studierte an der University of Hawaii und war dort an einem 1976 veröffentlichten Marshallesisch-Englisch-Wörterbuch beteiligt.<ref>Marshallese-English Dictionary; Author: Abo, Takaji; Bender, Byron W.; Capelle, Alfred; DeBrum, Tony</ref>
Nachdem die USA 1979 den Marshallinseln Selbstverwaltung gewährten, war de Brum bis 1987 erster Außenminister der noch nicht vollständig souveränen Republik. Zum zweiten Mal übernahm de Brum das Auswärtige Amt Anfang 2008, als er vom neu gewählten Präsidenten Litokwa Tomeing in dessen Kabinett gerufen wurde. Ende Februar 2009 wurde er von Tomeing entlassen und durch John Silk ersetzt. De Brum vertrat gegenüber den USA – die einen Großteil des Staatshaushaltes der Marshallinseln finanzieren – eine konfrontative Haltung und hatte in dieser Angelegenheit den Präsidenten offen kritisiert.<ref>Fischer Weltalmanach 2009</ref> Zurück in die Regierung kam de Brum nach der Wahl von Christopher Loeak Anfang 2012. Loeak machte ihn zum Minister in Assistance to the President, dessen Aufgaben denen eines Vizepräsidenten gleichkommen. Am 17. März 2014 wurde de Brum zum dritten Mal Außenminister der Marshallinseln.
Wichtigste Themen für de Brums politische Arbeit waren der Klimawandel, von dem die Marshallinseln durch den Meeresspiegelanstieg besonders gefährdet sind,<ref>Vorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig Klimawandel: Marshallinseln schon jetzt betroffen.] Euronews, , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; abgerufen am 27. April 2014.Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref> sowie die nukleare Abrüstung. Zu einer im April 2014 vor dem Internationalen Gerichtshof eingebrachten Klage gegen acht Atommächte erklärte de Brum: „Unsere Leute haben unter dem katastrophalen und nicht wieder gutzumachenden Schaden dieser Waffen gelitten und wir schwören weiter zu kämpfen, damit kein anderer auf der Erde jemals diese Gräueltaten erlebt.“<ref>Vorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig Marshallinseln klagen gegen Atommächte in Den Haag.] Heise online, , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; abgerufen am 27. April 2014.Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref> Zusammen mit dem Volk der Marshall-Inseln wurde de Brum 2015 der Right Livelihood Award, bekannt als der „alternativer Nobelpreis“, verliehen „in Anerkennung ihrer Vision und ihres Mutes, mit rechtlichen Mitteln gegen die Atommächte vorzugehen, weil diese ihren Abrüstungsverpflichtungen aus dem Atomwaffensperrvertrag nicht nachkommen“.<ref>www.rightlivelihood.org: Presseerklärung (pdf)</ref> Im selben Jahr erhielt er den Nuclear-Free Future Award in der Kategorie Lösungen.
Bei der UN-Klimakonferenz Mitte Dezember 2015 in Paris gelang es ihm, eine Koalition („High Ambition Coalition“, übersetzt etwa „Koalition mit ehrgeizigen Zielen“) zwischen Entwicklungs- und Industriestaaten zu bilden.<ref>tagesspiegel.de: Abkommen: Klimaziele sollen alle fünf Jahre überprüft werden</ref> Dies trug maßgeblich dazu bei, dass die Klimakonferenz erfolgreich mit dem Übereinkommen von Paris endete.<ref>theguardian.com: How the historic Paris deal over climate change was finally agreed (13 December 2015)</ref> Dafür wurde er posthum mit dem Deutschen Umweltpreis ausgezeichnet.
Sonstiges[Bearbeiten]
Tony de Brum war auch Abgeordneter im Parlament der Marshallinseln (Nitijeļā), er wurde zuletzt 2011 als einer der Vertreter Kwajaleins gewählt. Im Dezember 2015 wurde er nicht wiedergewählt.<ref>Marshall Islands minister Tony de Brum loses election (7. Dezember 2015)</ref>
Weblinks[Bearbeiten]
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references />
| Vorgänger | Amt | Nachfolger |
|---|---|---|
- Gerald Zackios Phillip H. Muller | Außenminister der Marshallinseln 1979–1987 2008–2009 2014–2016 | Charles Domnick John Silk |
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | De Brum, Tony |
| ALTERNATIVNAMEN | DeBrum, Tony |
| KURZBESCHREIBUNG | marshallischer Politiker |
| GEBURTSDATUM | 26. Februar 1945 |
| GEBURTSORT | Tuvalu, Marshallinseln |
| STERBEDATUM | 22. August 2017 |
| STERBEORT | Majuro, Marshallinseln |