Transaktionsanalyse
Die klassische Transaktionsanalyse (TA) ist ein sozialpsychologisches Verfahren, bei dem verschiedene Schlüsselkonzepte der menschlichen Persönlichkeitsstruktur angenommen werden. Die zugrunde liegende Theorie wurde Mitte des 20. Jahrhunderts von dem US-amerikanischen Psychiater Eric Berne (1910 bis 1970) begründet und wurde von ihm und weiteren Fachkollegen beständig weiterentwickelt.<ref name=":0">About TA | ITAA World. International Transactional Analysis Association, 2026, abgerufen am 14. Mai 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Die Transaktionsanalyse und ihre Neuerungen werden von (Psycho-)Therapeuten, in der Beratung, Pädagogik und in Organisationen genutzt.<ref name=":0" /> Ziel ist, anschauliche psychologische Konzepte zur Verfügung zu stellen, mit denen Menschen ihre erlebte Wirklichkeit in der zwischenmenschlichen Kommunikation (= Transaktion) reflektieren, analysieren und verändern können.<ref>Anwendungsfelder – DGTA. Deutsche Gesellschaft für Transaktionsanalyse e. V., 2026, abgerufen am 14. Mai 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Schon zu Lebzeiten Bernes setzten verschiedene Transaktionsanalytiker in ihrer Arbeit unterschiedliche Schwerpunkte,<ref name=":2">Graham Barnes u. a.: Transaktionsanalyse seit Eric Berne, Band 1: Schulen der Transaktionsanalyse, Theorie und Praxis. Verlag Gisela Kottwitz, Berlin 1979, ISBN 3-9800439-1-6.</ref> die auch die weitere Entwicklung der Theorie beeinflusst haben. Nach Bernes Tod wurde die klassische Transaktionsanalyse mit neuen Konzepten verknüpft und auf weitere Bereiche wie Pädagogik und Organisationen ausgeweitet.
Als Weiterentwicklung der klassischen Transaktionsanalyse gelten die systemische<ref name=":3">Siehe Wikipedia-Artikel: Systematische Transaktionsanalyse</ref> und die ressourcenorientierte Transaktionsanalyse.<ref name=":4"></ref>
Allgemeines[Bearbeiten]
In der Transaktionsanalyse werden Transaktionen analysiert, um es Menschen zu ermöglichen, ihre Realitätswahrnehmung und ihre Interaktionen mit anderen zu reflektieren und im Anschluss daran ihren eigenen Lebensweg so ihren Wünschen gemäß besser anzupassen.<ref>Thomas Bartscher: Definition: Transaktionsanalyse (TA). Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, abgerufen am 15. Mai 2026.</ref>
Als Transaktionen im sozialen Bereich werden kleinste Kommunikationseinheiten im Sinne von Stimulus (eine Botschaft senden) und Reaktion (auf die Botschaft antworten)<ref>Jannik Winter, Frank Antwerpen: Reiz-Reaktions-Modell. Abgerufen am 15. Mai 2026.</ref><ref>Das Stimulus-Response-Modell geht auf den Behaviorismus zurück und gilt in der starren Version als überholt. Heute spricht man vom S-O-R-Modell, wobei O für den Organismus des Menschen steht.</ref><ref>▷ SOR-Modell : Definition, Erklärung und Beispiel. Studyflix GmbH, 2026, abgerufen am 15. Mai 2026.</ref> verstanden, die auf unterschiedlichen Ebenen stattfinden können, sei es verbal, sei es non-verbal. Durch die Analyse der Transaktionen können Beziehungen verbessert werden, indem bewusste und gewollte Kommunikation möglich wird.<ref name=":5">Überblick – DGTA. Deutsche Gesellschaft für Transaktionsanalyse e. V., 2026, abgerufen am 15. Mai 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Dazu stellt die Transaktionsanalyse eine Theorie der Persönlichkeit und eine Beschreibung kommunikativer Abläufe in unterschiedlichen Kontexten zur Verfügung. Außerdem bietet die Transaktionsanalyse Modelle zum Beobachten, Beschreiben, Verstehen und Verändern bzw. Entwickeln der Persönlichkeit und der Beziehungen zwischen Individuen und sozialen Systemen. Sie umfasst damit Konzepte zur Persönlichkeitsanalyse, zur Beziehungsanalyse, zur Gruppendynamik und Gruppenanalyse und zur Analyse und Steuerung von sozialen Systemen sowie Methoden der Einflussnahme auf die Gestaltung von als sinnvoll erachteten Veränderungen im interaktiven Bereich.<ref>Methode. In: dgta.de. Archiviert vom Vorlage:IconExternal am 10. August 2011; abgerufen am 11. November 2019.</ref>
Zielvorstellung der Transaktionsanalyse ist eine integrierte, autonome Persönlichkeit mit der Fähigkeit, sich in einem sozialen Gefüge selbstbewusst, respektvoll, achtsam, rücksichtsvoll und beitragend zu bewegen. Transaktionsanalytiker sollen im therapeutischen Kontext mit ihren Klienten im Bewusstsein der Gleichwürdigkeit und Gleichwertigkeit kooperieren, um gemeinsam ihr Leben freudvoll zu gestalten.<ref name="Schlegel" /> Dazu verabschieden die Ethik-Komitees der internationalen TA-Gesellschaften verpflichtende ethische Prinzipien, die auch Bestandteil der Aus- und Weiterbildung in der Transaktionsanalyse sind.<ref>Ethik in der DGTA. In: dgta.de. Abgerufen am 11. August 2019.</ref>
Grundgedanken der Transaktionsanalyse[Bearbeiten]
Zentrale Grundannahmen der Transaktionsanalyse bezüglich des zugrunde liegenden Menschenbilds sind:
- Jeder Mensch ist OK. Das bedeutet, dass man Handlungen, Aussagen etc. anderer missbilligen kann, die Person und sich selbst aber als OK empfindet. Diese zentrale Idee wird bei Thomas A. Harris ausgeführt, der Ich bin OK, du bist OK als wünschenswertes Ziel zur Heilung der Menschen darstellt.<ref></ref>
- Jeder Mensch hat die Fähigkeit zu denken und Probleme zu lösen. Somit übernimmt er die Verantwortung für seine Handlungen und für die Konsequenzen, die sich daraus ergeben.<ref name=":6"></ref>
- Jeder Mensch kann entscheiden und hat damit die Möglichkeit, sich im Bedarfsfall zu ändern, auch wenn das Verhalten schon in der Kindheit eingeübt wurde.<ref name=":6" />
- Jeder Mensch kann seine Konzepte über sich oder das Leben frei und offen gestalten. Dazu legt im therapeutischen Umfeld der Therapeut seine Personalakte dem Klienten gegenüber offen, damit dieser informierte Entscheidungen treffen kann.<ref name=":6" />
- Jede Arbeit basiert auf einem Vertrag, aus dem hervorgeht, dass alle Beteiligten (Therapeut und Klient) verantwortlich für ihren Teil der Arbeit am Ziel sind, da auch der Klient als vollwertig und in Ordnung angesehen wird.<ref name=":6" />
Zudem ist es jedem Menschen möglich, durch Nutzen seiner inneren Ressourcen autonome Entscheidungen für sich (und andere) zu treffen. Dazu macht er sich momentane Gegebenheiten bewusst und wählt aus einer Bandbreite an Möglichkeiten aus, um einen echten emotionalen Kontakt mit anderen Menschen herzustellen und aufrechtzuerhalten.<ref>Grundüberzeugungen der TA. In: Ian Stewart, Vann Joines: Die Transaktionsanalyse. Eine Einführung. Herder, Freiburg/Basel/Wien 2007, ISBN 978-3-451-05523-2, S. 28–30.</ref><ref>Heinrich Hagehülsmann: Das Menschenbild in der Transaktions-Analyse. In: W. Greive (Hrsg.): Das Bild vom Menschen in der neuen Gruppenarbeit. Loccumer Protokolle, Nr. 22, 1988, Loccum, Ev. Akad. 89</ref>
Für Transaktionsanalytiker hat die Autonomie des Menschen (Selbstbestimmung, Spontanität und die Fähigkeit, sich auf die Welt zu beziehen) höchsten Stellenwert. Der Mensch kann sich also frei entscheiden und wird nicht dauerhaft durch seine Vergangenheit determiniert.<ref name="Schlegel"></ref>
Theorieentwicklung[Bearbeiten]
Eric Berne entwickelte die Transaktionsanalyse aus der Beobachtung zwischenmenschlicher Kommunikation heraus. Diese von ihm als Transaktionen benannten Vorgänge setzte er mit von Patienten berichteten inneren Prozessen in Beziehung. Eine Transaktion beschreibt stattfindende Kommunikation: das bewusste und unbewusste Austauschgeschehen zwischen Menschen und ihrer Umwelt, sowohl verbal als auch nonverbal.<ref name=":5" />
Kommunikationsabläufe werden Transaktionen genannt und dadurch für den Betrachter verstehbar und beeinfluss- bzw. veränderbar. Komplexe Abläufe stereotyper Transaktionsmuster werden in der Transaktionsanalyse als Spiele bezeichnet (z. B. ein immer wieder ähnlich ablaufender Ehestreit). Sie stellen damit fixierte und einschränkende Muster des sozialen Miteinanders dar, denen Eric Berne sehr große Aufmerksamkeit widmete.<ref>Eric Berne: Spiele der Erwachsenen. Psychologie der menschlichen Beziehungen. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 2008</ref>
Als Psychiater bezog Berne seine Theorieentwicklung ursprünglich auf psychotherapeutische Kontexte.<ref>Franz Liechti-Genge: Eric Berne und die Geschichte der Transaktionsanalyse. Eric Berne Institut für angewandte Transaktionsanalyse, 2015, abgerufen am 17. Mai 2026.</ref> Auf dem Weg zur Heilung standen anfangs für ihn die Einsicht des Patienten in seine psychischen Strukturen und die sich daraus ergebenden Transaktionen und Spiele im Vordergrund. Aus dieser Einsicht heraus sollte es dem Patienten durch Veränderung seines Verhaltens und seiner Denkstrukturen gelingen, Autonomie zu erlangen. Dazu entwickelte er möglichst treffende und leistungsfähige Modelle, anhand derer er sich mit dem Patienten über dessen Strukturen und Schwierigkeiten besprach. Mit der Zeit und der weiteren Entwicklung der Transaktionsanalyse verschob sich der Schwerpunkt dieser kognitiven Herangehensweise, sodass das zeitgemäße Arbeiten im Kontext der Transaktionsanalyse bedeutet, neue Sicht- und Erlebensweisen der Welt ganzheitlich zu entwickeln.<ref>Siehe hierzu: systemische oder ressourcenorientierte Transaktionsanalyseansätze.</ref>
Die Vorstellung, dass die Kraft, das Potenzial und die Verantwortung für die Heilung im Patienten liegen, stellte in der Mitte des letzten Jahrhunderts einen Paradigmenwechsel in der Behandlung – auch schwerer psychischer Störungen – dar. Aus dieser Grundannahme geht direkt die zentrale Stellung des Vertrags in der Arbeit von Transaktionsanalytikern hervor.<ref name=":6" /> Das bedeutet, dass der Patient die Ziele der gemeinsamen Arbeit definiert, indem er im Gespräch mit dem Transaktionsanalytiker klärt, was er verändern wird und was dabei die Aufgabe des Außenstehenden ist.<ref name=":6" /> Auch wenn Transaktionsanalytiker heute meist andere Zugänge in der Arbeit mit Klienten nutzen – weg von der klassischen kognitiv-verhaltensorientierten hin zu emotional beziehungs- und prozessorientierten – so bleibt der Vertrag Dreh- und Angelpunkt der professionellen Orientierung. Er verdeutlicht die hohe Bedeutung der ethischen Prinzipien in der Transaktionsanalyse.<ref>Zum Vertrag vgl. Eric Berne: Grundlagen der Gruppenbehandlung. Gedanken zur Gruppentherapie & Interventionstechniken. Paderborn 2005, S. 82–101</ref>
Die unterschiedlichen theoretischen Konzepte der Transaktionsanalyse stellen meist verschiedene Schwerpunkte in den Fokus.<ref>Ian Stewart, Vann Joines: Die Transaktionsanalyse Eine Einführung. Herder, Freiburg/Basel/Wien 2007.</ref> Wenn die psychische Struktur des Individuums Zentrum der Betrachtung ist, dann benutzen Transaktionsanalytiker meist das Strukturmodell der Ich-Zustände. Eric Berne beobachtete, dass ein und derselbe Mensch zu unterschiedlichen Zeiten qualitativ unterschiedliche Erlebenszustände aktivieren kann. Solche Erlebenszustände, die jeweils durch ein zusammenhängendes Muster von Denk-, Fühl- und Verhaltensweisen charakterisiert sind, nannte er Ich-Zustände. Die prinzipiell unendlich vielen Erlebenszustände eines Menschen können grundsätzlich in drei Kategorien eingeteilt werden: Man kann abgespeichertes Erleben von früher erneut aktivieren, der Zustand wird Kind-Ich-Zustand genannt. Kreiert man einen neuen Erlebenszustand, der sich in angemessener Weise voll und ganz auf das Hier und Jetzt bezieht, so wird dieser als Erwachsenen-Ich-Zustand bezeichnet. Wenn man sich auf eine Art und Weise erlebt, die man im Denken, Fühlen und Verhalten von anderen übernommen hat, wird dies Eltern-Ich-Zustand genannt. Mit dem Strukturmodell der Ich-Zustände werden die individuellen internen Energiebesetzungen von Menschen beschrieben und eingeordnet. Die Ich-Zustände als Persönlichkeitsanteile stellen Muster des Erlebens und Handelns dar, wie sie im Hier und Jetzt wahrgenommen werden. Allerdings aktiviert man oft stereotype und teils weniger geeignete Reaktionsmuster in Rückwirkung auf unbewusste Erinnerungen früheren Beziehungserlebens. Mit Hilfe der Transaktionsanalyse sollen auf die gegenwärtige Situation angemessene und selbstbestimmte Denk-, Fühl- und Verhaltensmuster entwickelt werden, wo diese alten Muster den Lebensfluss so stark einschränken, dass unnötiges Leiden entsteht.<ref name=":7"></ref>
Das Symbol der drei übereinander liegenden Kreise stellt das Strukturmodell der Ich-Zustände dar, wobei die Kreise die Kategorien Eltern-Ich, Erwachsenen-Ich und Kind-Ich symbolisieren.
Der Mensch erlebt sich immer in Bezug zu seiner Umwelt, selbst im Rückzug (von ihr). Die Umwelt erlebt sich immer auf den Menschen bezogen. Die Beschreibung der Dynamik dieser gegenseitigen Bezogenheit stellt den Kern der Transaktionsanalyse dar. Sie vereinigt demnach in ihren Konzepten tiefenpsychologische, beziehungsorientierte und systemische Aspekte des menschlichen Miteinanders.<ref name=":7" />
Heutzutage beziehen sich transaktionsanalytische Konzepte und Modelle auf alle Bereiche des sozialen Miteinanders, sodass Transaktionsanalyse in den vier Anwendungsfeldern Psychotherapie, Beratung, Organisationsentwicklung und Pädagogik/Erwachsenenbildung gelehrt und ausgeübt wird, was in den Richtlinien der Transaktionsverbände festgeschrieben ist. Die Transaktionsanalyse wird vor einem wissenschaftlichen Hintergrund und mit wissenschaftlicher Begleitung ständig weiterentwickelt.<ref name=":8" /><ref name=":1" />
Die oben angesprochenen Konzepte zu den Transaktionen, den Spielen, den Verträgen und der psychischen Struktur sind vier Grundprinzipien, die ab der Anfangszeit der Transaktionsanalyse bis in die Neuzeit beibehalten wurde. Daneben entwickelten schon zu Lebzeiten Bernes verschiedene Transaktionsanalytiker in ihrer Arbeit unterschiedliche Schwerpunkte,<ref name=":2" /> die auch die weitere Entwicklung der Theorie beeinflusst haben. So begründen zum Beispiel Mary und Robert Goulding die Neuentscheidungstherapie<ref>Mary McClure Goulding, Robert Goulding: Neuentscheidung. Ein Modell der Psychotherapie. Klett-Cotta, Stuttgart 2005, ISBN 3-608-95436-8.</ref>, Jacqui Lee Schiff die Neubeelterung<ref>Jacqui Lee Schiff: Alle meine Kinder. Heilung der Schizophrenie durch Wiederholen der Kindheit. Verlag Chr. Kaiser, München 1990, ISBN 3-459-01311-7.</ref>, Fanita English die Ersatzgefühle und das Episkript<ref>Fanita English: Transaktionsanalyse - Gefühle und Ersatzgefühle. Iskopress, Salzhausen 2008, ISBN 978-3-89403-423-8.</ref> und Richard G. Erskine die Integrative Psychotherapie<ref>Richard G. Erskine, Janet P. Moursund: Kontakt. Ich-Zustände. Lebensplan. Integrative Psychotherapie. Junfermann, Paderborn 1991, ISBN 3-87387-034-7.</ref>.
Als Weiterentwicklung der klassischen Transaktionsanalyse gelten in den 1980er Jahren die Systemische Transaktionsanalyse durch Bernd Schmid<ref name=":3" /> und die ressourcenorientierte Transaktionsanalyse der 2000er Jahre.<ref name=":4" />
Häufig verwendete Begriffe der Transaktionsanalyse[Bearbeiten]
Ich-Zustands-Modelle[Bearbeiten]
Aus diesen modellhaften Zuständen heraus können Personen agieren:<ref></ref>
- Eltern-Ich-Zustand (zwei Möglichkeiten): Der kritische Elternteil befiehlt wie ein Chef, der fürsorgliche zeigt Mitgefühl oder gibt Ratschläge, allerdings wie ein Elternteil und meist nicht auf Augenhöhe.
- Erwachsenen-Ich-Zustand (eine Möglichkeit): Der Erwachsene bleibt sachlich bei der aktuellen Situation.
- Kind-Ich-Zustand (zwei Möglichkeiten): Das angepasste Kind gehorcht, das freie/rebellische Kind agiert ohne Rücksicht auf Konsequenzen oder rebelliert gegen Menschen oder Situationen.
Spiele[Bearbeiten]
Spiele wurden von Berne als System verwendet, die er im Sinne der Spieltheorie nach Neumann und Morgenstern<ref>Christina Peham: Zusammenfassung des Vortrags über Spieltheorie. 2009, abgerufen am 17. Mai 2026.</ref> als adäquates System der Beschreibung wiederkehrender Abläufe ohne negative Konnotationen sah. Seiner Meinung nach sind Spiele eine mögliche Art, Beziehungen zu beginnen und/oder aufrechtzuerhalten und damit gesund zu bleiben.<ref name=":9"></ref>
Spiele können endlos gespielt werden, wenn sie parallel verlaufen, also z. B. von Erwachsenem zu Erwachsenem (horizontal), von Eltern zu Kind (vertikal) und verlaufen so als gelingendes Gespräch zwischen den Spielpartnern. Dies wird als gelingende Kommunikation der Spielenden empfunden.<ref name=":9" />
Spiele enden mit dem Gefühl von Ärger, Wut, Frustration oder ähnlichem, wenn einer die Parallelität durchbricht (= kreuzt), also z. B. auf einen sachlichen Erwachsenensatz mit einem rebellischen Kind-Ich an ein Eltern-Ich antwortet. Kollege A sagt z. B. als Feststellung, ohne Auftragsabsicht: „Der Bericht ist noch nicht fertig.“ Kollege B antwortet genervt: „Ich bin nicht für alles zuständig.“<ref name=":9" />
Spiele können auf mehreren Ebenen gleichzeitig stattfinden: verbal und/oder nonverbal.<ref name=":9" />
(Lebens-)Skript[Bearbeiten]
Berne geht davon aus, dass Menschen im Kindesalter ein unbewusstes Lebensskript (auch: Lebensplan) für sich erstellen, das sie zu erfüllen versuchen und das mangels Lebenserfahrung eines Kindes meist nicht passend für einen Erwachsenen ist. Das Skript ist auf die Endauszahlung (= Erfüllung der damaligen Ideen wie z. B.: „Ich bin ein Verlierer.“) ausgerichtet, die einen am freien und glücklichen Leben im Erwachsenenalter hindern können. Wenn die in der Kindheit getroffenen Entscheidungen analytisch aufgeschlüsselt werden, kann der Mensch als Erwachsener ein ihm adäquates Leben mit neuen Ausrichtungen führen.<ref></ref>
Strokes[Bearbeiten]
Menschen benötigen Strokes (= positive oder negative Zuwendung). Meist erhält man sie in sozialen Situationen verbal (z. B. Sätze wie: „Guten Tag.“ oder: „Nervtöter.“), nonverbal (z. B. Nicken oder Anrempeln) oder durch eigene Reflexion (Gedanke: „Gut gemacht.“ oder: „Ich Armer.“).<ref></ref>
Discount[Bearbeiten]
Menschen nehmen unter Umständen Informationen nicht zur Kenntnis, die für die Lösung eines Problems notwendig wären, weil sie in einem Eltern-Ich-Zustand oder einem Kind-Ich-Zustand sind. Dies bezeichnet man als Discounten. Hier kann ein Gegenüber/Therapeut unterstützen.<ref></ref>
Rabattmarken[Bearbeiten]
Bei wiederkehrenden Begegnungen mit Personen oder Situationen, die man als negativ bewertet, klebt man eine (gedachte) Rabattmarke in sein (imaginäres) Rabattheft.<ref>Zu Bernes Zeit waren Rabattmarkenhefte im Einzelhandel als Papierheft üblich und bekannt, so dass diese Metapher gut verwendet werden konnte.</ref> Wenn das Heft voll ist, zahlt man es aus. Man reagiert aufgrund einer Vielzahl von vergangenen Situationen heftiger, als es die Situation verlangt und schafft damit Unverständnis bei der anderen Person, ohne seine Ziele in diesem Moment durchsetzen zu können.<ref></ref>
Bewertung[Bearbeiten]
Das Bemühen Eric Bernes, psychische Prozesse und Phänomene mit relativ leicht verständlicher, einfacher Sprache zu beschreiben, führte dazu, dass Menschen die Terminologie der Transaktionsanalyse nutzten, ohne die dahinter liegenden Konzepte gut genug zu verstehen. Dies führte in den 1970ern zu einer Bewertung der Transaktionsanalyse als simplifizierend – und zu ihrer Abwertung durch etablierte Therapeuten.<ref name=":6" />
Die TA-Gemeinschaft und die Verbände versuchten zu vermitteln und das Niveau der Transaktionsanalyse hervorzuheben. Seit der Jahrtausendwende erholte sich die TA-Gemeinschaft, auch durch Ausweitungen in die Bereiche Pädagogik und Organisationen, wie in den Statuten der Verbände festgeschrieben. Diese strebten und streben Vernetzungen und die Integration innerhalb der psychologischen Richtungen an.<ref>Vgl. Fanita English im Interview mit Bernd Schmid: Gründung und Entwicklung einer Schule. (1987/88), In: Bernd Schmid: Systemische Professionalität und Transaktionsanalyse. Mit einem Gespräch mit Fanita English. EHP, Bergisch Gladbach 2008, ISBN 978-3-89797-019-9, S. 225–258.</ref>
Transaktionsanalyse-Organisationen[Bearbeiten]
Es gibt mehrere internationale TA-Organisationen (Stand 2026), die vernetzt sind und auf möglichst einheitliche Standards achten, unter anderem bezüglich ihrer ethischen Richtlinien, der Aus- und Weiterbildung, der Theorieentwicklung und den Prüfungsanforderungen für Personen, die Zertifikate auf verschiedenen Ausbildungsebenen erwerben wollen.<ref name=":1">Zweck / Prinzipien / In Zahlen. In: EATA. Europäische Vereinigung für Transaktionsanalyse, 2026, abgerufen am 14. Mai 2026.</ref>
Organisationen sind zum Beispiel:
- International Transactional Analysis Association (ITAA). Sie wurde 1964 von Eric Berne als gemeinnützige Berufsvereinigung gegründet, um das Wachstum und die Weiterentwicklung der Theorie, Methoden und Prinzipien der Transaktionsanalyse sowie deren Anwendung zu fördern. Die Organisation will für Interessierte bis hin zu Fachleuten Ansprechpartner sein und vertritt vor allem die Bereiche Beratung, Bildung, Organisationsentwicklung und Psychotherapie. Die ITAA hat ihren Sitz in San Francisco (USA). Sie ist Dachverband für ca. 1500 Mitglieder aus 60 Ländern der Erde.<ref name=":8">About ITAA | ITAA World. International Transactional Analysis Association, 2026, abgerufen am 14. Mai 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
- European Transactional Analysis Association (EATA). Sie wurde 1976 gegründet und hat das Ziel, europäische Besonderheiten in ihrer Arbeit hervorzuheben. Die Organisation will das Wissen über die Transaktionsanalyse fördern und weiterentwickeln sowie Praxisstandards sicherstellen. Unter ihrem Dach sammeln sich mittlerweile 34 nationale europäische TA-Gesellschaften mit ca. 7500 Mitgliedern aus 28 europäischen Ländern,<ref name=":1" /> unter ihnen:
- Deutsche Gesellschaft der Transaktionsanalyse (DGTA). Sie ist der Dachverband der Transaktionsanalytiker in Deutschland und wurde 1976 gegründet. Ziel ist, wissenschaftliche Erkenntnisse mit praktischer Erfahrung zu verknüpfen, um Menschen, Organisationen und Gesellschaften in ihrer Entwicklung zu unterstützen. In der DGTA sind ca. 2000 Mitglieder organisiert.<ref>DGTA kennenlernen – DGTA. Deutsche Gesellschaft für Transaktionsanalyse e. V., 2026, abgerufen am 14. Mai 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
- Österreichische Gesellschaft für Transaktionsanalyse (ÖGTA). Sie ist der Dachverband der Transaktionsanalytiker in Österreich und wurde in den 1980er Jahren gegründet. In der ÖGTA sind nur ca. 49 Mitglieder organisiert, da laut Gesetzeslage Psychotherapeuten nicht in einer Organisation mit Beratern zusammenzuarbeiten dürfen.<ref>Vorsicht: Die neue Website der Transaktionsanalyse befindet sich im Aufbau. Stand Mai 2026. Abgerufen am 14. Mai 2026.</ref><ref>EATA Newsletter 127, Februar 2020. In: EATA: Während des Aufbaus des Internetauftritts der ÖGTA tritt diese unter der europäischen Dachorganisation auf. Europäische Vereinigung für Transaktionsanalyse, 8. August 2023, abgerufen am 14. Mai 2026.</ref>
- Schweizer Gesellschaft für Transaktionsanalyse – Association Suisse d'Analyse Transactionnelle (SGTA-ASAT), der Dachverband der Transaktionsanalytiker in der Schweiz. Er fusionierte 2024 zum zweisprachigen Verband. In der SGTA-ASAT sind ca. 570 Mitglieder organisiert. Ziel ist, die Anwendung, Weiterentwicklung und Verbreitung der Transaktionsanalyse zu fördern und zu stärken.<ref>ASAT-SGTA. Schweizer Gesellschaft für Transaktionsanalyse (ASAT-SGTA), 2026, abgerufen am 14. Mai 2026.</ref><ref>Der Verband. Association Suisse d’Analyse Transactionnelle | Schweizer Gesellschaft für Transaktionsanalyse, 2026, abgerufen am 14. Mai 2026.</ref>
Siehe auch[Bearbeiten]
Literatur (Auswahl)[Bearbeiten]
Literatur, Eric Berne (Auswahl deutscher Ausgaben der englischen Originale)[Bearbeiten]
Literatur, andere Autoren (Auswahl)[Bearbeiten]
- Petruska Clarkson: Transaktionsanalytische Psychotherapie. Grundlagen und Anwendung – Das Handbuch für die Praxis. Herder, Freiburg im Breisgau 1996, ISBN 978-3-4512-3781-2.
- Fanita English: Transaktionsanalyse: Gefühle und Ersatzgefühle in Beziehungen. 9. Auflage. Iskopress Salzhausen 2001, ISBN 978-3-8940-3423-8.
- Fanita English: Es ging doch gut – was ging denn schief? Beziehungen in Partnerschaft, Familie und Beruf. Kaiser, München 1992, ISBN 978-3-4590-1338-8.
- Richard G. Erskine, Janet P. Moursund: Kontakt – Ich-Zustände – Lebensplan. Integrative Psychotherapy in Action. Junfermann, Paderborn 1991, ISBN 978-3-8738-7034-5.
- Mary McClure Goulding, Robert L. Goulding: Neuentscheidung. Aus dem Englischen von Ursula und Friedemann Pfäfflin. 7. Auflage. Klett-Cotta, Stuttgart 2005, ISBN 978-3-6089-5436-4.
- Manfred Gührs, Claus Nowak: Das konstruktive Gespräch. Ein Leitfaden für Beratung, Unterricht und Mitarbeiterführung mit Konzepten der Transaktionsanalyse. 7., überarbeitete und erweiterte Ausgabe. Limmer, Meezen 2014, ISBN 978-3-9289-2200-5.
- Ute Hagehülsmann: Transaktionsanalyse – Wie geht denn das? Transaktionsanalyse in Aktion. Überarbeitete Ausgabe. Junfermann, Paderborn 2012, ISBN 978-3-8738-7871-6.
- Ute und Heinrich Hagehülsmann: Der Mensch im Spannungsfeld seiner Organisation. Transaktionsanalyse in Managementtraining, Coaching, Team- und Personalentwicklung. Junfermann, Paderborn 1998, ISBN 978-3-8738-7038-3.
- Thomas Anthony Harris: Ich bin o.k. Du bist o.k. Wie wir uns selbst besser verstehen und unsere Einstellungen zu anderen verändern können. Eine Einführung in die Transaktionsanalyse. Aus dem Englischen von Irmela Brender. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1976, ISBN 978-3-4991-6916-8.
- Gudrun Hennig, Georg Pelz: Transaktionsanalyse. Lehrbuch für Therapie und Beratung. Junfermann, Paderborn 2002, ISBN 978-3-8738-7508-1.
- Günther Mohr: Coaching und Selbstcoaching mit Transaktionsanalyse. EHP, Köln 2008, ISBN 978-3-8979-7079-3.
- Harald Rau: Einladung zur Kommunikationswissenschaft. UBT 3915, Nomos, Stuttgart 2013, ISBN 978-3-8252-3915-2, eISBN: 978-3-8385-3915-7, DOI: 10.361-98/978-3-8385-3915-7.
- Leonhard Schlegel: Handwörterbuch der Transaktionsanalyse. Sämtliche Begriffe der TA praxisnah erklärt. Herder, Freiburg im Breisgau 1993, ISBN 978-3-451-23124-7, (Als PDF, 2. Auflage von 2002 unter: Weblinks)
- Leonhard Schlegel: Die Transaktionale Analyse. 4., vollständig überarbeitete Ausgabe. UTB 8007 Franke, Tübingen / Basel 1995, ISBN 3-8252-8007-1 (UTB) / ISBN 3-7720-1715-0 (Franke).
- Bernd Schmid: Systemische Professionalität und Transaktionsanalyse: Mit einem Gespräch mit Fanita English. EHP, Bergisch Gladbach 2003, ISBN 978-3-89797-019-9.
- Bernd Schmid: Systemisches Coaching – Konzepte und Vorgehensweisen in der Persönlichkeitsberatung. EHP, Bergisch Gladbach 2004, ISBN 978-3-89797-029-8.
- Johann Schneider: Auf dem Weg zum Ziel. Der Vertragsprozess, ein Schlüsselkonzept erfolgreicher professioneller Begleitung. Junfermann, Paderborn 2002, ISBN 978-3-8738-7501-2.
- Ian Stewart, Vann Joines: Die Transaktionsanalyse. Eine Einführung. Neue gestaltete Ausgabe. Herder, Freiburg im Breisgau 2023, ISBN 978-3-451-03413-8.
Zeitschriften[Bearbeiten]
- Zeitschrift für Transaktionsanalyse. Organ der Deutschen Gesellschaft für Transaktionsanalyse, Junfermann Verlag, ISSN 1869-7712.
- Transactional Analysis Journal. Journal der International Transactional Analysis Association, ISSN 2329-5244.
- Journal of Transaktional Analysis Research. ISSN 2218-3159.
Weblinks[Bearbeiten]
Vereinigungen[Bearbeiten]
- DGTA - Deutsche Gesellschaft für Transaktionsanalyse
- ÖGTA - Österreichische Gesellschaft für Transaktionsanalyse
- ÖATA – Österreichischer Arbeitskreis für Tiefenpsychologische Transaktionsanalyse
- SGTA-ASAT – Schweizer Gesellschaft für Transaktionsanalyse - Association Suisse d'Analyse Transactionnelle
- DSGTA – Deutschschweizer Gesellschaft für Transaktionsanalyse
- EATA – European Association for Transactional Analysis
- ITAA – International Transactional Analysis Association
Publikationen[Bearbeiten]
- Transaktionsanalyse. Spektrum der Wissenschaft – Lexikon der Psychologie.
- Werner Stangl: Transaktionsanalyse
- Leonhard Schlegel, Handwoerterbuch_Transaktionsanalyse.pdf, 2. Auflage 2002
Erklärfilme[Bearbeiten]
- Transaktionsanalyse - die Transaktionsanalyse nach Eric Berne einfach erklärt (1/2), YouTube, Erzieherkanal, 8:18 Min
- Transaktionsanalyse - die Transaktionsanalyse nach Eric Berne einfach erklärt (2/2), YouTube, Erzieherkanal, 7:44 Min
Quellen[Bearbeiten]
<references />