Ukrainischer Barock
Ukrainischer Barock oder Kosaken-Barock ist eine Stilrichtung, die während der Zeit des ukrainischen Kosaken-Hetmanats im 17. Jahrhundert in der heutigen Ukraine entstanden ist und im 18. Jahrhundert ihre Blütezeit erlebte. Ihre Realisierungen finden sich unter anderem in der Architektur, Malerei, Musik und Literatur.
Begriffsgeschichte[Bearbeiten]
Der Begriff wurde erst in den 1920er Jahren in die wissenschaftliche Literatur eingeführt So verwendete beispielsweise der russische Kunsthistoriker Georgij Kreskentjewitsch Lukomskij<ref>Georgij Kreskentjewitsch Lukomskij: Kiew. Denkmäler kirchlicher Architektur des XI. bis XIX. Jahrhunderts. Byzantinische Baukunst. Ukrainischer Barock. In: Schöne Städte und Stätten des Orients. Band I. München 1923.</ref> den Begriff im Titel seines Buches „Kiew. Denkmäler kirchlicher Architektur des XI. bis XIX. Jahrhunderts. Byzantinische Baukunst. Ukrainischer Barock“. Der Slawist Dmitrij Tschižewskij übertrug den Begriff in den 1930er Jahren in die Literaturwissenschaft.<ref>Antonina Kostretska: Die Ukraine und ihre Ureinwohner. Einfluss auf die Weltkultur und internationale Beziehungen. GRIB-Verlag, München 2024, ISBN 978-3-389-10042-4.</ref>
Der Begriff dient vor allem zur Abgrenzung gegenüber dem westeuropäischen Barock und zur Unterscheidung zum Russischen bzw. Naryschkin-Barock, der sich aus dem ukrainischen Barock entwickelte.
Da sich hauptsächlich die kosakische Führungsschicht des Hetmanats als Stifter für den Neu- und Umbau von Gebäuden betätigte, wird dieser Stil oft auch als Kosaken-Barock bezeichnet.
Architektur[Bearbeiten]
Die Wandlung von der Renaissance zum Barock zeigte sich zunächst in architektonischen Mischformen. Beispiele für den Übergang sind die Michaelkathedrale (Michailiwska zerkwa, 1648–1654) in Perejaslaw und die Eliaskirche (Illinska zerkwa, 1653) in Subotiw.<ref name='Logwin'>Grigori Nikonowitsch Logwin (Hryhorij Nykonovyč Lohvyn): Ukraine und Moldawien. Ein Bildhandbuch. (= Kunstdenkmäler in der Sowjetunion), Edition Leipzig, Leipzig 1984, S. 27, 32.</ref>
Der ukrainische Barock unterscheidet sich vom westeuropäischen Barock durch moderatere Ornamentation und schlichtere Formen. Viele ukrainische Barockbauten sind erhalten geblieben, beispielsweise im Kiewer Höhlenkloster, die Kiewer Sophienkathedrale und das Wydubitschi-Kloster.
Die besten Beispiele der ukrainischen Barockmalerei finden sich in als Wandmalereien in der Dreifaltigkeits-Kathedrale des Höhlenklosters. Während der Periode des ukrainischen Barocks entwickelte sich die Gravuren-Technik; ein komplexes System an Symbolen, Allegorien, heraldischen Zeichen und Ornamenten entstand.
Einige Merkmale des ukrainischen Barocks, wie die knospen- oder birnenartigen Kuppeln, wurden vom verwandten russischen Naryschkin-Barock übernommen.
Auf den Barock in der Ukraine folgte zum Ende des 18. Jahrhunderts der Klassizismus. Diesem Übergang gingen Impulse der Aufklärung voraus. Ein staatlicher Ukas aus der Verwaltung des Russischen Kaiserreichs förderte diese Architekturentwicklung. Er hatte den Titel „Von der Beschaffung der Pläne für die Bauten und Straßen in allen Städten, für jedes Gouvernement gesondert.“<ref name='Logwin' />
Beispiele[Bearbeiten]
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Maria-Schutz-Kathedrale (Pokrowski sobor) in Charkiw
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Das Refektorium des Kiewer Höhlenklosters mit der Kirche der Heiligen Antonius und Theodosius
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Dreifaltigkeitskathedrale im ukrainischen Nowomoskowsk
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Kirche der Hl. Katharina in Tschernigow
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Das Bildnis des Metropoliten Pjotr Mogila eines unbekannten Künstlers ist ein Beispiel für den ukrainischen Barock in der Malerei.
Siehe auch[Bearbeiten]
Quellen[Bearbeiten]
Weblinks[Bearbeiten]
Einzelnachweise[Bearbeiten]
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