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Uranospathit

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Uranospathit
Datei:Uranospathit, Menzenschwand.jpg
Blassgrüner, lattenartiger Uranospathit aus der Grube Krunkelbach, Menzenschwand, Deutschland (Bildbreite: 8 mm)
Allgemeines und Klassifikation
IMA-Symbol

Ush<ref name="Warr" />

Chemische Formel
  • Al1–x☐x[(UO2)(PO4)]2(H2O)20+3xF1–3x, 0 < x < 0,33<ref name="Locock" />
  • (Al,☐)(UO2)2F(PO4)2·20H2O<ref name="IMA-Liste" />
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Phosphate, Arsenate, Vanadate
System-Nummer nach
Strunz (8. Aufl.)
Lapis-Systematik
(nach Strunz und Weiß)
Strunz (9. Aufl.)
Dana

VII/D.20a
VII/E.04-010<ref name="Lapis" />

8.EB.25
40.02a.22.01
Kristallographische Daten
Kristallsystem orthorhombisch
Kristallklasse; Symbol orthorhombisch-pyramidal; mm2<ref name="Webmineral" />
Raumgruppe Pnn2 (Nr. 34)Vorlage:Raumgruppe/34
Gitterparameter a = 30,020 Å; b = 7,0084 Å; c = 7,0492 Å<ref name="Mindat" />
Formeleinheiten Z = 2<ref name="Mindat" />
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 2 bis 2,5<ref name="Handbookofmineralogy" />
Dichte (g/cm3) gemessen: 2,50; berechnet: 2,54<ref name="Handbookofmineralogy" />
Spaltbarkeit vollkommen nach {001}, gut nach {100} und {010}<ref name="Handbookofmineralogy" />
Farbe gelb, blassgrün, bläulichgrün<ref name="Lapis" />
Strichfarbe gelblichweiß<ref name="Lapis" />
Transparenz durchscheinend<ref name="Handbookofmineralogy" />
Glanz nicht definiert
Radioaktivität sehr stark: 75,4 kBq/g<ref name="Webmineral" />
Kristalloptik
Brechungsindizes nα 1,492<ref name="Mindat" />
nβ 1,510<ref name="Mindat" />
nγ 1,521<ref name="Mindat" />
Doppelbrechung δ 0,029<ref name="Mindat" />
Optischer Charakter zweiachsig negativ
Achsenwinkel 2V = 69° (gemessen); 70° (berechnet)<ref name="Mindat" />
Pleochroismus Sichtbar: X = blassgelb, Y = Z = tiefgelb<ref name="Mindat" />
Weitere Eigenschaften
Besondere Merkmale dehydratisiert zu Sabugalit; gelbgrüne Fluoreszenz unter langwelligem UV-Licht<ref name="Handbookofmineralogy" />

Uranospathit ist ein selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“. Es kristallisiert im orthorhombischen Kristallsystem mit der chemischen Zusammensetzung Al1–x☐x[(UO2)(PO4)]2(H2O)20+3xF1–3x, wobei die Spannweite von ‚x‘ mit 0 < x < 0,33 angegeben wird.<ref name="Locock" /> Als vereinfachte (idealisierte) Formel gilt (Al,☐)(UO2)2F(PO4)2·20H2O<ref name="IMA-Liste" /> und damit ist Uranospathit chemisch gesehen ein wasserhaltiges Aluminium-Uranyl-Phosphat.

Uranospathit entwickelt häufig rechteckige plättchen- bis lattenförmige, gelbe oder blassgrüne bis bläulichgrüne Kristalle bis etwa einen Millimeter Größe und fächerartige Gruppen.

Etymologie und Geschichte[Bearbeiten]

Uranospathit wurde 1915 von Hallimond erstbeschrieben.<ref name="Locock" /> Benannt wurde das Mineral nach seinem Urangehalt sowie dem griechischen Wort „σπάθη“ (spathe), was so viel wie „Schwert“ oder „Klinge“ bedeutet, um auf den Kristallhabitus hinzuweisen.

Das Typmineral befindet sich am Natural History Museum in London.

Klassifikation[Bearbeiten]

Bereits in der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Uranospathit zur Mineralklasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort zur Abteilung „Wasserhaltige Phosphate, Arsenate und Vanadate mit fremden Anionen“, wo er gemeinsam mit Autunit, Bassetit, Fritzscheit, Heinrichit, Kahlerit, Kirchheimerit, Natrouranospinit, Nováčekit, Sabugalit, Saléeit, Torbernit, Uramphit, Uranocircit, Uranospinit und Zeunerit in der „Uranit-Reihe“ mit der Systemnummer VII/D.20a steht.

In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer VII/E.04-010. Dies entspricht der neu definierten Abteilung „Uranyl-Phosphate/Arsenate und Uranyl-Vanadate mit [UO2]2+–[PO4]/[AsO4]3− und [UO2]2+–[V2O8]6−, mit isotypen Vanadaten (Sincositreihe)“, wo Uranospathit zusammen mit Arsenuranospathit eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer VII/E.04 bildet.<ref name="Lapis" />

Auch die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte<ref name=IMA-Liste-2009 /> 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Uranospathit in die Klasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort in die Abteilung „Uranylphosphate und Arsenate“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach dem Stoffmengenverhältnis von Uranyl- zu Phosphat-, Arsenat- bzw. Vanadatkomplexen. Das Mineral ist hier entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „UO2 : RO4 = 1 : 1“ zu finden, wo es zusammen mit Arsenuranospathit die „Uranospathitgruppe“ mit der Systemnummer 8.EB.25 bildet.

In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Uranospathit die System- und Mineralnummer 40.02a.22.01. Das entspricht ebenfalls der Klasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort der Abteilung „Wasserhaltige Phosphate etc.“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Wasserhaltige Phosphate etc., mit A2+(B2+)2(XO4) × x(H2O), mit (UO2)2+“ als einziges Mitglied in einer unbenannten Gruppe mit der Systemnummer 40.02a.22.

Kristallstruktur[Bearbeiten]

Datei:Uranospathite - sheet, polyhedra.png
Verknüpfung der Uranyl-Oktaeder mit den Phosphat-Tetraedern (Wassermoleküle und Aluminium-Ionen der Übersichtlichkeit wegen entfernt) Vorlage:Farbe Uran (U) Vorlage:Farbe Sauerstoff (O) Vorlage:Farbe Phosphor (P)

Uranospathit kristallisiert orthorhombisch in der Raumgruppe Pnn2 (Raumgruppen-Nr. 34)Vorlage:Raumgruppe/34 mit den Gitterparametern a = 30,020 Å; b = 7,008 Å und c = 7,049 Å sowie zwei Formeleinheiten pro Elementarzelle.

Das Mineral kristallisiert in Schichten vom Autunit-Typ. Die Aluminium-Ionen bilden mit dem Kristallwasser isolierte oktaedrische Komplexe, die sich zwischen den Uranyl-Phosphat-Schichten befinden. Die Uranyl-Phosphat-Schichten setzen sich aus eckenverknüpften Phosphat-Tetraedern und Uranyl-Oktaedern zusammen. Ein komplexes Netzwerk von Kristallwassermolekülen hält diese Schichten durch Wasserstoffbrückenbindungen zusammen.

Eine röntgenographische Einkristallstrukturanalyse an Uranospathit zeigte für die Aluminium-Ionen nur ein Besetzungsverhältnis von 86 %. Aufgrund dieser Diskrepanz konnte durch wellenlängendispersive Röntgenspektroskopie gezeigte werden, dass des Weiteren Fluorid-Ionen in der Struktur vorhanden sein müssen. Durch den geringen Unterschied in der Elektronendichte-Verteilung zwischen Fluor (F) und Sauerstoff (O) konnten diese Ionen jedoch nicht in der Einkristallstrukturanalyse lokalisiert werden. Die Autoren der Studie nehmen an, dass ein sehr geringer Anteil des Wassers, welches an das Aluminium koordiniert ist, teilweise von Fluorid-Ionen ersetzt ist, so dass sich, unter Anwendung des Elektroneutralitätsprinzips die folgende Summenformel ergibt:

Al1–x□x[(UO2)(PO4)]2(H2O)20+3xF1–3x mit 0 < x < 0,33.<ref name="Locock" />

Eigenschaften[Bearbeiten]

Das Mineral ist durch seinen Urangehalt von bis zu 42,12 % radioaktiv. Unter Berücksichtigung der Mengenanteile der radioaktiven Elemente in der idealisierten Summenformel sowie der Folgezerfälle der natürlichen Zerfallsreihen wird für das Mineral eine spezifische Aktivität von etwa 75,4 kBq/g<ref name="Webmineral" /> angegeben (zum Vergleich: natürliches Kalium 0,0312 kBq/g). Der zitierte Wert kann je nach Mineralgehalt und Zusammensetzung der Stufen deutlich abweichen, auch sind selektive An- oder Abreicherungen der radioaktiven Zerfallsprodukte möglich und ändern die Aktivität.

In trockener Umgebung dehydratisiert Uranospathit bereits bei Raumtemperatur zu Sabugalit.<ref name="Walenta-119" />

Unter langwelligem UV-Licht zeigt Uranospathit eine gelbgrüne Fluoreszenz.<ref name="Handbookofmineralogy" />

Bildung und Fundorte[Bearbeiten]

Uranospathit bildet sich als Sekundärmineral in der Oxidationszone von Uran-Lagerstätten. Es tritt unter anderem zusammen mit Bassetit auf.

Weltweit gibt es nur wenige Fundorte von Uranospathit. In England ist es nur aus seiner Typlokalität, den Basset Mines, bekannt. Aus Deutschland ist Uranospathit lediglich aus der Grube Krunkelbach bei Menzenschwand sowie aus der Mine „Weißer Hirsch“ bei Neustädtel bekannt. In der Schweiz ist es aus La Creusaz im Kanton Wallis bekannt. Die weiteren bekannten Fundorte sind die Radium Hill Mine in Australien, Xiushui in China, Jáchymov in der Tschechischen Republik, in der Region Limousin in Frankreich, Montescheno in Italien, Beaufort West in Südafrika, in Badajoz und Cáceres in Spanien sowie im Paradox Valley in den USA.<ref name="Fundorte" />

Vorsichtsmaßnahmen[Bearbeiten]

Aufgrund der Toxizität und der starken Radioaktivität des Minerals sollten Mineralproben vom Uranospathit nur in staub- und strahlungsdichten Behältern, vor allem aber niemals in Wohn-, Schlaf- und Arbeitsräumen aufbewahrt werden. Ebenso sollte eine Aufnahme in den Körper (Inkorporation, Ingestion) auf jeden Fall verhindert und zur Sicherheit direkter Körperkontakt vermieden sowie beim Umgang mit dem Mineral Atemschutzmaske und Handschuhe getragen werden.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Commons: Uranospathite – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references> <ref name="Fundorte"> Fundortliste für Uranospathit beim Mineralienatlas (deutsch) und bei Mindat (englisch), abgerufen am 14. September 2024. </ref> <ref name="Handbookofmineralogy"> </ref> <ref name="IMA-Liste"> Malcolm Back, Cristian Biagioni, William D. Birch, Michel Blondieau, Hans-Peter Boja und andere: The New IMA List of Minerals – A Work in Progress – Updated: September 2024. (PDF; 3,6 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Marco Pasero, September 2024, abgerufen am 14. September 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="IMA-Liste-2009"> Ernest H. Nickel, Monte C. Nichols: IMA/CNMNC List of Minerals 2009. (PDF; 1,9 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Januar 2009, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 29. Juli 2024; abgerufen am 30. Juli 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="Lapis"> </ref> <ref name="Locock"> </ref> <ref name="Mindat"> Uranospathite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 14. September 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="Walenta-119"> </ref> <ref name="Warr"> </ref> <ref name="Webmineral"> David Barthelmy: Uranospathite Mineral Data. In: webmineral.com. Abgerufen am 14. September 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> </references>