Valentinit
| Valentinit | |
|---|---|
| Allgemeines und Klassifikation | |
| IMA-Nummer |
1980 s.p.<ref name="IMA-Liste">Malcolm Back, Cristian Biagioni, William D. Birch, Michel Blondieau, Hans-Peter Boja und andere: The New IMA List of Minerals – A Work in Progress – Updated: July 2024. (PDF; 3,6 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Marco Pasero, Juli 2024, abgerufen am 13. August 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> |
| IMA-Symbol |
Vln<ref name="Warr"></ref> |
| Andere Namen |
|
| Chemische Formel | Sb2O3<ref name="StrunzNickel" /> |
| Mineralklasse (und ggf. Abteilung) |
Oxide und Hydroxide |
| System-Nummer nach Strunz (8. Aufl.) Lapis-Systematik (nach Strunz und Weiß) Strunz (9. Aufl.) Dana |
IV/C.01 IV/C.01-020 4.CB.55 04.03.11.01 |
| Kristallographische Daten | |
| Kristallsystem | orthorhombisch |
| Kristallklasse; Symbol | orthorhombisch-dipyramidal; 2/m2/m2/m<ref name="Webmineral" /> |
| Raumgruppe | Pccn (Nr. 56)<ref name="StrunzNickel" /> |
| Gitterparameter | a = 4,91 Å; b = 12,46 Å; c = 5,41 Å<ref name="StrunzNickel" /> |
| Formeleinheiten | Z = 4<ref name="StrunzNickel" /> |
| Häufige Kristallflächen | {011}, {054}, {100}, {010}<ref name="SchröckeWeiner" /> |
| Physikalische Eigenschaften | |
| Mohshärte | 2,5 bis 3 |
| Dichte (g/cm3) | gemessen: 5,76; berechnet: 5,828<ref name="Handbookofmineralogy" /> |
| Spaltbarkeit | vollkommen nach {110}, unvollkommen nach {010}<ref name="Handbookofmineralogy" /> |
| Bruch; Tenazität | uneben; spröde |
| Farbe | farblos, weiß, grau, gelblich, bräunlich |
| Strichfarbe | weiß |
| Transparenz | durchsichtig bis durchscheinend |
| Glanz | Diamantglanz, Perlglanz auf Spaltflächen |
| Kristalloptik | |
| Brechungsindizes | nα 2,180<ref name="Mindat" /> nβ 2,350<ref name="Mindat" /> nγ 2,350<ref name="Mindat" /> |
| Doppelbrechung | δ 0,170<ref name="Mindat" /> |
| Optischer Charakter | zweiachsig negativ |
Valentinit, veraltet auch als Antimonblüte bekannt, ist ein eher selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Oxide und Hydroxide“. Es kristallisiert im orthorhombischen Kristallsystem mit der chemischen Zusammensetzung Sb2O3<ref name="StrunzNickel" /> und ist damit chemisch gesehen Antimon(III)-oxid.
Valentinit entwickelt meist tafelige bis prismatische Kristalle, kommt aber auch in Form strahliger, büscheliger fächer- oder sternförmiger sowie körniger bis massiger Mineral-Aggregate vor. Unverletzte Kristallflächen weisen einen diamantähnlichen Glanz auf, Spaltflächen schimmern dagegen eher perlmuttartig. In reiner Form ist Valentinit farblos und durchsichtig. Durch vielfache Lichtbrechung aufgrund von Gitterbaufehlern oder polykristalliner Ausbildung kann er aber auch weiß erscheinen und durch Fremdbeimengungen eine graue oder gelbliche bis bräunliche Farbe annehmen, wobei die Transparenz entsprechend abnimmt.
Mit einer Mohshärte von 2,5 bis 3 gehört Valentinit zu den weichen bis mittelharten Mineralen, das sich leichter als das Referenzmineral Calcit (3) mit einer Kupfermünze ritzen lässt.
Etymologie und Geschichte[Bearbeiten]
Den bis heute gültigen Namen Valentinit für das rhombische Antimonoxid prägte 1845 Wilhelm von Haidinger, der das Mineral nach dem mittelalterlichen Autor alchemistischer Schriften Basilius Valentinus benannte. Die Person hinter Valentinus wurde zwar bisher nicht identifiziert, soll jedoch unter anderem ein bekanntes Werk über die Darstellung des Elements Antimon aus Stibnit (Antimonit) und „flores antimonii“ verfasst haben („Triumphwagen Antimonii“, herausgegeben 1604 von Johann Thölde).<ref name="Lüschen" />
Bekannt war das Mineral allerdings schon vor Haidinger unter verschiedenen Synonymen wie unter anderem Weißspießglanzerz (nach Klaproth, 1789)<ref name="MindatWeißspießglanzerz" /> bzw. Weißspießglaserz (nach Werner, 1789)<ref name="Lüschen" /> und Spießglanzweiß<ref name="Lüschen" />, die allerdings nicht mehr gebräuchlich sind. Der von Karl Cäsar von Leonhard 1821 geprägte Begriff Antimonblüte<ref name="Lüschen" /> wird dagegen auch in modernen Fachliteraturen noch als Synonym für den Valentinit aufgeführt,<ref name="Rösler" /> gelegentlich auch der eher ungebräuchliche Begriff Weißspießglanz<ref name="SchröckeWeiner" />.
Als Typlokalität (erster Fundort) gilt die „Mine des Chalanches“ bei Allemond (englisch Allemont) im französischen Département Isère (Rhône-Alpes).
Klassifikation[Bearbeiten]
Bereits in der veralteten, aber teilweise noch gebräuchlichen 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Valentinit zur Mineralklasse der „Oxide und Hydroxide“ und dort zur Abteilung der „Oxide mit dem Stoffmengenverhältnis Metall : Sauerstoff = 2 : 3 (M2O3 und verwandte Verbindungen)“, wo er zusammen mit Claudetit die „Claudetit-Valentinit-Gruppe“ mit der System-Nr. IV/C.01 und dem weiteren Mitglied Auroantimonat bildete.
Die seit 2001 gültige und von der International Mineralogical Association (IMA) verwendete 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Valentinit in die erweiterte Abteilung der „Oxide mit dem Stoffmengenverhältnis Metall : Sauerstoff = 2 : 3, 3 : 5 und vergleichbare“ ein. Diese ist weiter unterteilt nach der relativen Größe der beteiligten Kationen, so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Mit mittelgroßen Kationen“ zu finden ist, wo es als einziges Mitglied die unbenannte Gruppe 4.CB.55 bildet.
Auch die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Valentinit in die Klasse der „Oxide und Hydroxide“ und dort in die Abteilung der „Oxidminerale“ ein. Hier ist er als einziges Mitglied in der unbenannten Gruppe 04.03.11 innerhalb der Unterabteilung „Einfache Oxide mit einer Kationenladung von 3+ (A2O3)“ zu finden.
Kristallstruktur[Bearbeiten]
Valentinit kristallisiert orthorhombisch in der Raumgruppe Pccn (Raumgruppen-Nr. 56) mit den Gitterparametern a = 4,91 Å; b = 12,46 Å und c = 5,41 Å sowie vier Formeleinheiten pro Elementarzelle.<ref name="StrunzNickel" />
Die Kristallstruktur von Valentinit besteht aus SbO3-Molekülen, die über gemeinsam genutzte O-Atome miteinander verknüpft sind und Ketten parallel der c-Achse bilden. Die Ketten sind nur über schwache Van-der-Waals- und Coulomb-Kräfte miteinander verbunden und die Abstände zwischen ihnen sind relativ groß, was auch der Grund für die geringe Härte und vollkommene Spaltbarkeit des Minerals ist.
Modifikationen und Varietäten[Bearbeiten]
Die Verbindung Sb2O3 ist dimorph und kommt neben dem orthorhombisch kristallisierenden Valentinit noch als kubisch kristallisierender Senarmontit vor.
Bildung und Fundorte[Bearbeiten]
(Gesamtgröße der Probe: 3,9 cm × 2,8 cm × 1,5 cm)
Valentinit bildet sich ähnlich wie der seltenere Senarmontit als Sekundärmineral durch Verwitterung aus Antimon oder verschiedenen Antimonmineralen wie beispielsweise Stibnit in der Oxidationszone von Erz-Lagerstätten. Weitere Begleitminerale sind unter anderem Cervantit, Kermesit, Stibiconit und Tetraedrit.
Als eher seltene Mineralbildung kann Valentinit an verschiedenen Fundorten zum Teil zwar reichlich vorhanden sein, insgesamt ist er aber wenig verbreitet. Insgesamt gelten bisher (Stand 2014) mehr als 300 Fundorte<ref name="MindatAnzahl" /> als bekannt. Neben seiner Typlokalität „Mine des Chalanches“ bei Allemond und der „Mine Gueydon“ bei Regny im Département Loire in Rhône-Alpes trat das Mineral in Frankreich unter anderem noch in den Auvergner Départements Cantal und Haute-Loire, im Département Finistère (Brittany) sowie an einigen Fundpunkten in verschiedenen Regionen auf.
Bekannt aufgrund außergewöhnlicher Valentinitfunde ist unter anderem Příbram in der tschechischen Region Mittelböhmen, wo gut ausgebildete und bis zu drei Zentimeter lange Kristalle gefunden wurden. Ähnlich gute Funde von bis zu zwei Zentimeter Größe traten auch in der Umgebung von Oruro in Bolivien zutage. Radialstrahlige Aggregate mit bis zu vier Zentimetern Durchmesser kennt man vor allem aus Pezinok und Pernek in der Slowakei und die bisher größten bekannten Pseudomorphosen von Valentinit nach Stibnit von bis zu 35 Zentimeter Länge fand man in der Antimon-Lagerstätte Xikuangshan bei Lengshuijiang in der chinesischen Provinz Hunan.<ref name="Dörfler" />
In Deutschland wurde das Mineral bisher an mehreren Orten im Schwarzwald wie unter anderem St. Ulrich und Sulzburg in Baden-Württemberg, im Sauer- und Siegerland in Nordrhein-Westfalen und im Westerwald in Rheinland-Pfalz gefunden. Daneben ist noch die Grube „Silberne Rose“ bei Brandholz-Goldkronach in Bayern, die Grube „Catharina Neufang“ bei Sankt Andreasberg in Niedersachsen, die Gruben „Hoffnung“ (Grube Spes) am Martinsknipp bei Ahrbrück, „Friedrichssegen“ im Lahntal und „Carolina“ am Moschellandsberg in Rheinland-Pfalz, die „Graf Jost-Christian-Zeche“ bei Wolfsberg (Sangerhausen) in Sachsen-Anhalt, die Gruben „Neue Hoffnung Gottes“ bei Bräunsdorf (Oberschöna) und „St. Peter“ bei Kottenheide-Schöneck/Vogtl. in Sachsen sowie der Steinbruch „Kuhberg“ bei Neumühle/Elster (Landkreis Greiz) in Thüringen als Fundorte für Valentinit bekannt.
In Österreich konnte Valentinit bisher vor allem Kärnten gefunden werden, wo er unter anderem im Gebiet um Friesach und Hüttenberg sowie in der Gebirgskette der Kreuzeckgruppe auftrat. Daneben trat das Mineral noch in einer Antimongrube bei Stadtschlaining im Burgenland, bei Maltern in der niederösterreichischen Gemeinde Hochneukirchen-Gschaidt, am Wetterbauersattel bei Mixnitz und auf einer Schlackenhalde bei Walchen (Gemeinde Öblarn) in der Steiermark sowie an einigen Fundpunkten im Gebiet um Brixlegg und Schwaz in Tirol zutage.
In der Schweiz kennt man das Mineral bisher nur aus dem Puschlav-Tal im Kanton Graubünden und der Tessiner Region Malcantone.
Weitere Fundorte liegen unter anderem in Algerien, Australien, Brasilien, Chile, Finnland, Frankreich, Griechenland, Grönland, Isle of Man, Italien, Japan, Kanada, Kirgisistan, Luxemburg, Mexiko, Neukaledonien, Neuseeland, Nordmazedonien, Norwegen, Portugal, Rumänien, Russland, Schweden, Serbien, der Slowakei, Slowenien, Spanien, Südafrika, Thailand, Türkei, Ungarn, im Vereinigten Königreich (England, Schottland) und den Vereinigten Staaten von Amerika (Kalifornien, Idaho, Nevada, Oregon, Utah, Washington).<ref name="Fundorte" />
Verwendung[Bearbeiten]
Valentinit findet nur bei lokaler Anhäufung zusammen mit Stibnit Verwendung als Antimonerz.
Siehe auch[Bearbeiten]
Literatur[Bearbeiten]
- W. Haidinger: Zweite Klasse: Geogenide. II. Ordnung. Baryte VIII. Antimonbaryt. Valentinit. In: Handbuch der Bestimmenden Mineralogie. Braumüller und Seidel, Wien 1845, S. 499–506 (rruff.info [PDF; 512 kB; abgerufen am 28. August 2017]).
- Helmut Schröcke, Karl-Ludwig Weiner: Mineralogie. Ein Lehrbuch auf systematischer Grundlage. de Gruyter, Berlin; New York 1981, ISBN 3-11-006823-0, S. 386–388.
Weblinks[Bearbeiten]
- Mineralienatlas:Valentinit (Wiki)
- Database-of-Raman-spectroscopy – Valentinite (englisch)
- American-Mineralogist-Crystal-Structure-Database – Valentinite (englisch)
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references> <ref name="Handbookofmineralogy"> Valentinite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (handbookofmineralogy.org [PDF; 68 kB; abgerufen am 28. August 2017]). </ref> <ref name="Dörfler"> Petr Korbel, Milan Novák: Mineralien-Enzyklopädie (= Dörfler Natur). Nebel Verlag, Eggolsheim 2002, ISBN 978-3-89555-076-8, S. 81. </ref> <ref name="Fundorte"> Fundortliste für Valentinit beim Mineralienatlas und bei Mindat </ref> <ref name="Lüschen"> Hans Lüschen: Die Namen der Steine. Das Mineralreich im Spiegel der Sprache. 2. Auflage. Ott Verlag, Thun 1979, ISBN 3-7225-6265-1, S. 173. </ref> <ref name="Mindat"> Mindat – Valentinite </ref> <ref name="MindatAnzahl"> Mindat – Anzahl der Fundorte für Valentinit </ref> <ref name="MindatWeißspießglanzerz"> Mindat – Weißspießglanzerz </ref> <ref name="Rösler"> Hans Jürgen Rösler: Lehrbuch der Mineralogie. 4. durchgesehene und erweiterte Auflage. Deutscher Verlag für Grundstoffindustrie (VEB), Leipzig 1987, ISBN 3-342-00288-3, S. 415. </ref> <ref name="SchröckeWeiner"> Helmut Schröcke, Karl-Ludwig Weiner: Mineralogie. Ein Lehrbuch auf systematischer Grundlage. de Gruyter, Berlin; New York 1981, ISBN 3-11-006823-0, S. 386. </ref> <ref name="StrunzNickel"> Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S. 197. </ref> <ref name="Webmineral"> Webmineral – Valentinite </ref> </references>