Zum Inhalt springen

Vejce-Massaker

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Massaker von Vejce
Масакр кај Вејце (mazedonisch)
Teil von: Albanischer Aufstand in Mazedonien 2001
Datei:Поглед на Вејце.jpg
Ein Blick auf das Dorf Vejce im Jahr 2024.
Datum 28. April 2001
Ort Zwischen Selce und Vejce
Nordmazedonien Mazedonien 42° 3′ 5″ N, 20° 55′ 17″ OKoordinaten: 42° 3′ 5″ N, 20° 55′ 17″ O
 {{#coordinates:42,051269419532|20,921313482534|primary
dim=5000 globe= name=Massaker von Vejce
Масакр кај Вејце (mazedonisch)
region=MK-609 type=event
  }}
Ausgang Sieg der Mazedonischen UÇK
Folgen • Anti-albanische Stimmung breitet sich im ganzen Land aus, es kommt zu anti-albanischen Protesten und Unruhen in der ganzen Stadt
• Der IStGHJ leitet im November 2001 eine Untersuchung zu Kriegsverbrechen ein
Konfliktparteien

Nordmazedonien Mazedonien

Datei:Uck Nla logo.svg Mazedonische UÇK

Befehlshaber
Datei:Полк за специјални опрации.svg Robert Petkovski †
Datei:Полк за специјални опрации.svg Boban Trajkovski †
Datei:Полк за специјални опрации.svg Igor Kosteski †
Datei:Полк за специјални опрации.svg Mile Janevski †
Beteiligte Einheiten:
Datei:Logo of the Army of the Republic of Macedonia.svg APCM
└─ Datei:Полк за специјални опрации.svg Regiment für Spezialeinsätze

Datei:Coat of arms of the Macedonian Police.png Innenministerium
├─ Datei:Macedonian Police insignia.png Mazedonische Polizei
└─ Datei:MVR PEP logo.png Spezial-/Bitola-Einheit
Datei:Uck Nla logo.svg unbekannt




Beteiligte Einheiten:
Datei:Uck Nla logo.svg unbekannt
Truppenstärke

Datei:Полк за специјални опрации.svg 8 Soldaten
Datei:MVR PEP logo.png 8 Polizisten

Datei:Uck Nla logo.svg unbekannt

Verluste

Datei:Полк за специјални опрации.svg 4 Soldaten getötet
Datei:Полк за специјални опрации.svg 1 Humvee zerstört
Datei:Полк за специјални опрации.svg 1 Humvee beschädigt
Datei:MVR PEP logo.png 4 Polizisten getötet
Datei:MVR PEP logo.png 1 Lada Niva zerstört
Datei:MVR PEP logo.png 1 Lada Niva beschädigt

Datei:Uck Nla logo.svg keine

Das Massaker von Vejce ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)) war ein Kriegsverbrechen während des albanischen Aufstandes in Mazedonien 2001. Das Massaker ereignete sich am 28. April 2001 nahe der westmazedonischen Ortschaft Vejce, die im Šar Planina nordwestlich von Tetovo liegt, und wurde im Hinterhalt von albanischen Rebellen der paramilitärischen Organisation UÇK und Mudschahedin an Polizisten sowie Spezialisten der mazedonischen Armee verübt.<ref>8 soldiers slain in ambush near Albanian region. In: Chicago Tribune. 29. April 2001, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 19. September 2024; abgerufen am 28. April 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>Nicholas Wood: Skopje peace talks in peril after massacre of patro. In: The Guardian. 30. April 2001, abgerufen am 3. Februar 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Verlauf[Bearbeiten]

Im Zuge des albanischen Aufstandes in Mazedonien führte am frühen Abend des 28. April 2001 eine Gruppe von 16 mazedonischen Soldaten und Polizisten eine Routinepatrouille in mehrheitlich albanischen Dörfer im Šar-Planina-Gebirge durch.<ref>Macedonia on alert after killings. In: CNN. 29. April 2001, abgerufen am 18. Februar 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Das Šar Planina-Gebirge galt als UÇK-Hochburg, da es neben der mehrheitlich albanischen Bevölkerung zusätzlich durch seine Berge und dichte Wälder den Rebellen Schutz bot und an die damalige serbische Provinz Kosovo grenzte, die zwei Jahre zuvor als Resultat des Kosovokrieges nicht mehr unter serbischer Führung war, in die sich die albanischen Rebellen teilweise ungehindert zurückziehen konnten. Die mazedonische Patrouille bestand aus acht Soldaten der Spezialeinheit „Volci“ (zu dt. ‚Wölfe‘) sowie acht Polizisten, welche einer Sondereinheit aus Bitola angehörten. Die Patrouille verließ mit ihren jeweils zwei Humvee und zwei Lada Niwa die Kaserne von Tetovo um 17 Uhr und sollte routinemäßig um 20 Uhr wieder zurückkehren. Vor dem Dorf Selce machte sie im Dorfzentrum an einem Brunnen eine kurze Pause, wo sie auf die vorherige Patrouille traf, die aus dem Dorf Brodec zurückkehrte. Im Gespräch wurde ihnen vorgeschlagen, zurückzukehren, da keine Notwendigkeit bestehe nach Vejce zu fahren, was jedoch nicht akzeptiert wurde. Die Patrouille passierte ohne Zwischenfälle das Dorf Selce und fuhr auf einer schmalen, damals nicht asphaltierten Gebirgsstraße in Richtung des Dorfes Vejce.

Gegen 17:45 Uhr gelangte die Patrouille auf der nicht asphaltierten Gebirgsstraße zwischen den Dörfern Selce und Vejce bei Tetovo in eine enge, schwer überschaubare Kurve, die auf beiden Seiten von bis zu drei Meter hohen Hängen umgeben war. Als die ersten drei Fahrzeuge in die Kurve einfuhren, wurden sie von drei Seiten von Rebellen der UÇK angegriffen. Es wurden Schüsse aus Antipanzerwaffen, Mörsern, Gewehren und automatischen Waffen abgefeuert. Die mazedonischen Spezialkräfte waren von dem Angriff überrascht und verließen die Fahrzeuge, um Widerstand zu leisten. Dabei wurden sie zu offenen Zielen, so dass viele tödliche Verletzungen davontrugen. Dem später getöteten Soldaten Igor Kosteski gelang es, den Humvee auf der schmalen Straße in eine Schutzposition zu manövrieren, die als Deckung dienen sollte. Von 17:45 Uhr bis etwa 18:15 Uhr wurde ununterbrochen geschossen. Der später bei dem Massaker getötete Polizist Ilče Stojanovski rief seinen Vorgesetzten am Stützpunkt in Tetovo gegen 17:45 Uhr zweimal über sein Mobiltelefon an und fragte Unterstützung an. Mazedonischen Medienberichten zufolge rief er kurz darauf zum letzten Mal seinen Vorgesetzten an und erklärte:

“Нема потреба повеќе да ни доаѓате во помош. Сите ќе изгинеме за Македонија…”

„Es besteht keine Notwendigkeit mehr, dass Ihr uns zu Hilfe kommt. Wir werden alle für Mazedonien sterben…“<ref>Жаклина Митевска (Jaqueline Mitewska): Масакрите од 2001 година не смеат да се заборават и да им се простат на „кртовите-проклетници“. (pdf; 152 kB) In: Makedonsko Sonce. 17. November 2006, S. 26, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 8. April 2009; abgerufen am 18. Februar 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>Нема потреба повеќе да ни доаѓате во помош. Сите ќе изгинеме за Македонија – 21 година од Масакрот кај Вејце. In: antropol.mk. 27. April 2022, abgerufen am 20. Januar 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>Илче Стојановски Бесното - Нема потреба да доаѓате, сите ќе изгинеме за Македонија! In: babambitola.mk. 28. April 2022, abgerufen am 18. Februar 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Die Aussage des Polizisten kurz vor seinem Tod gab besonders bei Angehörigen der Opfer auch Anlass zum Verdacht, dass die Patrouille verraten bzw. bewusst in den Hinterhalt geschickt worden war.<ref>Двајца полициски началници од Тетово ја предале патролата кај Вејце. In: Vest. 10. September 2001, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 4. März 2016; abgerufen am 18. Februar 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value), dt. „Zwei Polizeikomissare aus Tetovo begangen Verrat an der Patrouille bei Vejce“).</ref>

Nachdem die acht mazedonischen Polizisten und Soldaten außer Gefecht gesetzt worden waren, stießen die Rebellen der UÇK die etwa drei Meter hohen Hängen hinunter zu den teils schwerverletzten mazedonischen Spezialkräften und richteten ein Massaker an, welches laut den Ersthelfern, die am Ort des Geschehens eintrafen, „an Grausamkeit kaum zu überbieten sei“.<ref>Анета Блажевска (Aneta Blaschewska): Сведоштво на Сашо Гилевски - Качо, преживеан кај Вејце. Гореа како свеќи. In: Utrinski Vesnik. 1. Mai 2013, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 8. März 2016; abgerufen am 18. Februar 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value), dt. Zeugenaussagen von Sašo Gilevski – Kačo, einem Überlebenden von Vejce. „Sie brannten wie Kerzen“).</ref> Einige Soldaten wurden bei lebendigem Leibe verbrannt, andere wurden mit Messern getötet und im Genitalbereich verstümmelt.<ref name="Neofotistos"/><ref>Richard Schuberth: Der mazedonische Frühling ist anders. In: derStandard.at. 19. Mai 2015, abgerufen am 18. Februar 2024: „Die Gräuelgeschichten über die von der UÇK in Vejce bei lebendigem Leibe verbrannten und zu Tode gefolterten Reservisten entstammten nicht der Regierungspropaganda, sondern OSZE-Berichten […]“</ref> Zudem gruben die Täter den lebenden Soldaten und Polizisten mit Messern die Augäpfel aus und schnitten ihnen Ohren und Finger ab.<ref name="Neofotistos"></ref>

Ein Überlebender der Patrouille bezeugte, dass „Mudschaheddin mit langen Bärten und Messern das Massaker bis zu seinem grausamen Ende führten, indem sie nur eine Person durch Erschießen töteten und den Rest in Stücke schnitten oder bei lebendigem Leib verbrannten.“<ref name="Deliso"/> Ein UÇK-Kommandant bestätigte dies gegenüber dem kanadischen Kriegsreporter Scott Taylor und erklärte, dass das Massaker von Vejce „nur von den Ausländern begangen worden sein könne, weil Albaner keine Leichen zerstückeln“. Dieser Kommandant sowie andere UÇK-Rebellen hatten in Tschetschenien und Bosnien gekämpft und die Anwesenheit von Mudschahedin in Mazedonien bestätigt.<ref name="Deliso"></ref><ref>Колежот кај Вејце го извршиле муџахедини. In: А1 телевизија. 16. Oktober 2001, abgerufen am 18. Februar 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value), dt. „Das Massaker von Vejce wurde von Mudschaheddin begangen“; archiviert auf time.mk).</ref>

Bei dem Massaker wurden acht mazedonische Spezialkräfte und Polizisten getötet. Acht weitere mazedonische Spezialkräfte und Polizisten überlebten den Hinterhalt, sechs von ihnen trugen Verletzungen davon. Viele von den Überlebenden befanden sich im hinteren Teil der Patrouille. Nachdem die mazedonischen Spezialkräfte die Lage als aussichtslos erkannten, entfernten sie sich vom Ort des Geschehens, indem sie den Hang hinuntersprangen. Die Veröffentlichung der Verbrechen in den mazedonischen Medien führte zu einer Revolte der ethnisch-mazedonischen Bevölkerung. Das Massaker wird einer Gruppe von 15 bis 20 Männern zugeschrieben. Unter anderem wird Ali Ahmeti mit den verübten Gräueltaten in Verbindung gebracht.<ref>Natali N. Sotirovska: Ahmeti Should Face Criminal Charges For Vejce Massacre. In: Dnevnik. 14. Oktober 2001, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 3. Dezember 2001; abgerufen am 7. Juni 2014 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>Anniversary of Vejce Massacre. In: MIA. 25. April 2002, abgerufen am 7. Juni 2014 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>Eight years since the Vejce massacre. In: morm.gov.mk. 28. April 2001, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 22. Juli 2009; abgerufen am 7. Juni 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references />