Verena Boos
Verena Boos (* 1977 in Rottweil) ist eine deutsche Schriftstellerin.
Leben und Tätigkeit[Bearbeiten]
Sie studierte Anglistik, Soziologie und Scottish Studies an der Universität Konstanz, der Università degli Studi di Bologna sowie der University of Glasgow. 2005 wurde sie am Europäischen Hochschulinstitut Florenz mit einer Arbeit über nationale Identitäten und Interessen in Schottland und Katalonien promoviert.<ref>LIB 940.557 BOO. In: biblio.eui.eu. Abgerufen am 20. Februar 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
2011 war sie Stipendiatin des Klagenfurter Literaturkurs<ref>15. Klagenfurter Literaturkurs. Stadt Klagenfurt, 16. Mai 2011, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 24. März 2016; abgerufen am 18. März 2016.</ref> und im Folgejahr der Schreibwerkstatt der Jürgen Ponto-Stiftung. 2012 kam sie beim Open Mike der Literaturwerkstatt Berlin ins Finale<ref>Teilnehmer 20. open mike 2012. In: literaturwerkstatt.org. Abgerufen am 18. März 2016.</ref> und wurde wiederholt für die Bayerische Akademie des Schreibens im Literaturhaus München ausgewählt.<ref>Bayerische Akademie des Schreibens: Romane. In: literaturhaus-muenchen.de. Abgerufen am 20. Februar 2026.</ref>
2016 war sie Stipendiatin des Hessischen Literaturrats in der Aquitaine<ref>Liste der Stipendiaten in alphabetischer Reihenfolge. In: autorendb.serveradresse.net. Abgerufen am 18. März 2016.</ref> und eingeladen zum Festival du Premier Roman in Chambery.<ref>Das Festival du premier roman in Chambéry : 30 Jahre literarischer Entdeckungen durch talentierte Leser ! | Drupal. In: festivalpremierroman.com. Abgerufen am 16. Juni 2017 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
2017 arbeitet sie als Stipendiatin des internationalen Austauschprogramms „Memory Work“ der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur in Madrid am Consejo Superior de Investigaciones Científicas (Spanish National Research Council),<ref>Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur | Förderung | Internationales Austauschprogramm „Memory Work“. In: bundesstiftung-aufarbeitung.de. Abgerufen am 16. Juni 2017.</ref> Institut für Sprache, Literatur und Anthropologie. Sie ist Mitglied der Frankfurt Memory Studies Platform an der Universität Frankfurt.<ref>Verena Boos |. In: memorystudies-frankfurt.com. Abgerufen am 16. Juni 2017.</ref>
2018 war sie Stipendiatin am Literarischen Colloquium Berlin und 2022 im Herrenhaus Edenkoben.<ref>Verena Boos Rottweil, Deutschland, zu Gast im LCB: August 2018 November 2019. In: lcb.de/. Literarisches Colloquium Berlin, 2018, abgerufen am 22. Februar 2026.</ref>
Als freischaffende Autorin schrieb sie unter anderem für Der Freitag, PublikForum und ZEIT online.<ref>Verena Boos. In: zeit.de. 1. September 2017, abgerufen am 22. Februar 2026.</ref>
Sie ist Mitglied der Frankfurt Memory Studies Platform an der Universität Frankfurt.<ref>Verena Boos. In: memorystudies-frankfurt.com/. Frankfurt Memory Studies Platform (FMSP), 2026, abgerufen am 22. Februar 2026.</ref>
Für das EU-Projekt Mujeres Resistentes – Frauen im Widerstand 1936–1945 in der Förderlinie Europa für Bürgerinnen und Bürger erarbeitete und kuratierte sie die Inhalte über deutsche Frauen im Widerstand gegen den Nationalsozialismus, u. a. die Frauen in der von den Nazis so genannten Roten Kapelle und insbesondere Cato Bontjes van Beek.<ref>Kalender zum Begleitprogramm der Ausstellung. In: mujeresresistentes.eu. Volkshochschule Aachen, 2021, abgerufen am 22. Februar 2026.</ref>
Seit 2020 arbeitet sie im Landesverband der Kunstschulen Baden-Württemberg in der Vermittlung von Kunst für Kinder und Jugendliche.<ref>Start. In: jugendkunstschulen.de. Abgerufen am 22. Februar 2026.</ref>
2025 war sie Mitbegründerin des Projekts „Soolbad. Der Club“. Die soziokulturelle Graswurzelinitiative schafft Räume für Begegnung in Zeiten gesellschaftlicher Zersplitterung.<ref>Da haben sich viele gefunden. Schwarzwälder Bote, abgerufen am 22. Februar 2026.</ref>
Werke[Bearbeiten]
Ihr Debütroman Blutorangen erschien 2015 im Aufbau-Verlag Berlin. Im Rahmen ihrer Recherchen beteiligte sie sich 2011 an der Exhumierung eines Massengrabes in Spanien durch die Asociación para la Recuperación de la Memoria Histórica (ARMH).
Der Roman schildert die Geschichte einer deutsch-spanischen Familie über drei Generationen und thematisiert die Verstrickungen der Franquisten in den Krieg des Deutschen Reichs gegen die Sowjetunion und die Aufarbeitung der Geschichte der republikanischen Opfer des Franquismus.
Der Roman Blutorangen wurde im Feuilleton begeistert aufgenommen und mit dem Grimmelshausen-Förderpreis der Stadt Gelnhausen,<ref>Grimmelshausen-Preis 2015 für Schriftsteller Robert Seethaler. In: gelnhausen.de. Abgerufen am 18. März 2016.</ref> dem Debütpreis des Buddenbrookhauses in Lübeck<ref>Debüt im Buddenbrookhaus 2014/2015. Buddenbrookhaus, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 22. März 2016; abgerufen am 18. März 2016.</ref> sowie dem Mara-Cassens-Preis für das beste literarische Debüt des Jahres 2015 ausgezeichnet. 2016 folgte der Gerhard-Beier-Preis.
SWR2 wählte Blutorangen zum Buch der Woche und urteilte: „Wie Verena Boos aber jeden einzelnen ihrer zahlreichen Schauplätze mit atmosphärischen Details zum Leben erweckt […] und wie sie dies mit den präzise recherchierten Gegebenheiten im spanischen Bürgerkrieg, in der Franco-Ära oder auch der deutschen Nachkriegszeit verbindet, das zeugt von einer souveränen Schriftstellerin, die sich unterschiedlichster Sprach- und Denkmuster bedient und stoffliche Vielfalt in einen großen erzählerischen Bogen zu spannen weiß.“
Neues Deutschland befand: „Verena Boos stellt sich mit Blutorangen einer Herkulesaufgabe. […] Blutorangen ist ein Debüt, das sich abhebt. […] Verena Boos hat etwas zu sagen, das es wert ist, gehört zu werden. Sie geht in die Tiefe, ohne sich an dem schweren Stoff zu übernehmen.“<ref>Josephine Schulz: Das Schweigen der Väter. In: Neues Deutschland. 11. März 2015, abgerufen am 22. Februar 2026 (Hinter Paywall).</ref>
Ihr zweiter Roman Kirchberg erschien im September 2017 wiederum im Aufbau-Verlag Berlin<ref>Verena Boos: Kirchberg. 1. Auflage. Aufbau, Berlin 2017, ISBN 978-3-351-03690-4, S. 366.</ref> und handelt von einer Frau, die ihre Sprache verliert und in das Dorf ihrer Kindheit und Jugend zurückkehrt. Er vermittelt auf ergreifende Weise das Leben mit Aphasie und eröffnet über die Nebenfiguren eine zeithistorische Perspektive auf das Leben der italienischen Arbeitsmigranten in der Bundesrepublik.
Das Titel-Kulturmagazin schrieb dazu: „Verena Boos, deren vielbeachtetes Debüt Blutorangen begeistert aufgenommen und mit mehreren Literaturpreisen ausgezeichnet wurde, vermag es auch mit ihrem zweiten Roman ›Kirchberg‹, einen ganz besonderen Sound anzuschlagen. Sie schafft es, mit wenigen Worten – mal sprunghaft dynamisch, mal verhalten poetisch, aber immer treffsicher – eine Szenerie, eine Stimmung heraufzubeschwören.“<ref>Ingeborg Jaiser: Die zweite Spielzeit spiel ich alleine. In: Titel Kulturmagazin. 5. Februar 2018, abgerufen am 22. Februar 2026.</ref>
Und New Books in German lobte: „Kirchberg is a striking novel: simultaneously soft and harsh, its mesmerisingly understated prose is precise, beautiful and haunting – an absolute joy to read in spite of the difficult subject matter. […] The novel is full of disappointment, but the reader is transported beyond the harrowing subject matter by a novel so gripping, so relatable, and so impossible to put down.“<ref>Kirchberg. In: new-books-in-german.com/. New Books in German, 2017, abgerufen am 22. Februar 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
2018 ging Boos Walter Benjamins letzten Weg über die Pyrenäen nach und veröffentlichte darüber den Essay „Nachgehen. Eine Spurensuche auf Walter Benjamins letzter Fluchtroute“.<ref>Verena Boos: Nachgehen. In: Zeithistorische Forschungen. Nr. 15, 2018, S. 523–538.</ref> In dem für den „Zeitgeschichte digital“-Preis des Leibniz-Zentrums für Zeithistorische Forschung nominierten Text deckt sie Ungereimtheiten in der von Benjamins Fluchthelferin Lisa Fittko überlieferten Darstellung auf. Sie legt die verschiedenen Schichten medialer Überlieferung frei, worauf auch Fittkos Biografin Eva Weissweiler wiederholt Bezug nimmt.
2024 veröffentlichte sie ihren dritten Roman Die Taucherin im Berliner Kanon-Verlag. Er schildert die lebenslange Freundschaft zweier Frauen zwischen Schwarzwald und Valencia. Als eine von ihnen verschwindet, entwickelt sich eine spannende Spurensuche, die bald über das Persönliche und Familiengeheimnisse hinausgeht. Boos wendet sich in diesem Roman erneut der deutsch-spanischen Geschichte im 20. Jahrhundert und der Verstrickungen im Nationalsozialismus zu. Anhand des Themas von geraubten Kindern zeigt sie auf, wie die faschistische Vergangenheit bis in die Gegenwart fortwirkt und hinterfragt, wer die Hoheit über Geschichte hat.<ref>Isabella Caldart: „Das sind unsere blinden Flecken“. In: taz.de. 3. Dezember 2024, abgerufen am 22. Februar 2026.</ref>
Über Die Taucherin urteilte Meike Feßmann im Büchermarkt des Deutschlandfunk der Roman sei „von Licht und Wärme belebt, als wäre Verena Boos bei Joaquín Sorolla dem impressionistischen Maler des mediterranen Gleißens, in die Lehre gegangen. Nach diesem intelligenten Roman wird man sie endgültig als bemerkenswerte Schriftstellerin wahrnehmen.“<ref>Meike Feßmann: Licht und Dunkel. (PDF) In: deutschlandfunk.de. 7. August 2024, abgerufen am 22. Februar 2026.</ref>
Thomas C. Breuer schrieb, dass „Forscherinnendrang und Neugier, Unternehmungslust und Fluchtbedürfnis … aktuell in ein großartiges Buch [mündeten]: Die Taucherin.“<ref>Thomas C. Breuer: Die Taucherin. In: tc-world.com. Thomas C. Breuer, 7. Oktober 2024, abgerufen am 22. Februar 2026.</ref>
Petra Reich / Literaturreich: „Das franquistische Regime bot nach dem Krieg Nazis Fluchtmöglichkeiten zu Hauf an. Und versündigte sich in einer unheiligen Allianz mit der katholischen Kirche an unzähligen Kindern und deren Müttern und Vätern. (…) Matthias Jügler hat jüngst in seinem Roman Maifliegenzeit eine ähnliche Praxis in der DDR geschildert. (…) Und dieses Verbrechen verarbeitet Verena Boos in Die Taucherin meisterhaft. Bei all diesen traurigen, bedrückenden Themen könnte der Roman düster und melancholisch sein. Stattdessen wehen durch ihn ein wenig Mittelmeerbrise, das Flair von Valencia und das heitere Licht der mehrfach erwähnten Bilder des valencianischen Impressionisten Joaquin Sorella. Ein wirklich schönes, spannendes, erkenntnisreiches Buch. (…). Hier stimmt einfach alles.“<ref>Petra Reich: Verena Boos – Die Taucherin. In: literaturreich.de. Petra Reich, 12. September 2024, abgerufen am 22. Februar 2026.</ref>
Die Taucherin wurde in die Wanderausstellung „Von hier für alle. Bücher aus und über Baden-Württemberg“ des Börsenvereins Baden-Württemberg aufgenommen.
Veröffentlichungen[Bearbeiten]
- Bypassing regional identity : a study of identifications and interests in Scottish and Catalan press commentary on European integration, 1973–1993. Florenz 2005.
- Blutorangen. Roman. Aufbau-Verlag, Berlin 2015. ISBN 978-3-351-03594-5
- Kirchberg. Roman. Aufbau-Verlag, Berlin 2017. ISBN 978-3-351-03690-4
- Nachgehen. Eine Spurensuche auf Walter Benjamins letzter Fluchtroute, in: Zeithistorische Forschungen 15 (2018), S. 523–538.
- Die Taucherin, Kanon Verlag, Berlin 2024. ISBN 978-3-9856813-0-3
Literatur[Bearbeiten]
- Domínguez, Leopoldo: „Ich sitze hier, damit niemand vergessen kann“. Die Last der Erinnerung in Verena Boos` 'Blutorangen' und Nicol Ljubics 'Meeresstille'. In: Dolors Sabaté Planes / Sebastian Windisch (Hrsg.): Germanistik im Umbruch – Literatur und Kultur. Berlin: Frank & Timme 2019, S. 73–80.
Weblinks[Bearbeiten]
- Literatur von und über Verena Boos im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Website der Autorin
- Verena Boos beim Aufbau-Verlag
- Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Website zum Roman „Blutorangen“ ( vom 20. März 2016 im Internet Archive)
Einzelnachweise[Bearbeiten]
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| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Boos, Verena |
| KURZBESCHREIBUNG | dee Schriftstellerin |
| GEBURTSDATUM | 1977 |
| GEBURTSORT | Rottweil |