Vimperk<phonos file="Cs-Vimperk.ogg">anhören</phonos>/? (deutsch Winterberg) ist eine Stadt in Südböhmen. Sie hat ca. 7400 Einwohner und liegt nahe der deutschen Grenze zu Niederbayern. In der Nähe der Stadt beginnen der Nationalpark Böhmerwald und das Landschaftsschutzgebiet Böhmerwald. Die Stadt wurde durch Glashüttenwesen und Buchdruck, später durch Textilindustrie, Elektronik- und Möbelproduktion bekannt.
Die Stadt Vimperk besteht aus folgenden Ortsteilen:
Arnoštka (Ernstberg)
Bořanovice (Borschanowitz)
Boubská (Busk)
Cejsice (Zeislitz)
Hrabice (Rabitz): ZJS Brantlův Dvůr (Brantlhof), Hrabice, Kamenná Lhota und Městská Lada (Stadthaiden)
Klášterec (Klösterle): ZJS Huťský Dvůr (Hüttenhof) und Klášterec
Korkusova Huť (Korkushütten)
Křesanov (Kresane)
Lipka (Freiung)
Michlova Huť (Helmbach, auch Michelhütte)
Modlenice (Modlenitz)
Pravětín (Gansau)
Skláře (Glashütten)
Solná Lhota (Salzweg)
Sudslavice (Zutzlawitz)
U Sloupů
Veselka (Wessele)
Vimperk I
Vimperk II: ZJS Brantlův Dvůr (Brantlhof), Husova čtvrť, Městská lada, Nové sídliště, Pod Sklářským vrchem, Průmyslový obvod II, Schweiglův Dvůr (Schweigelhof), Sklářský vrch, Staré sídliště, U stadionu und Vimperk-střed
Vimperk III: ZJS Pod Homolkou und Průmyslový obvod I
Vnarovy (Urowitz)
Výškovice (Wischkowitz)
Zu Vimperk gehören außerdem die Wohnplätze Brantlova Pila, Hájná Hora, Huť pod Boubínem (Tafelhütten), Michlův Mlýn, Na Drozdím Dvoře, Na Radosti, Paříž (Sobor), Šerava (Scherau), Smrčí, Stará Lipka (Alt Freiung), U Hospůdky, U Obory (Thiergarten), U Víseckých und Velký Dům (Großes Haus).
Das Gemeindegebiet gliedert sich in die Katastralbezirke Arnoštka, Bořanovice u Vimperka, Boubská, Hrabice, Huťský Dvůr, Klášterec u Vimperka, Korkusova Huť, Křesanov, Lipka u Vimperka, Michlova Huť, Pravětín, Skláře u Vimperka, Solná Lhota, Veselka u Vimperka, Vimperk und Výškovice u Vimperka.
Vimperk hat ein feuchtes Kontinentalklima. Es gibt vier ausgeprägte Jahreszeiten mit ziemlich kalten und sonnigen Wintertagen. Die durchschnittlichen Temperaturen betragen im Juli nur 15,5 °C, die mittleren Temperaturen betragen im Januar −3,9 °C. Dies ist auf die geographische Lage am Ausläufer eines Mittelgebirges zurückzuführen. Der tiefste Punkt liegt 610 m über dem Meeresspiegel und der höchste Punkt erreicht 978 m über dem Meeresspiegel.
Der größte Teil der Umgebung von Vimperk wurde in der Urzeit von weitläufigen Flächen dichter Urwälder bedeckt. Erste Bemühungen, diesen zu durchdringen, machten benediktinische Mönche aus Windberg, welche 1174 die Siedlung Klášterec erbauten. Die Mönche errichteten weitere Siedlungen und benannten diese nach ihren ehemaligen Wohnorten. Eine von diesen bekam den Namen Windberg. Einen Aufschwung erlebte das ganze Gebiet durch die Gründung einer neuen Abzweigung des berühmten Goldenen Steiges, welcher ab dem 13. Jahrhundert in die Marktsiedlung unter der Burg von Vimperk führte. Der Dreißigjährige Krieg und die Einfuhr des Salzes über Budweis nach Böhmen bedeuteten das Ende des Goldenen Steiges und Vimperk sowie die ganze Gegend mussten neue Quellen für den Lebensunterhalt suchen. Es kam zur Entwicklung der Glasindustrie.
Im 15. Jahrhundert gründete der umherziehende Drucker aus Passau Johann Alacraw<ref>Michael Denis: Michael Denis k. k. Hofr. und ersten Custos der Hofbibliothek Nachtrag zu seiner Buchdruckergeschicht Wiens. gedruckt bey Johann Thomas Edlen von Trattnern kaiserl. königl. Hofbuchdrucker und Buchhändler, 1. Januar 1793, S.21 (books.google.at).</ref> in Winterberg die erste Druckerei Böhmens. Er druckte lateinische, deutsche und tschechische Inkunabeln und den ersten tschechischen Kalender für das Jahr 1485. 1870 gründete Johann Steinbrener<ref>Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Steinbrener Haus Nr.3 (Memento vom 22. Dezember 2015 im Internet Archive)</ref> dort Druckereien und im Jahre 1874 seinen eigenen Verlag J. Steinbrener, der bis heute besteht. Weit verbreitet waren seine Gebetbücher, die teilweise luxuriös mit Materialien wie Leder, Schildpatt, Perlmutt, Elfenbein und Schlangenleder gebunden waren. Ab 1874 wurden dort Volks-, Soldaten-, Lehr- und Vergnügungskalender herausgegeben.
Seit dem 19. Jahrhundert waren viele Menschen in den Industriebetrieben und in den Druckereien in Vimperk beschäftigt.
Infolge des Münchner Abkommens von 1938 war die Stadt bis 1945 als Teil des Landkreises Prachatitz an Bayern angeschlossen. Den Industriecharakter behielt die Stadt auch in der kommunistischen Ära. Nach der Samtenen Revolution im Jahr 1989 wurden eine ganze Reihe von Betrieben geschlossen. Vimperk sucht zurzeit eine neue Identität und möchte sie überwiegend im Tourismus finden.
Eine Partikularschule ist in Winterberg schon im Jahre 1495 nachgewiesen. An dieser Schule wurde den Schülern das Lesen, Schreiben und der Kirchengesang beigebracht. Aufgenommen wurden nur Knaben, und deren Eltern mussten in der Lage sein, für die Kosten aufzukommen, die aus dem Unterhalt der Schule entstanden. Ab 1571 sind die Lehrer namentlich bekannt. 1599 wird ein »Bakalaureus«, also ein akademisch gebildeter Lehrer, genannt. Ab 1603 wurden die Lehrer vom Rektor der Prager Universität nach Winterberg entsandt.
Der Dreißigjährige Krieg bewirkte einen Niedergang des Winterberger Schulwesens. Wie es heißt, drohte das Schulgebäude zur Ruine zu verkommen. Erheblich besser wurden die schulischen Verhältnisse erst in der Zeit Maria Theresias. Im Jahr 1799 unterrichteten in Winterberg zwei Lehrer in zwei Klassen 211 Knaben und 176 Mädchen, zusammen 385 Kinder. Im Jahr 1834 hatte Winterberg bereits eine dreiklassige Schule, an der ein Musterschullehrer und zwei besoldete Gehilfen tätig waren. Eine Sonn- und Feiertagsgewerbeschule wurde 1840 errichtet.
Mit dem Wachstum der Stadt und der Bevölkerung musste auch die schulische Entwicklung Schritt halten. Seit 1863 war die Volksschule vierklassig, und 1869 wurde eine fünfte Klasse eingerichtet. Die große Zahl der schulpflichtigen Kinder zwang zur Teilung der Volksschule in eine fünfklassige Knaben- und eine dreiklassige Mädchenvolksschule. Die höheren Anforderungen, die Industrie und Gewerbe an die nachwachsenden Arbeitskräfte stellten, und das allgemein gehobene Bildungsniveau erforderten die Gründung einer Knabenbürgerschule. Sie wurde am 1. Oktober 1874 im Hause Vorstadt Nr. 69 eröffnet.
Mit dem Bau eines größeren Schulgebäudes wurde 1885 begonnen, und schon am 19. September 1886 konnte die neue Knabenschule in der Bräuhausgasse Nr. 69 Stadt feierlich geweiht werden. Die vierklassige Knabenvolksschule hatte damals 205 Schüler, die Bürgerschule 87. Ein Jahr früher wurde eine Gewerbliche Fortbildungsschule gegründet, die ab 1896 in diesem Gebäude untergebracht war.
Im Jahr 1891 wurde im alten Schulhaus eine Mädchenbürgerschule eröffnet. 1897 wurde mit dem Bau einer neuen Mädchenschule im Stadtpark begonnen. Am 27. August 1899 erfolgte die feierliche Weihe und Übergabe an die Öffentlichkeit. Im Jahr 1914 wurde jedoch die 5. Klasse der Mädchenvolksschule aufgelöst und ein Jahr später auch die 4. Klasse, so dass die Mädchenvolksschule von da an nur noch als dreiklassige Schule weitergeführt werden konnte.
Dazu erfolgte in den zwanziger Jahren die Gründung einer privaten Musikschule im Hotel „Zentral“, die mehrere Jahre bestand. Sie wurde 1934 in die Musikschule Winterberg umgewandelt. Diese Lehranstalt befand sich in Wiesers Saalräumen. Direktor war Paul Pisinger, der sich in die Leitung der Schule mit Marie Sucharda und I. Nordgart-Nemeček teilte.
1909 wurde in Winterberg eine private Volksschule des tschechischen Schulverbandes gegründet, sie begann den Unterricht mit 32 Kindern. Im Jahr 1919 wurde diese Schule vom Staat übernommen und gleichzeitig wurde eine Bürgerschule eröffnet, im selben Jahr eine Gewerbliche Fortbildungsschule und zwei Jahre später eine Landwirtschaftliche Fortbildungsschule. Da die alte tschechische Schule, Haus Nr. 194 Vorstadt, den räumlichen Ansprüchen nicht mehr genügen konnte, musste der Neubau eines Schulgebäudes erwogen werden. So entstand in der Vorstadt die neue tschechische Schule, die nach dem damaligen Präsidenten Masaryk-Schule benannt wurde. Im Jahr 1936 wurde außerdem eine private zweijährige Handelsschule des tschechischen Schulvereins eröffnet, für die das Haus Nr. 127 Vorstadt, an der Prager Straße entsprechend umgebaut wurde.
Als aufgrund des Münchner Abkommens Winterberg an das Deutsche Reich angeschlossen wurde und der größte Teil der tschechischen Bevölkerung die Stadt verließ, stellten die tschechischen Schulen den Unterricht ein. Die Einrichtung der Masaryk-Schule wurde in das benachbarte Čkyn verlagert, wo bald darauf eine Bürgerschule eröffnet wurde; die tschechische Handelsschule übersiedelte nach Wolin. Die deutsche Knaben-Volks- und Bürgerschule wurde in die ehemalige Masarykschule verlegt. Im alten Gebäude in der Bräuhausgasse wurde die neue zweiklassige Handelsschule untergebracht. Im Jahre 1945 kam das endgültige Aus für die deutsche Schultradition in Winterberger.<ref>Nach F. Pimmer, Winterberg im Böhmerwald, Freyung 1987, S. 163ff.</ref>
Ältere Glashütten auf der Herrschaft Winterberg[Bearbeiten]
Gansauerhütte (1359–?) Die historische Forschung hat nie eindeutig feststellen können, wo sich die erste Glashütte Böhmens befand. Eine namhafte Gruppe von Geschichtsforschern gibt der Gansauerhütte nächst Winterberg den Ruhm, die erste Glashütte des Landes gewesen zu sein. Sie soll 1359 bereits bestanden haben.
Patscheider- (Bodscheider-) oder Kubohütte (1705–1712) Der Bürger Patscheider von Winterberg gründete 1705 die, die nach siebenjährigem Bestande auch einging.
Helmbacher oder Michelhütte (1531–1778) Die Helmbacher Hütte, später Michelhütte genannt, erscheint 1531, sie wird als die größte von allen umliegenden Hütten bezeichnet. Als Besitzer werden Johann Wlcek, Georg Krump bis 1602 genannt. Hierauf folgen von 1602 bis 1604 Elias Schürer, 1604–1626 der Wagner Johann Teml aus Gansau, 1626–1638 der Glasmeister Georg Frynta von Petrowitz bei Schüttenhofen, 1638–63 Johann Kryci aus Sablat und Adam Biebl von Rabitz, 1663–1665 wieder Georg Frynta und dessen Sohn Lorenz. 1665–1671 Johann Singer. Am 8. Juni 1671 verkaufte Singer die Glashütte in Beisein der beiden Hüttenrichter Andreas Plechinger (wahrscheinlich der von der Scherauerhütte) und Georg Stegbauer (wahrscheinlich der von der Rabenhütte), sowie aller Hüttenmeister dem Michael Müller (oft auch Müllner geschrieben) aus Oberzwieselau in Bayern. Müller erfand das farbige Kristallglas und seine Hütte erlangte Weltruf. Er machte zuerst einige Geschäftsreisen ins Ausland, später kamen die Kaufleute aus Wien, Hamburg, Danzig, Moskau selbst und die Glaswaren wurden sogar nach Indien durch die Vermittlung des Missionärs Michael Sabel geliefert. Müller war auch eine Zeitlang Besitzer der Glashütte auf dem Duschlberge bei Altreichenau in Bayern. Er starb im 70. Lebensjahr im Jahre 1709 als hochangesehener Mann. Mit der Auflösung der berühmten Helmbacher Glashütte im Jahre 1778 endete endgültig ein ruhmreiches und bewegtes Kapitel aus der Geschichte der Glaserzeugung in der unmittelbaren Umgebung Winterbergs. Aber schon sind die Pioniere geboren, die die Glasindustrie in der Stadt Winterberg selbst heimisch machten und im Verlaufe des anbrechenden 19. Jahrhunderts zu erneuter Weltgeltung führten.
Adlerhütte (1755–1798) 1755 erhielt Tobias Adler die Erlaubnis einer Hütte beim Dorfe Röhrenberg (Vierhäuser). 1759 übergab er sie an seinen Sohn Franz Adam und 1798 verkaufte sie der Adler dem Michael Müller von Bergreichenstein. Danach ging sie ein.
Thomashütte (1556–1794) In dieser Zeit und auch schon vor 1550 entstehen auch die Thomashütte (das heutige Hüttenhof), die Korkus- und die Christofhütte (Christof, Toffel = Tafelhütte). Hüttenhof wurde von Matthias Pavlik 1794 außer Betrieb gesetzt. 1586 erscheint die Glashütte, Korkushütte, welche 1687 von Matthias Khübeck aufgegeben wurde. Auf der Tafelhütte war der Glasmeister Kaspar Bauer. Vor 1585 entstand auch die Spiegelglashütte auf der Stögerhütte bei Wallern. Ihr waren als Aschenwälder die Wälder am Tussetberge bis zum Dreisessel zugewiesen. Auf der Birkenhütte (Bettelhäuser) saß ein Abkömmling der Glaserfamilie Tischler von Hüttenhof, die Hütte ging aber recht bald ein.
Rabenhütte (1562–1722) Die Spiegelglashütte „Rabenhütte“ erscheint in den Urkunden von 1562 als schon bestehend. Zuerst war sie auf dem Sattel zwischen dem Röhren- und Krustelberge, später wurde sie weiter hinunter gegen die Moldau zu verlegt. Sie gehörte der Familie Stegbauer und wurde von Adam Stegbauer im Jahre 1703 seinem Schwiegersohn Matthias Kubisch überlassen, von dem geschrieben steht, dass er meist schon einen kalten Ofen hatte 1722 wurde der Betrieb vom Fürsten Schwarzenberg eingestellt.
Scherauerhütte (1602–?) An den Quellen des Krebsbaches erbaute Balthasar Sklenar 1602 die Glashütte Scherauerhütte, welche die Krisenzeit von 1700 bis 1730 überstand und erst in den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts einging. Meist war darauf die Familie Plechinger.
Die Magerlhütte (1618–1699), später Weberhütte geheißen, und die Schlemmerhütte im Moldautale entstanden auch um diese Zeit. Während man von der Magerlhütte nur weiß, dass Michael Magerl 1618 von herumziehenden Landsknechten erschlagen wurde und die Hütte dann ein Weber übernahm, ist von der Schlemmernütte bekannt, dass dort die Glasmeisterfamilie Schlemmer, später Tischler, große und kleine Glasperlen (Pettel) erzeugte und dass sie ein gewisser Österreicher 1699 eingehen ließ.<ref>Nach Friedrich Stumpfi: Die Glaserzeugung in Winterberg und Umgebung - Eine geschichtliche Betrachtung nach Unterlagen eines in Passau gehaltenen Vortrages, in Zs. Böhmerwäldler Heimatbrief Aug./Sept. 1957</ref>
Diese konnte im Jahre 1816 den Betrieb aufnehmen. Sie bestand zunächst aus dem Glashüttengebäude, zwei Schleifen, Glasmacherwohnhäusern einer Glasstampfe, Stallungen und dem Herrenhaus des Besitzers. 1819 kam eine dritte Schleife hinzu. 200 Glasmacher und Hilfskräfte waren in Arbeit.
Nach dem Tod des Gründers Josef Mayr ging die Hütte an seinen Sohn Johann Meyr. Der Betrieb nahm einen weiteren Aufschwung. Johann Meyr gründete im Revier Schattawa eine weitere Glasfabrik, die nach der Gemahlin des Fürsten, Eleonore, Eleonorenhain benannt wurde.
Als Josef Mayr im Jahre 1841 im Alter von 64 Jahren starb, traten seine Neffen Wilhelm Kralik und Josef Taschek das Erbe unter der Bezeichnung „Mayrs Neffe“ an, und nach Tascheks Tod 1862 war Wilhelm Kralik alleiniger Besitzer. Er wurde ob seiner großen Verdienste mit dem Prädikat „von Mayrswalden“ in den österreichischen Ritterstand erhoben. Wilhelm Kralik, Ritter von Mayrswalden, starb im Jahre 1877.
Das Erbe bestand neben den Hütten Adolf und Eleonorenhain aus den hinzugekommenen Glashütten: Ernstbrunn, Franzensthal bei Außergefild und Kaltenbach. Die Hütten Eleonorenhain und Ernstbrunn erhielten die Söhne Johann und Heinrich; Adolf, Franzensthal und Kaltenbach bekamen Karl und Hugo.
Nach dem Tode von Hugo von Kralik war Karl von Kralik alleiniger Besitzer der drei Glashütten. Unter seinem Sohn Albert wurden die Hütten von Franzensthal und Kaltenbach aufgelassen. 1922 wurde die Glasfabrik Adolf an die Firma Karlsbader AG Ludwig Moser & Söhne verkauft. 1932 ging sie an eine neu gegründete Aktiengesellschaft unter tschechischer Leitung und nannte sich „Kristallglasfabriken Meyrs Neffe AG Adolf bei Winterberg“. 1937 waren noch 40 Arbeiter tätig.
1945 wurde nach der Vertreibung der deutschen Glasmacher die Fabrik einer volkseigenen Glasfabrik Bohemia in Poděbrad zugeteilt.<ref name=":0">Fritz Pimmer: Winterberg im Böhmerwald, Freyung 1987, S. 91 ff.</ref>
Die Firma begann als Buchbinderwerkstatt des Buchbinders Johann Steinbrener im Jahre 1855. Die Werkstatt wurde nach kurzer Zeit durch einen Brand zerstört. Nach dem Neubeginn arbeiteten zunächst 4 Gesellen, aber durch guten Absatz konnte die Zahl der Mitarbeiter vermehrt und neue Betriebsräume erworben werden.
Ab 1872 druckte Steinbrener in einer eigenen Druckerei Gebetbücher, ein Jahr später auch Kalender, in drei, bald schon sechs Sprachen. Im Jahr 1890 wurden 320 Verlagswerke von 400 Mitarbeitern hergestellt. Fabriksniederlagen entstanden in Wien, im europäischen Ausland und in Amerika. Zehn Jahre später wurden 490 Verlagswerke in elf Sprachen gedruckt. Nach dem Tod des Firmengründers im Jahre 1909 führten dessen Söhne Johannes und Rudolf das Werk fort.
Die Produktion gliederte sich in zwei Hauptzweige: die Erzeugung von Gebetbüchern in verschiedenen Sprachen und die Herstellung von volkstümlichen Buchkalendern.
1937 arbeiteten nahezu 1000 Personen in den ausgedehnten Betrieben. Dampf- und Wasserkraftanlagen, eine eigene Bronzewarenfabrik zur Herstellung von Buchbeschlägen, eine Goldschlägerei und viele Spezialanlagen standen neben der größten Buchbinderei des Landes mit fast 400 Maschinen und einer modern eingerichteten Buchdruckerei zur Verfügung.
Mit dem Anschluss des Sudetenlandes an das Deutsche Reich im Jahre 1938 begann der Niedergang des Unternehmens Steinbrener in Winterberg. Die Firma wurde von den neuen Machthabern vor allem wegen seiner Bucherzeugnisse religiösen Inhalts und seiner internationalen Beziehungen in jeder Form diskriminiert. Der Inhaber Rupert Steinbrenner verstarb im Jahre 1940; 1944 wurde der Verlag geschlossen. Nach 1945 wurden die Firmeninhaber durch den tschechoslowakischen Staat enteignet.
Nach der Vertreibung der Firmeninhaber in Winterberg wurde die Tradition der Firma unter dem Namen J. Steinbrener in Schärding/Oberösterreich fortgesetzt. Hauptarbeitsgebiet ist wieder die Buchbinderei. Nachkommen der Familie Steinbrener führen die Firma weiter.<ref name=":0" />
Die Bein- und Elfenbeinfabrik J. A. Jicha[Bearbeiten]
Johann Anton Jicha (1855–1902), ein Elfenbeinschnitzer aus der Schweiz, welcher bei Johann Steinbrener in Winterberg beschäftigt war, wo er Buchdeckel und Anhänger für Gebetbuch-Lesezeichen u. a. aus Bein fertigte, machte sich im Jahre 1875 selbständig und gründete die Bein- und Elfenbeinwarenfabrik J. A. Jicha. Er holte sich zunächst Schnitzer aus dem Odenwald nach Winterberg, später wurden einheimische Arbeitskräfte angelernt. Anton Jicha starb im Jahr 1902. Er hatte nach dem Tod seiner ersten Frau in zweiter Ehe Anna Lindenberg (1854–1926) aus Stettin geheiratet. Diese leitete den Betrieb erfolgreich ihrem Tod im Jahr 1926. Dann übernahm die jüngere ihrer beiden Töchter Gertrud, verehelichte Neuwerth die Firma, die ältere Tochter war die Opernsängerin Susanne Jicha (1889–1932).
Im Jahre des 50. Firmenjubiläums waren dreißig Mitarbeiter beschäftigt, die aus dem Material Elfenbein lebensnahe Gestalten zu schaffen wussten. Neben kunstvoll modellierten Einzelstücken wurden andere Erzeugnisse in großer Zahl hergestellt: winzige Bildstöcke (Marterln) und Altäre, die besonders in Wallfahrtsorten sehr gefragt waren, Broschen, Nippsachen und Reiseandenken. Modeschmuck wie Halsketten, Armreifen und Armbänder gehörten ebenso zum Fertigungsprogramm wie Artikel aus Kunstharz und Gebrauchsgegenstände des Alltags, z. B. Zigarettenspitzen, Knöpfe u. ä. Ca. 67 Prozent der Produktion wurden exportiert, besonders nach Österreich, Polen, Frankreich und in die Schweiz, auch nach Amerika. 1945 wurden die Inhaber von der tschechoslowakischen Regierung enteignet.<ref name=":0" />
Im Jahre 1903 begann die in Prag ansässige Firma M. Joss & Löwenstein in Winterberg in Heimarbeit Hemdenkrägen, Ärmelmanschetten und Vorhemden nähen zu lassen. Der Bau eines Fabrikgebäudes erfolgte auf fürstlichem Grund unweit des Bahnhofs beim Rennhofteich. Der erste Bauabschnitt war 1907 vollendet, und noch im gleichen Jahr wurde dort die Wäscheproduktion aufgenommen. In den nächsten Jahren wurden Büroräume und Angestelltenwohnhäuser hinzugebaut.
Bis zu Beginn des Ersten Weltkriegs stieg die Beschäftigtenzahl ständig, bis sie 350 erreicht hatte. Sie schwankte dann je nach Geschäftslage; in Zeiten großer Nachfrage stieg sie auf fast 500. Die zumeist weiblichen Arbeitskräfte kamen nur zu einem kleinen Teil aus der Stadt, die meisten waren in den Dörfern der Umgebung beheimatet.
Nach dem Anschluss des Sudetenlandes 1938 ging die Wäschefabrik in den Besitz des Bielefelder Fabrikanten Seidensticker über. Nach 1945 wurden die Besitzer der Wäschefabrik entschädigungslos enteignet. Diese wurde in das „volkseigene“ Unternehmen „Šumavan“ eingegliedert, dem im Winterberger und Prachatitzer Gebiet sieben Betriebe angehören.<ref name=":0" />
Schloss Vimperk, 1698 wurde von Fürst Johann Adolf von Schwarzenberg aus der ehemaligen Burg von 1260 das Schloss erbaut, heute Stadtmuseum mit Exponaten der örtlichen Glaserzeugung (seit 1359), Holzverarbeitung und der Buchdruckerkunst (seit 1484). Oberhalb davon befindet sich die Ruine Haselburg.
Die Pfarrkirche Mariä Heimsuchung befindet sich am Beginn des Stadtplatzes. Das Erbauungsjahr der Kirche ist mit 1365 angegeben, es ist aber nicht auszuschließen, dass das Bauwerk wesentlich älter ist. Die Kirche besitzt ein asymmetrisches Doppelschiff mit einem Kirchturm in der Südwestecke und einer im Jahr 1500 angebauten St.-Anna-Kapelle. Weitere Umbauten wurden um 1600 sowie im 18. und 19. Jahrhundert durchgeführt. Das Kirchenschiff ist von einem Netz-Kreuzgewölbe überwölbt. An der Nordseite ist eine fragmentarische Wandmalerei aus dem 15. Jahrhundert zu erkennen, die die 10.000 Märtyrer darstellt. Der Hochaltar ist mit einer Schönen Madonna von 1410 geschmückt. Im Hochaltar und im verglasten Grabmal befinden sich Reliquien des heiligen Innozenz aus dem Jahr 1768.
In der Stadt befand sich ein Werk der Tesla a.s. Dieses arbeitete seit 1991 für die Firma Rohde & Schwarz, welches das Werk 2001 komplett übernahm und bis heute betreibt.
Franz Heissler (1868–1945), österreichischer Bergingenieur und Politiker
Josef Puhani (1878–1947), Autor des Werks Chronologische Notizen zur Geschichte von Winterberg und Umgebung: 1195–1926,<ref>kohoutikriz.org; Josef Puhani: Z chronologických záznamů k dějinám Vimperka a okolí v roce 1918–1919. (tschechisch, kohoutikriz.org).</ref>
Der Altenpfleger Jan Kraus, einer der beiden Protagonisten des Romans Winterbergs letzte Reise von Jaroslav Rudiš, stammt aus Vimperk.<ref>Jaroslav Rudiš: Winterbergs letzte Reise. München 2019. S. 40.</ref>