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Vorbeireden

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Vorbeireden (auch: Danebenreden, engl.: talking past the point) ist in der Psychiatrie die falsche Beantwortung einer Frage als Symptom einer formalen Denkstörung.<ref name=":0">Uwe Henrik Peters: Lexikon Psychiatrie. 7. Auflage. Elsevier, München 2017, ISBN 978-3-437-15063-0, S. 657</ref> Es handelt sich um ein psychopathologisches Symptom. Auf gestellte Fragen wird nicht eingegangen, obwohl sie inhaltlich verstanden sowie erfasst wurden, die Antwort bekannt oder offensichtlich ist und keine Absicht bestand, die Frage unbeantwortet zu lassen.

Das umgangssprachliche „Drumherumreden“<ref>https://de.wiktionary.org/wiki/vorbeireden</ref>, auch „Aneinander-Vorbeireden“ (weil man sich gegenseitig nicht richtig versteht) ist hier nicht gemeint.<ref name=":1">Rolf-Dieter Stieglitz, Achim Haug: Das AMDP-System (Manual zur Dokumentation des psychischen Befundes), 11. Aufl. 2023, S. 56, hogrefe, ISBN 978-3-8017-3193-9.</ref> Zudem ist Vorbeireden in der Psychiatrie davon zu unterscheiden, wenn absichtlich eine falsche Antwort gegeben wird (z. B. „um den heißen Brei reden“ bei Politikern oder Vermeiden des Themas bei sexuellen Gesprächsinhalten.)

Einordnung[Bearbeiten]

Im AMDP-System (System zur Erstellung des psychiatrischen Befundes) findet sich Vorbeireden unter Nr. 23 bei den formalen Denkstörungen.<ref name=":1" />

Beschreibung[Bearbeiten]

Auf bestimmte Fragen bringen die Erkrankten, obwohl die Frage gut verstanden wurde, Äußerungen hervor, die nur marginal einen Zusammenhang mit der Frage erkennen lassen.<ref name=":0" /> Oft entsteht der Eindruck, als werde absichtlich eine sinnlose oder falsche Antwort gegeben.

Beispiele[Bearbeiten]

Untersucher: „Kennen Sie so etwas wie einen inneren seelischen Druck bei sich?“ Patient: „Ja, ich habe einen hohen Blutdruck.“ Untersucher: „Erinnern Sie sich noch an meine Frage?“ Patient: „Ja. Sie wollten wissen, ob ich einen inneren Druck verspüre.“<ref name=":1" />

Der junge Mann sagt, es sei ein „Kopfsalat“ in seinen Gedanken gewesen. Eine Art hypnotischer Einfluss sei auf seine Gedanken gegangen, die dadurch unklar geworden und durcheinander geraten seien. Dann schweigt er lange und bringt schließlich vor: „Einen Sexualkomplex hat schließlich jeder vor dem 20. Lebensjahr.“ Auf Fragen dazu sagt er zunächst nichts und später: „Calderons großes Welttheater“.<ref name=":2">Christian Scharfetter: Allgemeine Psychopathologie. Eine Einführung . 8., unveränderte Auflage. Thieme, Stuttgart 2020, ISBN 978-3-13-243844-6, S. 152.</ref> (bei Schizophrenie)

Diagnostik[Bearbeiten]

Das Syndrom wird in der psychiatrischen Untersuchung, im Gespräch zwischen Arzt und Patient, diagnostiziert. Es ergibt sich aus dem Gesprächsverlauf. Es wird jedoch nicht vom Patienten selbst berichtet. Der Untersucher muss sich vergewissern, dass der Patient die Frage richtig verstanden hat. Man kann z. B. folgende Fragen stellen: „Können Sie noch einmal wiederholen, was ich Sie eben gefragt habe?“<ref>Erdmann Fähndrich, Rolf-Dieter Stieglitz: Leitfaden zur Erfassung des psychopathologischen Befundes. 6. Auflage. hogrefe, Göttingen 2023, ISBN 978-3-8017-3114-4, S. 56.</ref>

Abgrenzung (Differentialdiagnose)[Bearbeiten]

Ursachen[Bearbeiten]

Vorbeireden kann entstehen, wenn der Patient im Gespräch auf seinen Gesprächspartner nicht eingehen kann oder will. Dies kann aus Abwehr sein oder weil der Patient mit Anderem als den zur Rede stehenden Dingen beschäftigt ist.<ref name=":2" /> Auftreten bei Schizophrenie, jedoch auch anderen psychiatrischen Erkrankungen.

Behandlung[Bearbeiten]

Diese erfolgt im Rahmen der Behandlung der Grundkrankheit.

Literatur[Bearbeiten]

  • Rolf-Dieter Stieglitz, Achim Haug: Das AMDP-System (Manual zur Dokumentation des psychischen Befundes), 11. Aufl. 2023, hogrefe ISBN 978-3-8017-3193-9.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references /> Vorlage:Hinweisbaustein