Walder Kotten
Der Walder Kotten ist ein unter Denkmalschutz stehender ehemaliger Betriebs- und Fabrikgebäudekomplex aus dem 19. Jahrhundert an der Locher Straße 17 in Solingen. Er beherbergt unter anderem das Laurel & Hardy Museum.
Gebäude[Bearbeiten]
Bei dem ursprünglichen Gebäude handelt es sich um eine mechanische Werkstatt und Fabrik in Solingen-Wald. Das gesamte Ensemble steht auf einem etwa 850 m² großen Grundstück und hat eine bebaute Fläche von etwa 350 m², wovon die ehemalige Fabrik mit Kontor etwa 240 m² Fläche beansprucht.<ref>Alle Maße nach https://www.tim-online.nrw.de/</ref>
Das Ensemble besteht aus folgenden Gebäudeteilen die im Laufe seiner Geschichte mehrfach angebaut wurden.<ref name="Info">Infoflyer des WALDer Bürgerverein 1861 e.V. ((PDF; 110 kB)) In: buergergilde-wald.de. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 2. Oktober 2015.</ref>
- ein verschiefertes Fachwerkhaus, in dem heute ein Kindergarten untergebracht ist
- ein daran angebautes zweigeschossiges Gebäude, der ehemaligen Werkstatt
- ein eingeschossiger Anbau, ehemaliges Kontor
- ein angebautes Fabrikgebäude in Ziegelbauweise, welches als eigentlicher Walder Kotten bezeichnet wird
Geschichte[Bearbeiten]
Eduard Vock erwarb 1873 das Fachwerkhaus und errichtete den Anbau als Betriebsstätte. Hier wurden zunächst Spiralbohrer hergestellt. 1885 wurde der Betrieb an den Sohn Carl Vock übergeben. Dieser erweiterte die Produktion um die Herstellung von Knöpfen und feinmechanischen Werkzeugen für Uhrmacher und errichtete 1890 das Fabrikgebäude und das Kontor. Carl Vock hatte mit seiner frühzeitig verstorbenen ersten Frau einen Sohn, Willibald und mit seiner zweiten Frau zwei weitere Kinder, Thea und Eugen. Nach dem Tod von Carl Vock führte Sohn Willibald den Betrieb von 1944 bis 1962 in den Gebäuden weiter. Thea und Eugen Vock wurden Ärzte, Thea führte ihre Praxis in dem Fachwerkhaus an der Locher Straße bis 1964.<ref name="Info" />
Die Firma Kücke & Co. aus Wuppertal<ref>Kücke Firmenhistorie. In: new-hifi-classic.de. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 4. März 2016.</ref> übernahm den Betrieb 1962. Die Produktion wurde auf Fernmeldetechnik umgestellt, Hauptabnehmer waren die Deutsche Bundespost und T & N. Die Produktion wurde 1994 eingestellt.<ref name="Info" />
In dem Fachwerkhaus eröffnete am 15. April 1991 die Elterninitiative Kunterbunt e.V. den Kindergarten Knusperhaus.<ref>20 Jahre Knusperhaus (Seite dauerhaft nicht mehr abrufbar, festgestellt im Mai 2019. Suche im Internet Archive) auf elterninitiative-kunterbunt.de abgefragt am 18. Oktober 2015.</ref>
Das Fabrikgebäude wurde am 16. Oktober 1984 in die Liste der Baudenkmäler in Solingen-Wald eingetragen. Unter der Nummer 87 ist es als Beispiel für Wohnen und Arbeiten im 19. Jahrhundert beschrieben.<ref name="Info" /> Es wurde zwar das innere und äußere des Gebäudes unter Schutz gestellt, jedoch wurde versäumt das Inventar mit aufzunehmen. Ein großer Teil dieses Inventars ist daher verschrottet worden.<ref name="Anfrage">Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Stadt Solingen – BEANTWORTUNG VON ANFRAGEN, 24. Februar 2010, Anfrage zu Walder Kotten – Locher Straße 17 ( vom 4. März 2016 im Internet Archive) (PDF; 57 kB) auf solingen.de, abgerufen am 18. Oktober 2015.</ref>
Die Stadt Solingen erwarb die Immobilie und fasste 1988 den Beschluss, sie für die geplante Südumgehung Wald abzureißen. Wegen des massiven Widerstands der Bevölkerung, vor allem der Eltern der Kinder des Kindergartens, wurde dieses Vorhaben jedoch aufgegeben. Durch eine Umplanung der Südumgehung (heute Rembrandtstraße) konnte die Anlage erhalten werden, die restlichen Gebäude wurden zusammen mit dem Fabrikgebäude als Ensemble unter Denkmalschutz gestellt.<ref name="Info" />
Ende 1999 stellte sich die Frage, wie man den Walder Kotten erhalten und sinnvoll nutzen kann. Private Initiativen wie der Freundeskreis Walder Kotten arbeiteten dabei mit der Stadt Solingen zusammen. Ab September 2000 führte die Sport- und Kulturzentrum Ittertal gGmbH im Rahmen einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme mit fünf Teilnehmern im Auftrag des Freundeskreises ein einjähriges Sanierungsprojekt durch.<ref name="ST20010901">Ein Stück Solinger Wohn- und Arbeitstradition – Der Walder Kotten präsentiert sich seinen Besuchern frisch renoviert, Bericht des Solinger Tageblattes vom 1. September 2001, S. 12.</ref><ref>Broschüre Stadtentwicklungsprojekt Solingen-Fuhr, 2001, S. 44 (PDF; 5,7 MB) (Seite dauerhaft nicht mehr abrufbar. Suche im Internet Archive) auf edoc.difu.de, abgerufen am 18. Oktober 2015.</ref> Die Bezirksvertretung Wald unterstützte die Arbeiten mit 3.000 DM für die Fenstersanierung.<ref>Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.AMTSBLATT DER STADT SOLINGEN vom 14. Dezember 2000 S. 3 ( vom 4. März 2016 im Internet Archive) (PDF; 52 KB) auf solingen.de, abgerufen am 18. Oktober 2015.</ref> Mieter des Kottens wurden der in der Lokalpolitik aktive Dr. Hans-Joachim Müller–Stöver<ref>Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Dr. Hans-Joachim Müller–Stöver ( vom 4. März 2016 im Internet Archive) auf nrwspd.de abgefragt am 18. Oktober 2015.</ref> und Alida Immer, Trägerin des Ehrenrings der Stadt Solingen.<ref>Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Der Ehrenring der Stadt Solingen ( vom 13. Mai 2016 im Internet Archive) auf solingen.de, abgefragt am 18. Oktober 2015.</ref><ref name="ST20010901" /> In dem renovierten Packraum sollte ein Walder Heimatmuseum entstehen.<ref name="Info" /> 2001 wurde das LVR-Industriemuseum Solingen angefragt, um in einer Kooperation den Walder Kotten eine Nebenstelle des Industriemuseums werden zu lassen.<ref>Jahresrundschreiben des Förderverein Industriemuseum e.V. vom Dezember 2001. (PDF; 244 kB) In: foerderverein-rimsg.de. S. 1, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 4. März 2016.</ref>
Ende 2002 verstarb Alida Immer und Dr. Müller–Stöver rückte in den Stadtrat Solingen nach.<ref>Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.AMTSBLATT DER STADT SOLINGEN vom 27. Dezember 2002 S. 2 ( vom 19. Februar 2005 im Internet Archive) (PDF; 266 KB) auf solingen.de, abgerufen am 18. Oktober 2015.</ref> Anfang 2003 gelang es Dr. Müller–Stöver das Laurel & Hardy Museum in das Walder Kotten zu holen.<ref name="Info" /> Das Ehepaar Günther zeigte seine Sammlung zum Komiker-Duo Stan Laurel und Oliver Hardy davor in privaten Räumen in der Bismarckstraße in Solingen-Mitte. Am 29. März 2003 wurde das Museum auf etwa 70 m² im Walder Kotten wieder eröffnet.<ref>Comeback: Vorhang auf für Dick & Doof, Bericht des Solinger Tageblattes vom 29. März 2003, S. 12.</ref><ref>Am 29. März 2003 wurde das neue LAUREL & HARDY – MUSEUM im WALDER KOTTEN Locher Straße 17, 42719 Solingen -Wald eröffnet. auf peter-goltsche.de abgefragt am 18. Oktober 2015.</ref>
Die Schützen- und Bürgergilde Wald mietete seit 2006 einen Teil des Ensembles und trieb mit Unterstützung örtlicher Handwerksbetriebe und der Stadt Solingen die Sanierung voran. 2010 kam es zum Konflikt zwischen dem Mieter und den Denkmalschützern über den Erhalt des alten, unregelmäßigen Holzboden mit seinen starken Gebrauchsspuren.<ref>Solingen: Bürgergilde kämpft um den Kotten. In: Solinger Morgenpost. 4. März 2010, abgerufen am 11. Juli 2024.</ref> Im Sommer 2010 konnte eine Einigung erzielt werden, so dass ein neuer Ofen auf einer Betonplatte platziert werden sollte.<ref>Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Stadt Solingen – Protokoll über die 7. Sitzung der Bezirksvertretung Wald am 6. September 2010, S. 7 ( vom 8. Dezember 2015 im Internet Archive) (PDF; 68 KB)auf solingen.de, abgerufen am 18. Oktober 2015.</ref> Für den Werkstattofen hatte die Bezirksvertretung Wald bereits im April 2010 einen Betrag von bis zu 1.000 Euro bewilligt.<ref>Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Stadt Solingen – Protokoll über die 5. Sitzung der Bezirksvertretung Wald am 26. April 2010, S. 7 ( vom 8. Dezember 2015 im Internet Archive) (PDF; 68 KB) auf solingen.de, abgerufen am 18. Oktober 2015.</ref> Der Plan für den weiteren Umbau der 200 m² sah im Herbst 2010 vor, eine WC-Anlage im tiefer liegenden Nebenraum unterzubringen. Die noch vorhandenen alten Maschinen waren für Schauzwecke vorzubereiten. Zur Information über die Geschichte des Kottens war eine Vitrine vorgesehen.<ref>UMBAU Denkmalschutz und Gilde nähern sich an. Noch vor Weihnachten sollen die Bauanträge für die Kulturstätte raus, Bericht des Solinger Tageblattes vom 26. November 2010, S. 16, online mit Datum vom 24. September 2014, abgerufen am 18. Oktober 2015.</ref> Für eine neue Beleuchtung mit Lampen, die der Epoche des Gebäudes entsprechen, gab es eine 2.000 Euro Spende der Stadt-Sparkasse Solingen.<ref name="Info" />
Kurz vor Weihnachten 2013 sperrte die Stadt die vom Laurel & Hardy Museum und der Bürgergilde genutzten Gebäude, da bei einer Untersuchung mögliche Schäden an der Dachkonstruktion festgestellt wurden.<ref>Solingen: Bauschäden: Stadt macht Museum dicht Bericht der Solinger Morgenpost vom 20. Dezember 2013, abgerufen am 18. Oktober 2015.</ref> Nach einer ersten Begehung der Gebäude konnte das Laurel & Hardy Museum schon drei Wochen später wieder geöffnet werden.<ref>Solingen: Laurel und Hardy Museum kann wieder öffnen. In: Solinger Morgenpost. 9. Januar 2014, abgerufen am 18. Oktober 2015.</ref> Im September 2014 wurde das Gebäude wegen Einsturzgefahr gesperrt.<ref>Simone Theyßen-Speich: Einsturzgefahr: Stadt sperrt Walder Kotten. In: Solinger Tageblatt. 23. September 2014, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 29. September 2015.</ref> Im Juli 2015 fusionierten die Schützen- und Bürgergilde Wald 1861 und der Bürgerverein Wald zum Walder Bürgerverein 1861. Der Walder Bürgerverein nutzt das Gebäude seither für kulturelle Zwecke.<ref name=":0">Die Gebäude - Die Geschichte | Walder-KulturKotten. Abgerufen am 20. Juli 2026.</ref>
Heutige Nutzung[Bearbeiten]
- In dem Fachwerkhaus ist seit 1991 der Kindergarten Knusperhaus untergebracht, dieser nutzt auch einen Teil der Außenanlagen.
- In dem Fabrikgebäude ist seit 2003 unter anderem das Laurel & Hardy Museum untergebracht
- In den Räumen, die der Walder Bürgerverein 1861 gemietet hat, finden Veranstaltungen des Vereins und andere kulturelle Events wie Lesungen, Ausstellungen und Konzerte statt.<ref name=":0" />
Von dem ursprünglichen Inventar der Fabrik sind noch eine Schmiede mit Esse und Amboss, Fräs-, Hobel- und Drehbänke, Niet- und Bohrmaschinen, ein Härteofen, Pressen, andere Werkzeugmaschinen und Kleinwerkzeuge vorhanden oder wurden nachgekauft. Diese könnten künftig in einem Walder Heimatmuseum ausgestellt werden.<ref name=":0" />
Weblinks[Bearbeiten]
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references />
Koordinaten: 51° 10′ 50″ N, 7° 2′ 34,9″ O
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