Walter Lessing
Walter Amand Anton Lessing (* 21. Mai 1881 in Oberlahnstein; † 1. März 1967 ebenda) war ein deutscher Industrieller und Politiker.
Leben[Bearbeiten]
Walter Lessing wurde als eines von acht Kindern des deutsch-russischen Industriellen Anton Lessing und seiner Ehefrau Lydia de Cuyper (1848–1904), Tochter des belgischen Mathematikers Antoine de Cuyper, geboren.<ref name="NDB_Anton">Clemens Lessing: Lessing, Anton. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 14. Duncker & Humblot, Berlin 1985, ISBN 3-428-00195-8, S. Vorlage:VonBis (deutsche-biographie.de).</ref> Sein Vater konvertierte vom jüdischen zum evangelischen Glauben.<ref>Hermann Schäfer: Alfred Lessing. In: Die Rotary Clubs im Nationalsozialismus. Die ausgeschlossenen und diskriminierten Mitglieder; ein Gedenkbuch. Wallstein-Verlag, Göttingen 2024, ISBN 978-3-8353-5635-1, S. 484 f.</ref> Walter hatte mindestens drei Brüder, darunter der Landwirt Friedrich Karl Anton „Fred“ Lessing (1876–1959) und der Hütteningenieur Gottfried Lessing (1877–1950), Vater des Diplomaten Gottfried Lessing und der Kulturpolitikerin Irene Gysi. Nach dem Besuch des Gymnasiums in Koblenz studierte er Rechtswissenschaften an der Universität Leipzig sowie fünf Semester an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg (SS 1902 bis SS 1904)<ref>Adressbuch der Ruprecht-Karls-Universität in Heidelberg. Sommer-Halbjahr 1902. Universitäts-Buchhandlung von Karl Groos, Heidelberg 1902, S. 39, doi:10.11588/diglit.2685 (die mit * bezeichneten Studierenden sind zur Immatrikulation vorgemerkt). – Adressbuch der Ruprecht-Karls-Universität in Heidelberg. Sommer-Halbjahr 1904. Universitäts-Buchhandlung von Karl Groos, Heidelberg 1904, S. 40, doi:10.11588/diglit.2685.</ref> und promovierte zum Doktor beider Rechte. Er absolvierte 1900 ein kaufmännisches Praktikum in England und trat 1904 als einziger der Söhne von Anton Lessing in den väterlichen Betrieb in Russland ein und erlernte das Bankgeschäft. 1912 wohnte er als Direktor der Gesellschaft „Robotnik“ in Haus Nr. 33 der Kasaner Straße (Uliza Kasanskaja) in Sankt Petersburg.<ref>Larissa Iljinitschna Broitman: {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value). Zentrpoligraf/MiM-Delta, Moskau/Sankt Petersburg 2008, ISBN 978-5-9524-3776-0, S. 169.</ref>
Im Ersten Weltkrieg war Lessing Hauptmann der Reserve und als Verbindungsoffizier zu den bulgarischen Besatzungsbehörden in Mazedonien eingesetzt.<ref></ref> Nach dem Friedensvertrag von Brest-Litowsk wurde er im Sommer 1918 der „Deutschen Wirtschaftskommission“ unter Major Wilhelm Henning als Berater beigegeben.<ref>Karl Freiherr von Bothmer: Moskauer Tagebuch 1918. Bearb. von Winfried Baumgart. Hrsg.: Gernot Böhme. Schöningh, Paderborn [u. a.] 2010, ISBN 978-3-506-76519-2, S. 101, Fn. 302.</ref> Anderen Angaben zufolge war er Artillerieoffizier an der Westfront.<ref name="RPPD">Walter Lessing in der Rheinland-Pfälzischen PersonendatenbankVorlage:Abrufdatum </ref>
Nach Kriegsende verfasste er Flugschriften der Antibolschewistischen Liga.<ref>Othmar Plöckinger: Unter Soldaten und Agitatoren. Hitlers prägende Jahre im deutschen Militär 1918–1920. Schöningh, Paderborn [u. a.] 2013, ISBN 978-3-506-77570-2, S. 275.</ref><ref>Bernhard Duhr: Übersicht. Der Bolschewismus. In: Stimmen der Zeit. Band 97, Nr. 2, 1919, S. 133–148 (digitheo.de).</ref>
Er war Stadtratsmitglied, Begründer und Kreisvorsitzender der Europa-Union Lahnstein.<ref name="RPPD" />
Am 26. Mai 1961 ernannte die Stadt Oberlahnstein den Kommunalpolitiker und Förderer des kulturellen Lebens zum Ehrenbürger; am 12. November 1968 benannte sie die Dr.-Walter-Lessing-Straße nach ihm.<ref name="RPPD" />
Walter Lessing starb 1967 im Alter von 85 Jahren und wurde in der Familiengruft auf dem Friedhof an der Sebastianusstraße in Lahnstein beigesetzt.<ref name="RPPD" /> Der Ministerialdirigent Clemens Lessing, langjähriger Bundesvorsitzender der Deutschen Vereinigung für Politische Bildung, war sein Sohn.<ref name="NDB_Anton" />
Schriften[Bearbeiten]
- Der Bolschewismus in Rußland und seine Wirtschaftspolitik (= Revolutions-Flugschriften des Generalsekretariats zum Studium des Bolschewismus. Heft 1). Alexander Grübel, Berlin 1919 (8 S.; auch in: Bolschewismus (= Kriegshefte der Süddeutschen Monatshefte). Januar 1919, S. 265–269, Digitalisat).
- Mikrofiche-Ausgabe: Belser Wissenschaftlicher Dienst, Wildberg 1992, ISBN 3-628-00982-0.
- Revolution, Politik und Selbstvertrauen (= Revolutions-Flugschriften; Neue Folge. Heft 1). Generalsekretariat zum Studium und zur Bekämpfung des Bolschewismus, Berlin 1919 (11 S.).
- Zahlenwahnsinn und Bolschewismus. Geisteskrankheiten des Weltkrieges (= Revolutions-Flugschriften; Neue Folge. Heft 2). Generalsekretariat zum Studium und zur Bekämpfung des Bolschewismus, Berlin 1919 (4 S.).
- Deutschland und Ost-Europa. Vortrag, gehalten auf dem Ligakursus am 13. Januar 1921. Liga zum Schutze der deutschen Kultur, Berlin 1921 (24 S.).
- Vater und Sohn im Zarenreich 1859–1914, vom Sohne. Selbstverlag, Oberlahnstein [um 1955] (50 Bl., Typoskript).
Literatur[Bearbeiten]
Weblinks[Bearbeiten]
- Literatur von und über Walter Lessing im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Vorlage:Deutsche Biographie/core
- Walter Lessing in der Rheinland-Pfälzischen PersonendatenbankVorlage:Abrufdatum
- Genealogie
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references />
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Lessing, Walter |
| ALTERNATIVNAMEN | Lessing, Walter Amand Anton (vollständiger Name); Lessing, Walter Armand |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Industrieller und Politiker |
| GEBURTSDATUM | 21. Mai 1881 |
| GEBURTSORT | Oberlahnstein |
| STERBEDATUM | 1. März 1967 |
| STERBEORT | Oberlahnstein |