Walther Schieck

Karl Alfred Walther Schieck (* 24. August 1874 in Dresden; † 23. April 1946 ebenda) war ein deutscher Politiker (DVP). Er war von Mai 1930 bis März 1933 Ministerpräsident des Freistaats Sachsen, der letzte demokratisch gewählte vor der NS-Zeit.
Leben[Bearbeiten]
Schick absolvierte sein Jurastudium an den Universitäten Heidelberg (wo er der Studentenverbindung Leonensia beitrat<ref>Miltenberger Ring: General-Verzeichnis der Mitglieder des Miltenberger Rings. Tübingen 1931, S. 20.</ref>) München und Leipzig. Ab 1906 war er im sächsischen Finanzministerium tätig, wo er 1911 zum Finanzrat, 1915 zum Oberfinanzrat aufstieg. Im Ersten Weltkrieg diente er in der Kavallerie als Rittmeister und wurde mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet. Nach der Novemberrevolution 1918 blieb er auch im neu ausgerufenen Freistaat Sachsen Ministerialbeamter, ab 1919 war er Vortragender Rat im Finanzministerium. Seit dem 1. Januar 1923 war Schieck Präsident des sächsischen Staatsrechnungshofes.
Schieck war Mitglied der DVP<ref>Andreas Wagner: Walther Schieck. Der Ministerpräsident der Krise (1930–33). In: Schmeitzner / Wagner (Hrsg.): Von Macht und Ohnmacht. Sächsische Ministerpräsidenten im Zeitalter der Extreme 1919–1952. Sax-Verlag, Beucha 2006, S. 241–256, hier S. 247.</ref> und wurde am 6. Mai 1930 zum sächsischen Ministerpräsidenten gewählt. Für ihn stimmten die bürgerlichen und rechten Parteien – 46 der 96 Mitglieder des Landtags – seine Mehrheit verdankte er der Enthaltung der NSDAP-Abgeordneten.<ref name="Foerster">Janosch Förster: Walther Schieck – Verwalter auf Abruf. Ministerpräsidenten und Landtag in der Zeit von 1919 bis 1933 (Teil 7). In: Landtagskurier, Nr. 4/2022, S. 22–23.</ref> Er stand einem Kabinett von überwiegend parteilosen Fachministern vor. Als Ministerpräsident bekleidete er zugleich das Amt des Volksbildungsministers. Nachdem ein Antrag zur Auflösung des Sächsischen Landtages mit der Mehrheit aus SPD, KPD und NSDAP am 20. Mai 1930 angenommen wurde<ref>DFG-Viewer. Abgerufen am 29. Mai 2025.</ref> und sich der im Juni neu gewählte fünfte Landtag am 10. Juli 1930 konstituierte, trat Schieck verfassungsgemäß zurück.<ref>DFG-Viewer. Abgerufen am 29. Mai 2025.</ref>
Da sich aber im Landtag keine Mehrheit zur Bildung einer neuen Regierung fand, blieben Schieck und seine Minister fast drei Jahre lang geschäftsführend im Amt. Der Historiker Janosch Förster charakterisiert seine Rolle daher als „Verwalter auf Abruf“.<ref name="Foerster"/> In der Endphase der Weimarer Republik bemühte sich Schieck um den Erhalt der Eigenstaatlichkeit Sachsens innerhalb des Deutschen Reichs – letztlich ohne Erfolg. Mehrfach protestierte er erfolglos gegen die Reichsregierungen Brüning und von Papen, die mit Notverordnungen des Reichspräsidenten regierten und dadurch auch die Mitbestimmungsrechte der Länder bei der Gesetzgebung übergingen. Seit dem Preußenschlag im Juli 1932 drohte auch Sachsen das Szenario, dass die Reichsregierung die Landesregierung komplett entmachten könnte.<ref name="Foerster"/>
Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten und deren Bestätigung durch die Reichstagswahl im März 1933 wurde Schieck am 8. März 1933 nach Berlin zitiert, während SA-Truppen in Dresden den Landtag überfielen. Als ihm Adolf Hitler eröffnete, dass er Manfred von Killinger als Reichskommissar für Sachsen einsetze und diesem weitgehend die Regierungsbefugnisse übertrage, brach Schieck zusammen<ref name="Foerster"/> und seine gesamte Regierung trat mit Wirkung zum 10. März 1933 zurück.
Während seiner Amtszeit als sächsischer Ministerpräsident wohnte Schieck in der Villa Marienlust im Dresdner Stadtteil Blasewitz, in der er bereits während seiner Jugend mit seinen Eltern gelebt hatte. Sie wird daher auch Villa Schieck oder „Ministerpräsidentenvilla“ genannt.
1920 wurde Schieck in die Freimaurerloge Zu den drei Schwertern und Asträa zur grünenden Raute in Dresden aufgenommen.<ref>Mitglieder-Verzeichnis der Loge Zu den Drei Schwertern und Asträa zur Grünenden Raute im Orient Dresden, 1927</ref> Im Mai 1933 trat er dem Stahlhelm, Bund der Frontsoldaten bei.<ref>Erzgebirgischer Volksfreund vom 22. Mai 1933, S. 6.</ref>
Er hat seine letzte Ruhestätte auf dem Johannisfriedhof in Dresden gefunden.
Siehe auch[Bearbeiten]
Literatur[Bearbeiten]
- Andreas Wagner: Walther Schieck. Der Ministerpräsident der Krise (1930–33). In: Schmeitzner / Wagner (Hrsg.): Von Macht und Ohnmacht. Sächsische Ministerpräsidenten im Zeitalter der Extreme 1919–1952. Sax-Verlag, Beucha 2006, S. 241–256.
Weblinks[Bearbeiten]
Einzelnachweise[Bearbeiten]
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Königreich Sachsen: Bernhard von Lindenau | Julius Traugott von Könneritz | Karl Braun | Gustav Friedrich Held | Ferdinand von Zschinsky | Friedrich Ferdinand von Beust | Johann Paul von Falkenstein | Richard von Friesen | Alfred von Fabrice | Karl von Gerber | Hans von Thümmel | Rudolf Schurig | Georg von Metzsch-Reichenbach | Konrad Wilhelm von Rüger | Victor Alexander von Otto | Max von Hausen | Heinrich Gustav Beck | Rudolf Heinze
Freistaat Sachsen: Richard Lipinski | Georg Gradnauer | Wilhelm Buck | Erich Zeigner | Rudolf Heinze | Alfred Fellisch | Max Heldt | Wilhelm Bünger | Walther Schieck
Sachsen in der NS-Zeit: Manfred von Killinger | Martin Mutschmann
Sachsen in der SBZ/DDR: Rudolf Friedrichs | Max Seydewitz
Freistaat Sachsen: Kurt Biedenkopf | Georg Milbradt | Stanislaw Tillich | Michael Kretschmer
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Königreich Sachsen: Johann Christian Müller | Hans Georg von Carlowitz | Eduard von Wietersheim | Ludwig von der Pfordten | Gustav Friedrich Held | Friedrich Ferdinand von Beust | Johann Paul von Falkenstein | Karl von Gerber | Paul von Seydewitz | Richard von Schlieben | Heinrich Gustav Beck | Alfred von Nostitz-Wallwitz
Freistaat Sachsen: Wilhelm Buck | Richard Seyfert | Hermann Fleißner | Friedrich Kaiser | Wilhelm Bünger | Walther Schieck
Sachsen in der NS-Zeit: Wilhelm Hartnacke | Arthur Göpfert
Sachsen in der SBZ/DDR: Kurt Fischer | Erwin Hartsch | Helmut Holtzhauer | Hans Riesner
Freistaat Sachsen: Stefanie Rehm | Friedbert Groß | Matthias Rößler | Karl Mannsfeld | Steffen Flath | Roland Wöller | Brunhild Kurth | Frank Haubitz | Christian Piwarz | Conrad Clemens
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Schieck, Walther |
| ALTERNATIVNAMEN | Schieck, Karl Alfred Walther |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Politiker (DVP), sächsischer Ministerpräsident |
| GEBURTSDATUM | 24. August 1874 |
| GEBURTSORT | Dresden |
| STERBEDATUM | 23. April 1946 |
| STERBEORT | Dresden |
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