Waschbergzone
| Waschbergzone (Klippenzone, Inselbergschwelle)
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| Höchster Gipfel | Děvín (549 m n.m.) | |||||
| Lage | Weinviertel/Niederösterreich, Jihomoravský kraj | |||||
| Teil der | Weinviertler Hügelland, Karpatenvorland | |||||
| Koordinaten | 48° 52′ N, 16° 39′ O
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| Gestein | Kalkstein, Kalkmergel | |||||
| Alter des Gesteins | Jura, Bildung: Alpidische Gebirgsbildung, 17 mya | |||||
| Besonderheiten | Natura 2000-Schutzgebiet (FFH) | |||||
Die Waschbergzone ist eine tektonische Einheit am Übergang von den Ostalpen zu den Westkarpaten. In der geologischen Fachliteratur wird sie auch als Waschberg-Einheit beziehungsweise grenzüberschreitend als Waschberg-Ždánice-Einheit bezeichnet. Sie erstreckt sich nördlich der Donau von der Umgebung Korneuburgs durch das niederösterreichische Weinviertel bis nach Südmähren.<ref name="Piller2022">Werner E. Piller: Waschberg Unit. In: Werner E. Piller (Hrsg.): The lithostratigraphic units of Austria: Cenozoic Era(them). Abhandlungen der Geologischen Bundesanstalt, Band 76, Wien 2022, ISBN 978-3-903252-14-1, S. 148–162 (PDF 21 MB).</ref><ref name="Schneider2013">Simon Schneider, Mathias Harzhauser, Andreas Kroh, Alexander Lukeneder, Martin Zuschin: Ernstbrunn Limestone and Klentnice Beds (Kimmeridgian–Berriasian; Waschberg-Ždánice Unit; NE Austria and SE Czech Republic): State of the art and bibliography. In: Bulletin of Geosciences. Band 88, Nr. 1, 2013, S. 105–130, doi:10.3140/bull.geosci.1360.</ref>
An der Oberfläche tritt die Einheit abschnittsweise als markanter, von Südwest nach Nordost verlaufender Klippen- und Hügelzug hervor.<ref name="Schneider2013" /> In Niederösterreich wird die Bezeichnung Weinviertler Klippenzone insbesondere auch für ein nach diesem Landschaftsraum benanntes FFH-Europaschutzgebiet verwendet; dieses ist jedoch nicht mit der gesamten geologischen Waschbergzone gleichzusetzen.<ref name="Natura2023">Managementplan für das Europaschutzgebiet „Weinviertler Klippenzone“. Amt der Niederösterreichischen Landesregierung, 2023, abgerufen am 27. August 2026.</ref>
Lage und Landschaft[Bearbeiten]
Vom Waschberg und Michelberg bei Stockerau zieht der landschaftlich hervortretende Hügelzug über die Leiser Berge, die Staatzer Klippe, die Klippen bei Falkenstein und den Schweinbarther Berg in Richtung der tschechischen Grenze. Jenseits der Grenze setzt sich der markante Kalkklippenzug über den Šibeničník bis zu den Pollauer Bergen bei Mikulov fort. Zwischen Waschberg und Děvín beträgt seine Ausdehnung rund 60 Kilometer.<ref name="Schneider2013" />
Der namensgebende Waschberg erreicht 395 m ü. A.; das Gipfelkreuz steht auf 388 m ü. A.<ref name="KelemenFinan2024">Julia Kelemen-Finan: Kalkabbau am Waschberg. Vom 19. Jahrhundert bis Anfang des 20. Jahrhunderts. In: Julia Kelemen-Finan, Manuel Denner, Monika Kriechbaum, Ulrich Straka (Red.): Natur am Waschberg. Kulturlandschaft gemeinsam erhalten. Leitzersdorf 2024, ISBN 978-3-200-09672-1, S. 28–35 (online).</ref> Die höchste Erhebung des österreichischen Klippenzuges ist der Buschberg in den Leiser Bergen mit 491 m ü. A.<ref name="Natura2023" /> In den Pollauer Bergen erreicht der Děvín rund 550 m n.m. und bildet den höchsten Punkt des landschaftlich hervortretenden Zuges.<ref name="AOPK">Reliéf – Pálava. Agentura ochrany přírody a krajiny České republiky, abgerufen am 27. August 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Geologie und Tektonik[Bearbeiten]
Die Waschbergzone bildet eine eigenständige tektonische Einheit am Außenrand des Alpen-Karpaten-Bogens. Im Westen grenzt sie an die Sedimente des nordalpin-karpatischen Vorlandbeckens, im Osten an Einheiten der Rhenodanubischen Flyschzone sowie an das Wiener Becken und das Korneuburger Becken.<ref name="Piller2022" /> GeoSphere Austria führt die Waschbergzone im großtektonischen Zusammenhang bei der allochthonen Molasse.<ref>Tektonische Einheiten 1:1.000.000 – Legende. GeoSphere Austria, abgerufen am 27. August 2026.</ref>
Die Einheit enthält Sedimentgesteine vom Oberjura bis in das Untermiozän. Sie ist tektonisch stark gegliedert und besteht aus mehreren Decken und Schuppen. Während des frühen Miozäns wurden Gesteine der Waschbergzone über Sedimente des Vorlandbeckens überschoben. Mit diesen tektonischen Bewegungen standen auch submarine Massenbewegungen mit Olisthostromen und großen Olistholithen in Verbindung.<ref name="Piller2022" />
Im österreichischen Abschnitt wird zwischen der Waschbergzone im engeren Sinn und der westlich vorgelagerten Roseldorf-Zone unterschieden. Die Grenze zwischen beiden bildet die Leitzersdorfer Überschiebung; die Roseldorf-Zone ist entlang der Senninger Überschiebung auf das Vorlandbecken überschoben.<ref name="Piller2022" /> Nach Nordosten setzt sich die Einheit in Tschechien fort. Dort wird sie in die westlich gelegene Pouzdřany-Einheit (deutsch auch Pausramer Einheit) und die östliche Ždánice-Einheit (Steinitzer Einheit) gegliedert.<ref name="Piller2022" />
Zu den auffälligsten Gesteinen gehören die oberjurassischen Kalke der Ernstbrunn-Formation, die unter anderem in den Leiser Bergen, bei Staatz, Falkenstein und in den Pollauer Bergen auftreten. Gemeinsam mit den Klentnitzer Schichten bilden sie vielfach tektonisch isolierte Klippen.<ref name="Schneider2013" /> Daneben treten paläogene und miozäne Sedimentgesteine auf, darunter Kalksteine, Mergel, Ton- und Sandsteine.<ref name="Piller2022" />
Für den südlichen Abschnitt der Waschbergzone haben neuere Detailkartierungen das ältere tektonische Modell teilweise verändert. Die großen Vorkommen des eozänen Waschbergkalks am Waschberg, Michelberg, Praunsberg und weiteren Stellen wurden von Holger Gebhardt als kilometerdimensionale Riesenolistholithen interpretiert, die durch submarine Massenbewegungen in frühmiozäne Sedimente gelangten. Für diese Vorkommen wurden bei der Neukartierung keine Hinweise auf die zuvor angenommenen großräumigen Schuppenstrukturen beziehungsweise eine Entstehung als tektonische Klippen gefunden.<ref name="Gebhardt2021">Holger Gebhardt: Lower Miocene olistostromes and giant-olistoliths: A new interpretation of the Eocene Waschberg Limestone occurrences and consequences for the structural composition of the southern Waschberg–Ždánice Unit in Lower Austria. In: Geologica Carpathica. Band 72, Nr. 1, 2021, S. 48–67, doi:10.31577/GeolCarp.72.1.4.</ref>
Die widerstandsfähigen Kalksteine wurden durch die Erosion gegenüber den weicheren Mergeln und Tonen stärker herauspräpariert. Dadurch entstanden die für die Waschbergzone charakteristischen, aus dem überwiegend sanftwelligen Umland herausragenden Hügel und Felsklippen.<ref name="Natura2023" />
Naturschutz[Bearbeiten]
Im österreichischen Teilraum besteht das FFH-Europaschutzgebiet „Weinviertler Klippenzone“ mit der Gebietsnummer AT1206A00. Es umfasst mehrere voneinander getrennte Teilgebiete in den Bezirken Gänserndorf, Korneuburg und Mistelbach mit einer Gesamtfläche von rund 3.360 Hektar. Die geschützten Flächen reichen von etwa 195 bis 491 m Seehöhe.<ref name="Natura2023" />
Charakteristisch sind Kalkfelsen, Trocken- und Halbtrockenrasen sowie wärmeliebende Eichenwälder. Zu den geschützten Lebensraumtypen gehören unter anderem Kalk-Pionierrasen, pannonische und subpannonische Steppen-Trockenrasen, naturnahe Kalk-Trockenrasen sowie pannonische Eichen-Hainbuchenwälder. Das Gebiet ist Lebensraum zahlreicher gefährdeter Tier- und Pflanzenarten.<ref name="Natura2023" />
Die tschechische Fortsetzung der Klippenzone liegt teilweise im Landschaftsschutzgebiet Pálava. Der Děvín und seine Umgebung stehen als nationales Naturreservat unter besonderem Schutz.<ref>NPR Děvín. Agentura ochrany přírody a krajiny České republiky, abgerufen am 27. August 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Bilder[Bearbeiten]
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Granitblöcke des Naturdenkmals „Teufelsstein“ am Waschberg
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Halbtrockenrasen im Gipfelbereich des Waschbergs
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Michelberg bei Stockerau
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Buschberg, Steinmandl und Oberleiser Berg in den Leiser Bergen; im Vordergrund Kalksteinblöcke
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Rasensteppe und Kalksteinfelsen am Šibeničník bei Mikulov
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Die Pollauer Berge mit der Ruine Děvičky
Literatur[Bearbeiten]
- Godfrid Wessely: Geologie der österreichischen Bundesländer – Niederösterreich. Geologische Bundesanstalt, Wien 2006, ISBN 3-85316-239-8.
- Simon Schneider, Mathias Harzhauser, Andreas Kroh, Alexander Lukeneder, Martin Zuschin: Ernstbrunn Limestone and Klentnice Beds (Kimmeridgian–Berriasian; Waschberg-Ždánice Unit; NE Austria and SE Czech Republic): State of the art and bibliography. In: Bulletin of Geosciences. Band 88, Nr. 1, 2013, S. 105–130, doi:10.3140/bull.geosci.1360.
- Holger Gebhardt: Lower Miocene olistostromes and giant-olistoliths: A new interpretation of the Eocene Waschberg Limestone occurrences and consequences for the structural composition of the southern Waschberg–Ždánice Unit in Lower Austria. In: Geologica Carpathica. Band 72, Nr. 1, 2021, S. 48–67, doi:10.31577/GeolCarp.72.1.4.
- Werner E. Piller: Waschberg Unit. In: Werner E. Piller (Hrsg.): The lithostratigraphic units of Austria: Cenozoic Era(them). Abhandlungen der Geologischen Bundesanstalt, Band 76, Wien 2022, ISBN 978-3-903252-14-1, S. 148–162.
- Thomas Hofmann, Holger Gebhardt: Eine geologische Annäherung: Die Waschbergzone als Element des Weinviertels. In: Julia Kelemen-Finan, Manuel Denner, Monika Kriechbaum, Ulrich Straka (Red.): Natur am Waschberg. Kulturlandschaft gemeinsam erhalten. Leitzersdorf 2024, ISBN 978-3-200-09672-1, S. 22–27.
- Julia Kelemen-Finan: Kalkabbau am Waschberg. Vom 19. Jahrhundert bis Anfang des 20. Jahrhunderts. In: Julia Kelemen-Finan, Manuel Denner, Monika Kriechbaum, Ulrich Straka (Red.): Natur am Waschberg. Kulturlandschaft gemeinsam erhalten. Leitzersdorf 2024, ISBN 978-3-200-09672-1, S. 28–35.
Weblinks[Bearbeiten]
Einzelnachweise[Bearbeiten]
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