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Wasserturm auf dem Werder

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wasserturm auf dem Werder (Bremen)
Wasserturm
Wasserturm
Daten
Baujahr: 1871 bis 1873
Architekt: Rudolph Berg und J. G. Poppe (d. J.)<ref name="Denkmaldatenbank">Denkmaldatenbank des LfD Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Anker“ ist nicht vorhanden.</ref>
Denkmalschutz: Kulturdenkmal seit 1978<ref name="Denkmaldatenbank"/>
Turmhöhe: 47 m
Nutzhöhe: ?
Behälter: Zwei stählerne Flachbodenbehälter (genietet) mit den Maßen 23 m × 13 m × 3,5 m
Volumen des Behälters: 1700 m³
Stilllegung: 1983
Ursprüngliche Nutzung: Städtische Wasserversorgung
Heutige Nutzung: Wird gelegentlich für Ausstellungen und Theaterinszenierungen genutzt.

Der Wasserturm auf dem Werder an der Werderstraße ist der älteste Wasserturm der Stadt Bremen. Das 47 Meter hohe Gebäude – im Volksmund auch „Umgedrehte Kommode“ genannt – auf dem Stadtwerder war Teil der Bremer Wasserversorgungt mit dem Betreiber.

Vorgeschichte[Bearbeiten]

Datei:Große Weserbrücke - Bremen - 1764.jpg
Weserbrücke und Wasserrad 1764

Die erste zentrale Wasserversorgung wurde in Bremen 1394 gebaut. An der Weserbrücke wurde ein Schöpfrad angebracht. Ein Rohr-system leitete das Wasser zu 200 Häusern der Stadt.

Das Wasserrad lieferte von 1394 bis 1822 Wasser. Es war ein eine Sehenswürdigkeit wie das Rathaus, der Roland und einige Kirchen. Das Weserwasser war relativ klar, farblos, ohne Geruch, weich und hatte niedrige Keimzahlen. Am durch die Strömung der Weser angetriebene Wasserrad - Wasserkunst - waren Schöpfgefäße angebracht, die in einem 8 m über dem normalen Wasserstand der Weser angebrachten Behälter Wasser förderten. Das Wasser gelangte durch Holz- und Bleirohre und später durch gusseiserne Rohre in die Häuser der Gemeinschaft, die die Einrichtung finanzierte. Die Gemeinschaft nannte sich "selschup des waterrades", später "Sozietät des Wasserrades" und im 19. Jahrhundert "Wasserversorgungsanstalt an der Weserbrücke". Diese existierte bis 1888.

1822, als das Wasserrad wegen Baufälligkeit abgebrochen wurde, wurde der Betrieb des Wasserrades eingestellt. Die Wasserversorgung übernahmen zunächst von Pferden angetriebene Pumpen, ab 1847 durch Dampfkraft angetriebene Pumpen. Ein großes Modell steht im Focke-Museum Bremen.

Nach 1800 hatte sich die Wasserqualität der Weser merklich verschlechtert. "Das Wasser' ist durch hineingeschütteten Unrat mehr oder minder trübe geworden und zu manchem Gebrauch bereits verdorben", wo der bei Regen in den Fluss gesellte "Gassenkoth" und die an der Balge gelegenen "Abtritte" beitrugen.

Bau und Betrieb der Anlage[Bearbeiten]

Datei:Wasserturm Ansicht 1876.jpg
Konstruktionszeichnung 1872

Mit dem Anwachsen der Bevölkerung durch die Industrialisierung des 19. Jahrhunderts brauchte Bremen eine leistungsfähigere Wasserversorgung. Der städtische Teil Bremens hatte 1857 eine Bevölkerung von 67 000 - 70 000 Einwohnern. Geplant werden sollte die Versorgung von 100 000 Menschen. Das erste Konzept für eine zentrale Wasserversorgung in Bremen erstellte der englische Ingenieur William Lindley. Sein Plan, 1857 bis 1860 ausgearbeitet, sah vor, am rechten Weserufer, in Höhe der Fährstraße, Weserwasser durch Langsamfiltration zu fördern. Der Entwurf wurde als "vortrefflich" angesehen, schien dem Senat aber zu teuer. Der Senat suchte nach billigeren Lösungen und vor allem nach einem Mann aus den eigenen Reihen. Die Wahl fiel Friedrich Berg, seit 1860 Oberbaurat im bremischen Dienst. Berg schlug zunächst vor, das Wasser aus Brunnen auf dem linken Weserufer kostengünstiger durch natürliche Bodenfiltration zu gewinnen und nicht durch künstliche Langsamfiltration. Wegen des hohen Eisen- und Mangangehalts, den man vom Grundwasser noch nicht entfernen konnte, scheiterte die Lösung. Eine Versuchsanlage auf dem Stadtwerder auf dem Stadtwerder zeigte, dass die Reinigung nur durch künstliche Kies- und Sandschichten zu erreichen sei. (Wie Lindley vorgeschlagen hatte) Als Standort für das Wasserwerk mit Klärbecken, Filtersammelbecken und Reinwasserbecken wurde das Gebiet zwischen der Großen und der Kleinen endgültig festgelegt. Das Reinwasserbecken sollte mit einer Decke versehen werden und mit Erde überdeckt werden, um durch die "Entziehung von Licht und Luft das Wasser reiner und von Pflanzenteilen frei und im Winter frostfrei zu erhalten". Um eine absolut hochwasserfreie Zone zu schaffen, wurde die die Fläche um fast 5 m mit Sand aus der Weser aufgeschüttet. Dazu gewannen Dampfbagger Sand aus der Großen Weser und spülten ihn auf.

Als die Anlage in Betrieb ging und zunächst nur 2 000 Hausanschlüsse versorgte, überschritt die Einwohnerzahl Bremens gerade die 100.000-Grenze. Zehn Jahre später waren knapp die Hälfte aller Bremer Haushalte an die Wasserversorgung angeschlossen. Erst ab 1908 bekamen alle Bremer Häuser ihren direkten Wasseranschluss.

Der Wasserturm[Bearbeiten]

Datei:Wasserkunst HB 2013 msu.jpg
Fassadengliederung des Turms

Mit der technischen Planung und der Bauausführung wurde Friedrich Rudolph Berg betraut. Zwischen 1873 und 1876 wurde das Wasserwerk errichtet. Dem Bremer Architekten Johann Georg Poppe (1873 bis 1915) wurde die architektonische Gestaltung der Fassade übertragen, um für das Gebäude eine repräsentative Form zu entwerfen. Die Größe des Bauwerks erinnert an die Malakow-Türme im Ruhrgebietsbergbau. Der Entwurf für den historisierenden Bau wurde angeregt durch den Hochmeisterpalast der Ordensburg Marienburg in Ostpreußen. Seine Proportionen und die vier Ecktürmchen, die wie Beine in den Himmel ragen, gaben Anlass zu dem Spitznamen „umgedrehte Kommode“. Grund dafür waren die der über das Gebäude herausragenden Ecktürme, die bis 1962 noch einige Meter höher waren.

Die Wasserversorgung sollte als wahrzeichenhafte technische Großtat deutlich werden. Poppe gehörte zu den bedeutenden Architekten des Historismus in Bremen. In Anlehnung an Burgen-, Festung- und Schlossgebäude entwarf Poppe den Wasserturm. Die Architektur sollte vor allem von der Altstadtseite wirken.

Der 47 m hohe Turm musste wegen der Schlickschichten im Untergrund auf Pfählen errichtet werden. 1684 Pfähle, 25 cm dick und 7,20 m lang, wurden in den Boden gerammt.

Das Weserwasser wurde durch Filterpumpen gewonnen, die das Flusswasser aus zwei Pumpbrunnen ansaugten. Eine Pumpe drückte das Wasser in die Filterbecken, die in drei Schichten gefüllt waren - von oben nach unten - mit groben, mittleren und feinen Steinschlag, gefolgt von groben und feinem Kies sowie als oberen Abschluss mit gewaschenem Sand. Das Wasser, das durch die Sandschichten gesichert gesickert war, floss in das Reinwasserbecken: Das Reinwasserbecken war überdacht und mit einer Erdschicht abgedeckt.

Im 12 Meter hohen Untergeschoss, mit beeindruckendem Kreuzgewölbe, standen zwei Dampfpumpenmaschinen. Die eine Pumpe förderte das Weserwasser, mit dem die Filterbecken gefüllt wurden, die andere pumpte das im Reinwasserbecken gesammelte gefilterte Wasser in zwei unter dem Dach liegende Wasserbecken, entsprechend den Vorschlägen der Gutachter aus dem Jahr 1871. Die zwei Behälter, die sich noch heute dort befinden, konnten bis zu 1700 Kubikmeter Reinwasser aufnehmen. Die beiden Hochbecken wurden aus genietetem Stahlblech erstellt.

In einem der Ecktürme des Wasserturms war die Steigleitung für das Wasser untergebracht. Die anderen drei Ecktürme dienten als Fallleitung, als Schornstein und als Treppe.

Im benachbarten östlich gelegenen eingeschossigen Kesselhaus wurde mit mehreren Kessel der Dampfdruck für die Dampfmaschinen erzeugt. Wegen der Explosionsgefahr konnten die Kessel nicht im Turm untergebracht werden. Der Symmetrie wegen wurde auf der westlichen Seite des Turmsein Nebengebäude für das Personal errichtet, das nicht mehr vorhanden ist.

Der Wasserturm diente nach 1983 bis 2008 nur noch als Wasserspeicher für die Versorgung der Brauerei Beck & C. mit Harzwasser. Am 27. Oktober 2008 ließen die Stadtwerke die restlichen 800 000 Liter aus den Wassertanks in das Trinkwassernetz ab. 100 Flaschen wurden mit dem Wasser gefüllt und mit der Aufschrift "swb Wasser aus dem altehrwürdigen Wasserturm auf dem Werder" versehen.

Die maroden Spitzen der Ecktürme wurden aus Sicherheitsgründen 1962 abgebrochen und die Zinnenreihe des Wehrgangs durch eine niedrige und glatt verlaufende Brüstung ersetzt.

Der Wasserturm wurde 1978 unter Denkmalschutz gestellt.

Zwischennutzung und zukünftige Nutzung[Bearbeiten]

Datei:Jens Lütjen und Amer Sandawi.jpg
Jens Lütjen, Geschäftsführer der Robert C. Spies Gruppe (li.) und Amer Sandawi, Projektentwickler und Vertreter der Eigentümerin der "Umgedrehten Kommode" (re.)

Das Gebäude wurde für eine neue Nutzung als „Leuchtturmprojekt“ eines Wohn- und Büroviertels auf dem Stadtwerder verkauft. Die Übergabe erfolgte im Oktober 2008. Auf dem ehemaligen Wasserwerksgelände an der „Umgedrehten Kommode“ sollen insgesamt 220 Wohneinheiten entstehen.

2011 wurde das Bauwerk für Kunstprojekte zwischengenutzt. Das Kulturprojekt Schwankhalle und die Shakespeare Company holten mit Unterstützung des Senators für Umwelt, Bau, Verkehr und Europa und der Heinrich-Böll-Stiftung die Wanderausstellung "Zur Nachahmung empfohlen!" in den Wasserturm auf dem Stadtwerder. In der Ausstellung ging es um Nachhaltigkeit und deren Ästhetik. Die Ausstellung wurde begleitet von einem umfangreichen Rahmenprogramm mit Künstlergesprächen, Podiumsdiskussionen und einem Filmprogramm.

Literatur[Bearbeiten]

  • Emil Böttcher und H. Ohnesorge: Das Wasserwerk der Freien Hansestadt Bremen. In: Zeitschrift für Bauwesen 26 (1876), Sp. 343–356, 493–522, Bl. M-O, Atlas Digitalisat
  • Nils Aschenbeck, Jens U. Schmidt: Wassertürme im Nordwesten. Isensee, Oldenburg 2003, ISBN 3-89995-006-2.
  • Christine Backhaus: Von der Wasserkunst zur Wasserwirtschaft. Streifzüge durch Gegenwart, Geschichte und Zukunft des Bremer (Trink-)Wassers. 125 Jahre Trinkwasserversorgung in Bremen. Hauschild, Bremen 1998, ISBN 3-89757-002-5.
  • Jens U. Schmidt: Wassertürme in Bremen und Hamburg. Hansestädtische Wassertürme. Regia-Verlag, Cottbus 2011, ISBN 978-3-86929-190-1.
  • Herbert Schwarzwälder: Das Große Bremen-Lexikon. 2., aktualisierte, überarbeitete und erweiterte Auflage. Edition Temmen, Bremen 2003, ISBN 3-86108-693-X.
  • swb AG (Hrsg.): 150 Jahre – Von den Erleuchtungs- und Wasserwerken zur swb.
  • Wasser – Zur Geschichte der Trinkwasserversorgung in Bremen. Katalog zur Sonderausstellung Focke-Museum Bremen 1988
  • Alfred Ohl: Die Wasserversorgung der Freien Hansestadt Bremen – 100 Jahre zentrale Wasserversorgung 1873-1973. Bremen 1973.

Weblinks[Bearbeiten]

Commons: Water towers in Bremen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references/>

Koordinaten: 53° 4′ 6″ N, 8° 48′ 37″ O

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