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Weserbarock

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Datei:Kloster Corvey 2020-10-04 3.jpg
Abtei Corvey, Eingangssituation

Der Weserbarock bezeichnet einen von 1670 bis 1760 im Weserraum herrschenden Baustil, der die Weserrenaissance fortsetzte, im Unterschied zu deren reicher Formenausstattung aber von betont einfachen, auf weitere Detaillierung verzichtenden Baukörperformationen bestimmt wird, wobei lediglich Portalanlagen eine aufwendigere plastische Gestaltung erfuhren. In dieser Hinsicht ist der Weserbarock entscheidend vom Klassizistischen Barock der Niederlande geprägt.

Begriffsgeschichte[Bearbeiten]

Auf die kulturelle Besonderheit des Wesertals mit seinen Städten, Burgen und Kirchen machte erstmals der in Rinteln aufgewachsene und als Verfasser des Weserliedes bekannt gewordene Franz von Dingelstedt in seinem 1839 erschienenen Buch Das Weserthal von Münden bis Minden aufmerksam.<ref>Franz Dingelstedt: Das Weserthal von Münden bis Minden. Theodor Fischer, Kassel 1839 (Nachdruck Olms, Hildesheim 1996).</ref> Erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts setzte eine genauere Beschäftigung mit der Baukultur des Weserraums ein, die 1918 in dem Buch Die Weserrenaissance von Max Sonnen mündete.<ref>Max Sonnen: Die Weserrenaissance. Die Bauentwicklung um die Wende des 16. und 17. Jahrhunderts an der oberen und mittleren Weser und den angrenzenden Landesteilen. Münster 1918 (Digitalisat).</ref> 1964 veröffentlichte Jürgen Soenke mit dem Fotografen Herbert Kreft ein weiteres Buch unter dem Titel Die Weserrenaissance.<ref>Herbert Kreft, Jürgen Soenke: Die Weserrenaissance. Niemeyer, Hameln 1964.</ref> Die gleichzeitigen Forschungen von Theodor Rensing zur barocken Architektur Westfalens und des Weserraums ließen damals einen weiteren Band zum Weserbarock sinnvoll erscheinen, doch verhinderte dessen früher Tod das Projekt, das einen Überblick über die Baukultur des Weserraums zwischen 800 und 1800 zum Abschluss gebracht hätte. Der Begriff Weserbarock hat sich seither v. a. in der touristischen Literatur etabliert (Corvey, Bad Karlshafen etc.), trotz zahlreicher Einzelstudien zu Objekten fehlt jedoch von kunsthistorischer Seite eine Gesamtdarstellung des Phänomens Weserbarock.

Geschichtliche Voraussetzungen[Bearbeiten]

Datei:Gaukarte des Christiani Vlrici Grvpen Anno 1740.png
Tabula Angriae in Diocesi Paterbornensi (1740)
Datei:Weserschleife Glashütte.JPG
Weserschleife Glashütte bei Reinhardshagen
Datei:Kassel Bad Karlshafen Aerial.jpg
Wesertal mit Bad Karlshafen
Datei:Höxter - 2018-07-01 - Blick vom Brunsberg (11).jpg
Wesertal mit Schloss Fürstenberg
Datei:Weser brueckenblick bei luechtringen ds wv 08 2007.jpg
Die Weser bei Lüchtringen, im Hintergrund Stift Corvey

Das Ausbreitungsgebiet des Weserbarocks entspricht im Wesentlichen der historischen Landschaft Engern, die nach dem Zerfall des älteren Stammesherzogtums Sachsen<ref>Joseph Prinz: Der Zerfall Engerns und die Schlacht im Welfesholz (1115). In: Heinz Stoob (Hrsg.) Ostwestfälisch-weserländische Forschungen zur geschichtlichen Landeskunde. Aschendorff, Münster 1970 (Veröffentlichungen des Provinzialinstituts für Westfälische Landes- und Volkskunde Reihe I Heft 15), S. 75–112.</ref> weitgehend im Herzogtum Westfalen bzw. den als Ostfalen definierten braunschweigischen Herzogtümern aufging und ohne territoriale Grundlage als Landschaftsbezeichnung noch bis zum 19. Jahrhundert im Titel des Herzogs von Engern fortbestand. Der historische Begriff umfasst die Bereiche rechts und links der Weser.

1962 hatte Ernst Wolfgang Mick die Eigenschaft des Weserraums als eigenständiger Kulturraum herausgestrichen,<ref>Ernst Wolfgang Mick: Die Weser. (= Deutsche Lande – Deutsche Kunst). München/Berlin 1962.</ref> und 1970 verwies Hans Thümmler für die Weserbaukunst im Mittelalter darauf, wie sehr „der Wasserweg … durch seine Nutzung für den Transport von Baumaterial oft geradezu die Voraussetzung dafür“ bildet, „eine Flusslandschaft zu einer künstlerischen Mitte für ein weites Einzugsgebiet werden zu lassen“, auch wenn die modernen Landesgrenzen heute den Blick auf die kulturelle Einheit der Region verstellt haben.<ref>Hans Thümmler: Weserbaukunst im Mittelalter. Niemeyer, Hameln 1970.</ref>

Der Weserbarock setzt mit dem Beginn der allgemeinen Wiederaufbauphase nach dem Dreißigjährigen Krieg und dem nachfolgenden Holländischen Krieg ein. Die wirtschaftliche Grundlage bildeten der Getreideanbau in der Warburger Börde und die Milch- und Viehwirtschaft in der Weserniederung, wobei die Produkte auf der Weser bis nach Bremen transportiert wurden. Verarbeitet wurde das Getreide in zahlreichen Mühlen, so den seit dem 13. Jahrhundert bestehenden wasserbetriebenen Wesermühlen in Hameln und der 1326 erstmals erwähnten Schiffmühle in Minden,<ref>Zur rekonstruierten Schiffmühle des 18. Jahrhunderts auf der Website muehlenverein-minden-luebbecke.de; Winfried Hedrich: Faszination Westfälische Mühlenstraße, Erfurt 2011, S. 78.</ref> der 1744 errichteten windbetriebenen Alte Mühle in Fürstenberg sowie der Windmühle Achim in Achim-Uesen. Daneben bestand eine namhafte Holzwirtschaft in Solling und Reinhardswald (u. a. für die Beschickung der Bremer Werften), wobei der Transport durch die Flößerei auf der Weser erfolgte.<ref>Nicola Borger-Keweloh, Hans-Walter Keweloh: Flößerei im Weserraum. Leben und Arbeiten in einem alten Gewerbe. Hauschild, Bremen 1991, ISBN 3-926598-51-4.</ref>

Ein wichtiger Exportartikel wurde der Veckerhäger Ofen, der in der 1666 gegründeten Kurhessischen Eisenhütte Veckerhagen gegossen und auf dem Wasserweg zunächst nach Bremen und weiter zu Kunden in Skandinavien und Amerika transportiert wurde. In der Nähe von Kassel ließ Landgraf Karl von Hessen-Kassel 1679 zur Verarbeitung des regional abgebauten Kupfererzes den Messinghof anlegen, und auch die Anlage des (nur in seinem nördlichen Streckenabschnitt fertiggestellten) Landgraf-Carl-Kanals und eines Hafens in Karlshafen sollten wesentlich zur wirtschaftlichen Entwicklung des Weserraums beitragen.<ref> Hans Philippi: Landgraf Karl von Hessen-Kassel. Ein deutscher Fürst der Barockzeit (= Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen, Band 34). Marburg 1976.</ref>

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Der Weserverlauf mit den angrenzenden Territorien um 1700

In territorialer Hinsicht war die Region zersplittert. Die wichtigsten Herrschaftszentren wie das Kurfürstentum Hannover, das Herzogtum Braunschweig und die Landgrafschaft Hessen-Kassel lagen außerhalb des Wesergebiets, während das Hochstift Paderborn, das schon zuvor seit 1706 in Personalunion mit dem Hochstift Münster verbunden war, von 1719 bis 1761 zum nordwestdeutschen Herrschaftsbereich des Kölner Kurfürsten Clemens August von Bayern gehörte.<ref>Clemens August. Fürstbischof, Jagdherr, Mäzen. Eine kulturhistorische Ausstellung aus Anlaß des 250jährigen Jubiläums von Schloß Clemenswerth. Bramsche 1987.</ref> Die ehemals paderbornische Grafschaft Pyrmont fiel 1668 endgültig an die Grafschaft (seit 1711 Fürstentum) Waldeck. Während die Stadt Bremen 1648 Freie Reichsstadt wurde, fielen das säkularisierte Erzstift Bremen und das Hochstift Verden als „Herzogtümer Bremen und Verden“ mit Sitz in Stade an Schweden und schließlich 1715 an Hannover. Das Herzogtum Oldenburg war seit 1667 mit dem Königreich Dänemark, das Kurfürstentum Hannover seit 1714 mit Großbritannien und die Landgrafschaft Hessen-Kassel seit 1730 mit Schweden jeweils in Personalunion verbunden, was eine zunehmende Verlagerung der politischen Interessen ins Ausland bedeutete. Subsidienverträge banden zudem Hessen-Kassel militärisch an Großbritannien. Nachdem schließlich auch das Hochstift Minden von Brandenburg-Preußen besetzt worden war, blieben nur noch die kleineren Herrschaftsgebiete der Fürstabtei Corvey, der Grafschaft Lippe und des Fürstentums Schaumburg-Lippe als selbständige Herrschaften vertreten, wobei letzteres in der Landesteilung von 1647 die Hälfte seines bisherigen Territoriums mit Rinteln als Hauptort an die Landgrafschaft Hessen-Kassel abtreten musste und damit eine eigene Exklave bildete.

Datei:Hann. Münden, Welfenschloss und Werrabrücke.jpg
Welfenschloss und Werrabrücke in Hann. Münden
Datei:Höxter1819.jpg
Die zerstörte Weserbrücke und Fährverbindung in Höxter

Wegen der Bedeutung des Weserflusses als Verkehrs- und Transportweg bemühten sich die einzelnen Territorien jeweils um einen direkten Zugang. Als Verkehrsverbindung zwischen den beiden Weserufern dienten seit dem 13. Jahrhundert Brückenbauten, namentlich, wo der Weserstrom nicht mit den jeweiligen Territorialgrenzen zusammenfiel. Die älteste erhaltene Steinbrücke ist die erstmals 1329 erwähnte Alte Werrabrücke von Hannoversch Münden am Zusammenfluss von Werra und Fulda.<ref>Hans Reuther: Die Werrabrücke zu Hann. Münden. In: Niederdeutsche Beiträge zur Kunstgeschichte, Band 12, 1973, S. 179–203.</ref> Die Hamelner Brücke, die in ähnlicher Weise einen Werder zuhilfenahm, wurde 1758 durch den Hannoverschen Festungsbaumeister Georg Friedrich Dinglinger erneuert.<ref>Stefan Amt: Georg Friedrich Dinglinger. Neue Forschungsergebnisse zum Werk des hannoverschen Festungsbaumeisters. In: Hannoversche Geschichtsblätter, Neue Folge 48 (1994), S. 185–217 Abschrift auf bhb-hannover.de.</ref> Die bereits im 13. Jahrhundert anstelle der älteren Mindener Weserfurt erwähnte hölzerne Weserbrücke von Minden war um 1600 durch eine Steinbrücke ersetzt worden, während die Große Weserbrücke in Bremen 1738 vollständig als Holzkonstruktion neuerrichtet wurde. Ansonsten bestanden Fährverbindungen, so nach den kriegsbedingten Zerstörungen der Weserbrücke von Grohnde 1633 sowie 1673 der Weserbrücke von Höxter. Seit 1713 verband eine Schiffsbrücke die beiden Ortsteile von Rinteln, 1715 wurde auf Anordnung von König Georg I. in Nienburg/Weser die erste steinerne Brücke durch Johann Michael Führer errichtet.

Datei:Minden ueber weser von norden.jpg
Ansicht von Minden mit (kath.) Dom und (evang.) Pfarrkirchen

Auch in konfessioneller Hinsicht war das Wesergebiet gespalten. Die braunschweigischen Territorien östlich der Weser gehörten dem Luthertum an, desgleichen die ehemaligen Hochstifte Bremen und Verden als Generaldiözese Bremen-Verden sowie das nun brandenburgische Fürstentum Minden.<ref>Hans Nordsiek: Vom Fürstbistum zum Fürstentum Minden. In: Westfälische Zeitschrift 140, 1990, S. 251–274.</ref> Die geistlichen Territorien westlich der Weser hingegen blieben katholisch, wobei das Hochstift Osnabrück einer alternierenden (katholischen bzw. protestantischen) Landesherrschaft unterworfen war und eine freie Religionsausübung der beiden Konfessionen garantierte.<ref>Mark Alexander Steinert: Die alternative Sukzession im Hochstift Osnabrück. Bischofswechsel und das Herrschaftsrecht des Hauses Braunschweig-Lüneburg in Osnabrück 1648–1802 (Osnabrücker Geschichtsquellen und Forschungen. Band 47). Osnabrück 2003, ISBN 978-3-9806564-6-7.</ref> Desgleichen waren einzelne Orte wie Höxter protestantisch oder gemischtkonfessionell. Eine Sonderstellung innerhalb der protestantischen Stadt Minden nahm der katholisch verbliebene Mindener Dom ein, dessen Domkapitel paritätisch mit Angehörigen beider Konfessionen besetzt war. 1605 hatten Landgraf Moritz von Hessen-Kassel und Graf Simon VI. von Lippe in ihren jeweiligen Herrschaftsgebieten den Calvinismus eingeführt. Um 1700 wurden in der Landgrafschaft Hessen-Kassel französische Glaubensflüchtlinge (Hugenotten) angesiedelt, während nach dem Konfessionswechsel des Landgrafen Friedrich II. 1770 die katholische Elisabethkirche in Kassel durch Hofbaumeister Simon Louis du Ry errichtet wurde.

Datei:Paderborn, die Straße "Kamp" und die theologische Fakultät.jpg
Alte Universität Paderborn
Datei:Uni Rinteln 1850.jpg
Ehem. Universität Rinteln
Datei:2023 02 03 Göttingen Michaelishaus(Ausschn.1) ShiftN.jpg
Das Michaelishaus der Universität Göttingen (1737)

Während des 17./18. Jahrhunderts entstanden im Weserraum mehrere Bildungseinrichtungen. Der frühere Versuch, die 1576 von Herzog Julius von Braunschweig-Wolfenbüttel in Helmstedt gegründete Academia Julia noch im ersten Jahrzehnt ihres Bestehens nach Hameln zu verlegen, war noch am Widerstand des Stadtrats gescheitert. Hingegen gründete 1614 Fürstbischof Dietrich IV. von Fürstenberg in Paderborn die Academia Theodoriana,<ref>Josef Meyer zu Schlochtern (Hrsg.): Die Academia Theodoriana. Von der Jesuitenuniversität zur Theologischen Fakultät Paderborn 1614–2014. Schöningh, Paderborn 2014.</ref> an die er den Theologen und Dichter Friedrich Spee berief, und 1619 gründeten Graf Ernst zu Holstein-Schaumburg im aufgelösten Jakobskloster die bis 1810 bestehende Academia Ernestina in Rinteln,<ref>Bernhart Jähnig: Gründung und Eröffnung der Universität Rinteln. In: Niedersächsisches Jahrbuch für Landesgeschichte 45, 1973, S. 351–360.</ref> sowie 1732 der britische König Georg II. die Georg-August-Universität Göttingen. Verschiedene der katholischen Klöster des Weserraums unterhielten Klosterschulen, so das 1628 gegründete Gymnasium Marianum der Dominikaner in Warburg. Unter Leitung der Jesuiten entstanden 1612 das Gymnasium Theodorianum in Paderborn und das nach ihrem Gründer benannte Mauritius-Gymnasium des 1714 gegründeten Jesuitenkollegs Büren.<ref>Alfred Hartlieb von Wallthor: Dom-, Kloster- und Stiftsschulen in Westfalen bis 1800. In: Westfälisches Klosterbuch. Lexikon der vor 1815 errichteten Stifte und Klöster von ihrer Gründung bis zur Aufhebung. Bd. 3: Institutionen und Spiritualität. Aschendorff, Münster 2003, S. 573–595.</ref> Die 1569 durch Herzog Julius von Braunschweig-Wolfenbüttel im Kloster Amelungsborn begründete (evangelische) Internats-Klosterschule wurde 1760 als Gymnasium in das benachbarte Holzminden verlegt. Darüber hinaus installierten die Städte in der Regel protestantische Ratsgymnasien, so das Ratsgymnasium Bielefeld, das Ratsgymnasium Minden und das Ratsgymnasium Stadthagen.

Datei:SchlossFürstenberg1.jpg
Porzellanmanufaktur Fürstenberg
Datei:Fabritius Schieder-Schwalenberg.jpg
Carl Fabritius: Schwalenberg
Datei:Monumenta Paderbornensia-Brunsberg.jpeg
Rudolphi: Brunsberg mit Höxter und Corvey
Datei:Fürstenberg - 2017-10-06 - Museum Schloss Fürstenberg (101).jpg
Pascha Weitsch: Burg Fürstenberg

Ein wichtiger Bestandteil der Kultur des Weserbarock wurde die 1747 im Auftrag von Herzog Karl I. von Braunschweig-Wolfenbüttel durch Johann Georg von Langen auf Schloss Fürstenberg gegründete Porzellanmanufaktur Fürstenberg, die vor allem in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts eine künstlerisch bedeutsame Produktion entwickelte.<ref>Heinrich Stegmann: Die Fürstlich Braunschweigische Porzellanfabrik zu Fürstenberg. Ein Beitrag zur Geschichte des Kunstgewerbes und der wirthschaftlichen Zustände im achtzehnten Jahrhundert. Benno Goeritz, Braunschweig 1893.</ref> In gleicher Weise setzte sich von Langen auch für die Förderung der Glasproduktion im benachbarten Boffzen ein, wofür der Quarzsand aus den diluvialen Ablagerungen des Wesertals als geeigneter Rohstoff zur Verfügung stand. Daneben bestanden im Solling die 1744 gegründete braunschweigische Spiegelglashütte auf dem Grünen Plan und die Glasmanufaktur Schorborn sowie die 1776 gegründete hannoversche Spiegelglashütte Amelith.<ref>Christian Leiber: Zur Glashüttenlandschaft Weserbergland in: Berichte zur Denkmalpflege in Niedersachsen, 4/2020, S. 63–64. (Online)</ref> Bereits 1732 war es durch Carl Friedrich von Hanstein zur Gründung der Fayence-Manufaktur Münden gekommen, die 1755 durch Kurfürst Georg II. von Hannover eine staatliche Konzessionierung als Porzellain Fabrique erfuhr.<ref>J. Focke: Zur Geschichte der Mündener Fayencefabrik. In: Kunstgewerbeblatt. 5. Heft 12, 1889, S. 177–182. (digi.ub.uni-heidelberg.de)</ref> Ihr gegenüber bestand auf der hessischen Weserseite unterhalb des Reinhardswaldes seit dem 17. Jahrhundert die Glashütte Altmünden.

Der Siebenjährige Krieg, der mit den Schlachten bei Hastenbeck, die zur Besetzung Hannovers durch französische Truppen führte,<ref>Walther Mediger: Hastenbeck und Zeven. Der Eintritt Hannovers in den Siebenjährigen Krieg. In: Niedersächsisches Jahrbuch für Landesgeschichte 56, 1984, S. 137–166.</ref> Minden, Warburg und Lutterberg die Region unmittelbar berührte, führte zu einem wirtschaftlichen Niedergang der Region. Der Reichsdeputationshauptschluss von 1803, der die geistlichen Territorien des Wesergebiets säkularisierte, und die nachfolgende Gründung des napoleonischen Königreichs Westphalen 1807 mit Sitz in Kassel, dem ein Großteil des Wesergebiets zufiel,<ref>Helmut Berding: Das Königreich Westphalen als napoleonischer Modellstaat (1807–1813). In: Lippische Mitteilungen aus Geschichte und Landeskunde, 1985, 54, S. 181–193.</ref> brachten schließlich das Ende der bisherigen territorialen Struktur, an deren Stelle die Königreiche Preußen und Hannover, und damit auswärtige Machtzentren, traten. In wirtschaftlicher Hinsicht führten die napoleonische Kontinentalsperre und nachfolgend die britischen Korngesetze zu einem drastischen Rückgang des Getreideexports aus dem Weserraum, während die Aufhebung der Klöster mit ihren Bibliotheken und die Zusammenlegung der Universität Rinteln mit der Philipps-Universität Marburg die Region zugleich ihrer geistigen Zentren beraubte.

Eine Vorstellung von der Landschaft des Weserberglands in diesem Zeitraum findet sich auf zeitgenössischen Darstellungen.<ref>Jochen Luckhardt: Westfalia Picta. Erfassung westfälischer Ortsansichten vor 1900. Band 5: Kreis Höxter, Kreis Paderborn (Westfälisches Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte). Westfalen-Verlag, Bielefeld 1995. ISBN 978-3-88918-060-5</ref> So schuf Carl Ferdinand Fabritius im Auftrag des Paderborner Fürstbischofs Ferdinand von Fürstenberg zwischen 1664 und 1667 einen Vedutenzyklus mit Ansichten aus dem Hochstift Paderborn.<ref>Roland Pieper: Carl Ferdinand Fabritius. Veduten und Altargemälde für den Paderborner Fürstbischof Ferdinand von Fürstenberg, 1664–1667. (Studien und Quellen zur westfälischen Geschichte, 55) Bonifatius-Verlag, Paderborn 2006.</ref> Im Anschluss daran brachte der aus Brakel gebürtige Johann Georg Rudolphi für die 1672 erschienene 2. Auflage der Monumenta Paderbornensia Fürstenbergs die wichtigsten Orte des Fürstbistums, darunter auch die des Weserraumes, in Kupfertafeln zur Darstellung.<ref>Dirk Strohmann: Johann Georg Rudolphi 1633–1693. Das druckgraphische Werk. Schöningh, Paderborn 1981; digitalisat der Ausgabe von 1672</ref> Für Herzog Karl I. von Braunschweig-Wolfenbüttel führte der Braunschweiger Landschaftsmaler Pascha Johann Friedrich Weitsch im Jahre 1756 eine Serie von Darstellungen von Städten und Orten des Herzogtums auf Tellern der neugegründeten Porzellanmanufaktur Fürstenberg aus.<ref>Annedore Müller Hofstede: Landschaftsmalereien von Pascha Johann Friedrich Weitsch. In: Niederdeutsche Beiträge zur Kunstgeschichte. 4, 1965, S. 269–306.</ref>

Architektonische Entwicklung[Bearbeiten]

Datei:Corvey Schloss Westflügel.jpg
Corvey, Westflügel
Datei:Corvey - 2017-09-23 - Hofportal (01).jpg
Hofportal in Corvey
Datei:Dachwerk-Fachbegriffe (J.F. Penther, 1745, Tf. XLVIII, Ausschnitt).jpg
Dachkonstruktionen nach Penthers Bürgerliche Bau-Kunst

Trotz der territorialen wie religiösen Zersplitterung des Weserraums stellt der Weserbarock einen einheitlichen Baustil dar, der durch seine einfachere Gestaltungsweise bestimmt ist. Das hauptsächliche Baumaterial bildete der aufgrund seines hohen Quarzanteils relativ spröde rote und graue Wesersandstein, der keine feineren Architekturdetails zuließ, wegen seiner leichten Spaltbarkeit aber seit dem 17. Jahrhundert auch als Wandbehang und zur Dachdeckung Verwendung fand<ref>Ulrich Müller: Sollingsandstein – eine Dachdeckung im oberen Weserraum In: ,Restaurator im Handwerk, Heft 1/2011, S. 12f. und 61.</ref> und namentlich in Holzminden in eigenen Steinschleifmühlen bearbeitet wurde. Während die Weserrenaissance für ihre Fassadengestaltungen den leichter zu bearbeitenden und sichtbar verwendeten Obernkirchener Sandstein bevorzugt hatte, wurden die Bauten daher jetzt grundsätzlich verputzt und nur die Hauptgliederungen und Eckquaderungen sichtbar belassen. Lediglich die Portale erhielten dabei eine reichere bildhauerische Ausgestaltung, wobei der Wesersandstein aufgrund seiner natürlichen Zweifarbigkeit dekorativ eingesetzt werden konnte.

Als weiteres Baumaterial, namentlich zur Deckung komplizierterer Turmhelme, wurde der über die Werra transportierte Schiefer aus dem Thüringer Schiefergebirge verwendet. Die reichen Tonlager des Ortes Heisterholz bei Petershagen wurden seit dem 18. Jahrhundert zur Herstellung von Hohlpfannen für die Dachdeckung genutzt. Bauholz für Fachwerk- und Dachkonstruktionen lieferten in hinreichender Quantität Reinhardswald und Solling mit ihren ausgedehnten Buchen- und Eichenbeständen, wobei die Qualität der Stämme die Errichtung komplexer Dachkonstruktionen mit stehendem oder liegendem Stuhl und als Mansarddach zuließ.

Datei:Lüchtringen 1384.JPG
Maurerdenkmal Lüchtringen

Wichtig für die Entwicklung des Bauwesens in der Weserregion wurden die namentlich aus Tirol für den Bau der Abtei Corvey angeworbenen Bauhandwerker, die in dem rechtsweserisch gegenüber von Corvey gelegenen Lüchtringen angesiedelt wurden. Wie Gottfried Loges um 1800 berichtete, lebten hier „viele Maurer, Steinhauer und Dachdecker, welche größtenteils von Frühjahr bis in den späten Herbst im Auslande … ihr Gewerbe treiben. Die Tiroler, welche noch im vorigen Jahrhundert ins Land kamen und sich festsetzten, haben die Mauerei in Aufnahme gebracht.“<ref>Gottfried Loges: Nachrichten vom ehemaligen Fürstentum Corvey. (Digitalisat)</ref> In ähnlicher Weise sind Wandermaurer für die corveyischen Gemeinden Stahle, Albaxen und Brenkhausen belegt.<ref>Heinrich Stewens: Wandermaurer aus dem Weserbergland: Eine arbeits- und sozialpolitische Untersuchung. In: Soziale Welt 5, 1954, S. 156–165 digitalisat.</ref>

Datei:Illustration aus Penther Bau-Anschlag oder Richtige Anweisung.jpg
Titelkupfer zu Penthers Bau-Anschlag
Datei:The Archtitecture of Leon Battista Alberti title page.jpg
The Archtitecture of Leon Battista Alberti, Leoni edition 1726

Einen wichtigen architekturtheoretischen wie didaktischen Einfluss auf das Baugeschehen des Weserbereichs übte der 1736 an die Göttinger Universität berufene Mathematiker Johann Friedrich Penther durch seine auf acht Bände berechnete, durch seinen frühen Tod aber unvollendet gebliebene Ausführliche Anweisung zur Bürgerlichen Bau-Kunst aus,<ref>Johann Friedrich Penther: Ausführliche Anweisung zur Bürgerlichen Bau-Kunst. Johann August Pfeffel, Augsburg, 4 Bände 1744–1748 Digitalisat auf digi.ub.uni-heidelberg.de</ref> worin er neben einem Lexicon Architectonicum und einer Darstellung der Säulenordnungen an Beispielen unterschiedlicher Bauaufgaben von einfachen Wohn-Gebäuden aus Stein und Holtz bis zu Fürstlichen Residenz-Schlössern die jeweiligen Gestaltungsmöglichkeiten erörterte.<ref>Hans Reuther: Johann Friedrich Penther (1693–1749). Ein Göttinger Architekturtheoretiker des Spätbarock. In: Niederdeutsche Beiträge zur Kunstgeschichte, Bd. 20 (1981), S. 151–176.</ref> Unmittelbaren praktischen Bezug auf die Bauausführung hatte vor allem sein 1746 erschienenes Werk für die Erstellung eines Kostenanschlags im Bauwesen.<ref>Johann Friedrich Penther: Bau-Anschlag oder richtige Anweisung in zweyen Beyspielen, als bey einem gemeinen hölzernen und bey einem ansehnlichen steinernen Hause: Wie alle Bau-Materialien, deren Kosten, ingleichen alle übrigen Bau-Kosten ausfindig zu machen, wodurch man eines jeden andern Baues Anschlag zu verfertigen geschickt werden kan, nebst verschiedenen Bau-Anmerckungen, zum Nutzen derer, so mit eigenen Bau-Sachen zu thun haben, oder in Commissionen gebraucht werden, oder sonst als Liebhaber der bürgerlichen Bau-Kunst darin weiter zu gehen trachten. Johann Andreas Pfeffel, Augsburg 1743. Digitalisat der 3. Auflage von 1765 auf digitale-sammlungen.de</ref> Bereits zuvor hatte vor allem auch der für die Georgianische Architektur Englands maßgebliche Giacomo Leoni, der seine 1715 erschienene englische Übersetzung des Architekturtraktats von Andrea Palladio<ref>The Architecture of A. Palladio in Four Books. Containing A short Treatise of the Five Orders, and the most necessary Observations concerning all sorts of Building: As Also The different Construction of Private and Publick Houses, High-Ways, Bridges, Market-Places, Xystes, and Temples, with their Plans, Sections, and Uprights. Revis'd, Design'd, and Publish'd by Giacomo Leoni, a Venetian, Architect to His Most Serene Highness, the Late Elector Palatine. John Watts, London 1715.</ref> – abgesehen von seinem früheren Dienstherrn, Johann Wilhelm von der Pfalz – den beiden führenden Bauherren der Region, Georg Ludwig Herzog zu Braunschweig-Lüneburg (nachfolgend als Georg I. König von England) und Landgraf Karl von Hessen-Kassel, gewidmet hatte, mit seinem Werk einen nicht unwesentlichen Einfluss auf die klassizistische Grundtendenz des Weserbarock genommen. Seine nachfolgende Publikation der Werke von Leon Battista Alberti,<ref>The architecture of Leon Battista Alberti in ten books, of painting in three books and of statuary in one book. Thomas Edlin, London, 1726</ref> bereicherte er um eigene Entwürfe (to which are added several designs of his own, for buildings both public and private), die in ihrer klassischen Einfachheit wie Prototypen von Herrenhäusern im Weserraum erscheinen.

Sakralbau[Bearbeiten]

Datei:Marktkirche.jpg
Paderborn, Jesuitenkirche
Datei:Warburg - 2015-09-19 - Erasmuskapelle (04).jpg
Warburg, Erasmuskapelle
Datei:Brakel - Kapuzinerkirche - 2.jpg
Brakel, Kapuzinerkirche
Datei:Willebadessen - 2017-09-13 - Kloster, St Vitus (02).jpg
Klosterkirche Willebadessen
Datei:Ansicht Jesuitenkirche von Süden-2.jpg
Jesuitenkirche Büren
Datei:Höxter St. Nikolai 01.jpg
Höxter, Nikolaikirche
Datei:Hehlen Aussen Gesamt.JPG
Hehlen, Immanuelkirche
Datei:KapelleNeuhausSollingSüd.jpg
Christus-Kirche von Neuhaus im Solling
Datei:Gottstreu Kirche 2.jpg
Waldenserkirche in Gottstreu
Datei:Carlsdorf-Kirche.jpg
Waldenserkirche mit Schule in Carlsdorf

Im Unterschied zur Weserrenaissance kam dem Sakralbau wieder eine größere Bedeutung zu. Im katholischen Kirchenbau der Gegenreformationszeit steht die von 1667 bis 1671 unter Abt Christoph Bernhard von Galen, zugleich Fürstbischof von Münster, erbaute Abteikirche von Corvey am Anfang der Entwicklung.<ref>Beate Johlen: Die Auswirkungen der Gegenreformation auf den Sakralbau des 17. Jahrhunderts. Reform und Tradition am Beispiel des Wiederaufbaues der ehemaligen Benediktinerabteikirche Corvey/Westfalen im Jahre 1667. Dissertation, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, Bonn 2000. digitalisat</ref> Als kreuzrippengewölbte Wandpfeilerkirche, und ausgestattet mit Maßwerkfenstern, stellt sie wie die 1692 fertiggestellte Jesuitenkirche von Paderborn von Anton Hülse eine Anknüpfung an die nachgotische evangelische Bückeburger Stadtkirche dar.<ref>Karl Josef Schmitz: Grundlagen und Anfänge barocker Kirchenbaukunst in Westfalen. Verein für Geschichte und Altertumskunde Westfalens, Paderborn 1969, S. 68–82.</ref> Eine andere Form der bewussten Orientierung an mittelalterlicher Sakralarchitektur vertritt die Abteikirche Marienmünster, die ab 1661 zu einer romanisierenden Hallenkirche mit gotisierendem Chor umgestaltet wurde.<ref>Christoph Völker: Beiträge zur Baugeschichte des Klosters Marienmünster. In: Marienmünster 1128–1978. Paderborn 1978, S. 87–93.</ref> Auch in dem verstärkt einsetzenden Pfarrkirchenbau dominierte die Rezeption gotischer Formenelemente, so in der Pfarrkirche von Rheder von Gottfried Laurenz Pictorius.<ref>Johann Josef Böker: Der Baumeister der Pfarrkirche von Rheder. In: Jahrbuch 1994 des Kreises Höxter. S. 155–160.</ref>

Mit der Paderborner Franziskanerkirche, errichtet 1668–1671 vom Paderborner Fürstbischof Ferdinand von Fürstenberg durch Antonio Petrini aus Würzburg, hatte sich daneben erstmals ein italienischer Einfluss gezeigt.<ref>Lucia Longo: Antonio Petrini. Ein Barockarchitekt in Franken. Schnell & Steiner, München/Zürich 1985.</ref> Die auf seine Initiative hin 1679 bis 1681 über der Krypta der mittelalterlichen Burgkirche in Warburg errichtete Erasmuskapelle<ref>Walter Freund: Sakrale Kunst in Warburg. In: Die Stadt Warburg 1036–1986, Beiträge zur Geschichte einer Stadt, Teil 2, herausgegeben von Franz Mürmann. Hermann Hermes, Warburg 1986, S. 94.</ref> und die 1698 vollendete Paderborner Michaelskirche des Ambrosius von Oelde hingegen repräsentieren den flandrisch-niederländischen Einfluss.<ref>Eva-Maria Höper: Ambrosius von Oelde. Ein Kapuzinerarchitekt des Frühbarock im Dienst der westfälischen Fürstbischöfe. (= Rhenania Franciscana Antiqua Band 5). Dülmen 1990.</ref> Der 1695 in der Region geborene Johann Conrad Schlaun hinterließ mit seinem Erstlingswerk, der Kapuzinerkirche in Brakel von 1715, einen betont einfachen Baukörper mit formenreduzierter Fassade,<ref>Theodor Rensing: Johann Conrad Schlaun. Leben und Werk des westfälischen Barockbaumeisters. Deutscher Kunstverlag, München 1951, S. 7f.</ref> bei dem Anregungen durch die 1692 fertiggestellte Jesuitenkirche von Paderborn nicht zu übersehen sind.<ref>Manfred Weiß: Die frühen Arbeiten Schlauns und ihre westfälischen Voraussetzungen. In: Johann Conrad Schlaun 1695–1773. Ausstellung zum 200. Todestag. Landesmuseum Münster, 1973, S. 55–63.</ref>

Bis 1722 erfuhr die romanische Klosterkirche Willebadessen durch Abbruch der Seitenschiffe und Seitenchöre einen Umbau zu einem barocken Zentralbau mit vollständig geänderter Außenwirkung, indem den beiden Querhausarmen Turmhauben aufgesetzt wurden. Lediglich Franz Christoph Nagel griff mit seiner Fassade der Paderborner Gaukirche borromineske Gestaltungselemente auf, rückübersetzt in das einfache Idiom der Region. Die ab 1751 nach Plänen des kurkölnischen Baumeisters Johann Heinrich Roth erbaute Kirche Maria Immaculata des Jesuitenkollegs Büren, die sich stilistisch dem süddeutschen Spätbarock anschließt, stellt demgegenüber eher einen Fremdkörper in der Region dar.<ref>Siegfried Rudigkeit: Kolleg und Kirche der Jesuiten zu Büren. Planungs- und Baugeschichte. (Kunstgeschichte: Form und Interesse, Bd. 27). LIT-Verlag, Münster 1989.</ref>

Auf kirchenfürstlicher Initiative entstand im Wesergebiet eine Anzahl repräsentativer Pfarrkirchenbauten mit reicher Innenausstattung. Auf eine Stiftung des Paderborner Fürstbischofs Ferdinand von Fürstenberg gehen die Pfarrkirche von Wünnenberg von 1678 und die Johanneskirche von Beverungen, erbaut 1682 bis 1698 durch die Baumeister Marcus und Karl August Weyrather aus Tirol, zurück. Sein Nachfolger Hermann Werner von Wolff-Metternich zur Gracht ließ 1698 von Ambrosius von Oelde die Pfarrkirche von Wehrden errichten. Auf Veranlassung des Corveyer Abtes Maximilian von Horrich entstand 1714 die Pfarrkirche von Blankenau, auf die von Abt Carl von Blittersdorf 1720 die Pfarrkirche von Bosseborn. 1715 ließ der Komtur Johann Sigismund von Schaesberg die Johanniskapelle des Malteserordens durch einen barocken Neubau ersetzen. Am Ende der Epoche entstand 1766–70 auf Initiative des Corveyer Fürstabts Philipp von Spiegel zum Desenberg anstelle der älteren, mit ihrem Turm in die Stadtbefestigung eingebaute Nikolaikirche in Höxter in zentraler Lage der spätbarocke Neubau mit seiner leicht geschwungenen Turmfassade.

Ausgehend von dem ab 1620 von Giovanni Maria Nosseni errichteten Fürstlichen Mausoleum im lippischen Stadthagen<ref>Marie-Theres Suermann: Zur Baugeschichte und Ikonographie des Stadthagener Mausoleums. In: Niederdeutsche Beiträge zur Kunstgeschichte 22 (1983), S. 67–90.</ref> entstanden in der Folgezeit mehrere Zentralbauten. In der Nähe von Höxter hatte Fürstabt Christoph von Bellinghausen 1689 die Weinbergkapelle als Achteckbau errichten lassen. Nach einem Entwurf von Johann Conrad Schlaun entstand 1717–20 im Auftrag des Paderborner Dompropstes Ignaz Anton Friedrich von der Asseburg die Sakramentskapelle in Büren, als private Gedächtniskapelle für Hermann Ludwig aus derselben Adelsfamilie 1719 die Annenkapelle in Brakel.

Im protestantischen Kirchenbau des Wesergebiets dominierte der Bautypus der chorlosen Predigtkirche mit Empore. Die nach außen schlichten, meist turmlosen, dafür mit einem Dachreiter ausgestatteten Bauten entsprechen in ihrer Gestaltung mit einfachen Sandsteingewänden dem allgemeinen stilistischen Erscheinungsbild, so in der 1730–37 errichteten Erlöserkirche in Boffzen. Der Typus begegnet bereits bei den Kirchenbauten der späten Weserrenaissance, so in der 1569 erbauten und 1664 erweiterten Markuskirche in Lauenförde sowie in der 1575 auf den Resten der alten Kirche errichteten Markuskirche von Derental. Hinzu kommt die Johanneskirche in Meinbrexen, erbaut 1585 bis 1589 durch Statius von Münchhausen und 1736 nach Blitzschlag erneuert.

Einen entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung übte die 1697–1699 durch den braunschweigischen Landbaumeister Hermann Korb erbaute Immanuelkirche von Hehlen aus,<ref>Wolfgang Kelsch: Hermann Korb. Barockbaumeister am Wolfenbütteler Fürstenhof. Braunschweigischer Geschichtsverein, Braunschweig 1985.</ref> deren doppelgeschossig mit umlaufenden Emporen ausgestatteter Innenraum durch ein in den Dachstuhl integriertes hölzernes Muldengewölbe abgeschlossen wird. Die ab 1732 entstandene Martinskirche von Eschershausen wurde als eine Emporenhalle mit flachgedeckten Abseiten und einem hölzernen Tonnengewölbe im Mittelschiff konzipiert, in den Jahren 1730 bis 1737 entstand die Erlöserkirche von Boffzen als einfache Saalkirche mit hölzernem Tonnengewölbe.

Unter die späten Kirchenbauten fallen die 1768 einem romanischen Turmbau angefügte Urbanskirche von Brevörde, die 1778 errichtete Nicolaikirche in Hullersen und die 1780 als Schlosskapelle des Jagdschlosses Neuhaus erbaute Christuskirche. Noch 1793/94 entstand die Dionyskirche in Stadtoldendorf als flachgedeckte Hallenkirche mit hölzernen Stützen. 1782 wurde die evangelische Pfarrkirche in Lauenförde um ihren Kirchturm als einem städtebaulichen Pendant zur katholischen Pfarrkirche von Beverungen auf dem gegenüberliegenden Weserufer ergänzt.

In der Landgrafschaft Hessen-Kassel errichtete der Landbaumeister Giovanni Ghezzi zahlreiche einfach gestaltete Landkirchen.<ref>Anette Weber: Giovanni Ghezzy’s barocke Dorfkirchen in der Landgrafschaft Hessen-Kassel. Magisterarbeit, Philipps-Universität Marburg 1992.</ref> Daneben sind im hessischen Herrschaftsbereich des Wesergebiets vor allem die in sehr einfachen Formen gehaltenen Kirchenbauten der Waldenser in Gottstreu und Gewissenruh zu nennen.<ref>Jochen Desel: Hugenottenkirchen in Hessen-Kassel. Verlag des Deutschen Hugenotten-Vereins, Karlshafen 1972, S. 96–103.</ref> Einzelne Kirchenbauten wurden zum Teil auch in Fachwerk errichtet wie die zwischen 1701 und 1704 nach Plänen von Paul du Ry erbaute Evangelische Kirche Carlsdorf sowie die (bereits klassizistisch geprägte) Christuskirche von Gieselwerder.<ref>Irmgard Bott u. a.: Fachwerkkirchen in Hessen. Förderkreis Alte Kirchen e. V., Marburg 1983, S. 48.</ref>

Klosteranlagen[Bearbeiten]

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Kloster Brenkhausen
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Kloster Dalheim
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Jesuitenkolleg Büren
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Kloster Barsinghausen
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Kloster Fischbeck

Mit der Wiedererrichtung der klösterlichen Gemeinschaften im Zuge der Gegenreformation entstanden mehrere Klosteranlagen neu. So wurden ab 1699 unter den Äbten Florenz von dem Velde und Maximilian von Horrich die barocken Abteigebäude von Corvey, eine um zwei Höfe gruppierte und von zwei Türmen flankierte Anlage geschaffen, bei der lediglich die Portale eine künstlerisch aufwendigere Gestaltung erhielten.<ref>Fritz Sagebiel: Baumeister in und um Corvey unter besonderer Berücksichtigung der Neuzeit. Tölle, Detmold 1973.</ref> Wie ein um 1700 entstandener Grundrissplan der ab 1651 von Michael Beer errichteten Fürstabtei Kempten im Archiv von Corvey<ref>Kempten (Kempten) Klostergebäude Grundriß Obergeschoß. Der Grundriß von der anderten Contignation der Residenz undt des Conventh um 1700 50 (Fuß). Kolorierte Zeichnung, Bem.: Ortsbestimmung nach Auskunft v. Prof. Ellger Fürstabtei Corvey, Akten Nr. 514. Digitalisat in der Deutschen Digitalen Bibliothek</ref> belegt, diente diese Anlage als unmittelbares Vorbild für die Planung der Corveyer Konventsgebäude. Daneben erfuhren die Konvente der anderen Orden umfangreiche Neubauten. So erhielten das Benediktinerinnenkloster Gehrden in den Jahren 1693 bis 1711, das benachbarte Benediktinerinnenkloster Willebadessen von 1700 bis 1713 und das Zisterzienserinnenkloster Brenkhausen von 1710 bis 1746 jeweils im Anschluss an die mittelalterliche Klosterkirche barocke Konventsbauten. Das Augustiner-Chorherrenstift Dalheim wurde 1711 bis 1737 unter seinem Prior Bartholdus Schonlau zu einer dreiflügeligen Schlossanlage erweitert und das Zisterzienserabtei Bredelar erhielt 1726 bis 1766 einen umfangreichen barocken Neubau, während das exponiert über dem Diemeltal gelegene Dominikanerkloster Warburg mit seinen Konventsbauten 1736–1756 erneuert wurde. Die Jesuiten erhielten ab 1717 mit dem schlossartigen Kolleg Büren durch den Baumeister Gottfried Laurenz Pictorius eine eigene Niederlassung in der Region. Als die Minoriten von Höxter 1651 ihren Konvent verlassen mussten, betraute sie der Paderborner Fürstbischof Dietrich Adolf von der Recke 1657 mit der Pfarrei Herstelle, an der sie in der Folgezeit eine Klosterniederlassung gründeten und 1734 eine eigene Klosterkirche erbauten.

Eine Besonderheit der Region stellen die sogenannten Calenberger Klöster dar, die nach Einführung der Reformation als evangelische Frauenstifte fortgeführt und von der Klosterkammer Hannover verwaltet werden. Zu ihnen gehört das ehemalige Augustinerchorfrauenstift Barsinghausen, dessen schlossartiges Abteigebäude mit giebelbekröntem Mittelrisalit in den Jahren 1700–1704 durch den Hannoveraner Architekten Georg Sigismund Schmidt, dem Erbauer von Schloss Hardenberg, neuerrichtet wurde. In ähnlicher Weise erfuhr die ehemalige Benediktinerabtei Bursfelde an der Oberweser, der Ausgangsort der noch bis 1803 fortbestehenden Bursfelder Kongregation,<ref>Nicolaus Heutger: Bursfelde und seine Reformklöster. Lax, Hildesheim 1975.</ref> in dieser Zeit einen Neubau ihrer Abteibauten. Im Stift Fischbeck wurde 1783 ein neues Abteigebäude in Fachwerkbauweise mit Walmdachabschluss und kleiner Freitreppe in bereits klassizistischer Baukubatur errichtet.

Profanbau[Bearbeiten]

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Schloss Bückeburg
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Schloss Schieder
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Schloss Pyrmont
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Schloss Welda, Orangerie
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Schloss Vinsebeck
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Schloss Rheder
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Herrenhaus Natzungen
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Schloss Wöbbel
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Schloss Stammen

Nach der intensiven Neubautätigkeit des 16. Jahrhunderts bestand nun für diese Bauaufgabe ein geringerer Baubedarf, doch führte das gesteigerte fürstliche Repräsentationsbedürfnis der im Weserraum gelegenen Residenzen zu einer gesteigerten Bautätigkeit. Während am Residenzschloss Detmold 1673 die Hofanlagedurch Graf Simon Heinrich durch den rückwärtigen Flügel geschlossen wurde und nach 1700 unter Graf Friedrich Adolf die beiden Langflügel zu Repräsentationsräumen ausgebaut wurden, so wurden an der schaumburg-lippischen Residenz Schloss Bückeburg nach einem Brand 1732 Süd- und Ostflügel unter Einbeziehung des mittelalterlichen Turms in einfachen Formen erneuert, Ende des 19. Jahrhunderts symmetrisch erweitert um den Festsaaltrakt. Im Auftrag des Fürsten Friedrich Anton Ulrich von Waldeck-Pyrmont wurde in den Jahren 1706–1710 innerhalb der bestehenden Festung das Schloss Pyrmont erbaut, ab 1721 erweitert durch den Architekten Julius Ludwig Rothweil, der zuvor auch das waldeckische Residenzschloss Arolsen sowie die Stadtkirche Arolsen als Bestandteil einer umfassenderen barocken Stadtplanung errichtet hatte.<ref>Michael Neumann: Die Stadtkirche in Arolsen – ein Sakralbau als Bestandteil barocker Stadtplanung. Museum der Stadt Arolsen und Museumsverein Arolsen, Bad Arolsen 1996.</ref> Graf Rudolph zur Lippe-Brake ließ ab 1703 Schloss Schieder durch den aus Tirol stammenden und zuvor beim Neubau von Kloster Corvey involvierten Joseph Falck als mit Walmdach bekrönten Baukubus mit übergiebelten Mittel- und Seitenrisaliten errichten. In Detmold erbaute Graf Friedrich Adolf von Lippe-Detmold bis 1718 als eine Dreiflügelanlage das (1847 zum Neuen Palais klassizistisch umgebaute) Schloss Favorite. Aufwendiger, d. h. mit applizierten Säulen im Obergeschoss, wurde das zu Bückeburg gehörende Jagdschloss Baum 1760/61 unter Graf Wilhelm zu Schaumburg Lippe errichtet. 1689 ließ Landgraf Karl von Hessen am Weserufer das Jagdschloss Veckerhagen erbauen, erweitert 1723–1730 durch den Architekten Giovanni Ghezzi.

Die im 17. und 18. Jahrhundert in fürstlichen Residenzen obligatorischen Orangeriebauten fanden an verschiedenen Schlössern der Region eine Verwirklichung. In Kassel entstand mit der Anlage der Karlsaue 1703 bis 1711 der Bau der Orangerie. In Corvey ließ Fürstabt Caspar von Böselager 1741 durch Franz Christoph Nagel eine (später als Teehaus bezeichnete) Orangerie errichten sowie die Heilquelle („Gesundbrunnen“) im benachbarten Godelheim erschließen und durch denselben Architekten dort ein Herrenhaus mit Gartenanlage errichten, dass den Fürstäbten fortan als Sommerresidenz diente. Schloss Welda erhielt ab 1756 unter Hermann Adolph von Haxthausen seine Orangerie. In Rinteln hat sich ein um 1780 auf einem Gartengrundstück außerhalb der Stadt errichteter Gartenpavillon der Familie von Münchhausen erhalten.

Infolge der vorwiegend landwirtschaftlich geprägten Kultur spielte – wie zuvor in der Weserrenaissance – die Bauaufgabe der Herrenhäuser von Adelsgütern eine Rolle, die nun als einheitliche Gestaltung als einfache zweigeschossige Baukubaturen gestaltet wurden. Dabei wurde der für Schlossbauten charakteristische Typus der Dreiflügelanlage meist nur mittels flacher Risalite angedeutet, während der Mittelrisalt durch Dreiecks- oder Segmentgiebel bekrönt wurde. Ab 1696 ließ der Paderborner Fürstbischof Hermann Werner von Wolff-Metternich zur Gracht das Schloss Wehrden wie auch parallel dazu das bereits im Fürstbistum Hildesheim gelegene Schloss Bisperode durch Ambrosius von Oelde errichten, von Gottfried Laurenz Pictorius stammt das Schloss Rheder, von Justus Wehmer die Schlösser in Welda und Vinsebeck, erbaut 1720 durch den Drosten Johann Friedrich Ignaz von der Lippe gemeinsam mit drei als Domherren in Paderborn residieren Brüdern.<ref>Klaus G. Püttmann: Die barocken Schloßbauten Justus Wehmers in Westfalen. Zu Bedingungen und Wegen in der Architekturrezeption. (Denkmalpflege und Forschung in Westfalen Bd. 13). Habelt, Bonn 1986, S. 62–72 und 79–90.</ref> In Meinbrexen errichtete die Familie von Mansberg 1699 das Herrenhaus der Gutsanlage als ein mansarddachgedecktes Bauwerk über H-förmigem Grundriss. 1698 ließ Hermann Wilhelm von Spiegel zum Desenberg das Herrenhaus von Gut Dalheim errichten, und 1728 Leopold von Sieghardt das Herrenhaus Natzungen.<ref>Anna Bálint: Burgen, Schlösser und historische Adelssitze im Kreis Höxter. Höxter 2002.</ref> 1712 bis 1723 erfolgte durch Ferdinand von und zu Brenken der Bau von Schloss Erpernburg.<ref>Karl E. Mummenhoff: Kurze Baugeschichte des Hauses Erpernburg. In: Georg Freiherr von und zu Brenken (Hrsg.): 250 Jahre Haus Erpernburg. 1731–1981. Erpernburg 1981, S. 37–40.</ref> Zu den wichtigen Bauherren der Region gehörten die Mitglieder der lippischen Familie von Donop. Nach Kriegszerstörung des Renaissanceschlosses errichtete der Landdroste Lewin Moritz von Donop 1690 Schloss Wöbbel,<ref>Roland Linde (Hrsg.): Die Familie von Donop und das Rittergut Wöbbel. Lippe Verlag, Lage 2015.</ref> 1714–1720 erbaute Reichshofrat Karl Heinrich von Donop das Schloss Himmighausen als eine (unvollendete) Dreiflügelanlage, 1729 wurde Schloss Stietencron von dem hessischen Staatsminister August Moritz von Donop erbaut. Ab 1760 schließlich entstand an der Diemel das Schloss Stammen, errichtet von Christoph Friedrich Rabe von Pappenheim, landgräflich-hessischer Generalmajor und Oberamtmann in der Herrschaft Schmalkalden. Diese Bauten kennzeichnet eine einheitliche Gestaltung mit Giebelaufsätzen, die an die frühen Schlossbauten der Weserrenaissance unter Jörg Unkair anderthalb Jahrhunderte früher erinnern.

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Gestüt Neuhaus (Solling)

Zu den Herrenhäusern gehörten in der Regel umfangreiche und regelmäßig angelegte landwirtschaftliche Nutzbauten. In Rehder beauftragte Bruno Burchard von Mengersen 1716 Lambert Friedrich Corfey gemeinsam mit den beiden Brüdern Pictorius,<ref>Johann Josef Böker: Unbekannte Planzeichnungen Lambert Friedrich Corfeys. In: Westfalen. Band 67, 1989, S. 171–183.</ref> eine mit einem Wassergraben umgebene Vorburg zu erbauen, die letztlich aber bis 1727 durch Johann Conrad Schlaun realisiert wurde. 1736 entstanden im Auftrag des Kurfürsten Clemens August von Bayern die hufeisenförmig angelegten Marstallgebäude von Schloss Neuhaus,<ref>Walter Becker: Schloss Neuhaus. Das ehemalige Wohngebäude der Paderborner Bischöfe. Schöningh, Paderborn 1970, S. 78f.</ref> ab 1760 unter König Georg III. das hannoversche Gestüt Neuhaus im Solling.<ref>British museum dept. of pr. books: Catalogue of Maps, Prints, Drawings, etc., 1829, Band 2, S. 82</ref> Umfangreiche Gutsanlagen entstanden auch im Zusammenhang der Klöster, so an der Abtei Corvey.

Datei:Invalidenhaus (Bad Karlshafen).jpg
Invalidenhaus Karlshafen

Als eine frühe Sozialeinrichtung wurde 1704–1710 von Friedrich Conradi im Auftrag vom Landgraf Karl von Hessen-Kassel das Invalidenhaus in Karlshafen als ein ehemaliges Altenheim für Kriegsversehrte erbaut. Zur Unterbringung der Mitarbeiter der Porzellanmanufaktur Fürstenberg wurden bereits einheitliche Werkwohnungen errichtet. Ein ähnlicher Trakt mit Bedienstetenwohnungen entstand bereits um 1730 in der Vorburg der Abtei Corvey.

Städtebau[Bearbeiten]

Datei:Hafenplatz, 3, Bad Karlshafen, Landkreis Kassel.jpg
Karlshafen, Hafenbecken mit ehem. Packhaus
Datei:Stadtsparkasse Hameln Garnisonkirche.jpg
Garnisonskirche Hameln
Datei:Wilhelmstein island Steinhuder Meer lake Lower Saxony Germany.jpg
Festung Wilhelmstein im Steinhuder Meer
Datei:Kirchstraße, Södergasse.jpg
Bad Sooden-Allendorf, Kirchstraße
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Hugenottendorf Gottstreu

Im Unterschied zur Weserrenaissance bildeten nach den Erfahrungen des Dreißigjährigen Kriegs Städte- und Festungsbau eine wichtige Aufgabe. 1699 wurde durch Landgraf Karl von Hessen-Kassel Karlshafen als eine städtebauliche Gesamtanlage gegründet,<ref>Andreas Jakob: Die barocke Stadtanlage von Karlshafen und ihre europäischen Wurzeln. Ein Beitrag zur Gründung der „Hugenottenstadt“ vor 300 Jahren durch Landgraf Carl von Hessen-Kassel. In: Jahrbuch der Hessischen Kirchengeschichtlichen Vereinigung. 51, 2000, ISBN 3-931849-05-8, S. 3–41.</ref> deren einfache einheitliche Fassadengestaltung in der ein Jahrzehnt zuvor begonnenen Kasseler Oberneustadt ihr Vorbild hat. In der fürstlich-lippischen Residenzstadt Detmold war in Zusammenhang mit dem Bau des 1709–1718 errichteten (später umgebauten) Neuen Palais entlang des Friedrichstaler Kanals die Neustadt als eine planeinheitliche Anlage entstanden.

Zur Sicherung konkurrierender Herrschaftsansprüche wurden mehrere Städte zu Festungen ausgebaut. Die strategisch günstig gelegene Stadt Minden, seit 1648 im Besitz Brandenburg-Preußens, erfuhr unter Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg einen Ausbau zur Festung,<ref>Volkmar Ulrich Meinhardt: Die Festung Minden. Gestalt, Struktur und Geschichte einer Stadtfestung. Bruns, Minden 1958 (Mindener Beiträge zur Geschichte, Landes- und Volkskunde des ehemaligen Fürstentums Minden Heft 7).</ref> die Festung Hameln wurde 1664–1684 durch Herzog Georg Wilhelm von Braunschweig-Lüneburg,<ref>Gerhard Pieper: Die Festung Hameln. Geschichte, Bauwerke und Institutionen. Hameln 2006.</ref> die weserabwärts gelegene Festung Rinteln 1665–1678 von Landgraf Wilhelm VI. von Hessen-Kassel angelegt.<ref>Karl Vogt: Stadt und Festung Rinteln. Die Geschichte der Rintelner Befestigungen. Rinteln, 1964.</ref> Die Stadt Oldenburg wurde 1667 bis 1765 zur dänischen, Stade seit 1659 zur schwedischen Königsfestung ausgebaut, das erhaltene Zeughaus am Pferdemarkt in Stade wurde 1697 bis 1699 errichtet. Nicht über Anfänge hinaus gedieh um 1670 der schwedische Versuch der Gründung von Carlsburg als Festungsstadt an der Mündung der Geeste in die Weser. Noch 1761 bis 1767 entstand unter Graf Wilhelm zu Schaumburg-Lippe die Festung Wilhelmstein im Steinhuder Meer.<ref>Silke Wagener-Fimpel, Martin Fimpel: Die Festung Wilhelmstein im Steinhuder Meer. Schaumburger Landschaft, Bückeburg 2004.</ref>

Die Zerstörung von Städten im Dreißigjährigen Krieg (Höxter 1631, Allendorf an der Werra 1637, Holzminden 1640) führte zu einem Wiederaufbau in Fachwerkbauweise mit meist traufständiger Zeilenbebauung. Auch hier wurde auf die für den Fachwerkbau der voraufgehenden Weserrenaissance charakteristische ornamentale Ausgestaltung zugunsten einer vorwiegend struktiven Bauweise verzichtet. Lediglich in den nun zahlreich entstehenden Bauernhäusern der Region hielt sich der Inschriftenbrauch sowie die Ausschmückung der Einfahrtstore durch Schnitzwerk.<ref>Helmut Rain: Dielentore im Landkreis Holzminden. Bilder alter Handwerkskunst 1670–1850. Holzminden 1987.</ref> Als ein neuartiger Bautypus entstand hier das Querdielenhaus, das gegenüber dem älteren giebelständigen Hallenhaus den Vorteil der traufseitigen Erschließung und damit der strikteren Trennung von Wohn- und Wirtschaftsteil besaß.<ref>Wilhelm Hansen, Herbert Kreft: Fachwerk im Weserraum. Niemeyer. Hameln 1980, ISBN 3-87585-048-3.</ref>

Als es nach dem 1685 erlassenen Edikt von Fontainebleau zur Vertreibung der Hugenotten aus Südwestfrankreich kam, gründete Landgraf Karl von Hessen-Kassel in den Randbereichen seines Territoriums mehrere Niederlassungen, die als Franzosendörfer bekannt wurden und sich durch ihre planmäßige Anlage als Straßendorf mit zweigeschossiger Fachwerkbebauung auszeichnen. Derartige Hugenotten-Siedlungen entstanden in Kelze, Schöneberg und Gewissenruh.<ref>Jochen Desel: Französische Dörfer: 300 Jahre Kelze und Schöneberg, Band II: Deutsche Zuwanderer 1669–1779. Verein für Hessische Geschichte und Landeskunde Kassel 1834, Zweigverein Hofgeismar, Hofgeismar 1999.</ref> Unter Landgraf Friedrich II. wurden um 1775 die Siedlungen Friedrichsdorf, Friedrichsfeld und Friedrichsthal planmäßig angelegt.

Kirchenausstattungen[Bearbeiten]

Datei:Höxter, Corvey, St. Stephanus und Vitus, Blick vom Eingang auf den Altar (2).JPG
Corvey, Abteikirche
Datei:Hehlen Innen Gesamt a.JPG
Hehlen, Immanuelkirche
Datei:Corvey Orgel (2).jpg
Abteikirche Corvey, Orgelprospekt
Datei:Orgel Abtei Marienmünster.JPG
Abteikirche Marienmünster, Orgelprospekt
Datei:Northeim, St. Sixti, 2013-08 CN-08.jpg
Northeim, St. Sixti, Orgelprospekt

Die intensive Kirchenbautätigkeit des Weserbarocks bot zahlreichen Künstlern der Region eine Beschäftigung. Zu den führenden Schnitzkünstlern zählt Johann Sasse aus Attendorn, der mit seiner Werkstatt einzelne sakrale Ausstattungsstücke wie Altäre, Figuren, Orgelprospekte, aber auch vollständige Kirchenausstattungen schuf, so die der Abteikirche Corvey, wo er nach dem Entwurf des paderbornischen Hofmalers Johann Georg Rudolphi aus Brakel arbeitete. Die Gemälde des Hochaltars stammen u. a. vom Hofmaler der Herzöge von Braunschweig-Wolfenbüttel Tobias Querfurt. Von Johann Martin Pictorius stammen Gemälde u. a. in der Brakeler Kapuzinerkirche und der Pfarrkirche von Rheder.

Als die beiden bedeutendsten Bildhauer des Weserbarock sind Heinrich Papen und Christoph Papen aus Giershagen zu nennen, die zahlreiche Bildwerke und kirchliche Ausstattungen in der Region, so die barocke Neuausstattung der romanischen Stiftskirchen von Stift Heerse und Kloster Obermarsberg mit Orgelprospekt, Kanzel, Chorgestühl, Altären, Kirchenbänken, Beichtstühlen und Figuren schufen.<ref>Karl Josef Schmitz: Die Bildhauerfamilie Papen in Giershagen. Zum 250. Todestag des Heinrich Papen. Schöningh, Paderborn 1970; Gabriele Buchenthal/Heinz Bauer: Heinrich Papen (um 1645–1719), Christophel Papen (1668–1735). Eine westfälische Bildhauerwerkstatt im Zeitalter des Barock. Schöningh, Paderborn 1995.</ref> Sehr viel einfacher gehalten hingegen sind die Innenraumgestaltungen der meist mit Emporenanlagen ausgestatteten evangelischen Kirchen der Region. Wichtigstes Ausstattungsstück dieser Kirchen ist der Kanzelaltar, dessen portalartiger Aufbau ein programmatisches Gegenstück zu den barocken Altarretabeln der katholischen Kirchen darstellt.

Die kirchenmusikalische Kultur des Weserbarock fand in den zahlreichen Orgelbauten der Epoche ihren Ausdruck. Am Anfang der Reihe steht die 1681 von Andreas Schneider aus Höxter gebaute und 1718 von Johann Matthias Naumann aus Hildesheim erweiterte Orgel der Abteikirche Corvey (die zugehörige Chororgel befindet sich heute in Amelunxen). Von Schneider stammen auch die 1677 erbaute Orgel der Abteikirche von Kloster Gehrden und die Orgel von 1683 im Kloster Wormeln. Parallel zu Schneider war der Bielefelder Orgelbauer Peter Henrich Varenholt in der Region tätig, von dem die um 1707 erbaute große Orgel von Kloster Obermarsberg stammt. Der nachfolgenden Generation gehören die aus einer Herforder Orgelbauerfamilie stammenden Brüder Christian Klausing und Johann Berenhard Klausing mit ihren Orgeln in der Kilianikirche in Höxter und (1945 verloren) in der ehem. Dominikanerkirche St. Maria in vinea in Warburg an. In der Kirche von Stift Heerse erbaute Andreas Reinecke 1713 ein wichtiges Orgelwerk. Der bedeutendste unter den westfälischen Orgelbauern des Barock, der aus Soest stammende Johann Patroclus Möller, hinterließ mit der Orgel der Abteikirche Marienmünster ein klangvolles Werk.<ref>Rudolf Reuter: Orgeln in Westfalen. Bärenreiter, Kassel 1965, S. 20–23.</ref> In den protestantischen Kirchen östlich der Weser errichteten der in Einbeck wirkende Andreas Schweimb sowie Johann Heinrich Gloger in der Sixtikirche in Northeim und sein Sohn Johann Wilhelm Gloger in Sack bei Alfeld große Orgelwerke.<ref>Harald Vogel, Günter Lade, Nicola Borger Keveloh: Orgeln In Niedersachsen. Hauschild, Bremen 1997, S. 226–231.</ref> In Gottsbüren bestand ein Orgelbauzentrum, dessen wichtigster Vertreter Johann Stephan Heeren um 1774 u. a. die Orgeln in der Elisabethkirche in Kassel und der Stadtkirche Arolsen erbaute. Von Hannover aus war auch der Orgelbauer Christian Vater, so 1732 in der Münsterkirche St. Alexandri in Einbeck, im Bereich der Mittelweser tätig.

Ausklang[Bearbeiten]

Datei:Boekendorf Schloss Boekerhof 2026.jpg
Schloss Bökerhof
Datei:SchlossHueffe2.jpg
Schloss Hüffe
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Vlotho, Reformierte Kirche
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Amelunxen, St. Peter und Paul

Nach dem Siebenjährigen Krieg kam die Baukonjunktur des Weserbarock zum Erliegen, auch wenn in der Folgezeit noch vereinzelte Bauprojekte zur Ausführung gelangten. In Bökendorf ließ Caspar Moritz von Haxthausen 1768–1771 durch den Hildesheimer Hofbaumeister Anton Went Schloss Bökerhof errichten.<ref>Günter Tiggesbäumker: Bökerhof: Das Haus, seine Geschichte und seine Bewohner. Bökerhof Gesellschaft, Bökendorf 2000.</ref> Hingegen konnten die Bauten des nachfolgenden Klassizismus, der sich vor allem in den Schlossbauten von Simon Louis du Ry manifestierte, stilistisch bruchlos an dessen einfache Gestaltungsweise anknüpfen. Von diesem von Kassel aus agierenden Architekten stammen im Wesergebiet Schloss Fürstenberg, errichtet 1774 bis 1783 für Friedrich Wilhelm von Westphalen, Bischof von Hildesheim und Paderborn, das 1775–1784 erbaute Schloss Hüffe sowie das Schlösschen Schönburg bei Hofgeismar, errichtet 1787 bis 1790.<ref>Friedrich Wilhelm Bätjer: Das Landschloss Hüffe und Simon Louis du Ry (Westfalen. Sonderheft 8). Coppenrath, Münster 1941.</ref> Letztlich folgt auch das ab 1827 von Johann Conrad Bromeis erbaute Schloss Beberbeck mit der zugehörigen Gestütsanlage trotz aller klassizistischer Einzelelemente noch den einfachen Gestaltungsprinzipien des Weserbarock.

In Vlotho erhielt 1783 die Reformierte Gemeinde mit Unterstützung des preußischen Königs Friedrich II. die Johanniskirche in Form eines oktogonalen Zentralbaus. Gewissermaßen ein nachträglicher Kirchenbau des Weserbarock entstand mit der Pfarrkirche von St. Peter und Paul in Amelunxen, die der letzte Corveyer Fürstbischof Ferdinand von Lüninck 1818 als Ersatz für das mit der evangelischen Georgskirche des Ortes bestehende Simultaneum stiftete. Die späte Bauzeit des ostseitig polygonal geschlossenen Saalbau mit eingezogenem Westturm manifestiert sich lediglich in den gotisierenden Spitzbogenfenstern und dem bekrönenden Spitzhelm. Ausstatten ließ Fürstbischof Ferdinand die 1822 geweihte Kirche mit Hochaltar, Kanzel und Kommunionbank der 1804 säkularisierten Minoritenkirche in Höxter und der Chororgel der Corveyer Abteikirche, so dass hier insgesamt ein barocker Innenraum wiedererstand.<ref>Friedrich Sagebiel: Die mittelalterlichen Kirchen der Stadt Höxter (Höxtersches Jahrbuch Bd. V). Höxter 1963, S. 121–123.</ref> Auch die 1828 bis 1830 von Ludwig Hellner errichtete ev. Pfarrkirche St. Jacobi von Stolzenau lässt bei allem klassizistischen Detail den barocken Bautypus der Emporenhalle mit Kanzelaltar wie zuvor in Hehlen erkennen.

Gesamtbild[Bearbeiten]

Der Weserbarock stellt eine insgesamt einheitliche Stilrichtung innerhalb des Barock-Klassizismus Nordwesteuropas dar. Seine Bauten werden bestimmt durch eine möglichst einfache Baukubatur mit nur wenigen ausgearbeiteten architektonischen Details. Die Masse der Bauten von Bürgerhäusern, Herrenhäusern und Landkirchen wurde von anonymen Baumeistern und Bauhandwerkern errichtet. Anspruchsvollere Bauten entstanden meist nach der Planung von Architekten aus den benachbarten fürstlichen Residenzen, deren Territorien an die Weser angrenzten.

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Die Weinbergkirche in Pillnitz

Der aus der Umgebung von Warburg stammende wichtigste Vertreter des westfälischen Barocks, Johann Conrad Schlaun, ist nur mit wenigen Frühwerken im Weserraum repräsentiert. Der aus Herford gebürtige Baumeister des Dresdner Barocks, Matthäus Daniel Pöppelmann, hingegen hinterließ keine architektonischen Spuren in der Region, während seine 1723 errichtete Weinbergkirche in Pillnitz<ref>Hartmut Mai: Matthäus Daniel Pöppelmanns Anteil am evangelischen Kirchenbau des Barocks in Dresden. In: Harald Marx (Hrsg.): Matthäus Daniel Pöppelmann. Der Architekt des Dresdner Zwingers. VEB E. A. Seemann Buch- und Kunstverlag, Leipzig 1990, S. 266.</ref> als Reminiszenz an evangelische Kirchenbauten der Weserregion verstanden werden kann.

Rezeption[Bearbeiten]

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Bad Karlshafen, Erholungsheim für Eisenbahnbeamte
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Bad Nenndorf, ehem. Schwefelbadehaus
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Bad Eilsen, Fürstenhof
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Bad Driburg, Missionsschule

Im ausgehenden 19. Jahrhundert weckte der aus Eschershausen stammende Wilhelm Raabe in seinen in dieser Zeit angesiedelten sogenannten Weserromanen Höxter und Corvey (1879), Das Odfeld (1888) und Hastenbeck (1899) ein Interesse an der Kultur des Weserbarock. Aufgrund seiner Vorliebe für klare Baukubaturen und eine reduzierte Formensprache erfuhr der Weserbarock gegen Ende des Historismus um 1900 dann auch architektonisch eine Rezeption in der sogenannten Heimatschutzarchitektur. Der aus dem westfälischen Lippstadt gebürtige Friedrich Ostendorf bezog sich in seinen Schriften (Sechs Bücher vom Bauen (1914–20); Haus und Garten (1914)) wiederholt auf beispielhafte Schlossbauten des Weserraums.<ref>Werner Oechslin: „Entwerfen heißt, die einfachste Erscheinungsform zu finden“. Mißverständnisse zum Zeitlosen, Historischen, Modernen und Klassischen bei Friedrich Ostendorf. In: Werner Oechslin: Moderne entwerfen. Architektur und Kulturgeschichte. DuMont, Köln 1999.</ref>

Einen wesentlichen Einfluss erhielten die Baugewerkschulen der Region. Der 1831 vom königlich hannoverschen Baubeamten Emanuel Bruno Quaet-Faslem gegründeten Königlichen Baugewerkschule Nienburg<ref>Stefan Amt: „Nicht Architekten und Künstler wollen wir ausbilden ...“. Von der Baugewerkschule zur Fachhochschule – Ausbildung im Bauwesen in Nienburg. (Online)</ref> waren ähnliche Gründungen, so noch in demselben Jahr durch Friedrich Ludwig Haarmann in Holzminden (ab 1896 Staatliche Bauschule) und 1864 durch Karl Möllinger in Höxter gefolgt, die sich ab 1900 zunehmend der Pflege der regionalen Bauweise namentlich in der bürgerlichen Wohnhaus- und Villenarchitektur widmeten. In gleicher Weise bezog sich der Architekt der Eisenbahndirektion Kassel und spätere hessische Denkmalpfleger Alois Holtmeyer in seinen Bahnhofsbauten u. a. an der Main-Weser-Bahn auf gestalterische Vorbilder des Weserbarock. So erhielt sein 1909–1910 errichtetes Erholungsheim für Eisenbahnbeamte in Bad Karlshafen „seiner Bestimmung und Lage entsprechend ... ein landhausmäßiges Gepräge“.<ref>Alois Holtmeyer: Erholungsheim für Eisenbahner in Karlshafen. In: Zentralblatt der Bauverwaltung. 31. Jahrgang 1911, S. 473.</ref>

Eine besondere Manifestation fand die Rezeption des Weserbarock in den Kurorten des Wesergebiets, so in Bad Karlshafen (Kurort ab 1838), Bad Pyrmont (Kurhotel), Bad Nenndorf (ehemaliges Schwefelbadehaus am Kurpark, vollendet 1906), Bad Eilsen (Fürstenhof 1918) und Bad Driburg (Kurklinik „Bad Hermannsborn“, errichtet 1924/25 durch Julius Beckmann aus Barmen). Unter den kirchlichen Bauten ist die 1915–25 errichtete Missionsschule St. Xaver in Bad Driburg zu nennen.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Eva-Maria Höper: Ambrosius von Oelde. Ein Kapuzinerarchitekt des Frühbarock im Dienst der westfälischen Fürstbischöfe. (= Rhenania Franciscana Antiqua). Band 5, Dülmen 1990.
  • Andreas Jakob: Die barocke Stadtanlage von Karlshafen und ihre europäischen Wurzeln. Ein Beitrag zur Gründung der „Hugenottenstadt“ vor 300 Jahren durch Landgraf Carl von Hessen-Kassel. In: Jahrbuch der Hessischen Kirchengeschichtlichen Vereinigung. Bd. 51, 2000, ISBN 3-931849-05-8, S. 3–41.
  • Klaus G. Püttmann: Die barocken Schloßbauten Justus Wehmers in Westfalen. Zu Bedingungen und Wegen in der Architekturrezeption. (= Denkmalpflege und Forschung in Westfalen. Bd. 13). Habelt, Bonn 1986, ISBN 3-7749-2284-5.
  • Theodor Rensing: Baumeister neben und um Schlaun in den Bistümern Münster, Paderborn und Hildesheim. In: Kurfürst Clemens August. Landesherr und Mäzen des 18. Jahrhunderts. DuMont Schauberg, Köln 1961, S. 286f.
  • Fritz Sagebiel: Baumeister in und um Corvey unter besonderer Berücksichtigung der Neuzeit. Tölle, Detmold 1973.
  • Karl Josef Schmitz: Grundlagen und Anfänge barocker Kirchenbaukunst in Westfalen. Verein für Geschichte und Altertumskunde Westfalens. Paderborn 1969.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references />