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Wilhelm Carl Raydt

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Wilhelm Carl Ludwig Raydt<ref name="GWLB">Raydt, Wilhelm Carl Ludwig in der Datenbank Niedersächsische Personen (Neueingabe erforderlich) der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek – Niedersächsische Landesbibliothek (GWLB) in der Bearbeitung vom 27. Januar 2012, zuletzt abgerufen am 29. Oktober 2016</ref> (auch: Rhaidt;<ref name="eurammon Mai 2011">Kohlendioxid – CO2 – R 744 – (Kohlensäure) / Zur Geschichte eines interessanten Stoffes, In: eurammon-Information, Nr. 11, überarbeitete Version von Mai 2011, hrsg. von eurammon, Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.herunterladbar (Memento vom 17. November 2006 im Internet Archive) als PDF-Dokument</ref> * 1. Februar 1843 in Lingen; † 21. April 1908 in Stuttgart) war ein deutscher Chemiker, Gymnasiallehrer, Erfinder und Unternehmer.<ref name="GWLB"/><ref group="Anm.">Als abweichendes Geburtsjahr wird in der Literatur auch das Jahr 1842 angegeben, das laut der Datenbank der GWLB als „[...] (wohl falsch)“ bezeichnet wurde.</ref>

Leben[Bearbeiten]

Wilhelm Raydt wurde 1843 im Königreich Hannover in Lingen geboren,<ref name="GWLB"/> im selben Jahr, als in der Residenzstadt Hannover mit der Einweihung der ersten Eisenbahnlinie am späteren Hauptbahnhof das Zeitalter der Industrialisierung Fahrt aufnahm.<ref>Waldemar R. Röhrbein: Eisenbahn. In: Klaus Mlynek, Waldemar R. Röhrbein (Hrsg.) u. a.: Stadtlexikon Hannover. Von den Anfängen bis in die Gegenwart. Schlütersche, Hannover 2009, ISBN 978-3-89993-662-9, S. 153–156; hier: S. 154.</ref> In seiner Heimatstadt Lingen legte Raydt am Georgianum sein Abitur ab, um anschließend in Hannover an der dortigen Technischen Hochschule, in Göttingen an der Georg-August-Universität sowie in Berlin an der dortigen Universität zu studieren. 1869 promovierte er in Göttingen zum Thema Die Ausdehnung fester und flüssiger Körper durch die Wärme und eine neue Methode zur Bestimmung derselben.<ref name="GWLB"/>

Nach seinen Studien arbeitete Raydt als Oberlehrer für Mathematik und Physik am damaligen Realgymnasium Hannover.<ref name="GWLB"/>

In der Gründerzeit des Deutschen Kaiserreichs erfand Wilhelm Raydt ein Verfahren zum „Heben von Lasten in Wasser und in der Luft“ unter Anwendung komprimierten Kohlendioxids (CO2)<ref name="GWLB"/> im Jahr 1877.<ref name="Teststäbchen">Georg Schwedt: Dynamische Chemie. Schnelle Analysen mit Teststäbchen, Weinheim: Wiley-VCH, 2015, ISBN 978-3-527-33911-2 und ISBN 3-527-33911-6, S. 2; Vorschau über Google-Bücher</ref><ref group="Anm.">Davon abweichend nennt die GWLB das Datum 1878 als Jahr der Erfindung.</ref> Über Raydt berichtete die Eurammon, eine Initiative für natürliche Kältemittel:

„“

Nur wenig später folgte 1880 das von Raydt gefundene „Verfahren und Apparate um mittels tropfbarer flüssiger Kohlensäure Wasser zu imprägnieren, zu heben und zu werfen“.<ref name="GWLB"/> Seit 1881 befasste er sich in Hannover auch mit der Konstruktion von CO2-Maschinen.<ref name="eurammon Mai 2011"/> Der Chemiker Hugo Kunheim erwarb nun Patente<ref name="GWLB"/> oder Lizenzen von Raydt für die Chemische Fabrik Kuhnheim & Co. mit Sitz in Berlin-Niederschöneweide, wodurch dort im Jahr 1882 „[...] die erste industrielle Produktion von flüssigem CO2 in Deutschland“ aufgenommen werden konnte.<ref name="eurammon Mai 2011"/> Das Berliner Unternehmen nutzte Raydts Erfindung für die Herstellung von künstlichem Mineralwasser und für Bierzapfanlagen.<ref name="GWLB"/>

Datei:Franz Heuser & Co., Hannover Hannoversche Kohlensäure-Industrie und Metallwaaren-Fabrik Rechnungsvordruck um 1900 Glockseestraße 37 Detail 600dpi.jpg
„Hannoversche Kohlensäure-Industrie und Metallwaaren-Fabrik“; Spezialitäten unter anderem: „Bierdruckapparate mit flüssiger Kohlensäure (System Raydt)“;
Briefkopf eines Rechnungsbogens von Franz Heuser & Co. in der Glockseestraße 37 in Hannover, datiert Ende 1902; Lithografie von A. Brager & Scherrer

Der Unternehmer Heinrich Dräger, Begründer der Drägerwerke, berichtete in seinen 1914 veröffentlichten Lebenserinnerungen ... vom Inhalt eines Zeitungsartikels der 1880er Jahre: Der „[...] Erfinder Dr. Rhaidt beabsichtige, [... flüssige Kohlensäure] in Flaschen zu füllen und zum Bierausschank zu verwenden. Deshalb hätte er sich mit einer Firma in Hannover verbunden, und ihre Apparate würden demnächst in den Handel kommen.“ Bei einem Druck von mindestens 35 Atmosphären würden Gastwirte – so der Zeitungsschreiber – solche „[...] Bomben“ aber wohl kaum ins Haus holen und auch „[...] die Eisenbahnen solche Sprengkörper [... seinerzeit wohl nicht] befördern“ wollen.<ref name="eurammon Mai 2011"/>

Unterdessen hatte Raydt im Jahr 1884 das Britische Patent Nummer 15475 für ein „compression ice-making system using carbon dioxide“ erhalten. Nur rund zwei Jahre später brachte die Firma Rommenhöller & Co. mit Sitz in Rotterdam im Jahr 1886 die Patente Raydts zu Fall, so dass nun auch weitere CO2-Unternehmen entstehen konnten.<ref name="eurammon Mai 2011"/>

Zwischen 1892 und bis zu ihrer Auflösung im Jahr 1899 hatten sich zwischen nunmehr 6 und 20 Kohlensäurehersteller zu einer Verkaufsgemeinschaft der „KohlensäureVerkaufs-Verein Ges. mbH“ zusammengeschlossen. In der dann am 1. Januar 1901 als neue Vereinigung in Berlin gegründeten „Deutsche Kohlensäure-Gesellschaft mbH“ (DGK) waren sämtliche 30 deutschen Kohlensäurewerke beigetreten – außer der Firma Buse.<ref name="eurammon Mai 2011"/>

Ab 1894 ließ Raydt eine natürliche Kohlendioxidquelle im Neckartal erschließen. Er zog von Hannover nach Stuttgart um<ref name="GN">Manfred Fickers: Vor 135 Jahren: Lingener erfindet den Zapfhahn, Grafschafter Nachrichten, 27. Juni 2016</ref> und gründete dort 1895 die Aktiengesellschaft Kohlensäure-Industrie Dr. Raydt A.G.<ref name="GWLB"/> Außerdem forschte er an Verfahren, um Kohlendioxid aus Rauchgas abzuscheiden.<ref name="GN"/>

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Die Ausdehnung fester und flüssiger Körper durch die Wärme und eine neue Methode zur Bestimmung derselben, 1869

Literatur[Bearbeiten]

  • Wilhelm Rothert: Allgemeine Hannoversche Biografie (in Frakturschrift), Bd. 1: Hannoversche Männer und Frauen seit 1866; Hannover: Sponholtz, 1912, S. 362
  • Manfred Fickers: Raydt, Wilhelm Carl Ludwig (Erfinder, Unternehmer). In: Emsländische Geschichte, hrsg. von der Studiengesellschaft für emsländische Regionalgeschichte, Bd. 18 (2011), ISBN 978-3-9814041-3-5, S. 256–267

Weblinks[Bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten]

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Einzelnachweise[Bearbeiten]

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