Wilhelm Kettler
Wilhelm Kettler (* 20. Juli 1574 in Mitau; † 17. August 1640 in Kucklow) war Herzog von Kurland von 1585 bis zu seiner Absetzung 1616. Er entstammte dem westfälischen Adelsgeschlecht Ketteler.
Leben[Bearbeiten]
Wilhelm Kettler wurde als Sohn des Herzogs Gotthard Kettler und dessen Frau Anna geboren. Im Wintersemester 1590/91 schrieb er sich zum Studium an der Universität Rostock ein, begleitet von seinem Instrukteur Johannes Simonius.<ref>Siehe dazu den Eintrag der Immatrikulation von Guilhelmus in Livonia, Curlandia et Semgalliae dux im Rostocker Matrikelportal</ref> Kettler unternahm zahlreiche weite Reisen, überliefert ist eine Reise nach Heldburg und Coburg zur Hochzeit Johann Casimir (Sachsen-Coburg) mit Prinzessin Margarethe von Braunschweig-Lüneburg im September 1599.<ref>Das fürstliche Beilager Herzog Johann Casimirs auf Schloss Heldburg und in Coburg. siehe: Norbert Klaus Fuchs: Das Heldburger Land–ein historischer Reiseführer. Verlag Rockstuhl, Bad Langensalza 2013, ISBN 978-3-86777-349-2.</ref> Seit 1609 war er mit Sophie von Preußen (1582–1610), Tochter von Albrecht Friedrich von Preußen und dessen Frau Marie Eleonore von Jülich-Kleve-Berg, verheiratet.<ref>Wilhelm Kettler, Herzog von Kurland und Semgallen, * 1574. In: geneall.net. Abgerufen am 24. August 2015.</ref>
Nach dem Tode seines Vaters 1587 wurde er gemeinsam mit seinem Bruder Friedrich Kettler Herzog von Kurland und Semgallen. Mit seiner Volljährigkeit wurde das Erbe durch den Vertrag von Hofzumberge vom 21. Mai 1596 geteilt.<ref>August Robert Seraphim: Die Geschichte des Herzogtums Kurland (1561–1795). Franz Kluge, Reval, 2., erweiterte Aufl. 1904, S. 44.</ref> Wilhelm wurde Herzog von Kurland. Während seiner Regierungszeit versuchte Wilhelm, den Einfluss des kurländischen Adels zurückzudrängen. Er orientierte sich dabei am Vorgehen Markgraf Georg Friedrich I. von Brandenburg-Ansbach, der von 1572 bis 1603 vormundschaftlich das Herzogtum Preußen verwaltete und dort den Einfluss der Stände erfolgreich zurückgedrängt hatte. Wilhelms Versuch, die Güterrecognition – jeder neue Gutseigentümer musste sich seinen Besitz vom Herzog bestätigen lassen und dabei den Eid auf die Landesherrschaft leisten – zur Disziplinierung des Adels zu benutzen, rief den Widerstand der kurländischen Ritterschaft hervor. Möglicherweise spekulierte Herzog Wilhelm darauf, dass der polnische König Sigismund III. Wasa mit seinem Eingreifen in die Moskauer Thronfolgewirren (Smuta) beschäftigt sei und daher die Ereignisse in Kurland nicht weiter beachten würde. Dies war jedoch nicht der Fall, da die königlichen Beamten vor Ort für die Beschwerden des Adels stets ein offenes Ohr hatten. Als der Konflikt Wilhelms mit den Ständen in der Ermordung von zwei Adeligen, der Gebrüder Nolde, die dazu noch in königlichen Diensten standen, gipfelte (die sogenannten Noldeschen Händel), setzte der König eine Untersuchungskommission unter dem Bischof von Wenden Otto Schenking ein. Am 6. Mai 1616 wurde Herzog Wilhelm durch den polnischen Sejm, vor dem er gar nicht erst erschienen war, für abgesetzt, und sein Bruder Friedrich zum Alleinherrscher von Kurland und Semgallen erklärt.<ref name="Oberländer">Erwin Oberländer: Das Herzogtum Kurland 1561-1795. In: Peter Claus Hartmann (Hrsg.): Regionen in der Frühen Neuzeit – Reichskreise im deutschen Raum, Provinzen in Frankreich, Regionen unter polnischer Oberhoheit: Ein Vergleich ihrer Strukturen, Funktionen und ihrer Bedeutung. Duncker & Humblot GmbH, 1994, JSTOR:jj.16834365.13(?!).</ref><ref>Bogusław Dybaś: Die Alt-Livländischen Gebiete im Rahmen der Polnisch-Litauischen Republik. In: Zapiski Historyczne. Band 76, Nr. 4, 2011, S. 25–42 (zapiskihistoryczne.pl [PDF]).</ref>
Er hielt sich danach am Hof der Herzöge von Pommern in Stettin auf und erhielt von Herzog Bogislaw XIV. 1628 die erledigte Dompropstei Kucklow, die zum Domkapitel Kammin gehörte. Dort starb er 1640.
Sein einziger Sohn Jakob Kettler wurde ab 1638 Mitregent Friedrichs und beerbte ihn nach dessen Tod 1642.
Das Herzogtum gab eine eigene Währung heraus, berühmt ist der sogenannte Dreigröscher mit dem Porträt des Wilhelm von Kettler.<ref>Europäische Münzen und Medaillen – Polen – Kurland, Herzogtum. In: sixbid.com. Sixbid AG, abgerufen am 24. August 2015.</ref>
Literatur[Bearbeiten]
- Friedrich von Kettler: Stammtafeln der Familie Kettler (Ketteler). Starke, Görlitz 1900, OCLC 247977607.
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references />
| Vorgänger | Amt | Nachfolger |
|---|---|---|
| Friedrich | Herzog von Kurland 1595–1616 | Verwaltung durch die Ritterschaft |
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Kettler, Wilhelm |
| ALTERNATIVNAMEN | Wilhelm Kettler, Herzog von Kurland |
| KURZBESCHREIBUNG | Herzog von Kurland |
| GEBURTSDATUM | 20. Juli 1574 |
| GEBURTSORT | Mitau |
| STERBEDATUM | 17. August 1640 |
| STERBEORT | Kucklow |
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- Herzog (Kurland)
- Familienmitglied des Adelsgeschlechts Ketteler (Linie Kurland)
- Rektor (Universität Rostock)
- Dompropst (Cammin)
- Deutsch-Balte
- Geboren 1574
- Gestorben 1640
- Mann