Wilhelm von Rahden
Wilhelm Baron von Rahden (* 13. April 1790 in Poplan<ref name="Stavenhagen">Oskar Stavenhagen: Genealogisches Handbuch der baltischen Ritterschaften. Teil 3, 2: Kurland. Lfg. 9–12, Görlitz, Sp. 731 (personen.digitale-sammlungen.de).</ref> oder 10. August 1793 Neu-Pomusch<ref name="Lessel84">Max von Lessel: 235. Wilhelm von Rahden. In: Gedenkblätter des Offizier-Korps Infanterie-Regiments Prinz Louis Ferdinand von Preussen (2. Magdeburgisches) Nr. 27. R. Eichenschmidt, Berlin 1890, S. 84–85 (Textarchiv – Internet Archive).</ref> bei Breslau; † 2. oder 3. November 1860 auf Schloss Friedenstein, Gotha) war ein deutscher Offizier und Schriftsteller.
Leben[Bearbeiten]
Von Rahden war Angehöriger des kurländischen Adelsgeschlechtes der Barone von Rahden. Sein Vater Christoffer Reinhold von Rahden (5. April 1757 – 17. Februar 1824), preußischer Leutnant und Kirchspielsbevollmächtigter für Neuhausen in Kurland, hatte Karoline Friederika von Klinkowsky († vor 1799) geheiratet, die Tochter eines reichen Kammerpräsidenten, wodurch er Erbherr auf Karpischek und Birsen in Litauen wurde. Nach der Vermählung nahm er seinen Abschied vom Militär und erwarb einen Gutshof, den er jedoch durch schlechte Bewirtschaftung schnell ruinierte und sich von seiner ersten Frau und den vier gemeinsamen Kindern trennte, die ihren zweitgeborenen Sohn zu einer schlesischen Adelsfamilie in Obhut gab. Er hatte einen älteren Bruder und zwei jüngere Schwestern aus dieser Verbindung sowie eine Halbschwester aus der zweiten Ehe seines Vaters.<ref name="Stavenhagen" /> Im Alter von zehn Jahren wurde er auf die Kadettenschule in Kalisch geschickt und trat im März 1809 als Bombardier der Artillerie in Glatz in den preußischen Militärdienst ein. Nachdem er die Kriegsschule in Breslau absolviert hatte, erhielt von Rahden im Februar 1813 sein Leutnantspatent.<ref>Peter Wiede: Wilhelm Rüstow (1821 bis 1878) Ein Militärschriftsteller der deutschen Linken. 1957, S. 200–203 (Textarchiv – Internet Archive).</ref> Er in diesem Rang in den Feldzügen von 1813 bis 1815 und wurde bei Gefechten in Lützen, in der Schlacht bei Bautzen, der Schlacht bei Leipzig und der Schlacht bei Waterloo (Belle-Alliance) verwundet.
Nach seinem Abschied aus dem preußischen Militärdienst, im Herbst 1829 im Rang eines Hauptmanns, reiste er nach Sankt Petersburg, wo er die Stelle eines Kapitäns im Generalstab der kaiserlich russischen Armee erhielt. Von Rahden kehrte bereits im August 1830 nach Preußen zurück. 1832 diente er als Kanonier bei der Verteidigung der Zitadelle von Antwerpen, wo er erneut schwer verwundet wurde. Er wurde zum Kapitän à la suite ernannt und wurde für eine Reise einer Reife nach London vorübergehend beurlaubt. Von dort kam er über Frankreich nach Spanien, wo er als Freiwilliger in den Reihen der Karlisten am Gefecht bei San Sebastian teilnahm und anschließend zum Oberst der Artillerie ernannt wurde. 1837 kämpfte er in allen Schlachten der „königlichen Expedition“ und war als Kommandant des Geniekorps den Winter über bis 1838 mit Hafenbefestigungen an der kantabrischen Küste beauftragt. Von Rahden kam anschließend als Oberst in den Generalstab von Rafael Maroto und diente als Stabschef in der Armee beim Feldzug von 1839 des Generals Ramón Cabrera y Griño.
Im Rang eines Brigadegenerals kehrte er schwer verwundet nach Deutschland zurück. Dort verfasste er die Werke über seine Kriegse rlebnisse und lebte von 1845 bis 1849 bei der Herzogin Dorothea von Sagan. Danach trat er kurzzeitig erneut in den Militärdienst ein, kämpfte erst für Schleswig und dann gegen die badischen Insurgenten. 1849 wohnte er auf dem gothaischen Schloss Friedenstein in der Umgebung des Herzogs von Sachsen-Coburg und Gotha, wo er 1860 starb.<ref>Herrmann Julius Meyer: Neues konversations-lexikon ein Wörterbuch des allgemeinen Wissens. Bibliographischen Institut, Hildburghausen 1861, S. 428–429 (Textarchiv – Internet Archive).</ref>
Militärlaufbahn und Auszeichnungen[Bearbeiten]
- 16. Februar 1808 Unteroffizier in der Schlesischen Artillerie-Brigade
- 1810 Portepee-Fähnrich im 2. Schlesischen Infanterie-Regiment
- 1. Februar 1813 Sekondlieutenant
- 1813 bis 1815 Feldzüge gegen Frankreich
- 1813 Eisernes Kreuz 2. Klasse (in der Schlacht bei Kulm)
- 18. März 1820 Premierlieutenant
- 1821 dienst im topographischen Büro in Berlin
- 1824 dienst im Lehr-Infanterie-Bataillon
- 20. April 1829 dem 27. Infanterie-Regimente aggregiert
- 14. September 1829 als Kapitain (Hauptmann) Abschied bewilligt
- 20. Juli 1831 als interimistischer Kompagnieführer des 3. Bataillon (Löwenbergsches) 6. Landwehr-Regiments einrangiert
- 11. Februar 1833 von dem Verhältnisse zur Landwehr entbunden
- 1833 als Kapitän à la suite in Niederländische Dienste getreten
- Mai 1837 als Oberstlieutenant in Spanisch-Karlistische Dienste getreten
- 1837 bis 1839 Teinnahme am Bürgerkrieg in Spanien
- Januar 1840 als General verabschiedet
- 1850 Herzoglich Sachsen-Koburg-Gothaischer General à la suite zu Gotha<ref name="Lessel84" />
- 1857 Ehrenritter des Johanniterordens der Balley Brandenburg<ref>Wochenblatt der Johanniter-Ordens-Balley Brandenburg. 1. Jahrgang, Nr. 8. Berlin 21. November 1860 (Textarchiv – Internet Archive).</ref>
Kritiken[Bearbeiten]
Im zweiten Band seiner Wanderungen eines alten Soldaten berichtete er unter anderem über seine Erfahrungen mit dem Kriegsminister Job von Witzleben. Dies kam nicht bei allen Lesenden gut an, so dass Otto Theodor von Manteuffel 1848 unter dem Titel Widerlegung der von dem Hauptmann a.D. von Rahden gegen den verstorbenen Kriegminister General-Lieutenant von Witzleben erhobenen Beschuldigungen eine Gegendarstellung veröffentlichte, in der er die Anschuldigungen als haltlos zurückwies.<ref>Otto Theodor von Manteuffel: Widerlegung der von dem Hauptmann a.D. von Rahden gegen den verstorbenen Kriegminister General-Lieutenant von Witzleben erhobenen Beschuldigungen. E. S. Mittler, Berlin Januar 1848 (archive.org).</ref> Dieser Kritik begegnete von Rahden umgehend mit einer Antwort in der Breslauer Zeitung, in der er einige Ungenauigkeiten einräumte.<ref>Wilhelm von Rahden: Entgegnung auf die im Verlag bei E. S. Mittler erschienene Widerlegung der vom Hauptmann a. D. von Rahden gegen den verstorbenen Kriegsminister, General-Lieutenant von Witzleben erhobenen Beschuldigungen. In: Breslauer Zeitung. Nr. 39. Graß, Barth und Comp., Breslau 16. Februar 1848, S. 369 (Textarchiv – Internet Archive).</ref>
Der Historiker Heinz Gollwitzer schrieb 1953 über ihn:
„[…] ein herzlich ungeschickter Mann der preußische Hauptmann, niederländische Oberstleutnant und spanische Brigadegeneral Wilhelm Baron von Rahden, ein ehrenhafter, tapferer, aber etwas empfindlicher, querulantischer, naiver und außerhalb seines Kriegshandwerks innerlich gehemmter Haudegen, dessen mehrbändiges Werk ‚Wanderungen eines alten Soldaten‘ wertvolle Aufschlüsse über die soziale Struktur und die seelische Verfassung eines gewissen kleinadeligen Offiziersproletariats gewähren“<ref>Heinz Gollwitzer: Historische Zeitschrift. Band 176. R. Oldenbourg Verlag, München 1953, S. 502 (Textarchiv – Internet Archive).</ref>
Schriften[Bearbeiten]
- Cabrera. Erinnerungen aus dem spanischen Bürgerkrieg. Wilmans Verlag, Frankfurt am Main 1840 (archive.org – eine biografische Skizze über das Leben Don Ramm Cabreras, zugleich der Vorläufer zu den Wanderungen).
- Wanderungen eines alten Soldaten. 3 Bände.
- Band 1: Befreiungskrieg von 1813, 1814 und 1815. Verlag Alexander Duncker, Berlin 1846 (archive.org, Ihrer Herzoglichen Durchlaucht der regierenden Frau Herzogin zu Sagan, Prinzessin von Curland und Semgallen, Herzogin von Talleyrand, des souverainen Johanniter-Malteser-Ordens Großkreuz-Dame gewidmet).
- Band 2: 15 Friedensjahre. Aufenthalt in Rußland, Rückkehr 1830. Feldmarschall Graf Gneisenau und General der Infanterie von Grolman. Die Citadelle von Antwerpen vom October 1830 bis Ende 1832. Aufenthalt in Holland. Verlag Alexander Duncker, Berlin 1847 (archive.org,ohne Widmung).
- Band 3: Aus Spaniens Bürgerkrieg 1833–1840. Verlag der Deckerschen Geheimen Ober-Hoſbuchdruckerei, Berlin 1851 (archive.org, Seiner Hoheit dem regierenden Herzog Ernst zu Sachsen-Coburg und Gotha gewidmet).
- Miguel Gomez. Ein Lebenslichtbild. Verlag Alexander Duncker, Berlín 1859 (Süpplement zu Band 3 der Wanderungen).
Literatur[Bearbeiten]
- Rahden, Wilhelm, Baron von, Militär und Schriftsteller. In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Band 13, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig/Wien 1885–1892, S. 555–556.
- Wanderungen eines alten Soldaten von Wilhelm Baron von Rahden. In: Karl Linnebach (Hrsg.): Bibliographisches Repertorium. Band 6: Denkwürdigkeiten der Befreinngskriege. Behr, Berlin 1912, Sp. 431–440 (Textarchiv – Internet Archive – Rezension zu Band 1).
- Roman Polsakiewicz: Ein unbekannter Brief Bettina von Arnims an Baron Wilhelm von Rahden. In: Wirkendes Wort. Deutsche Sprache und Literatur in Forschung und Lehre. Band 36, 1986, S. 170–171.
- Oskar Stavenhagen: Genealogisches Handbuch der baltischen Ritterschaften. Teil 3, 2: Kurland. Lfg. 9–12, Görlitz, Sp. 699 und 731 (personen.digitale-sammlungen.de, personen.digitale-sammlungen.de).
Weblinks[Bearbeiten]
- Baltische Historische Kommission (Hrsg.): Eintrag zu Rahden, Wilhelm Joh. Theodor Friedrich Moritz Bar. v.. In: BBLD – Baltisches biografisches Lexikon digital
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references />
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Rahden, Wilhelm von |
| ALTERNATIVNAMEN | Rahden, Wilhelm Johann Theodor Friedrich Moritz von (vollständiger Name); Rahden, Wilhelm Baron von |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Offizier und Schriftsteller |
| GEBURTSDATUM | 13. April 1790 oder 10. August 1793 |
| GEBURTSORT | bei Breslau |
| STERBEDATUM | 3. November 1860 |
| STERBEORT | Schloss Friedenstein, Gotha |
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- Autor
- Literatur (Deutsch)
- Literatur (19. Jahrhundert)
- Hauptmann (Preußen)
- Person in den Koalitionskriegen (Russisches Kaiserreich)
- General (Spanien)
- Militärperson (Sachsen)
- Person in den Koalitionskriegen (Preußen)
- Träger des Eisernen Kreuzes II. Klasse
- Deutscher
- Deutsch-Balte
- Freiherr
- Geboren im 18. Jahrhundert
- Gestorben 1860
- Mann