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Wincenty Witos

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Datei:Witos 1920.jpg
Wincenty Witos – Foto aus dem Jahr 1920

Wincenty Witos (* 22. Januar 1874 in Wierzchosławice, Bezirk Tarnów, Österreich-Ungarn; † 30. Oktober 1945 in Krakau) war ein polnischer Politiker der PSL Piast, Mitbegründer der polnischen Bauernbewegung und Journalist. Er war von Juli 1920 bis September 1921, von Mai bis Dezember 1923 sowie für wenige Tage im Mai 1926 (bis zum Maiputsch) Ministerpräsident der Republik Polen.

Leben[Bearbeiten]

Witos kam in einem kleinpolnischen Weiler in der Gemeinde Wierzchosławice unweit von Tarnów zur Welt, das damals zum österreichisch-ungarisch regierten Königreich Galizien gehörte. Seine Eltern waren Bauern und besaßen zwei Morgen Ackerland. Erst im Alter von zehn Jahren durfte er auf die Schule gehen, anschließend absolvierte er 1895 bis 1897 seinen Militärdienst in der österreichisch-ungarischen Armee.

Bereits ab 1895 war Witos Mitglied der Polnischen Volkspartei (PSL), die sich mit ihrer agrarpolitischen Programmatik vor allem nach den Bedürfnissen der Landbevölkerung im geteilten Polen richtete. In der PSL machte sich Witos aufgrund seines Engagements schnell einen Namen und wurde 1903 bis 1913 Mitglied des obersten Parteirates. Ab 1908 war er zugleich Gemeindevorsteher seines Geburtsortes und bis 1914 Abgeordneter des Galizischen Landtages (Sejm Krajowy Galicji) in Lemberg. Von 1911 bis 1918 war Witos schließlich Abgeordneter des österreichischen Reichsrates in Wien, wo er den Wahlkreis Galizien 42 (Landgemeinden der Bezirke Radłów, Wojnicz, Zakliczyn, Tarnów, Tuchów) vertrat und im Polenklub saß. Beim Auseinanderfallen der PSL in einen linken, sozialreformerischen und einen eher konservativen, christdemokratischen Flügel gehörte Witos zu letzterem. Er wurde Zweiter Vorsitzender der 1914 gegründeten Nachfolgepartei PSL „Piast“ (unter Jakub Bojko).

Während des Ersten Weltkrieges befürwortete Witos zunächst die Zusammenarbeit mit Deutschland und Österreich-Ungarn. 1915 verzichtete er allerdings als Zweiter Vorsitzender eines polnischen Nationalkomitees (Komitet Narodowy) auf die Zusammenarbeit mit der österreichisch-ungarischen Regierung. Bis zum Ende des Krieges plädierte er im Reichsrat eindeutig für die Unabhängigkeit Polens. 1917 bis 1918 war er Mitglied der Nationalen Liga (Liga Narodowa), einer demokratischen Geheimorganisation zur Vorbereitung der Wiedererlangung der Unabhängigkeit Polens. Im Oktober 1918 führte er die polnische Liquidationskommission in Krakau an.

Politische Tätigkeit in der Zwischenkriegszeit[Bearbeiten]

Anschließend war Witos von 1918 bis zur Auflösung der Partei 1931 Erster Vorsitzender der PSL Piast. Er war von 1919 bis 1930 Mitglied des polnischen Sejm und dort (mit Unterbrechungen) Vorsitzender des parlamentarischen Klubs der PSL Piast. Während des Polnisch-Sowjetischen Krieges ernannte ihn Staatschef Józef Piłsudski Ende Juli 1920, im Angesicht der unmittelbaren Bedrohung Warschaus durch die Rote Armee, zum Ministerpräsidenten der Regierung der Nationalen Verteidigung. Die polnischen Truppen gewannen im August desselben Jahres die Schlacht bei Warschau und anschließend auch den Krieg gegen die Sowjetunion insgesamt. Im Vertrag von Riga wurde im März 1921 die polnischen Ostgrenze weit über die Curzon-Linie hinaus nach Osten verschoben, große Gebiete in der heutigen Ukraine und Belarus kamen dadurch zu Polen. Anschließend zerfiel seine Regierungskoalition schrittweise. Nach dem Austritt mehrerer Parteien hatte Witos keine Mehrheit mehr und trat im September 1921 zurück. Er wurde vom Nationaldemokraten Antoni Ponikowski abgelöst.

Bei der Sejmwahl im November 1922 wurde PSL Piast drittstärkste Kraft. Ein halbes Jahr später, im Mai 1923, schloss seine Partei den „Pakt von Lanckorona“ mit der Christlichen Union der nationalen Einheit (Chrześcijański Związek Jedności Narodowej, ChZJN), welche die Wahl gewonnen hatte. An der Spitze dieser Chjeno-Piast genannten Koalition wurde Witos erneut Ministerpräsident. Generalstabschef Józef Piłsudski lehnte die Regierungsbeteiligung der rechten, aus der Narodowa Demokracja hervorgegangenen Partei ZLN strikt ab, deren antisemitische Hetze er für die Ermordung des gewählten Präsidenten Gabriel Narutowicz verantwortlich machte. Er weigerte sich, mit der neuen Regierung zusammenzuarbeiten und trat als Generalstabschef zurück. Im November 1923 ließ Witos’ Regierung Arbeiterproteste in Krakau blutig niederschlagen. Einen Monat später trat er jedoch von der Regierungsspitze zurück. Seine Nachfolge übernahm Władysław Grabski von der rechtsnationalen ZLN.

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Wincenty Witos (1931)

Als Nachfolger des zurückgetretenen Aleksander Skrzyński wurde Witos am 10. Mai 1926 erneut zum Ministerpräsidenten einer Koalitionsregierung aus PSL Piast und Christlicher Union der nationalen Einheit ernannt. Zwei Tage später begannen Anhänger Józef Piłsudskis den Maiputsch, den Witos zunächst mit der Verhängung des Ausnahmezustands abzuwehren versuchte. Nach dem Tod hunderter regierungstreuer und -feindlicher Militärs sowie Zivilisten gab Witos sein Amt am 14. Mai ebenso wie Staatspräsident Stanisław Wojciechowski auf.

Als Gegner der Sanacja („Gesundung“, ein allgemeiner Begriff für die Politik des Piłsudski-Regimes ab 1926) gründete er 1929 den oppositionellen Mitte-links-Parteienblock Centrolew, der aus PSL Piast, der Polnischen Sozialistischen Partei und kleineren Bauernparteien bestand. Zwei Monate vor der Sejmwahl im November 1930 wurde Witos ebenso wie die Anführer anderer Oppositionsparteien verhaftet und in der Festung Brest interniert. Unterdessen schloss sich die PSL Piast im März 1931 mit zwei anderen Bauernparteien zur Volkspartei (Stronnictwo Ludowe, SL) zusammen. Im Prozess von Brest, der im Oktober 1931 begann und im Januar 1932 endete, wurde er wegen eines angeblichen Umsturzversuchs zu anderthalb Jahren Gefängnis verurteilt.

Während des Berufungsverfahrens vor dem Obersten Gerichtshof (der das Urteil letztlich bestätigte) floh Witos im September 1933 in die Tschechoslowakei. Trotz seines Exils blieb er offiziell Mitglied der Parteiinstanzen der Volkspartei; 1931 bis 1935 als Vorsitzender des Hauptrates und 1935 bis 1939 als Vorsitzender des obersten Exekutivkomitees (Naczelny Komitet Wykonawczy). 1936 arbeitete Witos mit der im schweizerischen Exil gegründeten Oppositionsbewegung „Front von Morges“ zusammen. Angesichts der Zerschlagung der Tschechoslowakei und des Einmarschs deutscher Truppen in Tschechien kehrte Witos im März 1939 nach Polen zurück.

Während und nach dem Zweiten Weltkrieg[Bearbeiten]

Im September 1939 wurde er durch die deutsche Besatzungsmacht inhaftiert. Die deutschen Behörden versuchten, ihn zur Gründung einer Kollaborationsregierung zu bewegen, was er wiederholt ablehnte. Im September 1941 wurde er zwar aus der Haft entlassen, blieb jedoch bei ständiger Bewachung durch die Gestapo unter Hausarrest.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde er im nun sowjetisch besetzten Polen zum Präsidenten des Landesnationalrates in Warschau designiert, lehnte dieses Amt jedoch ab, wie auch die Einladung zu Gesprächen in Moskau über die Gründung einer polnischen Regierung der nationalen Einheit (Rząd Jedności Narodowej). Ab August 1945 wurde er erneut Vorsitzender der PSL, erkrankte jedoch stark und verstarb zwei Monate später im Krakauer Krankenhaus der Barmherzigen Brüder.

Weblinks[Bearbeiten]

Commons: Wincenty Witos – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

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