Wissenschaftliche Gesellschaft Schewtschenko
| Wissenschaftliche Gesellschaft Schewtschenko | |
|---|---|
| Gründung | 11. Dezember 1873 |
| Ort | Lwiw, |
| Leitung | Roman Kuschnir |
| Website | ntsh.org |
Die Wissenschaftliche Gesellschaft Schewtschenko ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)) ist die älteste ukrainische wissenschaftliche Organisation.
Geschichte[Bearbeiten]
Gründung und Blüte[Bearbeiten]
Die nach dem ukrainischen Nationaldichter Taras Schewtschenko benannte Gesellschaft wurde am 11. Dezember 1873 in Lwiw, der damaligen galizischen Hauptstadt in der österreichisch-ungarischen Monarchie, als Literaturgesellschaft mit dem Ziel gegründet, die Entwicklung der ukrainischen Literatur und Sprache zu fördern. 1892 wurde der Name, nachdem sich die Gesellschaft eine aktualisierte Charta gegeben hatte und sich in eine echte multidisziplinäre Akademie der Wissenschaften gewandelt hatte, in Wissenschaftliche Gesellschaft geändert.<ref name="ntsh">Geschichte der Gesellschaft auf der Website der Wissenschaftlichen Gesellschaft Schewtschenko; abgerufen am 3. Mai 2017 (ukrainisch)</ref>
Die Gesellschaft wurde von den Mäzenen Jelysaweta Myloradowytsch, Oleksandr Konyskyj und Dmytro Pyltschykow gegründet. Ursprünglich trug sie den Namen Literarische Gesellschaft Schewtschenko. Aus der Westukraine schlossen sich Stepan Katschala und Julian Romantschuk an; außerdem unterstützten die Gründung die Wiener Gesellschaft Sitsch sowie 32 weitere Förderer.<ref>Oleh Kuptschynskyj: НАУКОВЕ ТОВАРИСТВО ІМ. ШЕВЧЕНКА. In: Енциклопедія історії Україн. Band 7. Naukowa Dumka, Kyjiw 2010, ISBN 978-966-00-1061-1, S. 203 (org.ua [PDF]).</ref> Zu den Wissenschaftlern und Künstlern der Anfangszeit zählten unter anderem Wolodymyr Antonowytsch, Mychajlo Drahomanow, Kostjantyn Mychajltschuk, Pantelejmon Kulisch, Iwan Netschuj-Lewyzkyj, Omeljan und Oleksandr Ohonowskyj, Kornylo Suschkewytsch, Lohyn Lukaschewytsch und Teofil Baranowskyj.<ref>Члени Наукового товариства імені Шевченка на фотокартках Київського губернського жандармського управління. In: Історична правда. (com.ua [abgerufen am 23. Dezember 2025]).</ref>
Sie war die erste ukrainische öffentliche Institution, die den Namen Taras Schewtschenkos im Namen trug.<ref name="ntsh" /> Im deutschen Sprachraum finden sich verschiedene Übersetzungen wie Schewtschenko-Gesellschaft der Wissenschaften, Wissenschaftliche Schewtschenko-Gesellschaft, Schewtschenko Wissenschaftliche Gesellschaft u. a., im englischsprachigen Raum wird sie mit Shevchenko Scientific Society übersetzt.
1. (untere) Reihe: Mychajlo Pawlyk, Jewhenija Jaroschynska, Natalija Kobrynska, Olha Kobyljanska, Sylwestr Lepkyj, Andrij Tschaikowskyj, Kostjantyn Pankiwskyj
2. Reihe: Iwan Kopatsch, Wolodymyr Hnatjuk, Ossyp Makowej, Mychajlo Hruschewskyj, Iwan Franko, Oleksandr Kolessa, Bohdan Lepkyj
3. (oben) Reihe: Iwan Petruschewytsch, Filaret Kolessa, Jossyp Kyschakewytsch, Iwan Trusch, Denys Lukijanowytsch, Mykola Iwasjuk
Die Gesellschaft verband ukrainische Intellektuelle auf beiden Seiten der österreichisch-russischen Grenze und förderte so, wie auch die 1868 in Lwiw gegründete Proswita, die Idee der ukrainischen nationalen Wiedergeburt auch im russisch regierten Teil der Ukraine, in der seit dem Emser Erlass von 1876 die Verwendung der ukrainischen Sprache in der Literatur unter Strafe stand. Ende des 19. Jahrhunderts wurde eine Bibliothek (die vollständigste und systematischste Sammlung ukrainischer Bücher, mit 1914 70.000 katalogisierten Büchern und 500 Manuskripten), ein Museum mit 15.047 Artefakten im Jahre 1920, sowie eine Buchhandlung in Lwiw gegründet.<ref name="Encyclopedia">Eintrag zur Shevchenko Scientific Society in der Encyclopedia of Ukraine; abgerufen am 3. Mai 2017 (englisch)</ref>
Während des größten Teils ihrer Geschichte hatte die Gesellschaft eine historisch-philosophische, eine philologische und eine mathematisch-medizinisch-naturwissenschaftliche Abteilung.<ref name="ntsh" />
Unter der von 1897 bis 1913 andauernden Präsidentschaft von Mychajlo Hruschewskyj erwarb sich die Gesellschaft wissenschaftliches Prestige und eine pan-ukrainische Bedeutung. Sie wurde zu einer de facto Akademie der Wissenschaften, der nahezu sämtliche ukrainische Gelehrte angehörten.<ref name="Encyclopedia" />
Niedergang ab dem Ersten Weltkrieg und Auflösung in der Sowjetunion[Bearbeiten]
Während der russischen Besetzung von Lwiw (1914–1915) im Ersten Weltkrieg wurde die Gesellschaft geschlossen und vieles zerstört. Nach Kriegsende fand die Wiederbelebung der Gesellschaft im nun polnischen Lwiw unter schwierigen Bedingungen statt, da sie Repressalien durch die polnischen Behörden ausgesetzt war. Nachdem die Sowjets Ende 1939 Lwiw besetzt hatten, lösten sie die Gesellschaft auf und führten ihre Museen und Sammlungen anderen Organisationen zu. Einige ihrer Mitglieder wurden verhaftet und hingerichtet und viele Mitglieder gingen in die Emigration. Diese nahmen 1947 auf einem Kongress in München die Aktivitäten der Gesellschaft wieder auf und gründeten in den folgenden Jahren vier Zentren: 1947 in den USA (siehe: Shevchenko Scientific Society in the US), 1949 in Kanada, 1950 in Australien sowie ein westeuropäisches Zentrum bei Paris.<ref name="ntsh" />
Neugründung während des Zerfalls der Sowjetunion[Bearbeiten]
Während der Perestroika in der Sowjetunion konnte die Gesellschaft am 21. Oktober 1989 wieder in Lwiw aktiv werden und unternahm in der Folgezeit ein groß angelegtes Forschungs- und Publikationsprogramm. Seit der ukrainischen Unabhängigkeit wandte sich die neue Gesellschaft in eine öffentliche Akademie mit sechs wissenschaftlichen Sektionen, 35 Ausschüssen und 15 Niederlassungen in den regionalen Zentren der Ukraine.<ref name="ntsh" />
Vorsitzende der Wissenschaftlichen Gesellschaft[Bearbeiten]
- Kornylo Suschkewytsch ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value), 1873–1885)
- Sydir Hromnyzkyj ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value), 1885–1887, 1889–1891)
- Demjan Hladylowytsch ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value), 1887–1889, 1891–1892)
- Julian Zelewytsch ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value), 1892–1893)
- Oleksandr Barwinskyj ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value), 1893–1897)
- Mychajlo Hruschewskyj ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value), 1897–1913)
- Stepan Tomaschiwskyj ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value), 1913–1918)
- Wassyl Schtschurat ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value), 1919–1923)
- Kyrylo Studynskyj ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value), 1923–1932)
- Wolodymyr Lewyzkyj ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value), 1932–1935)
- Iwan Rakowskyj ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value), 1935–1940)
- Oleh Romaniw ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value), 1989–2005)
- Oleh Kuptschynskyj ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value), 2005–2014)
- Roman Kuschnir ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value), seit 2014)
Shevchenko Scientific Society in the US[Bearbeiten]
Nachdem die Wissenschaftliche Gesellschaft 1940 in der Sowjetunion aufgelöst worden war, gründete sich 1948 im US-amerikanischen Bundesstaat New York in der Tradition der 1873 gegründeten Gesellschaft die Shevchenko Scientific Society in the US ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)). Deren Zentrale, die neben Büros und Hörsälen eine Fachbibliothek und ein Archiv besitzt, befindet sich in New York City, 63 Fourth Avenue. Niederlassungen befinden sich in Washington, D.C., Philadelphia, Chicago, Detroit, Cleveland und Boston. Ein Schwerpunkt der Society ist die Vergabe von Stipendien an Studierende und Forschungsstipendien an Gelehrte. Außerdem beteiligt sich die Gesellschaft an nationalen und internationalen wissenschaftlichen Konferenzen und Kongressen zur Ukrainistik und Slawistik und veröffentlicht wissenschaftliche Arbeiten in unterschiedlichen Sprachen, darunter drei multimediale Enzyklopädien der Ukraine.<ref>Website der Shevchenko Scientific Society in the US; abgerufen am 3. Mai 2017 (englisch)</ref>
Literatur[Bearbeiten]
- Martin Rohde: Nationale Wissenschaft zwischen zwei Imperien. Die Ševcenko-Gesellschaft der Wissenschaften, 1892–1918. V&R unipress, Wien 2021, ISBN 978-3-8471-1390-4.
Weblinks[Bearbeiten]
- Website der Gesellschaft
- Handbuch der ukrainischen Literatur auf ukrlit.vn.ua (ukrainisch)
- Shevchenko Scientific Society in der Enzyklopädie der Geschichte der Ukraine (ukrainisch)
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references />