Zahlenanalphabetismus
Zahlenanalphabetismus (engl. innumeracy) bezeichnet rechnerisches Unvermögen und somit die Schwäche, Sachverhalte in Zahlen oder Wahrscheinlichkeiten darzustellen, beziehungsweise zahlenmäßig dargestellte Sachverhalte zu verstehen. Manchmal werden Personen, die Zahlenanalphabeten sind, als Innumeraten bezeichnet.
1982 beschrieb Douglas R. Hofstadter die „Innumeracy“ in seiner monatlichen Kolumne im Scientific American, in der deutschen Übersetzung wird von „Zahlenblindheit“ gesprochen.<ref name=":0"></ref> Hofstadter benennt insbesondere das fehlende Verständnis von Größenordnungen und Größenverhältnissen von Zahlen als ein gesamtgesellschaftliches Problem.
Beispielhaft nennt er eine Klasse von Physikstudenten, in der die Höhe des Empire State Building auf Werte zwischen 15 Metern und 1,6 Kilometern geschätzt wurde.<ref name=":0" details="S. 124" /> In anderen Kontexten sei das Problem bedeutsamer, insbesondere, wenn politisch über Millionen- und Milliardenbeträge entschieden würde, die von vielen Bürgern schwer zu fassen seien. Hofstadter empfahl, sich bewusst mit solchen Größenordnungen vertraut zu machen und sich konkrete Beispiele für Millionen- und Milliardenmengen und den folgenden Größenordnungen zu merken. Eine Verantwortung sieht Hofstadter insbesondere bei den Medien. Als harmloses Beispiel nennt er die „drei Milliarden Kombinationen“, mit denen der damals populäre Zauberwürfel beworben wurde<ref name=":0" details="S. 130" /> (und was gegenüber den tatsächlich möglichen ca. 4,3 × 1019 Permutationen<ref>The Mathematics of the Rubik's Cube. Massachusetts Institute of Technology, 17. März 2009, abgerufen am 20. Juni 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> um über zehn Größenordnungen zu niedrig ist). Problematischer werde das fehlende Verständnis beispielsweise bei Größenordnungen von Rüstungsbudgets, die Hofstadter in Schulessen, Büchereien oder Jumbo-Jets umrechnet.<ref name=":0" details="S. 138" />
Der US-amerikanische Mathematiker John Allen Paulos griff 1998 den Begriff im Buch Innumeracy. Mathematical Illiteracy and Its Consequences auf und beschreibt die Schwäche unter anderem so:
“A tendency to drastically underestimate the frequency of coincidences is a prime characteristic of innumerates, who generally accord great significance to correspondences of all sorts while attributing too little significance to quite conclusive but less flashy statistical evidence.”
„Mathematische Analphabeten neigen dazu, die Häufigkeit von Zufällen drastisch zu unterschätzen und Übereinstimmungen aller Art große Bedeutung einzuräumen, während schlüssige, nicht so spektakuläre statistische Beweise wesentlich weniger Eindruck auf sie machen.“
Zahlenanalphabetismus ist nicht zu verwechseln mit Dyskalkulie, der Schwäche, die Regeln des Zahlensystems zu verstehen und zu nutzen (Rechenschwäche).
Literatur[Bearbeiten]
- John Allen Paulos: Zahlenblind. Mathematisches Analphabetentum und seine Konsequenzen. Heyne, München 1990, ISBN 3-453-03623-9
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references />